Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Dokument: Palästina, Zionismus, Israel

Mythos und Wirklichkeit

· Inprekorr Nr. 239, September 1991 · S. 22-26 · 3.225 Wörter

Nahost und Palästina Arabische Welt und Golf Faschismus und Rassismus Österreich

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Der folgende Artikel wurde Ende 1969 verfaßt. Wir 2. Antizionismus heißt Kampf gegen die zionistihalten ihn für eine kurze und präzise Darstellung des sche Bewegung (von Zion, Name eines Hügels in Palästina-Problems und drucken ihn darum ab. Es Jerusalem). Diese Strömung entstand im 19. Jahrwurden nur unwesentliche Kürzungen vorgenommen, hundert und hat zum Ziel, die Juden wieder in Palästidie sich auf Quellenangaben in Zeitungen und zeitbe- na zu sammeln, um dort auf Kosten der eingeborenen dingte Beispiele beziehen. palästinensischen Bevölkerung einen jüdischen Staat 1. Der Antisemitismus ist eine rassistische Ideolo- zu gründen. In der Praxis heißt Zionismus Ausweigie, die sich gegen die Juden richtet. Er muß mit der sung oder Verjagung eines Großteils der palästinensi- Ausrottung der wirtschaftlichen, sozialen, politischen schen Bevölkerung, die so zu Flüchtlingen degradiert und psychologischen Ursachen des Rassismus, der wird. Diese Politik wird auch heute noch weitergeführt in der Gesellschaft wurzelt, bekämpft werden. Der ..., wie folgendes Zitat von J. Weitz, Direktor der Rassismus ist nichts Schicksalgegebenes, Unver- Abteilung für Kolonisierung der jüdischen Agentur für meidliches oder Geheimnisvolles und der Antise- Israel (...) beweist:

mitismus ist lediglich eine Variante davon. Die Zigeu- "Die einzige Lösung besteht in der Schaffung eines ner, die in zahlreichen Ländern noch immer gede- Palästinas, wenigstens Westpalästinas, ohne Araber mütigt werden, wurden von den Nazis ebenfalls (...) und es gibt keine andere Möglichkeit, als alle massenweise ausgerottet. Heute kann in Westeuropa Araber in die Nachbarländer umzusiedeln, sie alle ein Wiedererwachen des Rassismus festgestellt hier rauszuholen. Kein einziges Dorf, kein einziger werden, der vor allem gegenüber den ausländischen Stamm sollte intakt bleiben. Die Umsiedlung sollte vor Arbeitern besonders ausgeprägt ist (Spaltungs- allem nach Syrien und dem Irak erfolgen." versuch der Arbeiterklasse und Nachgeruch aus Der Kampf gegen die Strukturen und die Politik der Kolonialzeit). Den Rassismus wirksam bekämp- Israels ist demnach ein antikolonialistischer Kampf, fen heißt, die gesellschaftlichen Strukturen zerstören, um den Palästinensern ihre nationalen Rechte und die ihn hervorbringen ... ihre Heimat wieder zurückzugeben.

