Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

DDR

Standortbestimmung der Fraueninitiative Lila Offensive

Inprekorr Nr. 225, März 1990 · S. 40-44 · 3.594 Wörter

Frauen BRD und DDR Baskenland Nahost und Palästina

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DOKUMENTATION

Als Einleitung zu der folgenden Dokumentation des Grundsatzpapiers der Berliner Fraueninitiative ,,lila offensive veröffentlichen wir im folgenden leicht gekürzt einen Artikel der in der DDR erscheinenden Frauenzeitschrift Für dich, in dem Gislinde Schwarz den Stand der Frauenbewegung in der DDR resümiert. Wir geben den Text nach dem Abdruck im Februarheft von Emma wieder: er Aufbruch der Frauen, so hat es Forderungskatalog ist entschieden und D heute den Anschein, ist erst we- klar, reicht von Quotierung über Erweinige Wochen alt. Der Schein terung der steuerlichen Vergünstigungen trügt. Denn das Bedürfnis, sich zu treffen und finanziellen Zulagen für Kindererund sich auszutauschen, war lange da. ziehende. der Abschaffung aller an die Vieles hatte sich angestaut, mußte aber Ehe gebundenen Privilegien und zivilverborgen bleiben, weil es der öffentli- rechtliche Absicherung aller nichtehelichen Darstellung von erreichter Gleich- Lebensgemeinschaften berechtigung widersprach. Überarbeitung des Strafgesetzbuches mit In Erfurt z.B. gab es bereits seit vier dem Ziel, die konsequente Bestrafung Jahren fünf verschiedene Gruppen, die jeder Form von Gewalt gegen Frauen zu lange voneinander nichts wußten. Allen ermöglichen. ging es um Selbstfindung und Selbstver- Als sie damit in der geschichtsträchtiwirklichung. Die einen setzten sich mit Gethsemane-Kirche Zeitungstexten, Reden, Literatur, Lehr- November an die Öffentlichkeit gingen. und Schulbüchern auseinander, weil sie kam Walfriede Schmitt mit ihrer Hauder Meinung sind, daß sich Ungleichheit ruck-Idee eines „Frauenspektakels" in auch in der Sprache wiederfindet. An- der Volksbühne dazu. Aber - ihr Vordere wollten einfach ausprobieren. was schlag wurde von den anwesenden Frauan Kreativem ihn ihnen steckt. engruppen sofort erweitert: Nicht Thea- 1988 trafen sie sich zufällig bei einem ter im Kleinen Foyer, sondern ein Grün- Frauenforum der evangelischen Kirche. dungstreffen für einen Unabhängigen Im September 1989 schlossen sie sich zur Frauenverband im Großen Saal! Bürgerinitiative …Frauen für Verände- Was haben Frauen für Frauen inzwirung" wollten stadtoffen schen erreicht? Die Erfurterinnen bei- Ihr gemeinsamer politischer spielsweise sitzen bereits beim Oberbür- Nenner ist die Konvention über Beseiti- germeister mit am Runden Tisch. Eine gung aller Formen der Diskriminierung Lesbengruppe aus Jena brachte das sechvon Frauen, die vor zehn Jahren von der ste Heft einer neuen Zeitschrift frau an- UNO-Vollversammlung angenommen ders heraus. Dresdnerinnen möchten ein und auch von der DDR ratifiziert wurde. Frauenhaus gründen für jene von ihnen, Zum nächsten Treffen im Erfurter Rat- die in Not oder die der Gewalt ausgesetzt haus Ende Oktober kamen bereits an die sind, und bekamen dafür vom Kultur- 300 Frauen. Diskutierten, was ihnen un- bund drei Räume. Uber 150 Leipzigerinter den Nägeln brannte: Arbeitspro- nen, die bislang im Neuen Forum waren, bleme, Doppelbelastung durch Beruf und haben sich selbständig gemacht. Selbst Familie, Machtstrukturen in der Gesell- ist die Frau! schaft. Und Anfang Oktober folgten der In den neuentstandenen demokrati- Einladung der Erfurterinnen zum Gedan- schen Gruppierungen aber mußten viele kenaustausch Vertreterinnen von Magde- von ihnen ganz schnell die Erfahrung burg. Dresden, Jena, Leipzig und ande- machen, daß Frauen mit ihren Problemen ren Städten der Südbezirke. an den Rand gedrängt werden. Daß es Anders dagegen die Berliner „lila of- dringend nötig ist. sich mit anderen zu fensive". In nur einem Monat entwickel- verbünden. weil Frauenfragen eben nicht ten sie sozusagen in Tag- und Nachtar- automatisch auf Männer-Tagesordnunbeit ein tragfähiges Konzept. Analysier- gen kommen. ten die gesellschaftliche Lage von Frauen Aber: Jede der Fraueninitiativen ist und formulierten daraus ihre Ziele. Ihr stolz auf ihren eigenen Anspruch und den eigenen Erfolg. Tief verwurzelt das Mißtrauen bei vielen, wieder in alte Strukturen von oben nach unten zu rutschen, Eigenständigkeit aufgeben zu müssen.

