Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Internationale Arbeiterbewegung: Tschechoslowakei

Internationales Sozialistisches Sommercamp

Inprekorr Nr. 240, Oktober 1991 · S. 42-43 · 1.614 Wörter

Frauen Sowjetunion Gewerkschaften und Streiks Japan und Korea

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Sozialistisches aus Algerien, Tunesien und dem Sudan. Letztere konnten die Gren- Sommercamp ze erst passieren, nachdem den Grenzbehörden 700 Dollar : gezeigt worden waren (neuestes Gesetz Was sich vor einigen Jahren in der CSFR für Menschen aus der noch niemand vorzustellen wagte sogenannten Dritten Welt) • der Zusammenbruch des Stalinis- Die größte politische Bedeumus hat es ermöglicht. Die IV. tung hatte das Lager für die tsche- Internationale und ihre Jugendor- choslowakische Delegation. Sie ganisationen konnten zum ersten umfaßte. neben den Genossinnen Mal das alljährliche Sommerlager und Genossen, die der IV. Internain einem osteuropäischen Land tionale nahestehen, einzelne Mitorganisieren. In der Slowakei, glieder der Leva Alternativa, Junahe der polnischen Grenze, tra- gendliche aus dem anarchistifen sich 800 Jugendliche vom 21. schen Bereich und der Kommunibis 28. Juli. stischen Partei. Sie waren dieses Marc Fischer Jahr gefordert, über die ablaufen- Viele von ihnen hatten Be- den politischen und ökonomifürchtungen bezüglich der mate- schen Veranderungen und die riellen und technischen Bedingun- Perspektiven der Linken Auskunft gen gehegt. Sie sahen sich ge- zu geben. täuscht Insbesondere der Zugang Die Teilnahme aus Osteuropa zu einem Schloß, welches sich auf und der Sowjetunion war - wie einem nahegelegenen Hügel be schon letztes Jahr in Belgien • fand, hatte es vielen angetan. prägend für das Lager. Diese geo- Dieses diente jeden Abend als Ort graphische Erweiterung des Teilfür die Disco. Ob allerdings Bee- nehmerkreises ist Ausdruck der thoven, der an gleicher Stelle eini- gravierenden Umbrüche in Euroge Konzerte gegeben hatte, von pa. Die Trennung zwischen Westunserer Musik begeistert gewesen und Osteuropa wird weitgehend wäre, bleibt offen. aufgehoben. Der Erfolg des Lagers Um das Lager zu erreichen, verdeutlicht, daß es richtig ist, mußten zahlreiche Hindernisse offensiv auf diese neue Situation überwunden werden. Die Genos- zu reagieren und Kräfte für unsere sinnen und Genossen aus Portugal Strömung zu gewinnen. Es wurund dem spanischen Staat muß- den aber auch Probleme deutlich. ten eine zwei- bis dreitátige Bus- Die historischen und kulturellen Unterschiede gestalteten das gegenseitige Verständnis manchmal schwierig. Dies wurde bei Redebeiträgen von tschechoslovakischen und polnischen Genossinnen deutlich. Ein Treffen zwischen der deutschen und der polnischen Delegation war für beide Seiten sehr fruchtbar. Im Mittelpunkt standen die Angriffe der polnischen Regierung auf den Lebensstandart der Bevölkerung und die Bemühungen der Frauenbewegung, sich gegen Kirche, Kapital und Bürokratie durchzusetzen. Es entstanden enge Kontakte, die in Zukunft eine Zusammenarbeit an verschiedenen Punkten ermöglichen werden.

Jeder Tag hatte ein zentrales Thema: das kapitalistische Europa, die Frauenbefreiung, der Imperialismus und die "Dritte Welt", die nationalen Befreiungskämpfe und am letzten Tag Sozialismus und Demokratie. In den verschie. denen Arbeitsgruppen wurden die Themen durch Diskussionen im kleineren Kreis vertieft. Folgende können neben vielen anderen aufgezählt werden: Yugoslawien, Frauen im Maghreb, die Schuldenkrise, der Kampf des palästinensischen Volkes, Nicaragua und die Schwulen- und Lesbenbefreiung. Das zuletzt genannte Thema nimmt zunehmend größeren Raum ein und es entsteht erfreulicherweise eine Diskussion über unsere Aktivitäten und programmatischen Positionen hierzu. Die Abschlußveranstaltung auf der ausschließlich Genossinnen sprachen - war ein Beweis, daß trotz anwachsendem Nationalismus die internationale Solidarität lebendig bleibt Auf dem Lager waren mehr als ein Dutzend Organisationen vertreten, die nicht der IV. Internationale angehören. Die Genossin Eva von der schwedischen Sektion brachte die Gemeinsamkeit aller Teilnehmerinnen zum Ausdruck: *Unser Ziel ist die Errichtung einer internationalen Gesellschaft ohne Ausbeutung und Unterdrückung. Dies ist nicht über Reformen und Wahlen zu erreichen, sondern der Sturz der herrschenden Klassen, die sozialistische Revolution ist dafür notwendig.' USA