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dokument 3. Jeder Kolonialismus ist vor allem Rassismus. Der Kampf gegen sten und Mussolini und Pilsudski; "Haavara"-Abkommen der zioniden zionistischen Kolonialismus ist folglich das logische Pendant zum stischen Organisationen mit dem Dritten Reich bezüglich der Eva- Kampf gegen den Rassismus im allgemeinen und besonders zum kuierung des Eigentums deutscher Juden). Kampf gegen den Antisemitismus. All die zahlreichen Aktivisten 7. Der groteske Mythos über die angeblichen historischen Rechte der Juden auf Palistina muß ebenfalls widerlegt werden. Schon vor der Eroberung Judäas durch die Römer (70 n. Chr.) lebten drei Viertel der jüdischen Bevölkerung außerhalb Palästinas. Die dort ansässige jüdinen, Komplizen des zionistischen Unternehmens zu sein und sich mit sche Gemeinschaft wurde im Laufe der Jahrhunderte von den Nachdem nationalen Befreiungskampf des unterdrückten palästinensi- barstaaten aufgesogen, wie z. B. den Philistern, Phöniziern und schen Volkes solidarisieren. Eric Rouleau schrieb in Le Monde vom anderen Völkern des Alten Orients. Daraus ergibt sich das Paradox, 5. Juli 1969: "Mitglieder des "Matzpen' - antizionistische linke Orga- daß die heutigen Palästinenser in Wirklichkeit in einem gewissen Maß nisation Israels - sind durch die Straßen marschiert und haben gerufen: (es gab zahlreiche Vermischungen mit anderen Gemeinschaften) die Wir sind alle palästinensische Araber." Nachfahren der Hebräer sind! Wenn die Juden ein Anrecht auf Letztes Jahr unterzeichneten ungefähr hundert Intellektuelle ein Palästina haben, warum sollten die Araber nicht auch ein Anrecht auf Manifest, in welchem es unter anderem heißt: "Jedes Volk, das ein Spanien oder Sizilien haben, die einst Teile des islamischen Reiches anderes unterdrückt, verliert notwendigerweise seine eigene Freiheit. waren?

Jüdischer Bürger! Denke an die mutigen "goyim" (Ungläubige), die 8. Der palästinensische Widerstand gegen die Kolonisation (die sich in unserer Not auf unsere Seite stellten. Wirst Du abscits stehen, Levantiner Juden eingeschlossen, die übrigens am syrisch-palästinenwirst Du schweigen vor dem Unglück, das das arabische Brudervolk sischen Kongreß von 1919 teilgenommen haben) begann mit dem trifft?" zionistischen Unternehmen und besonders von 1908 an (...) Die 4. Der Zionismus und der Staat Israel haben mit der jüdischen jüdischen Kolonien wurden von Fellachen bedrängt, die aus ihrem Religion oder dem Judentum im allgemeinen nichts zu tun. Übrigens Gebiet verjagt worden waren. 1920 und 1921 fanden Meutereien statt, waren die orthodoxen Juden, besonders jene Palästinas, dem Zionis- als Teil des allgemeinen Aufstandes der arabischen Welt (Syrien, Irak, mus lange überaus feindlich gesinnt, wie heute noch die Jerusalemer Ägypten) gegen die französisch-englische Herrschaft. Bei den Unru- Bewegung Néturé Karta (die Stadtwächter). Es ist zutiefst bedauer- hen von 1929 flammte dieser Widerstand ereut auf und fand in den lich, daß zahlreiche geistige Führer jüdischer Gemeinschaften mit