Vor über cinem Jahr - im publik und West-Berlin geführten April 1988 — haben sich deutsche Diskussion über die deutschen Unterstützer des internationalen Opfer des Stalinismus sowie der Aufrufs „Für die vollständige Weigerung der SED-Führung, Rehabilitierung der Opfer der sich dieser unbewältigten Ver- Moskauer Prozesse!" an den Bot- gangenheit ernsthaft zu stellen, ist schafter der UdSSR in Bonn ge- ein erneuter Appell notwendig. wandt und darauf hingewiesen, ,daß zahlreiche deutsche Kom- Wir fordern die Regierung der munisten - Männer und Frauen UdSSR um der historischen -, die auf der Flucht vor den Wahrheit willen auf, ihr Eintreten Nazis Asyl in Ihrem Land suchten für Glasnost" (Offenheit) daund fanden, ebenfalls zu denen durch zu beweisen, daß die sogehören, die in der Stalin-Ära li- wjetischen Archive für jeden Inquidiert worden sind" [vgl. In- teressierten geöffnet werden. Nur prekorr, Nr. 204, Juni 1988]. so können die Schicksale auch der Der Umfang der stalinistischen deutschen Opfer des stalinisti- Verbrechen gegen diese Men- schen Terrors geklärt werden. schen ist noch immer nicht genau Wir fordern die Führung der zu bestimmen, wenngleich vor SED auf, die in der UdSSR verkurzem die bisher vollständigste folgten und ermordeten deutschen Liste der Opfer - rund 350 Na- Kommunistinnen und Kommunimen - vorgelegt werden konnte. sten umgehend und ohne Ein- Vor dem Hintergrund der mitt- schränkung zu rehabilitieren. Nur lerweile erfolgten Rehabilitierung so können „weiße Flecken" in von Opfern der Moskauer Pro- der Geschichte der deutschen und zesse in der UdSSR und vor dem internationalen Arbeiterbewe- Hintergrund der in der Bundesre- gung beseitigt werden. Bisherige Unterzeichner (Stand 8. September 1989): Gert Bastian (Die GRUNEN), Willy Boepple (Mitglied der KPD von 1930-1949; ehemaliger Landesvorsitzender der KPD Baden), Heinz Brakemeyer, Peter Brandt, Ulrich Briefs (MdB Die GRUNEN), Helmut Dahmer, Iring Fetscher, Ossip K. Flechtheim, Helmut Fleischer, Jürgen Fuchs, Georg Fülberth (DKP), Wolfgang Gehrcke (DKP), Oskar Hippe, Petra Kelly (MdB Die GRU Kofler, Lew Kopelew, Steffen Lehndorff (DKP), Richard Lorenz, Möller (Arbeiterkampt, KB), Jakob Moneta, Peter von Oertzen (SPD) Dorothée Piermont (Die GRÜNEN), Peter Schütt (DKP), Hans-Jürgen Schulz (VSP), Günter Wallraff, Hermann Weber, Detlev zum Winkel (Arbeiterkampf, Konkret), Winfried Wolf (Sozialistische Zeitung - SoZ, VSP) u.v.a.
Initiiert wurde der Aufruf nach der Veröffentlichung der Untersuchung von Hermann Weber (. Weiße Flecken" in der Geschichte. Die KPD-Opfer der Stalinschen Säuberungen und ihre Rehabilitierung, Frankfurt: isp-Verlag, 1989). In diesem Buch wird belegt, wieviele Kommunistinnen und Kommunisten, die vor dem faschistischen Terror in die Sowjetunion geflüchtet waren, dort durch den stalinistischen Terrorapparat ermordet wurden und teils auch, wer sie waren. Für die damalige KPD-Führung waren die Verfolgten ,kriminelle Verbrecher' und ,Gesindel", das , völlig auszurotten' sei. Geschildert wird, wie SED und DKP bisher diese Geschichte verdrängten und eine Rehabilitierung behaupteten, die nie stattfand." (Hans-Jürgen Schulz in Inprekorr. Nr. 215, Mai 1989.)
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IV. INTERNATIONALE