Tag der Arbeit in den USA

Am Labor Day (31.8.) haben in Washington 250.000 demonstriert Aufgerufen hatten der Gewerkschaftsverband AFL/CIO, aber auch über 180 Bürger- und Frauenorganisationen und religiose Vereinigungen. Die Demo wurde auch von der offiziellen Politik geprägt, wenn Gewerkschaftsboß Kirkland verkündete: *Wo Ihr auch hinschaut • in Ost- und Mitteleuropa, in Asien und Südafrika und nun sogar in den Republiken der Sowjetunion - ist das arbeitende Volk wie Ihr auf den Beinen und fordert sein fundamentales Recht, frei zu atmen und frei in Würde zu leben. Als nächstes folgt China! Es folgt Kuba!' Es gab aber auch ganz andere Stimmen, denn die Reallöhne der Arbeiterinnen sind im letzten Jahrzehnt um 6.8%, die der jungen sogar um ein Fünftel gesunken, die soziale Lage hat sich verschlechtert. *37 Millionen unund 100 Millionen unterversicherte Amerikaner leben in Furcht vor Krankheit, Invalidität und schlicht vor Schmerzen*, hieß es (John Sweeny). *Ungerechtigkeit und Unmoral haben zur Entlassung von über 26.000 Amerikanern geführt, nur wiel sie im vergangenen Jahr ihr Streikrecht ausübten' (Richard Trumka, Präsident der Bergarbeitergewerkschaft). Kürzlich wurde auf Initiative einer Gruppe um Anthony Mazzocchi, früher Schatzmeister der Oil, Chemical and Atomic Workers Union, ein Initiativausschuß für die Grúndung einer Arbeiterpartei (Labor Party Advocates) gegründet.

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ArbeiterInnenbewegung

Internationale der "öffentichen Unterstüt- UNGARN zung" verteilt werden. Das dürfte auf die Enteignung der eigentlichen Mehrheitsgewerkschaft hin.

auslaufen.

Enteignung ungarischer Ge- MAROKKO werkschaften Der stalinistische Nationale Abraham Serfaty

Gewerkschaftsverband SZOT ist entlassen in MSZOSZ (Nationale Föderation der ungarischen Gewerkschaften)

umgewandelt worden und erfaßt Mit dem Marokkaner Abraham mit 2.5 Mio. Mitgliedern etwa Serfaty wurde einer der amlångzwei Drittel aller gewerkschaftlich sten inhaftierten afrikanischen Organisierten. Daneben gibt es die Gefangenen entlassen. Er kam frei mit dem nationalistisch-konserva- und wurde am 13. September tiven "Demokratischen Forum' nach Frankreich ausgewiesen. (MDF) verbundene Nationale Fo- Serfaty. ein *jüdisch-arabischer deration der Arbeiterverbände Aktivist* (in seinen eigenen Wor- (MOSZ) und die mit den "Freien ten) und Gründungsmitglied der Demokraten' (SZDSZ) liierte Liga illegalen marxistischen Gruppe lial der Unabhängigen Gewerkschaf. Amam wurde 1974 vom Regime ten (FSZOL). Hassans II ins Gefängnis gewor- Ende Juni hatten sich alle drei ten.

