Nr. 37/l - 1990 Zur nationalen Frage
Serialemakretilde Bibliotbek.
XXXIII.
Das
Der
Kommunitifhe IManifelt.
Rommunififden Partei.
Dierte euterifirte Deutfoye Slugabe.
Berbffeatfidt in Belruar 1848. Ma doca arars Dorsert oma Srirèrió Gegeis.
Ronbon.
Germao Cooperative Publishing Co.
114 Keotish Towe Road NW.
1630.
Auf den folgenden Seiten veröffentlichen wir einen sche Lemberg. 1942 von der Gestapo in Krakau verhaftet, Text von Roman Rosdolsky zur nationalen Frage, der zu- war er bis 1945 in den Konzentrationslagern Auschwitz, erst in die Internationale, Nr.12, Februar 1978, aus sei- Ravensbrück und Oranienburg eingekerkert. 1947 wannem Nachlaß publiziert worden ist. derte er in die USA aus, wo er bis zu seinem Tod 1967 In der Einleitung zu dieser Erstveröffentlichung schrie- lebte.
ben die Herausgeber: Roman Rosdolsky wurde 1898 im Von Rosdolskys Arbeiten ist in der BRD besonders sein ukrainischen Lemberg [Lwow] geboren, das zur damali- die Marxschen. Grundrisse behandelndes dreibändiges gen Zeit zur österreichisch-ungarischen Monarchie ge- Werk Zur Entstehungsgeschichte des Marxschen ,Kapihörte, heute Teil der Ukrainischen Sowjetrepublik und tal'. Der Rohentwurf des ,Kapitals' 1857-1858 (EVA, damit der UdSSR ist. Schon als Gymnasiast in der soziali- Frankfurt/M. 1968 und 1974) bekannt. . . stischen Bewegung tätig, gründete er während des Ersten Als Angehöriger einer unterdrückten Nation hat sich Weltkrieges die gegen den Krieg kämpfende illegale Orga- Roman Rosdolsky besonders für die nationale Frage internisation ,Internationale Revolutionäre Sozialistische Ju- essiert. Der folgende Text untersucht die Terminologie gend Galiziens*. Nach 1918 lebte er in Prag und Wien. des Kommunistischen Manifests und wendet sich vorran- Anfang der 30er Jahre schloß sich Rosdolsky der trotzki- gig gegen dessen nationalistische Auslegung. .. stischen Bewegung an, und mit ihren Ideen fühlte er sich bis an sein Lebensende verbunden. Als die legale österrei- 1979 erschien als Reprint beim Verlag Olle & Wolter, chische Arbeiterbewegung durch die Errichtung der Doll- Berlin, seine ursprünglich 1964 im Archiv für Sozialgefuß-Diktatur 1934 zerschlagen wurde, mußte Rosdolsky schichte, Bd. IV, erschienene Arbeit Friedrich Engels Wien verlassen und ging zurück in das mittlerweile polni- und das Problem der ‚geschichtslosen' Völker" *
die Internationale
Die Arbeiter und das Vaterland
Zur Auslegung einer Stelle des „Kommunistischen Manifests" ie Stelle, von der hier die Rede, ist Diene, worin die Verlaser destailes stes das Verhältnis des Proletariats zum Vaterlande schildern. Diese Stelle lautet: Den Kommunisten ist ferner vorgeworfen worden, sie wollten das Vaterland, die Nationalität abschaffen.
Die Arbeiter haben kein Vaterland. Man kann ihnen nicht nehmen, was sie nicht haben. Indem das Proletariat zunächst sich die politische Herrschaft erobern, sich zur nationalen Klasse erheben, sich selbst als Nation konstituieren muß, ist es selbst noch national. wenn auch keineswegs im Sinne der Bourgeoisie.
Die nationalen Absonderungen und Gegensätze der Völker verschwinden mehr und mehr schon mit der Entwicklung der Bourgeoisie, mit der Handelsfreiheit, dem Weltmarkt, der Gleichförmigkeit der industriellen Produktion und der ihr entsprechenden Lebensverhältnisse.
Die Herrschaft des Proletariats wird sie noch mehr verschwinden machen. Vereinigte Aktion, wenigstens der zivilisierten Länder, ist eine der ersten Bedingungen seiner Befreiung.
In dem Maße, wie die Exploitation des cinen Individuums durch das andere aufgehoben wird, wird die Exploitation einer Nation durch die andere aufgehoben.
Mit dem Gegensatz der Klassen im Innern der Nation fällt die feindliche Stellung der Nationen gegeneinander.*"
Und einige Seiten vorher heißt es: „Obgleich nicht dem Inhalt, ist der Form nach der Kampf des Proletariats gegen die Bourgeoisie zunächst ein nationaler. Das Proletariat eines jeden Landes muß natürlich zuerst mit seiner eigenen Bourgeoisie fertig werden.":
Die obigen Sätze sind in der sozialistischen Literatur unzählige Male zitiert worden, meistens, um durch sie die negative Haltung der sozialistischen Arbeiterbewegung dem bürgerlichen Patriotismus und Chauvinismus gegenüber zu begründen. Nicht selten aber wurde auch versucht, die scharfe Sprache dieser Sätze abzuschwächen und ihnen einen entgegengesetzten, nationalistischen Sinn zu unterlegen.