dreißiger Jahren in Form von Streiks und Straßendemonstrationen ihrer moralischen Autorität die kolonialistische und rassistische Poli- gegen die zionistische Politik Großbritanniens seine Fortsetzung. tik Israels decken und damit den Glauben Moses vor dem Imperialis- Seinen Höhepunkt erreicht er 1936-39 - sechsmonatiger Generalmus erniedrigen. streik, der von einem allgemeinen Aufstand auf dem Lande gefolgt 5. Israel unterdrückt nicht nur die palästinensischen Araber, son- war - dann wurde er von englischen Truppen, die von zionistischen dern trägt auch nichts zur Bekämpfung des antijüdischen Rassismus Milizen wirksam unterstützt wurden, blutig niedergeschlagen (siche bei. Zuerst einmal hat der Antisemitismus nichts mit dem Bestehen Prof. Y. Bauer ...), der folgendermaßen endete: "Der arabische Aufoder Nichtbestehen eines jüdischen Staates zu tun (wie auch das stand der Jahre 1936-39 war der letzte Versuch des arabischen Volkes Bestehen der mächtigen Volksrepublik China die in Indonesien leben- Palästinas, das Eindringen der Juden gewaltsam zu verhindern (...). den Chinesen nicht vor den Verfolgungen der lokalen Reaktion zu Die Voraussetzungen für den Sieg von 1948 wurden während des schützen vermag). Aber das ist noch nicht alles: die zionistischen arabischen Aufstands geschaffen." Führer geben in Tat und Wahrheit dem Antisemitismus Auftrieb, Das palästinensische Volk brauchte eine ganze Generation, um indem sie sich unmäßig als Vertreter des Weltjudentums ausgeben - sich von diesem schrecklichen Aderlaß zu erholen (die Toten gingen während sechs Siebtel aller Juden außerhalb Israels leben - und indem in die Tausende). Aus diesem Grund blieb die palästinensische Opposie in der internationalen Öffentlichkeit die These von der bedingungs- sition nach dem zweiten Weltkrieg zersplittert und erlebte erst von losen Solidarität aller Juden der Welt mit Israel verbreiten. Dies trifft 1965 an wieder einen gewissen Aufschwung. besonders für die arabischen Länder zu, wo jeder militärische Sieg 9. Wenn die zionistische Bewegung in Palästina Fuß fassen Israels der Reaktion Gelegenheit bot, die einheimischen jüdischen konnte, so vor allem dank der Unterstützung durch türkische und Gemeinschaften zu belästigen, die damit wider Willen in die imperia- britische Behörden (Erklärung von Balfour vom 2. Nov. 1917), und listische Politik des hebräischen Staates verwickelt wurden. dann seit 1947 der Amerikaner (während einiger Zeit mit Unterstüt- 6. Israel ist nicht aus den Hitler-Verfolgungen hervorgegangen. zung der UdSSR). Die israelische Gemeinschaft wurde demnach Die Grundsteine der zionistischen Kolonisierung Palästinas wurden während eines kolonialen Prozesses gebildet, wobei die einheimische im letzten Viertel des 19. Jh. gelegt (die ersten Einwanderer kamen Bevölkerung gewaltsam umgesiedelt wurde: "Ohne Stahlhelm und 1882). Palästina hätte übrigens niemals die 6 Mio. vom Nazi-Regime Kanonen könnten wir keinen Baum pflanzen und kein Haus bauen" ausgerotteten Juden aufnehmen können. Die jüdische Gemeinschaft (Moshe Dayan).