wenn man sich zusammenschließt.

Da ist aber noch die evangelische Adventsgemeinde, bei der vor zehn Jahren aus einem Mütterkreis ein Frauenkreis wurde: EWA. der Erste Weibliche Aufbruch; Ursula Sillge aus einer noch namenlosen Gruppe mit ihrer Forderung nach einem Frauenzentrum samt Frauencafé und -bibliothek: die SOFI, die sozialistische Fraueninitiative: FKK, der Cottbusser Frauenklub.

Eva Kunst steht für eine Selbsthilfegruppe von Frauen mit nicht ganz „deutsch" aussehenden Kindern und Gisela Decker für Alleinerziehende. Ein buntes und vielschichtiges Bild. Erfahrungen, Ermutigung auch für das, was sich andere vorgenommen haben.

Und Aussicht auf Neues. In Berlin- Hellersdorf wird das zukünftige Frauenzentrum Mathilde" bereits eingerichtet.

Prof. Irene Dölling berichtet von der Gründung eines Zentrums für interdisziplinäre Frauenforschung, das mit wissenschaftlichen Erkenntnissen die Frauengruppen unterstützen will. Eine Arbeitsgemeinschaft Frauen in der SED" will sich von der alten, verfehlten Frauenpolitik abheben. Das berichtet Eva Maleck- Lewy.

Die Vertreterin der Demokratischen

Bauernpartei erklärt, daß sich ihre Partei dem weiblichen Teil jetzt stärker zuwendet. der ja gerade in der Landwirtschaft nicht nur doppelt, sondern dreifach belastet ist. Jede macht, was sie will keine macht, was sie soll. Weiberwirtschaft und Gleichberechtigung der Männer"* . so die Freie Frauen Assoziation aus Weimar, die sich als einzige Gruppe gegen eine Mitgliedschaft in irgendeiner Vereinigung wendet und auch damit auf Verständnis stößt.

Jener Tag in der Volksbühne ist inzwi-

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schen ein historischer, der Beginn einer gemeinsamen, unabhängigen Frauenbewegung in der DDR. Und einer fröhlichen Revolution, allerdings mit Konsequenz. So unterschiedlich die Denk- und Sachprogramme auch sind, weil es nun cinmal die Frau nicht gibt: Es herrscht absolute Einigkeit, daß man zwar getrennt marschieren kann, aber vereint kämpfen muß.

Das Leben selbst gebietet das. DDR- Frauen darf nicht das gleiche passieren wie ihren Schwestern in der Sowjetunion, in Polen oder Ungarn, wo die Umgestaltung an den Frauen vorbeiging und sich so letztlich gegen sie selbst richtete. Und: Solange Männer aufgrund geringerer familiärer Belastungen als stabilere Arbeitskraft gelten, stehen Frauen in den gegenwärtigen wissenschaftlich-technischen Umwälzungen hintenan.