Als Beispiel soll uns hier der bekannte deutsche sozialdemokratische Theoretiker Heinrich Cunow dienen. In seinem Buch Die Marsche Geschichts-, Gesellschafts- und Staatstheorie befaßt er sich u. a. auch mit den obigen Stellen. Ihm zufolge wollten Marx und Engels durch ihre Ausführungen einfach sagen:
,Heute (1848) hat der Arbeiter kein Vaterland, er hat keinen eigentlichen Anteil am ROMAN ROSDOLSKY
Leben der Nation, ist noch von ihren materiellen und geistigen Gütern ausgeschlossen. Aber die Arbeiterschaft wird einst die politische Macht erringen und eine dominierende Stellung im Staat und in der Nation einnehmen, und dann, wenn sie sich gewisserma- Ben (!) selbst als Nation konstituiert haben wird, wird sie auch national sein und national fühlen, wenn auch ihr Nationalismus anderer Art sein wird als jener der Bourgeoisie.** Diese Cunowsche* Interpretation stürzt über ein kleines Wort zusammen, und zwar über das Wörtchen noch" (.,Indem das Proletariat ... sich selbst als Nation konstituieren muß, ist es selbst noch national'*), das in der Tat eine ganze Welt bedeutet und den proletarischen Internationalismus vom bürgerlichen Nationalismus scheidet.
Die Cunowsche Auslegung hat im reformistischen Lager Schule gemacht; sie hat aber nach dem Zweiten Weltkrieg auch in den kommunistischen Kreisen Eingang gefunden! So lesen wir in der „Einleitung" zu der im Wiener Stern-Verlag 1946 erschienenen Ausgabe des Manifestes:
Wenn Marx im Kommunistischen Manifest sagt: Indem das Proletariat sich zunächst die politische Herrschaft erobern, sich zur nationalen Klasse erheben, sich selbst als Nation konstituieren muß, ist es selbst noch national", so befinden wir uns heute gerade in der Zeit, wo die Arbeiterklasse national auftritt, als das Rückgrat der Nation im Kampfe gegen Faschismus und für die Demokratie. Die Arbeiterschaft Österreichs kämpft heute mit dem ganzen werktätigen Volk um die Eroberung ihres österreichischen Vaterlandes, durch die Schaffung eines unabhängigen, freien und demokratischen Österreich. "s Daß diese Auslegung der Cunowschen vollkommen gleicht, ja, sie sogar überbietet. ist einleuchtend.
Im vollen Gegensatz zu diesen nationalistischen Interpretierungsversuchen steht die Auslegung der erwähnten Sätze des Manifestes, die sich in Lenins Skizze Karl Marx findet:
Die Nationen sind ein unvermeidliches Produkt und eine unvermeidliche Form der bürgerlichen Epoche der gesellschaftlichen Entwicklung. Auch die Arbeiterklasse konnte nicht erstarken, ins Mannesalter eintreten und sich formieren, ohne ,sich selbst als Nation zu konstituieren*, ohne „national zu sein, (.wenn auch keineswegs im Sinne der Bourgeoisie*). Aber die Entwicklung des Kapitalismus zerstört mehr und mehr die nationalen Schranken, hebt die nationale Absonderung auf und setzt an die Stelle der nationalen Antagonismen die der Klassen. In den entwickelten kapitalistischen Ländern ist es daher volle Wahrheit, daß die Arbeiter kein Vaterland haben und daß die , vereinigte Aktion' der Arbeiter wenigstens der zivilisierten Lander für das Proletariat ,eine der ersten Bedingungen seiner Befreiung ist.*6 Indes, auch diese Leninsche Auslegung befriedigt nicht, wie sehr sie auch inhaltlich vom Geiste des Marxismus getragen ist. Ei nes fällt hier nämlich sofort auf: Während im Manifest das Proletariat auch nach der Erobe rung der Staatsmacht „noch national" ist, bezieht sich bei Lenin dieses national sein" der Arbeiterklasse nur auf die Anfänge der Arbeiterbewegung, bevor die Arbeiterklasse in ihr „Mannesalter" eingetreten ist. Im entwickelten Kapitalismus hätten die Arbeiter. Lenin zufolge, erst recht kein Vaterland"! Soviel über die bisherigen Auslegungen der erwähnten Sätze des Manifestes. Es mag vielleicht nicht sonderbar erscheinen, daß man die Bedeutung dieser Sätze erst durch Interpretierungen zu ergründen suchte. Viel sonderbarer ist jedenfalls der Umstand, daß sie im Laufe der Zeit zu einer Art von Glaubenssätzen geworden, daß daraus programmatische Losungen von größter Tragweite abge leitet wurden, ohne daß man sich in den meisten Fällen über den wirklichen Sinn dieser Sätze viel Kopfzerbrechen gemacht hätte! Das gilt insbesondere für den Satz, wonach die Arbeiter „kein Vaterland" hätten. Je leichter es fiel, ihn beständig zu wiederholen, desto schwieriger war es, diesen so einfach scheinenden Satz zu erklären und ihn mit der Praxis der sozialistischen (und später auch der kommunistischen) Parteien in Einklang zu bringen. Diese Praxis aber schien immer häufiger die Verfasser des Manifestes Lügen zu strafen!
