Am Il. und 12. Februar fand in Athen der Gründungskongreß der Neuen Linken Strömung (NAR) statt. Diese Gruppierung setzt sich im wesentlichen aus Aktivistinnen und Aktivisten zusammen, die aus der Kommunistischen Jugend (KNE) und der Kommunistischen Partei Griechenlands (KKE) kommen.
Die KKE und die KNE haben in den vergangenen Monaten eine Reihe politischer Krisen als Ergebnis der politischen Entwicklung der KKE und der Synaspismos genannten Wahlallianz. die die KKE mit der kleinen Griechischen Linken (den chemaligen „Eurokommunisten"*) und einigen Persönlichkeiten eingegangen ist. durchgemacht. Nachdem dieses Bündnis sich in seinem Wahlkampf auf Papandreous PASOK (Panhellenische Sozialistische Bewegung) eingeschossen hatte, nahm es von Juni bis November 1989 an einer Koalitionsregierung mit den Rechten teil Die linke Wahlallianz gab vor. mit dieser Politik zu helfen, die Skandale, in die die PASOK verwickelt ist, aufzudecken. Schließlich sah sich der Synaspismos nach den Wahlen im November mit der PASOK und den Rechten in einer Regierung wieder, die Angriffe auf die Arbeiterklasse durchführte.
Die KNE hatte von Anfang an die Orientierung des Synaspismos zurückgewiesen. Die Mehrheit ihrer Mitglieder wurde von der KKE-Führung im September 1989 ausgeschlossen. Tausende von Aktivistinnen und Aktivisten sammelten sich daraufhin in der KNE-Grapsas (so benannt nach dem Namen ihres Sekretärs), die sehr militante Mobilisierungen durchführte.
Gleichzeitig traten Mitglieder des Zentralkomitees der KKE zurück. ohne daß die Parteiführung fähig gewesen ware. cine Kampagne zu ihrer Diskreditierung in den Augen der Mitgliedschaft durchzuführen. Einige der Zurückgetretenen waren zu populär dazu.
Zur Strömung. die die KKE verlieb, gehörten führende Intellektuelle der Partei sowie Aktivisten der Arbeiterklasse und der Jugend. Die NAR ist aus diesen beiden Strömungen (Ex-KNE und Ex-KKE) hervorgegangen. Natürlich hat sie zu vielen Fragen keine einheitliche Position. v.a. in bezug auf die UdSSR und Osteuropa. Das Ausmaß. in dem ihre Mitglieder mit der Erblast der KKE gebrochen haben, ist ungleichmäßig. Nach diesem Gesichtspunkt sind die Mitglieder, die aus der KNE gekommen sind, fortgeschrittener. Doch aufgrund ihres Bestrebens einer Öffnung nach links, ihres Projekts des Aufbaus einer revolutionä- Internationale Arbeiterbewegung ren Partei, ihrer Verwurzelung in den Kämpfen und ihrer Zusammensatzung hat die NAR eine Dynamik erlangt, die bereits die Einheitsfrontgruppierungen, die in den vergangenen Monaten links von den traditionellen Organisationen lanciert wurden, hinter sich gelassen hat. Der Gründungskongreß fand zu einer Zeit statt. die von zwei Ereig nissen geprägt war, dem Erfolg des Generalstreiks vom 15. Januar und den Jugendmobilisierungen im Anschluß an den Freispruch eines Polizisten, der einen Demonstranten getötet hatte.
Die 93 Delegierten des Kongresses kamen aus ganz Griechenland Zahlreiche Fragen wurden behandelt (Osteuropa, theoretische und programmatische Fragen). Die Organisation tritt für die Klassenunabhängigkeit und die Einheit in den Kämpfen ein und strebt eine breite und machtvolle Umgruppierung gegen die Konservativen, die Sparpolitik und die Klassenzusammenarbeit sowie gegen das kapitalistische Europa und die US-Stützpunkte an. Andreas Sartzekis