Dreißig Jahre nach der kubanischen Revolution zeigt die Verwicklung hoher Funktionäre in den Drogenhandel das Ausmaß der Krise des Apparats der Kommunistischen Partei Kubas (PCC). Die mit der UdSSR zur Zeit des Gorbatschow-Besuchs im April geschlossenen Abkommen weisen auf die wirtschaftlichen Schwierigkeiten und die politische Sackgasse hin, in der sich die Castro-Führung befindet. s ist jetzt möglich, eine vorläufige Kuba genau zu bestimmen, " erklärt Bre- Eter sowiesehen Hite rir kiba zinski, der allerdings auf ein Handelsde- / der sowjetischen Hilfe für Kuba fizit gegenüber der UdSSR von 1,6 Milliund der Integration Kubas in den Rat für arden Pesos im Jahre 1987 kommt, der gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW) höchsten bisher erreichten Zahl. Was die vorzunehmen. Wissenschaftliche Studien Wiederausfuhr von Erdöl betrifft, die von auf dem Gebiet der sowjetisch-kubani- 1983 bis 1985 noch 500 Millionen in schen Handelsbeziehungen (von Turits, Devisen einbrachte, so ist dieser Betrag Brezinski, Gey, Mesa-Lago u.a.) sowie 1986 auf 248 Millionen und 1987 auf 370 die Informationen, die die kubanische Millionen gesunken. Staatsbank für den Klub von Paris im Rahmen der Neuaushandlung ihrer Langfristige Abkommen Schulden zu liefern verpflichtet ist, zei- mit der UdSSR gen, daß das Ausmaß der Hilfe in den achtziger Jahren zurückgegangen ist. Sie Das jüngste Abkommen zwischen enthüllen auch den Preis, den die kubani- Kuba und der UdSSR ist weniger günstig sche Wirtschaft gezahlt hat, um den Er- als frühere. Der Zuckerpreis ist auf 850 fordernissen der „sozialistischen Integra- Rubel je Tonne gegenüber 915 Rubel in tion" zu entsprechen, wozu die Konzen- den vorangegangenen Jahrzehnten festgetration auf die Produktion von Zucker legt worden. Der passende Vergleichsund Zitrusfrüchten, auf den Nickelabbau wert ist nicht der Weltmarktpreis, sonund die Fischerei gehört hat. dern die Preisquoten, die bei einer Reihe • 1987 zahlte Kuba denselben Preis für von Transaktionen benutzt werden. Erdöl wie 1986, während Polen und Bul- Außerhalb der Ostblockländer werden garien von einer Preissenkung von 10,6% solche Transaktionen für Zuckerexporte bzw. 13,2% profitierten. aus den AKP-Staaten' in die EG und aus • 1986 zahlte die UdSSR 10,9% weni- lateinamerikanischen, afrikanischen und ger für Zucker. asiatischen Ländern in die USA getätigt. • Was den Nickel betrifft, so haben die Die dabei gewährten Vorzugspreise sind Kubaner große Verluste erlitten, weil sie höher als die Preise auf dem Weltmarkt an langfristige Verträge gebunden sind. und gleich denen, die von der UdSSR an Der Wert ihrer Exporte blieb derselbe, Kuba gezahlt werden, oder sogar höher. obwohl der Nickelpreis auf dem Welt- Doch die Bedingungen für die Festlegung markt beträchtlich gestiegen ist. Kuba dieser Preise sind niemals garantiert. Inshatte bereits 1979 und 1980 zwischen 32 besondere die von den USA akzeptierten und 37 Mio. Dollar bei seinen Nickelver- Importquoten sind in den letzten Jahren käufen an die UdSSR verloren. beträchtlich geschrumpft, wobei sie • 1986 zahlte Kuba für Zement 113% manchmal in dramatischer Weise die mehr als die Mongolische Volksrepublik. Ressourcen der Exportländer beschnitten Bereits 1978 verkaufte die UdSSR an haben. Kuba genießt jedoch Sicherheiten, Kuba Autos um 32% und Zement um die durch langfristige Abkommen mit der 21% teurer als an andere RGW-Länder. UdSSR geboten werden. „Solche Beispiele zeigen, wie schwierig Schließlich sind die Zinsraten der von es ist, den Wert der sowjetischen Hilfe an der UdSSR gewährten Kredite höher als in der Vergangenheit. Im Hinblick auf andere RGW-Länder ist die Situation noch ungünstiger. Ungarn hat die Verlängerung von Krediten gestoppt, ebenso wie Polen und Rumänien. Die wichtigsten Partner sind heute die DDR, die CSSR und Bulgarien.