*** Was ist nun der wirkliche Sinn der betreffenden Äußerungen des Manifestes? Wieso haben die Arbeiter kein Vaterland" . und wieso werden sie trotzdem auch nach ihrer Machtergreifung vorderhand „noch national" bleiben? - Um diese Frage zu beantworten. ist es u. E. zuallererst nötig, die Terminologie des Manifestes einer Prüfung zu unterziehen. • Bekanntlich werden die Termini Nation" und „Nationalität" nicht immer und überall in gleichem Sinne gebraucht. Während z.B in England und Frankreich unter einer Nation" zumeist die Bevölkerung eines Staates verstanden wird und das Wort „Nationalität" dort entweder als Synonym der Staatsangehörigkeit oder aber zur Bezeichnung einer ethnisch-sprachlichen Gemeinschaft (.. Volk"*) dient, werden bei uns beide Termini vor allem auf ethnisch-sprachliche Gemeinschaften bezogen.?
die Internationale
Marx und Engels folgen - besonders in ihren Jugendschriften - fast durchwegs dem englisch-französischen Sprachgebrauch. Mit Auch im „Kommunistischen Manifest" dem Worte „Nation" wird also von ihnen lassen sich mehrere Belege für den von uns meistens die Bevölkerung eines Staates bzw behaupteten Sprachgebrauch finden. Wenn ihren eigenen Staat besitzende Volks- z.B. das Manifest von nationalen Indugemeinschaft" bezeichnet. (Ausnahmsweise strien" spricht, denen die Entwicklung des wird von ihnen dieses Wort auch auf ,.histori- Kapitalismus den Boden unter den Füßen sche"* Völker angewandt, die - wie z. B. die wegzieht"), so sind hier offenbar auf das Ter- Polen - ihres Staates verlustig gingen.) Die ritorium eines bestimmten Staates be- „Nationalität" hingegen bedeutet ihnen: 1.) schränkte Industrien gemeint. In demselben die Zugehörigkeit zu einem Staat oder Staats- Sinne sind natürlich auch die am Schluß des volk. den „Zustand" eines Staatsvolkes. zweiten Teiles erwähnten „Nationalfabriken" ner Nation im politischen Sinne®, und 2.) die zu verstehen. Auch im Satze: Unabhängige. ethnisch-sprachliche Gemeinschaft bzw. fast nur verbündete Provinzen mit verschiede- Zugehörigkeit zu einer solchen. Deshalb be- nen Interessen, Gesetzen, Regierungen und nutzen sie fast ausschließlich dieses Wort, Zöllen wurden zusammengedrängt in eine wenn es sich um „geschichtslose" Völker Nation, eine Regierung, ein Gesetz, ein natiowie die österreichischen Slawen (Tschechen. nales Klasseninteresse, eine Douanenlinie**** Ukrainer usw.) oder um bezicht sich das Wort „Nation" (sowie das „Völkertrümmer" (wie die Gälen, Bretonen. Wort national") auf den Staat, das Staats- Basken) handelt. Und eben diese Auffassung volk, und nicht auf die Nationalität im ethder „Nationalität" — im Gegensatz zur ,.Na- nisch-sprachlichen Sinne. Und schließlich. als Bezeichnung eines „historischen" wenn Marx und Engels im Manifest von ei- Staatsvolkes — ist für die Terminologie von nem "nationalen" Kampf des Proletariats Engels und Marx besonders charakteristisch! sprechen, so bedeutet das etwas ganz anderes Hier einige Beispiele: als die reformistischen und neoreformisti- Die Hochland-Gälen und die Waliser" schen Ausleger des Manifestes meinen. Das schrieb Engels 1866 in der Zeitschrift The erhellt schon aus der folgenden Stelle, die das Commonwealth, ,unterscheiden sich zweifel- Werden des proletarischen Klassenkampfes los der Nationalität nach von den Engländern, schildert: doch niemandem fiele ein, diese Reste längst „Im Anfang", heißt es dort, kämpfen die verschwundener Völker — oder gar die kelti- einzelnen Arbeiter, dann die Arbeiter einer schen Bewohner der Bretagne in Frankreich Fabrik, dann die Arbeiter eines Arbeitszwei- — als Nationen zu bezeichnen. *10 ges an einem Ort gegen den einzelnen Bour- Von den österreichischen Slawen aber sagt geois. der sie direkt ausbeutet. Es bedarf er in dem Artikel ..Deutschland und