Sozialpolitische Maßnahmen SO, wie sie heute noch sind - begünstigen das. 75 Prozent aller Frauen arbeiten heute in typischen Frauenberufen. In DDR

Leitungsfunktionen der Wirtschaft sind nur 20 Prozent. Schlußfolgerung, um für Gerechtigkeit zu sorgen: Die Frau gehört ins Haus, und zwar ins Rathaus!" Von den wöchentlich anfallenden 45 Stunden Hausarbeit pro Familie leisten Frauen 34. Schlußfolgerung: Wer sich nicht wehrt. kommt an den Herd!" Inzwischen tagt in regelmäßigen Abständen der sofort gebildete Koordinicrungsrat, in dem Frauen aus fast allen Gruppen vertreten sind. Drei Monate sind nur Zeit, um nach der Anmeldung des Verbandes beim Ministerium des Innern über Programm und Statut zu streiten. Wie schwer das sein wird, deutet sich bereits an.

Alle wollen an allen Papieren mitarbeiten. Im Ausbruch des allgemeinen Demokratiegefühls treibt es die Frauen manchmal bis an den Rand von Handlungsfähigkeit. Deshalb wurden Arbeitsgruppen für bestimmte, abgegrenzte Themen gebildet, eine von ihnen wird sich speziell mit dem künftigen Statut befassen und Modelle für Strukturen des Verbandes entwerfen. Alle reichen dazu ihre Vorstellungen cin.

An eine politische Interessenvertretung ist gedacht, in der die Gruppen ihre Selbständigkeit und Eigenart beibehalten. Keine Leitung von oben nach unten. sondern ständig neu zu wählende Sprecherinnen für alle. Forderungen, für die immer wieder neu der Konsens gefunden werden muß. Mühseligkeit und Differenzen sind abzusehen, wenn es nun konkret wird.

Übereinstimmung wurde gefunden in grundsätzlichen Forderungen. So z.B.: Offenlegung aller gesellschaftlichen Konzeptionen der Regierung und der daraus zu erwartenden Folgen für die Frauen; Einrichtung eines Frauenförderfonds beim Ministerrat; Schutz des Rechts auf Arbeit der Frau und Schutz vor Sozialabbau bei nötigen wirtschaftlichen Umwälzungen; Erarbeitung eines Gleichstellungsgesetzes.

Standortbestimmung

Mit zunehmender Ausdifferenzierung der Fraueninitiative der gesellschaftlichen Verhältnisse, der Entstehung eines vielfältig strukturierten „lila offensive"

1. Ausgangspositionen 1. Zur Herausbildung und zum Wandel der Stellung der Geschlechter in der Gesellschaft

Im marxistischen Gesellschaftsverständnis ist die Entstehung und Entwicklung sozialer Erscheinungen und Prozesse in letzter Instanz zurückführbar auf dié Produktionsweise einer Gesellschaft. Bei der Herausbildung der Klassengesellschaft in frühgeschichtlicher Zeit waren diejenigen Produktionsmittel, die die Erzeugung eines Mehrprodukts ermöglichten, in der Hand der Männer (bedingt durch die naturwüchsige Arbeitsteilung). Es entstand Ungleichheit hinsichtlich Macht und Ansehen von Männern einerseits und Frauen andererseits.' Der Mann begann über die Frau zu dominieren, die Frau war dem Mann als erstem Besitzer von Privateigentum in allen wesentlichen Aspekten untergeordnet. Dies geschah gleichzeitig mit der Aufspaltung der Gesellschaft in Besitzende und Besitzlose, in Herrschende und Beherrschte als Folge der Entstehung von Privateigentum.

Die weltgeschichtliche Niederlage des weiblichen Geschlechts*2 ist der Anfang des Patriarchats, der Herrschaft des Mannes über die Frau.