Seit 1976 nimmt Kuba an der Planung der langfristigen und Fünfjahrpläne des RGW teil. Seine Spezialisierung auf Landwirtschaft und Rohstoffe ist beibehalten worden. Das Planziel für die Zukkerernte beträgt zwölf Millionen Tonnen für 1990, während die Produktion von Zitrusfrüchten von 1,4 Millionen Tonnen 1985 auf 2,6 Millionen 1990 steigen soll. Die Nickelproduktion ist angekurbelt worden, doch zwei Drittel der zusätzlichen Fördermenge müssen als Darlehensrückzahlung in die RGW-Länder exportiert werden, die beim Aufbau neuer Fabriken geholfen haben. Etwa 90% der Nickelförderung ist an den Ostblock verkauft worden. Dies bedeutet, daß Kuba nicht in der Lage sein wird, in vollem Ausmaß vom seit 1987 beträchtlich höheren Nickelpreis zu profitieren. Es ist wahr, daß Kuba mit diesen langfristigen Abkommen an wissenschaftlichen und technologischen Projekten der Computertechnologie, Elektronik und Biotechnologie teilnimmt. Hier hat es einige beeindruckende Resultate gegeben. Zum Beispiel hat die Entwicklung einer fortgeschrittenen biomedizinischen Industrie es Kuba möglich gemacht, chemische und pharmazeutische Produkte zu exportieren — vor allem nach Lateinamerika, wo Kuba hofft, eine führende Rolle in der Präventivmedizin und der modernen Chirurgie zu spielen.
Kubaner kritisieren sowjetische Hilfe
Doch von 93 Projekten und 930 Unterprojekten im Entwicklungsplan des RGW bis zum Jahr 2000 ist Kuba nur an 52 Unterprojekten im Bereich Kernenergie, Elektronik und Biotechnologie beteiligt. Brezinski glaubt, daß Kubas Beteiligung tatsächlich sehr begrenzt ist, trotz der offiziellen Behauptungen, daß die weniger entwickelten Länder des RGW eine Vorzugsbehandlung erhalten.
Die 44. Tagung des RGW im Juni 1988 und die Prager Konferenz im April desselben Jahres ergaben, daß Kuba bis zum Ende des gegenwärtigen Fünfjahreszeitraums von Vorzugstarifen profitieren wird. Allerdings haben sich sowjetische Wirtschaftsfachleute gegen die Fortsetzung von „Subventionen" für Kuba in den neunziger Jahren gewandt, wenn diese nicht den Weg für „die Verbesserung der Leistungsfähigkeit der kubanischen Wirtschaft" freimachen. In jedem Fall bleibt Kuba im großen Maße auf die
Rolle eines Produzenten und Exporteurs von Rohstoffen beschränkt, und dies wird wohl noch eine lange Zeit andauern. Ungeachtet des Auf und Ab der Hilfe und der Schwierigkeiten, ihr wirkliches Ausmaß zu bestimmen, ist eine zweite Feststellung notwendig. Es ist wahr, daß die UdSSR Kubas wichtigster Versorger ist. Doch über die Tatsache hinaus, daß die an einige Importe geknüpften finanziellen Bedingungen nicht immer vorteilhaft sind, wird auch die Qualität der aus der UdSSR kommenden Ausrüstungsgüter und Produkte in Frage gestellt. Es ist keineswegs ungewöhnlich, von kubanischen Funktionären die Äußerung zu hören, daß Kuba mit den schlechtesten sowjetischen Produkten ,,beglückt" wird. Was auch immer die Wahrheit ist, unleugbar ist, daß die kubanische Regierung, wann immer sie die finanzielle Möglichkeit hat, ihre Zulieferer auszuwählen, es vorzicht, in Devisen zu bezahlen und von Ländern mit Marktwirtschaft zu kaufen, trotz der Einschränkungen der westlichen Kredite. Obwohl sie niemals offiziell geäußert wird, üben die Kubaner eine heftige Kritik an der sowjetischen Hilfe, da sie den Erfordernissen ihrer wirtschaftlichen Entwicklung nicht angepaßt sei. Die kubanische Kritik kann folgendermaßen zusammengefaßt werden: • Lieferungen erfolgen entsprechend den sowjetischen Prioritäten und nicht entsprechend den kubanischen Bedürfnis- • Die Ausrüstungen und Maschinen sind veraltet und werden oft erst nach beträchtlicher Verzögerung geliefert. Die enormen Schwierigkeiten, auf die das öffentliche Transportsystem im Herbst 1988 traf, werden der späten Lieferung von Ersatzteilen für die Instandsetzung von Bussen durch osteuropäische Fabriken zu Last gelegt.