in Palästina ist nicht deswegen vom Völkermord verschont geblieben, Aber die heutigen jüdischen Einwohner Israels können für die von weil sie im Heiligen Land lebte, sondern weil - dasselbe gilt für die ihren zionistischen Führem begangenen Verbrechen nicht verantamerikanischen oder englischen Juden - Hitler den mittleren Osten wortlich gemacht werden; man kann sie heute dafür auch nicht glücklicherweise nicht erober konnte. Die wirklichen Verantwortli- bezahlen lassen. Die Zerstörung der Kolonialstrukturen des zionistichen des Völkermordes sind die westlichen "Demokratien", die es schen Staates kommt weder der Verstoßung noch der Unterdrückung abgelehnt haben, den Opfern des Faschismus ihre Grenzen zu öffnen. der israelischen Juden gleich. Im Palästina von morgen - das hoffent- Die zionistischen Führer haben stets ohne Zögern mit den antisemiti- lich bei der Vereinigung der durch die Kolonialmächte balkanisierten schen Anführer Pakte geschlossen, um ihre Ziele zu erreichen arabischen Welt neu erstehen wird - muß ihnen die Möglichkeit (Gespräche zwischen Herzl und von Plchve, Organisator der Pogrome gegeben werden, ihr nationales Schicksal in brüderlicher Allianz mit im zaristischen Rußland; Jabotinskis Kollaboration mit dem Henker den arabischen revolutionären Kräften im allgemeinen oder mit den der Petliura-Juden; Kontakte zwischen den "revisionistischen" Zioni- palästinensischen Kräften im besonderen frei zu wählen.