Die unterschiedliche Stellung der Geschlechter zu den Produktionsmitteln bzw. zum Eigentum an ihnen war die eigentliche Ursache für die Entstehung der „Geschlechtssklaverei"

Mit der Herausbildung der Klassengesellschaft erfolgte der Ubergang von der naturwüchsigen Arbeitsteilung zur gesellschaftlichen Teilung der Arbeit nach dem Geschlecht. Die Reproduktion geschlechtstypischer Arbeitsteilung über Jahrhunderte hinweg bis in die Gegenwart ist eine wesentliche Bedingungskomponente für patriarchale Unterdrükkung• Überbaus, erlangte die unterschiedliche Stellung der Geschlechter eine relative Eigenständigkeit. Sie wurde ins gesellschaftliche Bewußtsein umgesetzt und gestützt durch die jeweils gültigen Anschauungen in Kunst, Wissenschaft, Recht, Bildung und Ideologie. Im Laufe der Geschichte der menschlichen Gesellschaften war die Stellung der Geschlechter in der Gesellschaft Wandlungen unterworfen. Wesentlich ist hierbei, daß diese sich nicht auf den Wandel der Produktionsweise allein zurückführen lassen, sondern von Veränderungen in den verschiedenen Bereichen des gesellschaftlichen Bewußtseins begleitet und zu einem nicht unbeträchtlichen Teil durch sie bewirkt bzw. ausgelöst wurden. Die Geschlechterfrage (d.h. die Frauen- und Männerfrage!) ist ökonomisch nicht faßbar, sie ist sowohl ein ökonomisches als auch ein sozialpsychologisches Phänomen.

Sozialwissenschaftliche Forschungen belegen, daß sich in der DDR zwar positive Veränderungen hinsichtlich der Situation und des Ansehens sowie des Selbstverständnisses von Frauen vollzogen haben, aber dennoch das Wesen der gesellschaftlichen Verhältnisse noch

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EL SALVADOR LIBRE

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Folglich ist die Aufhebung des Privateigentums an Produktionsmitteln nicht per se gleichbedeutend mit der Aufhebung der sozialen Ungleichheit von Frau und Mann. Hierzu bedarf es außer sozialistischen Produktionsverhältnissen eines tiefgreifenden Wandels des gesellschaftlichen Bewußtseins, der geistigen Kultur (Kunst, Wissenschaft, Ideologie, Alltagsbewußtsein etc.) der Gesellschaft. 2. Auswirkungen patriarchaler Gesellschaftsverhältnisse Die Folgen patriarchaler Verhältnisse sind für Frauen und Männer gravierend. Sie lassen sich in den verschiedenen Bereichen einer Gesellschaft ausmachen: miserechen und zum mir Zum einen entstand eine massive Bees zu einer Vereinseitigung der Persönlichkeitsstrukturen von Frau und Mann. 1. Erwerbstätigkeit

Traditionell typische Frauenberufe haben geringeres Prestige und werden im Durchschnitt schlechter bezahlt als traditionell typische Männerberufe. Die Anforderungscharakteristika von „Frauen-" und „Männerberufen" unterscheiden sich wesentlich: Frauen sind in der Regel mit monotonen, sich wiederholenden Tätigkeiten bzw. Arbeitsbereichen betraut, Männern hingegen obliegen in der Regel die abwechslungsreicheren und geistig anspruchsvollen Tätigkeiten. Männer haben in der Regel bessere Chancen, in verantwortungsvolle und mit Entscheidungsbefugnissen ausgestattete Positionen zu kommen als Frauen. 2. Bereich der individuellen Reproduktion Hausarbeit und Kindererziehung sowie die Sorge um das psychische und physische Wohlergehen des Mannes werden noch immer in erster Linie der Frau zugeordnet. Man spricht über das Problem der Vereinbarkeit von Berufstätigkeit und Mutterschaft und nicht von der Vereinbarkeit von Berufstätigkeit und Elternschaft (vgl. hierzu sozialpolitische Maßnahmen). Daraus resultiert eine objektiv existierende Doppelbelastung der Frau mit deutlichen negativen Folgen für die Persönlichkeitsentwicklung von Frauen.

3. Machtpositionen und Bereich kollektiver Wissensbildung

Frauen haben, selbst bei Vorliegen gleicher Kompetenz, wesentlich geringere Chancen als Männer, in Positionen mit Entscheidungsbefugnis und/oder Machtbefugnis zu gelangen. Dies gilt für alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens (Wirtschaft, Wissenschaft, Kunst, Politik etc.).