der Pan- aber bloß der Verbindung, um die vielen Loslawismus** (1855): kalkämpfe von überall gleichem Charakter zu Die österreichischen Slawen zerfallen so einem nationalen, zu einem Klassenkampfe in zwei Klassen: Ein Teil davon besteht aus zu zentralisieren. "*15 Trümmern von Nationalitäten, deren eigne Hier wird der „nationale" (d.h. im gesamt- Geschichte der Vergangenheit angehört und staatlichen Maßstabe geführte) Kampf des deren gegenwärtige historische Entwickelung Proletariats direkt dem Klassenkampf gleichan die von Nationen verschiedener Race und gesetzt, weil nur eine solche Zentralisierung Sprache gebunden ist. .. Diese Nationalitã- der Kämpfe der Arbeiter im Staatsmaßstab ten daher, obgleich ausschließlich auf öster- die Arbeiter als Klasse der Klasse der Bourreichischem Boden lebend, sind keineswegs geoisie entgegenzustellen und diesen Kämpanerkannt als verschiedene Nationen konstitu- fen selbst den Stempel politischer Kämpfe iert."" aufzudrücken vermag. 1 Indem also — um auf Und an noch einer Stelle: die eingangs zitierte Stelle zurückzukommen Weder Böhmen noch Kroatien waren - Marx und Engels den Kampf des Proletaristark genug. um als Nation eine selbständige ats gegen die Bourgeoisie als einen zunächst Existenz zu führen. Die eine wie die andere nationalen** bezeichneten, haben sie offenbar Nationalität, nach und nach durch die Wir- nur einen zunächst im Rahmen eines Staates kung geschichtlicher Ursachen untergraben. geführten Kampf im Auge. Das folgt klar aus die unvermeidlich zu ihrer Aufsaugung durch der Begründung dieses Satzes, wonach das kraftvollere Stämme führen, konnte nur dann Proletariat eines jeden Landes natürlich zuerst hoffen. wieder eine gewisse Selbständigkeit mit seiner eigenen Bourgeoisie fertig werden zu erlangen, wenn sie sich mit andern slawi- muß. Aber auch der Satz von der Erhebung schen Völkern verband. *12 des Proletariats zur „nationalen Klasse"*"? Welches große Gewicht aber Engels der von seiner Konstituierung als Nation", erterminologischen Abgrenzung der Begriffe hält von diesem Gesichtspunkt eine ganz be- „Nation"* und Nationalität" beilegte, kann stimmte Bedeutung. Er besagt in der Tat man aus dem zitierten Aufsatz im Common- nichts anderes, als daß das Proletariat sich wealth ersehen, worin er den Unterschied und zunächst nach den bestehenden Staatsgrenzen Gegensatz von „nationaler" und Nationali- richten. sich innerhalb der bestehenden Staatätenfrage", von nationalem" und Natio- ten zur herrschenden Klasse machen muß. nalitätenprinzip * begründet. Nur das erste Deshalb wird es vorderhand „noch national" Prinzip wird von ihm bejaht, das zweite hin- sein, wenn auch keineswegs im Sinne der gegen entschieden abgelehnt. Bourgeoisie*, die in der politischen Absonderung der Völker und in der Exploitation fremder Nationen durch die eigene ihr Ziel erblickt. Demgegenüber wird die siegreiche Arbeiterklasse von Anfang an auf die Beseitigung der nationalen Absonderungen und Gegensätze der Völker hinwirken und durch ihre Herrschaft die Voraussetzungen dafür schaffen, daß mit dem Gegensatz der Klassen innerhalb der Nation" zugleich auch „die feindliche Stellung der Nationen gegeneinander" verschwinde. Von diesem (und nur von diesem) Gesichtspunkt kann überhaupt von einer „Abschaffung" oder „Vernichtung" der Nationalität gesprochen werden - inwiefern darunter die Beseitigung nicht der bestehenden sprachlich-ethnischen Gebilde (was ganz sinnlos wäre!), sondern der politischen Abgrenzungen der Völker verstanden werden soll. " In einer Gesellschaft, worin — nach den Worten des Manifestes — „die öffentliche Gewalt den politischen Charakter (verlieren)"°, worin der Staat als solcher absterben" wird, kann es allerdings auch für besondere Nationalstaaten keinen Raum mehr geben!