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dokument 10. Es gibt kein israelisches Wunder! Nachdem die zionistischen einer Mobilmachung ebensoviele Soldaten bereitstellen kann wie die Führer während mehreren Jahrzehnten die Unterstützung des briti- drei wichtigsten Nachbarländer zusammen (...), die mehr Panzerfahschen Kolonialismus genossen, setzten sie ihre technische und milită- rer und Piloten zählt als alle arabischen Länder zusammen (...), die rische Uberlegenheit ein, um die Teilung Palästinas durchzusetzen, über eine mächtige Luftwaffenindustrie verfügt (...) und Atombomben von dessen Bevölkerung jedoch nur ein Drittel Juden waren (von der herstellen kann (...). Wie die drei israelisch-arabischen Kriege gezeigt Uno genchmigter Teilungsplan vom 29. Nov. 1947). Lange vor der haben, ist Israels militärische Überlegenheit über seine Nachbarländer Proklamation des Staates Israel vom 15. Mai 1948 hielten die zionisti- im wahrsten Sinne des Wortes erdrückend schen Armeen bereits einen großen Teil jenes Gebietes besetzt, das die 15. 1967 ist Israel mit der Besetzung Cisjordaniens, des Gazastrei- UNO den palästinensischen Arabern zugeteilt hatte (...). Nebenbei sei fens, der Golanhöhen und der Sinai-Halbinsel zu einer Kolonialmacht erwähnt, daß die UNO-Resolution gefaßt wurde, ohne die Palästinen- im eigentlichen Sinn geworden. Der Kampf der Bewohner der besetzser zu konsultieren und trotz ihrer formellen Opposition gegen die ten Gebiete ist ein normaler und legitimer Kampf gegen fremde Ein- Teilung des Landes. Und wenn sich Israel seit damals halten konnte, dringlinge, die überdies die Arbeitskraft und die Reichtümer dieser so nur dank eines Kapitalzuflusses aus dem Ausland ... Region ausbeuten, indem sie ein wirtschaftliches System errichten, 11. Israel hat nichts von einem "kleinen friedlichen Staat". Seit das die israelische Wirtschaft begünstigt, und politische Strukturen 1947 und 1948 verjagen die terroristischen Einfalle seiner Armee die schaffen, mit deren Hilfe jeder bescheidene Versuch nationaler Eigenpalästinensische Bevölkerung aus ihren Städten und Dörfern (...). Es ständigkeit brutal liquidiert wird (...). Die zahllosen "Konferenzen der hat nie aufgehört, sich der Rückkehr der entwurzelten Flüchtlinge in Milliardäre" beweisen, daß diese Ausbeutung mit dem Segen des ihre Dörfer gewaltsam zu widersetzen und steigert ständig die blutigen internationalen Großkapitals weiter andauert. "Strafexpeditionen" in die Nachbarländer, um so die arabischen 16. Israel ist kein "sozialistischer" Staat; im Gegenteil, es ist die Regime nicht ohne Erfolg dazu zu zwingen, die "Polizei" bei den stärkste Stütze des Kapitalismus im Mittleren Orient. Seine Wirtschaft Flüchtlingen selbst zu spielen. 1956 hat es an der französisch-briti- wird von den großen Kapitalgruppen beherrscht und 10% der Israelis schen Kolonialexpedition gegen Ägypten teilgenommen, um Nasser verfügen über einen gleich großen Teil des Nationaleinkommens wie für die Verstaatlichung des Suezkanals zu bestrafen; bei dieser Gele- 50% der Bevölkerung, die die Basis der sozialen Pyramide bilden (...). genheit traten seine expansionistischen Gelüste klar zutage. Im Jahre Die Kibbuzim - Kollektivsiedlungen, die lediglich 3% der Bevöl- 1967 ist es Israel gelungen, die Weltmeinung davon zu überzeugen, es kerung umfassen - sind keine kommunistischen Oasen, zu denen sie führe einen Defensivkrieg, währenddem man heute weiß, daß "die durch eine vereinfachende Propaganda hochstilisiert werden. Da sie Militärübung Ägyptens im Sinai am Vorabend des Krieges defensiver stark von den Banken abhängig sind (Kredite!), beruht ihre Wirtschaft Natur war" (Levi Eshkol, ...), daß Nasser "bluffte" und nicht die auf der Ausbeutung der Lohnarbeit und oft arabischer Arbeitskräfte; Absicht hatte, Israel anzugreifen (General Rabin, ...) und daß die übrigens eine Tendenz, die sich seit 1967 verstärkt hat. Diese kollek- Generäle Dayan und Yaariv (...) eine massive Verhetzungs-Kampag- tivistische Ausbeutung spielt bei der Verteidigung und Besetzung der ne organisiert haben, um den Ministerrat zum Krieg zu zwingen und eroberten Gebiete eine Schlüsselrolle. Dutzende von Kibbuzim, die in zweifellos auch, um eine sogenannte Koalition der nationalen Einheit den besetzten Gebieten erstellt wurden und unter militärischer Bewadurchzusetzen, die die extreme Rechte mit einschloß (...). chung stehen, beweisen es.