4. Geschlechtsspezifisches Selbstverständnis Die Zuordnung bestimmter Tätigkeitsbereiche zu Frauen bzw. Männern und die unterschiedliche Bewertung dieser Aufgabenfelder führte zu der Herausbildung von Geschlechtsrollenstereotypen. Diese waren entsprechend den relativ spezifischen Anforderungscharakteristika jeweils durch Vereinseitigung gekennzeichnet.

ode. aufopfernde und untergeordnete Rolle der Frau, ihre Emotionalität, Gefuhl, Hingabe, Fursorge, Liebe etc.. während das Leitbild für Männer auf Führung, Kompetenz, Leistung. Macht, Dominanz, Wettbewerb, Rationalität und Feindseligkeit gegen potentielle Konkurrenz orientiert.

Selbstverständnis von Frauen und Männern und für das jeweilige Bild vom anderen Geschlecht, Selbstbild, Selbstwertgefühl und die Fähigkeit, die eigenen Interessen zu artikulieren und durchzusetzen sind bei Frauen und Männern sehr unterschiedlich und stehen einer realen Gleichachtung der Geschlechter entgegen.

S. Recht

Wir sehen die Freiheit und Würde von Frauen im Rahmen der existierenden gesetzlichen Festlegungen in der DDR in einem ungenügenden Maße geschützt und fordern aus diesem Grunde eine Erweiterung, Differenzierung und Neuformulierung der inhaltlichen Festlegungen betreffs des Straftatbestandes von Straftaten gegen die Freiheit und Würde des Menschen. Diese Forderung betrifft sowohl den § 122 des StGB der DDR als auch dessen Kommentierung im Strafrecht der DDR. Rigoroser Widerstand ist zu leisten gegen die alltägliche Praxis von Polizei und Justizorganen, die es Frauen schwer oder unmöglich machen, ihr Recht auf Schutz von Leben und Gesundheit einzufordern. Physische Gewaltanwendung gegen Frauen unabhängig von deren Familienstand muß auf Verlangen strafrechtlich verfolgt werden. 2. Zielstellung rundsatz ich st die emanzipatio on Frauen ohne ein wesentliche And‹

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rung der Situation der Männer nicht möglich. Der Weg zu Gleichstellung und gleicher Wertigkeit ist ein gesamtgesellschaftlicher Prozeß, der beide Geschlechter betrifft, wenn auch in unterschiedlicher Weise und mit unterschiedlichen Konsequenzen. Das schließt u.a. ein, daß Männer Privilegien aufgeben müssen.

Die Tätigkeit der „lila offensive"" wird sich auf die Belange von Frauen konzentrieren.

Ausgehend von der Tatsache, dal Frauen in der DDR in allen der in Punkt 1 aufgeführten Bereiche des gesellschaftlichen Lebens Männern gegenüber im Nachteil sind, sehen wir die Notwendigkeit einer Einflußnahme auf gesellschaftliche Verhältnisse und Prozesse. Unser Ziel besteht darin, der Ungleichheit der Stellung der Geschlechter in der Gesellschaft entgegenzuwirken. Wir wollen insbesondere die Mechanismen benennen und bekämpfen, die geeignet sind, die bestehende soziale Ungleichheit von Frau und Mann zu reproduzieren und festzuschreiben.

Wir sehen Möglichkeiten und Notwendigkeit unseres Wirkens auf drei Ebenen: 1. Wir wollen dazu beitragen, das Problembewußtsein hinsichtlich der Stellung und Situation von Frauen und Männern in der DDR zu erzeugen bzw. bestehendes zu differenzieren.

2. Wir wollen Veränderungen in den gesellschaftlichen Bedingungen einfordern, die auf die Herstellung realer Gleichstellung von Frauen und Männern gerichtet sind.

3. Wir wollen dazu beitragen, die Fähigkeit von Frauen, ihre Situation zu erkennen, ihre eigenen Bedürfnisse und Wünsche zu artikulieren und schließlich daraus abgeleitete Absichten und Forderungen zu realisieren, entscheidend zu erhöhen.