• Es ist in der Öffentlichkeit bekannt, daß die UdSSR ihre Seite des Abkommens nicht eingehalten hat, was ein Stokken der Nickelförderung und einen geschätzten Zehnjahresverlust zur Folge hatte.
• Einige versprochene Güter sind niemals geliefert worden. 1979 hat es die UdSSR versäumt, 40% der versprochenen 500 000 Tonnen Holz zu liefern. Des weiteren werden nutzlose Güter anstelle gewisser Produkte geliefert, und Abkommen werden ohne Warnung gekündigt, was zur Folge hat, daß Einkäufe in letzter Minute in Devisen erfolgen müssen und daher zum höchsten Preis.
• In bezug auf ihre Effizienz sind die Kosten gewisser Dienstleistungen sehr hoch. Es ist besonders schockierend, wenn z.B. sowjetische Techniker 80% ihres Gehalts in Devisen erhalten, zusätzlich zu freier Unterkunft, kostenloser Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel und medizinischer Versorgung sowie dem Zugang zu Sonderläden.
Keine genauen Zahlen
All diese Faktoren müssen bei der Bewertung der Kosten der Hilfeleistung mitberücksichtigt werden. Es ist unmöglich, zu genauen Zahlen zu gelangen. Die UdSSR gibt ihre Hilfe mit 2,7 Milliarden Dollar jährlich an. Aber westliche Schätzungen gehen von einer Gesamtsumme von vier Milliarden aus. Die letzte Schätzung des US-Außenministeriums von 1986 gab 6,8 Milliarden Dollar an: 4,7 Milliarden durch den Kauf von Zucker und Nickel im Austausch von Erdöl, 0,6 Milliarden für spezifische Projekte und 1,5 Milliarden Dollar für Militärhilfe (die seitens der UdSSR traditionell gratis gewährt wird).
Abschließend muß noch ein objektiver Tatbestand erwähnt werden, der unabhängig vom Willen beider Partner ist die ungeheuren Transportkosten, die der Entfernung zwischen Kuba und der UdSSR geschuldet sind. Sowjetische Tanker, die mindestens alle zwei Tage in Kuba ankommen, machen eine Reise von etwa 12 000 km, was 7% der Gesamtkosten der sowjetischen Erdölimporte ausmacht. Essind auch Abkommen für Lieferungen aus Venezuela geschlossen worden, doch dabei sind nur begrenzte Mengen im Spiel. Während einer Kubareise behaupteten Getreideproduzenten aus den USA, daß sie nach Kuba Getreide zu um 30% niedrigeren Preisen als die UdSSR liefern könnten.