12. Die Opposition der arabischen Massen gegen den zionisti- Die Histadruth-Gewerkschaft ist ebensowenig eine Errungenschen Staat - ein Druck, der sich auf deren Regierung auswirkt - hat schaft der Arbeiterklasse, als die sie gewöhnlich hingestellt wird. Es demnach nichts mit einem antijüdischen Vorurteil gemein. Es handelt handelt sich um eine nationalistische Organisation, die in den zwansich hier um einen bloßen Verteidigungs- und Solidaritätsreflex mit ziger Jahren gegründet wurde, um die Einstellung von Arabern zu einem unterdrückten Brudervolk, der durch das kriegerische Gebaren bekämpfen. Ihr Ziel ist die totale Integration der Arbeiter in das Israels und seinen seit Juni 1967 offen zugegebenen Expansionismus kapitalistische System. Überdies ist sie der größte Arbeitgeber des Landes. Die Histadruth führt einen unerbittlichen Kampf gegen jede Außerdem rechtfertigt auch die Außenpolitik Isracls, die sich autonome Organisationsform der arbeitenden Massen. Alle großen durchwegs gegen die arabische Revolution richtet, diese Feindselig- Streiks wurden gegen ihren Willen durchgeführt und, ebenso wie keit (die britische Royal Air Force überflog nach der irakischen deren Führung, sabotiert. Sie unterstützt die geplanten Antistreikge- Revolution von 1958 israelisches Gebiet, die Unterstützung Frank- setze und schließt mit den Unternehmern regelmäßig Lohnstopabreichs während des Algerienkrieges, usw.). Diese Beispiele beweisen, kommen ab.

daß Israel den "Polizisten" des Westens spielen will, selbst wenn seine 17. Israel ist kein demokratischer Staat; Israel ist ein rassistischer Eigeninteressen keineswegs auf dem Spiel stehen. Im Mittleren Osten und klerikaler Staat, der auf der Vertreibung der einheimischen Bevölgab es übrigens vor der Entstehung der zionistischen Bewegung keine kerung und der Institutionalisierung des Rechts jedes Juden auf antijüdische Strömung, was um so bemerkenswerter ist, als die Kolo- "Rückkehr" gründet (während dies den palästinensischen Flüchtlinnialmächte seit langem die konfessionellen und ethnischen Rivalitä- gen verweigert wird), sowie auf die Unterdrückung der arabischen ten dieser Region anheizten. Minderheit, die im Land geblieben ist. Die Araber unterstehen einer 13. Israel kämpft nicht allein. Es wird von den Vereinigten Staaten, Notstandsgesetzgebung aus dem Jahre 1945, den Defence (Emergen- Westdeutschland, Großbritannien und Frankreich reichlich mit Waf- cy) Regulations, die von der britischen Kolonialmacht übernommen fen, Munition und Devisen - das Geld ist der Nerv des Krieges! - und seither verstärkt worden ist. Sie ermächtigt die Militärbehörden, versorgt (...). Obwohl die Großmächte zeitweise ihre Unzufriedenheit jeden Bürger auszuweisen oder unter Hausarrest zu stellen, sowie die über gewisse Initiativen Israels Ausdruck geben, die ihre globalen administrative Einkerkerung und die Enteignung von Grundstücken: Interessen in dieser Region gefährden könnten (indem sie die "Stabi- die Gouverneure der israelischen Armee machen davon intensiven lität" unterminieren), unterstützen sie die zionistischen Strukturen des Gebrauch (ganz abgesehen von den gesetzwidrigen Sprengungen von jüdischen Staates. Häusern, die "Verdächtigen" gehören, den Folterungen usw.)...