3. Selbstverständnis

Wir verstehen uns als Feministinnen. Feminismus ist für uns Interessenwahrnehmung und Interessenvertretung für Frauen — unabhängig von ihren Lebens- und Liebesverhältnissen. Feminismus ist nach zwei Seiten hin bestimmbar:

• Feminismus ist eine Art der Sicht auf gesellschaftliche Verhältnisse, die diese bewußt unter dem Aspekt wahrnimmt und analysiert, welchen Platz, welche Rolle und welche Bedeutung Frauen in den verschiedenen Bereichen der Gesellschaft haben. Diese, einer männerdominierten Gesellschaft fremde, Sichtweise impliziert Fragestellungen und Denkan- DDR sätze, die sich von den üblichen unterscheiden, und die in der Konsequenz zu neuen wissenschaftlichen Theoriebildungen und Einsichten führen.

Feminismus bedeutet, die Geschlechterfrage als wesentlich in unser Gesellschaftsverständnis einzubringen. • Feminismus ist zugleich die Bezeichnung für eine Politik, die konsequent von den Interessen von Frauen ausgeht und diese zu verwirklichen sucht. Feminismus meint in unserem Verständnis nicht die völlige Ausgrenzung von Männern. Soll eine Gleichstellung tatsächlich praktizierbar, tatsächlich wirkungsvoll sein, muß sich männliches Selbstverständnis parallel zu weiblichem Selbstverständnis mitentwickeln. Deshalb kann es uns Feministinnen nicht um einen Frauenzentrismus gehen, der die Männer nur als Objekte behandelt. Es muß unser Anliegen sein, ihnen Kenntnisse und Anteilnahme an unseren Ansichten zu ermöglichen, damit das Wissen, daß die Emanzipation des einen Geschlechts nur durch die Emanzipation des anderen Geschlechts erreicht werden kann, umgesetzt wird, damit Geschlechterverhältnisse zu emanzipierten Verhältnissen werden.

4. Struktur und Arbeitsweise

Der Kampf von Frauen um die reale Gleichstellung bedarf der Doppelstrategie von Autonomie einerseits und Kooperation/Integration andererseits. Eigenständige und autonome Organisierung und Interessenvertretung von Frauen ist unabdingbar, 1. weil sich Frauen um ihre Befreiung in erster Linie selbst kümmern müssen; 2. für die Bewußtseinsbildung und Selbstfindung von Frauen in Strukturen, die wir frei machen wollen von patriarchalen Mustern und Zwängen; 3. für die Motivierung von Frauen, für ihre eigenen Interessen selbstbewußt einzutreten:

4. für die Ausprägung eines Bewußtseins hinsichtlich ihrer Situation als mehrheitlich benachteiligtes Geschlecht. Zusammenarbeit und kritische Mitarbeit sind notwendig, weil 1. die Frauenfrage eine gesamtgesellschaftliche Frage ist und somit Angelegenheit aller gesellschaftlichen Kräfte sein muß; 2. die reale Gleichstellung von Frauen nur durchsetzbar ist durch und über das Zusammenwirken von Frauen und Männern in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens.

Wir verstehen uns als Bestandteil einer Anzeige

Zwei Jahre

Intifada

Vorgeschichte, Verlauf und Perspektiven des palästinensischen Aufstands

Zum zweiten Jahrestag des palastinensi. schen Volksaufstandes haben der Kommunistische Bund und die Redaktion _Straßenmedizin" eine Broschüre herausgegeben, die sich vornehmlich an jene wendet, die nicht eh schon alles" über die Intifada wissen Die Broschüre enthalt grundlegende infor. mationen über • die Lage der Palästinenserinnen in Westbank und Gasastreifen.

• die Arbeitsweise der Volkskomitees. • die israelischen und US-amerikanischen _Friedenspläne".

• die medizinische Situation in den besetzten Gebieten • und die Methoden der Unterdrückung des Aufstands durch Israel.

Die 42seitige Broschüre ist in linken Buchläden zu beziehen oder gegen Uberweisung von 6 DM (plus 1 DM Porto) bei der Hamburger Satz und Verlagskoopera tive. Lindenallee 4, 2000 Hamburg 20 wir lassen jetzt nicht mehr los.

Dokumente und Diskussionsbeiträge zum Hungerstrelk 1989 und zur Isolationshaft in der BRD.