Diese Ziffern werfen eindeutig das Problem des US-Embargos und das Interesse, das Kuba an seiner Aufhebung hat, auf. Dies war einer der während seines Besuchs von Gorbatschow aufgeworfenen Punkte, der auch ein Bestandteil von Mittelamerika betreffenden Gipfelgesprächen und Verhandlungen sein wird. Der von Gorbatschow unterzeichnete sowjetisch-kubanische Freundschaftsund Kooperationsvertrag mit einer Laufzeit von 25 Jahren war in erster Linie von symbolischer Bedeutung. Er war eine Bestätigung dafür, daß die besondere Beziehung zwischen der UdSSR und Kuba in einer Zeit vehementer Spekulation über einen eventuellen Bruch zwischen den beiden Ländern aufrechterhalten wird. Doch während der Vertrag die Notwendigkeit bekräftigt, „die internationalen Wirtschaftsbeziehungen auf gerechten und demokratischen Grundlagen zu verändern, um den ungleichen Tausch und alle diskriminierenden Praktiken im Welthandel abzuschaffen, ... um die Ausübung ökonomischen Zwangs für politische Ziele aus den zwischenstaatlichen Beziehungen auszuschalten ... und um aus dem schwerwiegenden Problem der KUBA
Auslandsverschuldung, das auf der überwiegenden Mehrheit der Länder der Dritten Welt lastet, herauszukommen**), wurden die Schulden Kubas gegenüber der UdSSR nicht erlassen.
Diese Tatsache ist umso kennzeichnender, als dies eine Gelegenheit für eine öffentliche Ankündigung geliefert hätte, die billig gewesen wäre, da die Rückzahlung dieser Schulden so gut wie ausgeschlossen ist. Eine solche Erklärung wäre für die sowjetische Diplomatie, die engere Wirtschaftsbeziehungen zu Lateinamerika anstrebt, cin Bonuspunkt gewesen. Die Wahrscheinlichkeit einer solchen Entscheidung • führte sogar zu einer Schlagzeile auf der Titelseite der Zeitung der PCI.* Dabei wurde Gorbatschow, der am 7. Dezember 1988 vor den Vereinten Nationen gesagt hatte, daß die UdSSR bereit sei ein langfristiges Moratorium, bis zu einer Dauer von hundert Jahren, für den Schuldendienst der weniger entwickelten Länder einzurichten und in cinigen Fällen die Schulden völlig zu streichen, beim Wort genommen.
Warum die UdSSR die Schulden nicht streicht Es scheint, daß die Entscheidung, Kubas Schulden nicht zu streichen, gut durchdacht war. Sie resultierte wahrscheinlich aus zwei Erwägungen. Die eine könnte die nur relative Bedeutung der „Dritten Welt" für die sowjetische Außenpolitik sowie die Notwendigkeit sein, die Verärgerung oder Schwächung westlicher Länder in der Frage der Schuldenverhandlungen zu vermeiden. Die andere wäre ein Bestreben, an nützlichen Instrumenten zur Ausübung von Druck auf Kuba festzuhalten, damit es in aller Ruhe Änderungen in seiner Wirtschaftspolitik durchführt oder zumindest nach den „wirksamsten Formen im Rahmen der bilateralen Wechselwirkung" bei der wirtschaftlichen Zusammenarbeit und der ,sozialistischen ökonomischen Integration in Übereinstimmung mit den Entschließungen des RGW*s sucht. All dies paßt zu der Tatsache, daß die Idee der Vorzugsabkommen für die Entwicklungsländer sowie die von Fidel Castro vorgeschlagene „neue Weltwirtschaftsordnung" von der sowjetischen Regierung zugunsten des Abbaus von Handelsschranken abgelehnt wurden. Sie weigerte sich auch, dem Verlangen der Entwicklungsländer, ihnen 0,7% des sowjetischen Etats zukommen zu lassen, nachzukommen.
Das am 26. März 1989 zwischen der UdSSR und Kuba in Moskau unterzeichnete Handelprotokoll sicht vor, daß die UdSSR Brennstoff, Rohmaterial, Ma-
KUBA schinen und verschiedene Ausrüstungsgegenstände liefert, während Kuba sich verpflichtet, vier Millionen Tonnen Zucker, Zitrusfrüchte - frisch oder in Dosen -, Nickel und einige neue Maschinen für die Elektronikindustrie, entsprechend seiner jüngsten Spezialisierung im Rahmen des RGW auf die Herstellung von Computertastaturen und elektronische Schaltkreise, zu liefern. Wenngleich eine Zunahme des Handels geplant ist, haben sowjetische Funktionäre doch deutlich gemacht, daß eine Fortsetzung der in der Vergangenheit gebotenen Hilfe und Bedingungen nicht möglich ist.