14. Israel ist kein kleines und schwaches Land ohne Waffen. Es ist 18. Israel will keinen "Frieden" ... außer man versteht darunter die im Gegenteil die bedeutendste Militärmacht dieser Region, die bei Anerkennung seiner Eroberungen, der Vertreibung der Palästinenser 24 INPREKORR 239

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dokument und seines rassistischen und kolonialistischen Regimes. Mit andern Jugoslawien

Worten: "Frieden" ist gleichbedeutend mit "Befriedung", die alle Unterdrücker wollen. Er hat mit Pazifismus nichts zu tun und ist das Resultat einer Politik des "fait accompli"

19. Der Zionismus und die Strukturen des israelischen Staates Jugoslawien scheint heute in einem nationalistisch motivierten bieten der jüdischen Bevölkerung Israels keine andere Zukunft als Bürgerkrieg unterzugehen. Entstanden aber ist es vor einem halben Krieg. Die Lösung für die hebräische Gemeinschaft Palästinas, die das Jahrhundert in einem internationalistischen, revolutionären Kampf Recht hat, ihre nationale Zukunft selbst zu bestimmen, ist ihre Integra- Wir wollen daran erinnern, daß österreichische Revolutionärinnen tion in eine arabische Welt ohne Ausbeutung des Menschen durch den und Revolutionäre daran einen, wenn auch sehr bescheidenen Anteil Menschen. Eine Lösung kann nur gefunden werden, wenn sie sich diesem Kampf für eine gemeinsame Zukunft in einem sozialistischen Weitgehend vergessen ist, daß es in Österreich einen Partisanenund vereinigten Mittleren Osten anschließt, der die Folgen der impe- krieg gegen den Faschismus gab. Er flammte schon im Frühjahr 1942 rialistischen Herrschaft abgeschüttelt hat. Unter solchen Vorausset- im Gebiet der slowenischen Minderheit auf, wo es nach Einschätzung zungen wird sich die israelische Gemeinschaft wie alle anderen nicht der SS bereits im folgenden Winter "feindliche Territorien" gab arabischen Minderheiten des Mittleren Ostens (Kurden, Südsudane- (später: Raum Ferlach, Gebiet südlich Bleiburg, teils bei Klagenfurt sen) mit den arabischen Völker brüderlich vereinen können, allen und Villach). Das war bald nicht nur auf Deutsche beschränkt. Im voran mit den Palästinenser, die ihnen schon heute ein Zusammen- Salzkammergut gab es 1943 eine Partisanenabteilung, im Gailtal seit leben in einem gemeinsamen weltlichen und demokratischen Staat Sommer 1944 größere Gruppen. Im April 1945 versuchte eine Widervorschlagen. standsgruppe um Major Szokoll im Zusammenarbeit mit dem sowjeti- 20. Die palästinensische Sache ist deshalb Gegenstand eines schen Geheimdienst (Boris Witman) sogar einen Aufstand in Wien. gerechten antikolonialistischen Kampfes, ist integrierender Bestand- Das mißlang, doch wurde die Eroberung erleichtert, weil eine Donauteil des großen Kampfes der arabischen Welt gegen den Imperialismus brücke frei gekämpft werden konnte. sowie des Kampfes auf Weltebene gegen den Imperialismus, an Im Sommer 1944 entstand im Rahmen der jugoslawischen Partisadessen Spitze die USA stehen. Das palästinensische Erwachen bedeu- nenarmee ein österreichisches Bataillon, an dessen Spitze der Komtet, daß ein neues Bataillon Verdammter dieser Erde aufrecht steht, die munist Franz Honner und der Sozialist Erwin Scharf standen. Waffe in der Hand und bereit, sich sein Schicksal, das Schicksal eines Es wuchs auf 400 Kämpfende an. Wir drucken aus dessen freien Menschen, selbst zu schmieden. Wir sind mit diesem Kampf Geschichte das folgende kleine Dokument. vollkommen solidarisch, denn er kündigt einen neuen Tag für die arabische Welt an, deren Avantgarde diesen Kampf bereits heute führt. Hier schließt sich der Kreis: ihr Kampf ist ein Teil der Befreiung der ganzen Menschheit. O. U. den 4. Nov. 1944 21. Die Dynamik der palästinensischen Revolution stellt sämtli- An das chereaktionären bürgerlichen und pseudoprogressiven Strukturen des Oberkommando der Jugoslawischen Volksbefreiungsarmee Mittleren Osten in Frage. Sie bedroht alle volksfeindlichen Regime (daher die zahlreichen Versuche, sie einzudämmen, wenn nicht zu er- Von dem Wunsche bescelt, Hitlers verbrecherischem sticken). Durch ihre Logik deckt sie das Einverständnis zwischen den Regime ein schnelles Ende zu bereiten, die Gewaltherrschaft Kräften, die an der Macht sind und dem Imperialismus schonungslos der nationalsozialistischen Partei in Österreich zu vernichten auf und stellt damit nicht nur die kolonialistischen Strukturen Isracls, und für ein freies, unabhängiges, demokratisches Österreich sondern auch jene der arabischen Welt in Frage. Schon heute bekun- mit der Waffe in der Hand zu kämpfen, bitten wir auf befreitem det ein marxistischer Flügel der palästinensischen Bewegung Boden Jugoslawiens befindlichen Österreicher als kämpferioffen seinen Willen, diesen Kampf zu Ende zu führen, d. h. sche Einheit in die Jugoslawische Volksbefreiungsarmee aufbis zur sozialistischen Revolution. genommen zu werden, um Schulter an Schulter mit den freiheitliebenden Völkern den deutschen Faschismus vernichten helfen zu können.

Dies bestätigen wir mit unserer eigenhändigen Unterschrift.

Tod dem Faschismus!

Freiheit dem Volke!

(63 Unterschriften)

Literatur zum Thema:

Abraham Léon: Judenfrage & Kapitalismus, trikont, München 1971 Literatur zum Thema:

Isaac Deutscher: Die ungelöste Judenfrage, Rotbuch, Berlin 1977 Jakob Taut/Michel Warschawsky: Aufstieg und Niedergang des Zio- Widerstand gegen Krieg und Militarismus in Österreich und andersnismus, isp-Theorie 8, Frankfurt 1982 wo, Wien 1982 Jakob Taut: Judenfrage und Zionismus, isp, Frankfurt 1986 Ingrid Strobl: Sag nie, du gehst den letzten Weg. Frauen im bewaffne- John Bunzl (Hrsg.): Israel/Palästina. Klasse, Nation und Befreiung im ten Widerstand gegen Faschismus und deutsche Besatzung, Fischer, Nahost-Konflikt, Junius, Hamburg 1980 Frankfurt am Main 1989 (S. 11-13 und 82-104)

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