*** Die Untersuchung der Terminologie des Manifestes hat sich also, wie wir glauben, als fruchtbar erwiesen. Sie zeigt uns, daß die in Frage stehenden Sätze sich vor allem auf die „Nation" und „Nationalität" im politischen Sinne beziehen und aus diesem Grunde mit den bisherigen Deutungen nicht gut vereinbart werden können. Das betrifft insbesondere die durchaus willkürliche und sophistische Auslegung Cunows, der gerade aus dem Manifest einen spezifischen proletarischen Nationalismus* ableiten und die Internationalität der Arbeiterbewegung auf das Streben nach der internationalen Zusammenarbeit der Völker reduzieren wollte. 20 Ebensowenig aber kann aus dem Manifest geschlossen werden, daß es etwa einen Nihilismus" des Proletariats in der nationalen Frage, seine Indifferenz den nationalen Bewegungen gegenüber predige: Die .. Vaterlandslosigkeit" der Arbeiter, von der es spricht, bezieht sich auf den bürgerlichen Nationalstaat, nicht aber auf das Volkstum, die Nationalität im ethnischen Sinne. Die Arbeiter haben „kein Vaterland", weil sie den bürgerlichen Nationalstaat als eine gegen sie gerichtete Unterdrückungsmaschine anschen müssen?; und sie werden auch nach ihrer Machtergreifung kein Vaterland" (im politischen Sinne) haben, inwiefern nach Marx die besonderen sozialistischen Nationalstaaten nur eine Durchgangsetappe auf dem Wege zur klassen- und staatenlosen Gesellschaft der Zukunft darstellen werden und inwiefern der Aufbau dieser Gesellschaft nur im internationalen Maßstab möglich ist. — Die „indifferentistische"* Deutung des Manifestes, wie sie in den „orthodoxen"2 marxistischen Kreisen üblich war, ist daher keineswegs berechtigt. Wenn trotzdem diese Deutung im ganzen und großen der sozialistischen Bewegung wenig Abbruch tat, sondern sie sogar förderte. so lag das daran, daß sie - wiewohl in verzerr-
ter Form - die der revolutionären Arbeiterbewegung innewohnende kosmopolitische Tendenz", ihr Streben nach der Überwindung der „nationalen Beschränktheit" und der „nationalen Absonderungen und Gegensätze der Völker" widerspiegelte. In diesem Sinne aber kam sie dem Geiste des Marxismus und des Manifestes unvergleichlich näher als die borniert-nationalistische Auslegung Bernsteins, Cunows und anderer. * Anmerkungen:
K. Marx/F. Engels, Manifest der Kommunistischen Partei (1848), in: Werke [MEW]. Bd. 4. Ber lin 1964. S. 479 - Ebd., S. 473.
" H. Cunow, Die Marxsche Geschichts-, Gesellschafts- und Staatstheorie, Bd. II, Berlin 1921, S 30.
* Cunow war freilich nicht der erste, der das Manifest in diesem Sinne umdeutete. Wie viele andere reformistische Neuerungen, geht auch diese auf den Vater des Reformismus, Eduard Bernstein, zurück. Wir lesen in seinem Artikel ,,Die deutsche Sozialdemokratie und die türkischen Wirren" (Die Neue Zeit. 1896/1897, Nr. 4. S.I|1f.): Der Satz, daß der Proletarier kein Vaterland hat, wird von dem Augenblick an, wo, und in dem Maße modifiziert, als derselbe als vollberechtigter Staatsbürger über die Regierung und Gesetzgebung seines Landes mitzubestimmen hat und dessen Einrichtungen nach seinen Wünschen zu gestalten vermag." > Daß die Arbeiterschaft Osterreichs, der das sogenannte österreichische Vaterland" durch den Sieg der Alliierten aufdiktiert wurde, etwa um die Verwirklichung des Sozialismus kämpfen könnte, kommt dem Verfasser der „Einleitung" nicht in den Sinn.
• W. I. Lenin, Karl Marx (1915), in: Werke, Bd. 21. Berlin 1968. S. 61f.
Auch der Begriff Nation", schreibt Karl Kautsky, ist schwer abzugrenzen. Die Schwierigkeit wird nicht vermindert dadurch, daß zwei verschiedene gesellschaftliche Gebilde mit demselben Wort bezeichnet werden und dasselbe Gebilde mit zwei verschiedenen Worten. - In Westeuropa, mit seiner alten kapitalistischen Kultur, fühlt sich die Bevölkerung jedes Staates mit ihm fest verbunden. Da wird als Nation die Bevölkerung eines Staates bezeichnet. In diesem Sinn spricht man z. B. von einer belgischen Nation. Je weiter östlich wir in Europa kommen, desto zahlreicher die Bevölkerungsteile in einem Staate, die ihm nicht angehören wollen, die in ihm eigene nationale Gemeinschaften bilden. Man nennt sie ebenfalls Nationen* oder ,Nationalitäten". Am zweckmäßigsten wäre es wohl, auf sie nur die letztere Bezeichnung anzudie Internationale wenden." (K. Kautsky. Die materialistische Geschichtsauffassung. Bd. II. Berlin 1927, S. 441.) * Eine Bedeutung, die am chesten der Definition Friedrich Naumanns entsprechen würde: Im politischen Sinne bezeichnet die Nation die Gesamtheit der Angehörigen cines Staates . ... u. ZW. speziell solchen Kulturstaates, dessen Bevölkerung ihrem Kerne nach eine Nation (im eigentlichen und ursprünglichen Sinne dieses Wortes) bildet, oder.. welcher eine Nation im eigentlichen Sinne zu schaffen befähigt erscheint". (F. Naumann. Volk und Nation, 1888, S.1316.)