Dies wird auch in einem Kommentar des l Moskauer Korrespondenten von Granma angedeutet: „Die Abkommen wurden im Rahmen des Prozesses der Umstrukturierung und Reorganisierung der zentralen staatlichen Verwaltungsorgane und der Betriebe in der UdSSR ausgehandelt. Dies erforderte eine Menge Arbeit, entschlossene Anstrengung und Flexibilität. *6 ,Radikale Änderung des sowjetischen Außenhandels"
Alles deutet darauf hin, daß der sowjetische Druck in indirekter Weise ausgeübt werden wird, indem die durch die neuen Regeln des ökonomischen Spiels gebotenen Möglichkeiten ausgenützt werden. Seit dem 1. April 1989 haben sowjetische Unternehmen das Recht, nach ihrem Gutdünken ihre Außenbeziehungen zu planen und zu organisieren sowie ungehindert mit anderen Unternehmen und dem Ausland zusammenzuarbeiten. Laut Alexander Kaschanow, dem stellvertretenden Handelsminister, wird diese Maßnahme, den sowjetischen Außenhandel radikal verändern".? Dies wird sicherlich auch Kuba betreffen. Kaschanow hat darüber hinaus deutlich gemacht, daß Kuba sich an die neue Realität anzupassen hat: „Es ist erforderlich, die Formen der Zusammenarbeit zu verändern, um ihre Effizienz zu verbessern."
Es scheint, daß die 19. Tagung der gemeinsamen sowjetisch-kubanischen Regierungskommission für wissenschaftliche und technische Zusammenarbeit einer durchgehenden Reorganisation der Mechanismen wirtschaftlicher Kooperation gewidmet war. Die Kommission stand unter dem Vorsitz von Carlos Rafael Rodriguez, dem stellvertretenden kubanischen Ministerpräsidenten, und Wladimir Kamenzew, dem stellvertretenden sowjetischen Ministerpräsidenten. Sie verabschiedete Maßnahmen, die die Schaffung gegenseitiger Handelsabkommen und eine größere Effizienz bei mit sowjetischer Hilfe unternommenen Wirtschaftsprojekten sichern sollen. Laut Rodríguez ist diese Reorganisation das Resultat sowohl der Perestroika als auch des derzeit in Kuba stattfindenden Prozesses der rectificación.® Es scheint sicher, daß für Kuba lebenswichtige Erdöllieferungen über besondere Abkommen und Garantien auf Regierungsebene gelenkt werden und somit nicht der Gnade einzelner sowjetischer Unternehmen ausgeliefert sind. Doch in allen anderen Bereichen bekommen die Kubaner langsam die Auswirkungen des neuen Systems zu spüren. Laut einem im Miami Herald vom 23. April 1989 veröffentlichten und durch Informationen des Überläufers Perez Cott, eines ehemaligen Funktionärs des staatlichen Technologieausschusses, bestätigten Dokument ziehen es sowjetische Unternehmen bereits vor, westliche Kunden, die in Devisen zahlen können, zu beliefern — zum Nachteil Kubas und trotz der zwischen den beiden Staaten ausgehandelten Vereinbarungen.
Die Botschaft ist klar: Kuba steht es natürlich „frei", seine eigene Wirtschaftspolitik zu bestimmen. Doch wenn Kuba sich nicht an die Erfordernisse von Rentabilität und Effizienz anpaßt, wird es die Folgen zu tragen haben — Isolation und Schwierigkeiten von weit größerem Ausmaß als zuvor. Die unwiderstehliche Kraft der Perestroika, über die Gorbatschow gesprochen hat, duldet keine Ausnahmen.