Broschüre: 64 Seiten, 7.- DM Lieferung gegen Vorkasse: Verrechnungsscheck. Briefmarken oder Überweisung auf das Konto Nr. 91009209 bei der Ki-Spa-Leihkasse.

Zzgl. Versandpauschale: Einzelexemplar: 1,- DM. 10-20 Expl. 2,- DM. darüber versandkosténfrei. Ab 10 Expl. 30% Rabatt. ROTE HILFE E.V.

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unabhängigen Frauenbewegung. Langfristig streben wir an, mit einer Fraktion im Parlament (Volkskammer) vertreten zu sein. Momentan treffen wir uns zweimal wöchentlich in einer geschlossenen Gruppe.

Bis jetzt konzentrieren wir uns in unserer Arbeit darauf, konzeptionelle Grundlagen für unser Wirken zu entwerfen. Für die weitere Arbeit halten wir es au- Berdem für erforderlich, daß sich unsere Gruppe öffnet zur Gründung von thematischen Arbeitsgruppen, um die von uns benannten Forderungen und Aufgaben bewältigen zu können. Diese Gruppen müßten detailliert arbeiten zur 1. Erforschung und Analyse der realen Situation von Frauen (z.B. Einkommensverhältnisse, Bildungschancen, soziale Notstände):

2. Erforschung der Bedürfnisse von DDR - gleiche Möglichkeiten für Männer und Frauen hinsichtlich Teilzeitarbeit; - Erweiterung der Möglichkeit zur Betreuung pflegebedürftiger Angehöriger bzw. Partnerinnen, ohne finanzielle Benachteiligungen.

2. Bereich der individuellen Reproduktion 1. Frauen und Männer übernehmen Verantwortung und Arbeitsaufwand für den häuslichen und erzieherischen Bereich zu gleichen Teilen.

Dazu sind folgende Schritte notwendig:

- Aufhebung der einseitigen Festlegung sozialpolitischer Maßnahmen auf Mutter:

- Recht und Pflicht zur sozialen Vaterschaft.

2. Entscheidungsfreiheit in bezug auf Gestaltung von Lebens- und Liebesverhältnissen:

- Abschaffung aller an die Ehe gebundenen Privilegien:

- Zivilrechtliche Absicherun aller ichtehelichen (Z.B. lesbischen) Leben gemeinschaften:

- Demokratisierung des gesellschaftli chen Erziehungsprozesses:

- Schaffung alternativer Möglichkei ten zur Kinderbetreuung und -erzichung (Kinderläden. Spielhäuser, Jugendzentren).

Für ein „Linkes Dokumentationszentrum" Frauen (Lebensformen außerhalb der Ehe. Förderung im Beruf, Gesundheitsberatung, spezifische Psychotherapie): 3. Umsetzung der sich aus den ersten beiden Punkten ergebenden Forderungen. D.h. konkrete Arbeit für die Veränderung der Situation von Frauen. Wir streben eine Kooperation mit allen be- und entstehenden Gruppen an. 5. Forderungskatalog 1. Erwerbstätigkeit 1. Reale ökonomische Gleichstellung von Frau und Mann sowie freier Zugang von Frauen und Männern zu allen Berufszweigen.

Dazu sind folgende Schritte notwendig:

- Höherbewertung und bessere Bezahlung für frauentypische"" Berufe; - Förderung der Motivation und des Zugangs von Frauen zu wissenschaftlichen und technischen Berufen; - Förderung der Motivation und des Zugangs von Männern zu Berufen des Sozialen Bereichs Kindererziehung, Gesundheitswesen, Dienstleistung): - Quotenregelung für Leistungs- und Entscheidungsfunktionen; - gleiche Entfaltungsmöglichkeiten von Frauen und Männern in einem Beruf hinsichtlich ihres fachlichen Könnens und Wissens.

2. Eltern- und kinderfreundliche Arbeitsgesetzgebung.

Dazu sind folgende Schritte notwen- - Förderung der Vereinbarkeit von Mutterschaft als auch Vaterschaft und Berufstätigkeit; rünstigungen bzw. intervieru bzw.er anzielen Zulager für Kindererziehende;