• So schrieb Marx 1843: ..Während das Problem in Frankreich und England lautet: Politische Ökonomie oder Herrschaft der Sozietär aber den Reichtum. lautet es in Deutschland: National-Ökonomie oder Herrschaft des Privateigentums über die Nationalität." (K. Marx. Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie. Einleitung. MEW. Bd.1, Berlin 1981. S. 382.) Hier ist unter Nationalität" bestimmt kein ethnisch-sprachliches Gebilde gemeint. - Vgl. Marx" Rede über Polen vom 22. Februar 1848: Les trois puissances (d.h. Preußen, Osterreich und Rußland, R.R.) ont marché avec l'histoire. En 1846, lorsqu'en incorporant Cracovie à l'Autriche, ils confisquèrent les derniers débris de la nationalité polonaise ... [Die drei Mächte sind mit der Geschichte mitgegangen. Als sie 1846 Krakau Osterreich einverleibten, raubten sie die letzten Reste der polnischen Nationalität J" (K. Marx/F. Engels, Historisch-kritische Gesamtausgabe [MEGA]. Erste Abteilung, Bd. 6, Berlin 1932, S. 408 [vgl. MEW, Bd. 4, S. 519]). Auch hier, wie an vielen anderen Stellen bei Marx und Engels, wird unter Nationalität" nichts anderes als die Staatlichkeit verstanden.
10 F. Engels, Was hat die Arbeiterklasse mit Polen zu tun? (1866), MEW, Bd. 16, Berlin 1962, S.157.. " F. Engels, Deutschland und der Panslawismus (1855), MEW. Bd.I1. Berlin 1961. S.194. I2 F. Engels, Revolution und Konterrevolution in Deutschland (1852), MEW. Bd. 8. Berlin 1960. S. 53.
" Manifest der Kommunistischen Partei. a.a.O.. S. 466.
1 Ebd., S. 467.
15 Ebd., S. 470f.
16 Vgl. Die deutsche Ideologie: Die Bourgeoisie ist schon, weil sie eine Klasse, nicht mehr ein Stand ist, dazu gezwungen, sich national, nicht mehr lokal zu organisieren und ihrem Durchschnittsinteresse eine allgemeine Form zu geben." (K. Marx/F. Engels, Die deutsche Ideologie [1846]. MEW, Bd. 3. Berlin 1958, S. 62.)
17 In der englischen, von Engels revidierten Übersetzung des Manifestes vom Jahre 1888 wird die ,nationale Klasse" mit den Worten leading class of the nation"* [führende Klasse der Nation] wiedergegeben.
** In diesem Sinne schrieb Engels 1845: Die Proletarier allein können die Nationalität vernichten, das erwachende Proletariat allein kann die verschiedenen Nationen fraternisieren lassen." (Das Fest der Nationen in London, MEW. Bd. 2. Berlin 1957, S. 614.) - Ähnlich wird in der Deutschen Ideologie das Proletariat als eine Klasse bezeichnet. die schon der Ausdruck der Auflösung aller Klassen, Nationalitäten etc. innerhalb der jetzigen Gesellschaft". bei der die Nationalität schon vernichtet" ist. (Die deutsche Ideologie. a.a.O., S. 70 und S. 60. — Vgl. auch ebd., S. 449.) 19 Manifest der Kommunistischen Partei. a.a.O.. S. 482.
20 Als der Gipfel der Cunowschen Mißdeutung des Manifestes ist wohl die folgende Stelle seines Buches zu bezeichnen: ,,Und ebensowenig kann aus der Aufforderung: Proletarier aller Länder vereinigt euch!" (zur Durchsetzung ihrer Befreiung) geschlossen werden, Marx hätte damit sagen wollen, der Arbeiter stehe außerhalb der nationalen Gemeinschaft. Genauso wenig wie der Aufruf: Journalisten. Arzte, Philologen etc. schließt euch zur Durchsetzung curer Aufgaben zu internationalen Verbänden zusammen!" besagt, daß die Angehörigen dieser Berufsgemeinschaften sich nicht mit ihrer Nationalität verbunden fühlen dürften (Cunow, a.a.O., S. 29.)
Vgl. Marx' Kritik am Programm der deutschen Arbeiterpartei (1875), dessen Punkt 5 lautete: Die Arbeiterklasse wirkt für ihre Befreiung zunächst im Rahmen des heutigen nationalen Staats, sich bewußt, daß das notwendige Ergebnis ihres Strebens. welches den Arbeitern aller Kulturländer gemeinsam ist, die internationale Völkerverbrüderung sein wird."
Dazu schrieb Marx: ..Lassalle hatte, im Gegensatz zum Kommunistischen Manifest* und zu allem früheren Sozialismus, die Arbeiterbewegung vom engsten nationalen Standpunkt gefaßt. Man folgte ihm darin — und dies nach dem Wirken der Internationalen!
Es versteht sich ganz von selbst, daß, um überhaupt kämpfen zu können, die Arbeiterklasse sich bei sich zu Haus organisieren muß als Klasse. und daß das Inland der unmittelbare Schauplatz ihres Kampfs. Insofern ist ihr Klassenkampf, nicht dem Inhalt, sondern. wie das ,Kommunistische Manifest" sagt. „der Form nach' national. Aber der , Rahmen des heutigen nationalen Staats'*, z.B. des Deutschen Reichs, steht selbst wieder ökonomischim Rahmen des Weltmarkts*, politisch im Rahmen des Staatensystems*. Der erste beste Kaufmann weiß, daß der deutsche Handel zugleich ausländischer Handel ist, und die Größe des Herrn Bismarck besteht ja eben in seiner Art internationaler Politik.