Gewerkschaften geeinigt, das Seiner Entlassung ging eine SZOT-Vermögen entsprechend internationale Kampagne zu dieder gegenwärtigen Mitgliederzahl sem Zweck voran, in der seine untereinander aufzuteilen. Darauf- französische Frau Christine eine hin handelte die Regierung mit Un- bedeutende Rolle spielte. Sie ist terstützung der beiden kleinen Ge- auch Resultat des Drucks von werkschaften, die gerade das Seiten der französischen Regie. Abkommen unterzeichnet hatten, rung, der die Menschenrechtsversohr rasch. Am 12 Juli wurde ein letzungen ihres Nordafrikanischen Gesetz zur Enteignung des Ge- Verbündeten zunehmend peinliwerkschaftsvermögens beschlos- cher wurden. Serfaty wurde am sen. Es soll auf die einzelnen vorabend der Ankunft eines UNO. Gewerkschaften nicht entspre- Beobachterinnenteams entlassen, chend der Mitgliedschaft, sondern welches das Referendum über die KURZNACHRICHTEN • Die National Organization for Women (NOW), die bedeutendste Frauenorganisation der USA, wird vom 9.-12. Januar 1992 einen weltweiten feministischen Kongreß in Washington durchführen. • Drei Frauen (Sara Thornton, Kiranjit Ahluwalia, und Amelia Rossiter), die von ihren Männern ständig brutal mißhandelt wurden und die in dieser extremen Notlage töteten, wurden zu langjährigen Freiheitsstrafen verurteilt. Die Frauenbewegung in Groß-Britannien hat sich dieser Fälle angenommen und fordert die Freilassung der Frauen (Informationen und Solidarität über: Southall Black Sisters, 52 Norwood Road, Southall, Middlesex, UB2 4DW, Tel.: 81/571 9595). • Am 12. Oktober werden in Bern Gruppen tagen, die ein Referendum gegen den Beitritt der Schweiz zu Weltbank und IWF vorbereiten.

• Am 19. Mai dieses Jahres wurde in Tokio das Trotzki-institut Japan gegründet. Es wird von Sowjetologinnen, Historikerinnen, unabhängigen Linken und japanischen Trotzkistinnen untersützt. Leiter des Instituts ist Yoshinobu Shiokawa, der in den 50er Jahren einer der Führer der Zengakuren Studentinnenbewegung war. Das Institut wird eine vierteljährliche Zeitung herausgeben. Adresse: Trotsky Institute of Japan, c/o Akebono Mansion 203, 1-22-21, Higashi-Nakano, Nakano-ku, Tokyo 164, Japan TERMINE

UdSSR-Wohin?

Seminar der Strömung Inprekorr zur Lage und Perspektiven in Osteuropa und der UdSSR

Berlin: 6.-8. Dezember

In der letzten Ausgabe hatten wir ein Seminar zum Thema der Situation in Deutschland und den Aufgaben der Arbeiterinnenbewegung angeküdigt. Aufgrund der aktuellen Lage haben wir das Thema geändert. Das Seminar wird am Freitagabend mit einer Podiumsdiskussion beginnen, an der u.a. Ernest Mandel und Hans-Jürgen Schulz teilnehmen werden. Vertreterinnen von anderen Gruppen werden sowohl für die Podiumsdiskussion als auch für Arbeitsgruppen auf dem Seminar angefragt.

Wir wollen gemeinsam über die aktuelle Lage in der Sowjetunion und Handlungsmöglichkeiten für Sozialistinnen in der BRD diskutieren. Dazu soll es verschiedene Arbeitsgruppen und Plena geben.

Selbstbestimmung der Westsaharaüberwachen soll. SÜDAFRIKA

Noch im Juli dieses Jahres hatte Hassan Il erklärt daß Serfaty erst die Marokkanische Oberhoheit über die Westsahara anerken- Die KP zum Putsch nen músse, bevor er entlassen werden könne. Serfaty tat dieses nicht, sondern drohte mit einem Eine Woche nach dem fehige- Hungerstreik um seine Frau wie- schlagenen Staatsstreich in der dersehen zu können. UdSSR gab die KP Südafrikas eine Unter dem Vorwand, Serfaty Erklärung heraus. daß os noch zu sei brasilianischer Staatsbürger, wenig Informationen gabe. um was er selber zurückwies, wurde eine Position zu beziehen. Der KP. er dann endlich freigelassen. Verband in Natal jedoch unter- Serfaty sagte bei seiner Frei- stützte den Putsch, weil er notwe lassung, daß er immer noch zu nig geworden sei, da Gorbatseinen politischen Ansichten ste- schow die SU zerstöre und der he und sich für die Unabhängigkeit internationalen sozialistischen der Westsahara einsetze. Er wies Bewegung schade. auch auf das Schicksal von hun- Endlich rang sich die KP doch derten von Gefangenen in den noch zu einer Erklärung durch, in königlichen Kerkern hin beson- der der Coup als verfassungswiders in dem berüchtigten Gefang- drig verurteilt wurde. Gleichzeitig nis von Tazmamart wo die Gefan- kritisierte die Parteizeitung Umsegenen in vollkommener Dunkel- benzi Gorbatschow dafür, daß er heit leben müssen. mehr an seiner Präsidentschaft als Hier ist auch unsere Solidaritét am sozialistischen Projekt interesgefordert. siert soi.