Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Wir wollen eine neue sozialistische Bewegung aufbauen

Inprekorr Nr. 234, Januar/Februar 1991 · S. 30-31 · 794 Wörter

IV. Internationale Stalinismus und Bürokratie

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Die IV. Internationale vor dem XIII. Weltkongreß Gast auf dem Kongreß der schwedischen Socialistiska Partiet (SP), der kürzlich stattfand, war Claude Gabricl als Vertreter des Vereinigten Sekretariats der IV. Internationale. Internationalen, der Wochenzeitung der SP, gab er das folgende Interview, in dem er den Rahmen für den XIII. Weltkongreß der IV. Internationale im Februar 1991 absteckt. Die SP ist Mitglied einer weltwei- schen Golf initiiert. Internationale Arbeiterbewegung sozialistischen Bewegung, der Im Februar findet der XIII. Welt- IV. Internationale, in deren kongreß der IV. Internationale statt. tung, dem Vereinigten Sekretariat, Gerade bei solchen Anlässen können Du arbeitest. Was bedeutet dies? wir zeigen, wofür wir in der Welt von heute stehen.

Es ist wichtig zu verstehen, daß die Das Gesellschaftsprojekt des So- IV. Internationale keine Weltpartei zialismus befindet sich in der Krise; ist. Die Internationale ist die Summe unsere Aufgabe ist es, klarzumaihrer nationalen Organisationen, die chen, daß es eine sozialistische Bejede in ihrer eigenen Gesellschaft wegung nach wie vor gibt, und im verwurzelt ist. Weltmaßstab einen Klassenstand- Wir sind uns über cine program- punkt aufzuzeigen. matische Grundlage einig, wozu der Die Pläne der EG für cinen starken Internationalismus gehört. Wir sind Kapitalismus in Europa erfordern entschlossen, zusammen cine inter- eine internationale Widerstandskamnationale sozialistische Bewegung pagne. Es gibt linksoppositionelle aufzubauen. Strömungen in den Gewerkschaften Das Sekretariat der IV. Interna- in vielen europäischen Ländern, und tionale koordiniert die Arbeit zwi- wir versuchen mit cinem gemeinsaschen den Sektionen. Es gibt keine men Programm gegen die EG zu der zentrale Leitung, die darüber be- Arbeit beizutragen. Stimmt, was die einzelnen Scktionen Die Solidaritätsarbeit wird auch tun sollen. mit internationalen Kampagnen betrieben. Unsere Sektionen in Europa Wofür benötigt man eine Interna- haben für Solidarość in Polen geartionale? beitet, und jetzt brauchen die Sozialisten in Osteuropa in der Marktwirt- Es ist nicht möglich, die eigene na- schaft unsere Hilfe. tionale Situation zu verstehen, ohne die Situation in der Welt zu verste- Wofür steht die IV. Internationale hen. Die verschiedenen Sektionen, historisch gesehen? die wir in etwa vierzig Ländern haben, haben praktische politische Er- Wir befinden uns im Herzen der fahrung, die auf diese Weise zum Geschichte der Arbeiterbewegung Eigentum aller Mitglieder der Inter- Wir versuchen das ursprüngliche nationale werden kann. sozialistische Projekt lebendig zu Der Kampf für den Sozialismus ist erhalten, gegen alle Bürokratien, international, denn der Gegner ist auch gegen die sozialdemokratische international organisiert. Eine Inter- Wir sind stolz auf unsere Genationale gibt uns die Möglichkeit, schichte, auf unseren Kampf gegen miteinander zu diskutieren und von Kapitalismus und Stalinismus und den gegenseitigen Erfahrungen zu für die Arbeiterdemokratie. Unsere lernen. Stärke war immer, daß wir Irrtümer All unsere Sektionen sind sehr ak- und Niederlagen in der Vergangentiv. Die Sektion in den Niederlanden heit erklären konnten. Der Zusam- [SAP] zum Beispiel ist klein, aber sie menbruch des Stalinismus gibt uns hat die niederländische Kampagne Mut, den Kampf fortzusetzen. gegen den drohenden Krieg im Persi- Aber jetzt in den neunziger Jahren verändert sich unser Profil, und wir können nicht mehr länger nur auf dem Vergangenen aufbauen. Wir haben weniger Geschick dabei gezeigt, Rezepte zu geben, wie die Arbeiterklasse die Macht ausüben kann.

Wir müssen uns ernsthaft mit neuen Fragen beschäftigen. Dazu gehören der Aufbau breiter Massenbewegungen, die Zusammenarbeit mit anderen revolutionären Bewegungen und die Frage der Machtübernahme durch die Volksmassen. Mit welchen Bewegungen will die IV. Internationale zusammenarbeiten?

Es gibt heute andere revolutionäre Bewegungen in der Welt. Teile der sandinistischen Bewegung, Teile der Befreiungsbewegung in El Salvador, Teile der vom Castrismus inspirierten Bewegung in Lateinamerika sind Beispiele dafür.

An der Konferenz in São Paulo in Brasilien nahmen viele verschiedene linke Strömungen teil. Es gab dort kleinbürgerliche linke Populisten, Kommunistische Parteien, die sich in der Krise befinden, die Kommunistische Partei Kubas und eine Reihe von Gruppen aus dem revolutionärsozialistischen Spektrum, wie z.B. die PUM aus Peru und die PRT aus Mexiko. Gastgeberin der Versammlung war die brasilianische Arbeiterpartei (PI) [siche SoZ - Sozialistische Zeitung, Nr. 20/1990; Inprekorr, Nr. 232, November 1990]. Von dieser Art der Diskussion und Zusammenarbeit möchten wir in der IV. Internationale gerne mehr haben. Dafür möchten wir auch unsere internationalen Zeitschriften wie International Viewpoint und Inprecor benutzen.

In Osteuropa gibt es heute kleine Gruppen, die sich sehr bewußt auf unsere Tradition beziehen. Das ist wichtig in diesen chemals stalinistischen Systemen. In anderen Ländern findet man Organisationen, mit denen wir viel gemeinsam haben, die unsere Einschätzungen und unsere Einstellung zum Kampf teilen, aber die sich niemals „Trotzkisten" nennen würden.

Wie beurteilt die IV. Internationale andere Volksbewegungen, z.B. die Umweltbewegung?

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Unsere Mitglieder beteiligen sich am NACHRUF Aufbau der Umweltbewegung. Wir arbeiten zusammen mit Feministin-