Und worauf reduziert die deutsche Arbeiterpartei ihren Internationalismus? Auf das Bewußtsein. daß das Ergebnis ihres Strebens ,die internationale Volkerverbrüderung sein wird' — eine dem bürgerlichen Freiheits- und Friedensbund entlehnte Phrase. die als Äquivalent passieren soll für die internationale Verbrüderung der Arbeiterklassen im gemeinschaftlichen Kampf gegen die herrschenden Klassen und ihre Regierungen. Von internationalen Funktionen der deutschen Arbeiterklasse also kein Wort!" (K. Marx, Randglossen zum Programm der deutschen Arbeiterpartei, MEW. Bd.19, Berlin 1962, S. 23f.)
2 In einem seiner Notizbücher exzerpierte Marx folgende Stelle aus Brissot de Warvilfe: Es gibt eine Reflexion, welche die erst ahnen, die Erziehungspläne für das Volk geben. — daß es keine Güte geben kann, da 3/4 von dem Volke eigentumslos ist; denn ohne Eigentum hat es kein Vaterland. ohne Vaterland ist alles gegen es, und seinerseits muß es bewaffnet sein gegen alle ... Da dies der Luxus von 3/4 der bürgerlichen Gesellschaft ist. folgt. daß diese 3/4 weder Religion, noch Moral. noch Anhänglichkeit an die Regierung und das Gouvernement haben können. * (MEGA. Erste Abteilung, Bd. 6, S. 617.)
22 Beim Gebrauch dieses Ausdrucks (Orthodoxie, R.R.) darf man jedoch niemals vergessen, daß er. von den Gegnern in die Polemik geworfen wurde. daß die Orthodoxen' nicht Kritik überhaupt, sondern nur die ,Kritik' der Eklektiker ablehnen ..." (W. I. Lenin, Eine unkritische Kritik [1900], in: Werke, Bd. 3, Berlin 1968, S. 654.) "* Der Kosmopolitismus gilt allerdings — seit Stalin! — als die schlimmste bürgerliche Untugend Allerdings pflegte ein gewisser Friedrich Engels von den gemeinsamen kosmopolitischen Interessen des Proletariats* (Brief an F. A. Sorge vom 12.-17. September 1874, MEW. Bd. 33. Berlin 1966, S. 641) zu sprechen, und uns ist die Gesellschaft von Engels doch lieber als die von Stalin und seinen Nachfolgern. **
daß ein zu ausgedehnter Privatsektor nicht den wirklichen Interessen der Bevölkerung entspricht. Deshalb sind wir dagegen, große, mittlere und kleine Privatunternehmen zu ermutigen. Andererseits haben wir keine Einwände gegen kleine Unternehmer, die durch ihre Arbeit dazu beitragen, die Bedürfnisse der Bürger zu befriedigen und mehr Dynamik in die Wirtschaft bringen. Die Gesellschaft darf jedoch die Entwicklung von Ausbeutungsverhältnissen nicht hinnehmen.
8. In einer ersten Zeit wird der Staat sicher eine entscheidende Rolle bei der Verwirklichung des oben skizzierten politischen Systems und bei der Einführung des neuen Wirtschaftssystems der Geldund Warenbeziehungen spielen. Der Staat muß vor allem das Wachstum sozialer Ungleichheiten und der daraus enstehenden Spannungen verhindern oder doch zumindest lindern. Wir werden uns bemühen, die Einmischung des Staates in das Leben der Gesellschaft auf ein Minimum zu begrenzen. Der Umfang und die Intensität dieser Einmischung müssen in dem Maße abnehmen, wie die Leute — als Staatsbürger und Werktätige - auf dem Wege der Selbstverwaltung in einer freien und harmonischen selbstverwalteten Gesellschaft voranschreiten Alles, was hier über den Staat gesagt wurde, gilt auch für das Recht. Die Perspektive seines Absterbens darf auf keinen Fall zu seiner vorzeitigen Leugnung oder Unterschätzung führen. Das Absterben des Rechts darf nicht mit Willkür verwechselt werken.
9. Im Interesse der Arbeiterinnen und Arbeiter ist die Existenz freier, selbstverwalteter, militanter und nichtbürokratisierter Gewerkschaften von erstrangiger Bedeutung, besonders in einer Zeit der Wirtschaftsreformen. Es versteht sich von selbst, daß diese Gewerkschaftsorganisationen weder dem wirtschaftlichen Apparat noch dem des Staates oder den Selbstverwaltungsorganen angeschlossen sein dürfen. Die Gewerkschaftsbewegung muß zu ihrer natürlichen Bestimmung wiederfinden, d.h. sie muß ihre Aktivitäten anstatt auf den bürokratischen Apparat auf die Basis ausrichten. Eine Erneuerung der Gewerkschaftsbewegung von unten ist heute eine Notwendigkeit geworden. Es ist Sache der Arbeiterinnen und Arbeiter selbst, darüber zu entscheiden, ob sie die bestehenden gewerkschaftlichen Strukturen benutzen wollen, um sie in Instrumente des Kampfes für die Verteidigung ihrer Interessen zu verwandeln, oder ob sie sich dafür entscheiden, neue Organisationen zu TSCHECHOSLOWAKEI schaffen.