Neue Formen der Zusammenarbeit geplant Was die Tauschgeschäfte betrifft, insbesondere den Zucker, so hat Kaschanow klar gemacht, daß die gegenwärtige jährliche Lieferung von vier Millionen Tonnen „eine optimale Menge darstellt, die in Zukunft nur leicht zunehmen sollte"? Diese Feststellung ist zweideutig, denn wir wissen nicht, ob damit die Perspektiven des RGW in Frage gestellt werden oder ob mit ihr die sowjetische Absicht verbunden ist, die Importe auszudehnen und dabei andere lateinamerikanische Quellen zu gebrauchen, wie es bereits im Falle von Honduras und der Dominikanischen Republik geschehen ist, wobei Verträge abgeschlossen wurden, bei denen der Zuckerpreis niedriger ist als der an Kuba gezahlte.
Eine der neuen von der UdSSR vorgesehenen Formen der Kooperation ist die der Montagefabriken (maquiladoras), wie sie an der Grenze zwischen Mexiko und den USA in Blüte stehen. Im Rahmen dieses neuen Systems schickt die UdSSR vorbehandelte Rohmaterialien nach Kuba, die dort zu Kleidung und Schuhen verarbeitet werden, die dann wieder ausgeführt werden, um sie an die sowjetischen Konsumenten zu verkaufen. Das Ziel besteht darin, direkte Kontakte mit kubanischen Firmen zu fördern, die direkt von ihren sowjetischen Partnern abhängig sein werden, so daß letztere ihre Rentabilität verbessern können - durch den Gebrauch billigerer Arbeitskraft und die Verbesserung des Absatzes von Konsumgütern, welcher durch die Krise gestört wurde, die diejenigen Betriebe trifft, in der die Reform zuerst angewandt worden ist.
Diese Art der Zusammenarbeit wird die Funktionsweise kubanischer Betriebe stark vom sowjetischen Management abhängig machen und den Manövrierraum, der den Castristen zur Verfügung steht, um sich der Perestroika zu widersetzen, einengen. Dies ist jedenfalls der von den sowjetischen Funktionären, die Gorbatschow auf seiner Reise begleiteten, diskret zum Ausdruck gebrachte Wunsch.
Es gibt ein weiteres Ziel der sowjetischen Politik - Kuba als Sprungbrett nach Lateinamerika zu benutzen. Dabei steht für Gorbatschows Diplomatie eine ganze Menge aufs Spiel. Kuba soll dazu dienen, in den lateinamerikanischen Markt einzudringen, um dort bestimmte sowjetische Produkte abzusetzen, indem die sprachlichen und kulturellen Schranken abgebaut werden, die bisher dem Handel mit dem Kontinent im Wege standen. Dieses mehr ökonomische als ideologische Herangehen erfordert eine diplomatische Wende der kubanischen Politik. Auf dieser Ebene besteht zwischen Gorbatschow und Castro Übereinstimmung. Die Spezialisierung auf Elektronik, Biotechnologie und fortgeschrittene medizinische Industrie fügt sich in diesen Rahmen ein.
Wesentliche Hindernisse
Es gibt jedoch grundlegende Probleme bei der Art und Weise, in der diese neue Rolle entwickelt wird. Wie Brezinski betont, sind die Preise der landwirtschaftlichen Produkte und Rohstoffe zahlreichen Schwankungen ausgesetzt und „werden nicht so schnell wie die der industriellen Produkte steigen*. In dem Maße, in dem die „kubanische Wirtschaftsstruktur von sowjetischer Technologie bleibt, wird eine Wendung in Richtung auf westliche Technologie extrem schwierig, wenn nicht unmöglich." Damit stellt sich einmal mehr das Problem der US-amerikanischen Blockade. Laut Mesa-Lago „begünstigt der niedrige Weltmarktpreis von Zucker und Erdöl nicht die Importe, während die für die Einfuhren bestimmter Produkte gemachten Beschränkungen zu Engpässen führen und ein Absinken der Produktion zur Folge haben können." Somit kann die
kubanische Wirtschaft, falls die gegenwärtige Politik der Importsenkungen, Exporterhöhungen und Produktivitätssteigerung nicht die erwarteten Resultate zeigt, unter beträchtlichen Druck geraten. Die jüngsten Abkommen mit Moskau haben die früheren Trends nicht umgekehrt.