10. Die ökologische Lage erfordert eine rasche Lösung. Diese sehen wir auf der Grundlage sozialer Selbstregulierung mittels effizienter Rückkoppelung über demokratische Mechanismen, einer cffektiven staatlichen Regulierung und Inspektion und vor allem auf Grundlage des Zugriffs auf jede relevante Information durch die Bevölkerung. Diese Krise (die auch das Gesundheitswesen betrifft, dessen Qualität ständig schlechter wird und das je nach der Zugehörigkeit zu einer sozialen Kaste in diskriminierender Weise funktioniert) ist die Ursache der schnellen und gefährlichen Verschlechterung des Gesundheitszustands der Bevölkerung. Eine echte Lösung der ökologischen Krise setzt eine Veränderung des politischen Systems - durch die Schaffung der Demokratie - voraus. 11. Die Völker Osteuropas sind an cinem Scheideweg angelangt. Die bestehende soziale Ordnung bricht zusammen. Diese Weltregion liegt sichtlich weit hinter den entwickelten Ländern Westeuropas und Nordamerikas zurück. Es existiert real die Gefahr, daß die Länder des Ostens in eine politische und wirtschaftliche Abhängigkeit von den entwickelten kapitalistischen Ländern geraten können, daß sie zu ihrer unterentwickelten Peripherie, ihrem Reservoir an billiger Arbeitskraft und billigen Rohstoffen werden; daß Osteuropa zu einer Region wird, in die die entwickelten Länder ihre überholten und ökologisch schädlichen Technologien sowie ihren gefährlichen Abfall exportieren können.
Die Führungen der osteuropäischen Länder, auch die der CSSR, stärken weiter jede für sich die wirtschaftlichen Kontakte zum Westen, ohne jede Koordination, als ob keine solche Gefahr existierte.
Die revolutionären Veränderungen. durch die sich die Völker dieser Region von der bürokratischen Herrschaft befreien, müssen nicht nur auf Wirtschaftsreformen hinauslaufen, die Marktbeziehungen und eine selbstverwaltete Wirtschaft einführen, sondern auch auf eine weitergehende wirtschaftliche und politische Integration in diesem Teil Europas. Diese freiwillige Integration muß auf der Grundlage demokratischer Prinzipien, des gegenseitigen wirtschaftlichen Nutzens und in Form einer Konföderation stattfinden. Wir müssen auch von den Erfahrungen lernen, die während des Prozesses der westeuropäischen Integration gemacht worden sind.
Die Entwicklung Europas und der ganzen Welt bewegt sich in Richtung auf eine Situation, in der die Grenzen zwischen den Staaten immer mehr an Bedeutung verlieren.
12. Die ungleiche weltweite Entwicklung, die sich in einem stetig wachsenden Graben zwischen der überentwickelten Minderheit der Menschheit einerseits und der | leidenden, unterentwickelten Welt andererseits äußert, stellt für uns in all seinen Aspekten - ökonomisch, politisch, ökologisch und moralisch - das Hauptproblem auf unserem Planeten dar. Mit einem solchen Zustand kann man nicht einverstanden sein. Wir müssen unsere nationalen Probleme stets in ihrem weltweiten Zusammenhang sehen, denn die Menschheit und ihre Rechte sind unteilbar. Wir in der CSSR werden uns bemühen, Wege zu einer effektiven Solidarität mit den Völkern der „Dritten Welt" zu finden, und uns für eine Änderung der ökonomischen und politischen Weltordnung einsetzen.
13. Die Linke Alternative wünscht in der CSSR zum Entstehen machtvoller politischer und allgemeiner sozialer Aktivitäten von unten beizutragen, in denen nicht nur formale Organisationen, Parteien und Verbände einbezogen sind. sondern auch informelle soziale Gruppen, Bewegungen und Initiativen. Diese Aktivitäten werden die Rückkopplung liefern und als Instrument der Kontrolle über die sozialen Strukturen und Machtzentren fungieren, die weiterhin von oben geführt sein werden. Sie werden auch eine Garantie gegen eine erneute Bürokratisierung des sozialen Lebens darstellen.
14. Wir betrachten uns als Teil eines wachsenden politischen Spektrums in der CSSR. Wir sind bereit, mit allen zusammenzuarbeiten, die sich ernsthaft für eine demokratische Revolution einsetzen, einschließlich der Wiedereroberung der Demokratie gegen den bürokratischen Apparat von Partei und Staat und der Durchführung politischer und wirtschaftlicher Verbesserungen. Jede Person, die mit der Hauptlinie dieses Textes, der weiter zur Diskussion steht, übereinstimmt, kann sich an der Arbeit der Linken Alternative beteiligen.
Die Beteiligung an der Linken Alternative schließt die Aktivität im Rahmen anderer unabhängiger Initiativen, sozialen Bewegungen und Organisationen (auch offizieller) nicht aus. Unsere Bewegung bleibt jedoch für alle diejenigen geschlossen, die für die politische und soziale Unterdrückung sowie die wirtschaftliche Stagnation unseres Landes verantwortlich sind. *
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