Dies stellt die gesamte Bilanz der kubanischen Wirtschaftsentwicklung sowie Kubas Einbindung in den RGW in Frage. Um eine industrielle Infrastruktur zu entwickeln, war Kuba mit Hilfe höherer ren in der Lage, westliche Produkte zu importieren und die dabei erhaltene Technologie zu benutzen. Dann trat die Wiederausfuhr sowjetischen Erdöls die Nachfolge an. Nach dem Fall des Zuckerpreises und des Sinkens der Einkommen aus dem Erdöl versuchte die Regierung, das Importniveau durch westliche Darlehen zu halten. Heute sind alle diese Ressourcen geschwunden, und die Rückzahlung der Schulden saugt die gesamten verfügbaren Devisen auf. Von Juni 1987 bis Juni 1988 sind die Schulden gegenüber imperialistischen Ländern um 15,5% gestiegen. Sie belaufen sich heute auf 6,4 Milliarden Dollar.
Trotz dieser Zwänge fand in den siebziger Jahren eine gewisse Industrialisierung statt, auch wenn die Beurteilung ihres Ausmaßes beträchtlich schwankt. A. Zimbalist unterstreicht den ungeheu-. ren Fortschritt, der bei der Mechanisierung der Zuckerernte gemacht wurde. Zwei Drittel des Schneidens und des Einbringens wurden mechanisiert, und Fortschritte wurden auch bei der Behandlung von Zuckerderivaten erzielt. Derselbe Autor glaubt, daß sich Kubas industrielle Basis seit den sechziger Jahren gewandelt hat: Die Einfuhren von Fertigwaren sind von 58,9% im Jahre 1970 auf 44,7% 1983 zurückgegangen. Die Errichtung eines Kernkraftwerks, das 1995 ans Netz gehen soll, soll für das kommende Jahrzehnt die Erdölimporte senken, obwohl Kuba von der Sowjetunion wegen ihres angereicherten Urans abhängig bleiben wird. Zimbalist mißt auch dem technologischen Fortschritt in der medizinischen Industrie und der Möglichkeiten zur Ausfuhr hochentwickelter pharmazeutischer Produkte großes Gewicht bei.
Dagegen hebt Brezinski hervor, daß trotz des Industrialisierungsprozesses Zucker 1986 noch immer 77,2% der kubanischen Exporte ausmacht. Er stellt eine Strategie in Frage, die sich auf ein Wachstum gründet, das auf dem Export traditioneller Produkte basiert, während die Importsubstitution noch nicht die erwarteten Erfolge gebracht hat". Er stellt fest, daß 1986 die Wirtschaft weiterhin durch „das typische Modell des Austauschs zwischen industrialisierten und Carlos Rafael Rodriguez
Entwicklungsländern gekennzeichnet ist". Diese Struktur des Außenhandels wird durch den Mangel an Devisenressourcen, die Kuba ermöglichen würden, aus dem Westen zu importieren, verschlimmert. Schließlich glaubt er, daß Kubas internationale Wettbewerbsfähigkeit „seit seiner Integration in den RGW geringer geworden ist". Diese Einschätzungen fallen mit denen von Mesa-Lago und Gil zusammen, die der Auffassung sind, daß die sowjetische Hilfe dazu beigetragen hat, daß die Ungleichgewichte in der Wirtschaft und die seit langer Zeit bestehenden Verzerrungen aufrechterhalten worden sind.
Perestroika durch die Hintertür?
Es wird anerkannt, daß einige Industrien der Spitzentechnologien entwickelt worden sind. Doch es wurden auch Zweifel über Kubas Zuverlässigkeit als Lieferant in diesen Sektoren geäußert, „wenn die Arbeiter, die solche Qualitätsprodukte produzieren, einen großen Teil der Zeit damit verbringen müssen, auf den Bus zu warten oder für Tomaten Schlange zu stehen". Auch über die Exportaussichten schwebt ein Fragezeichen: „Es ist KUBA cine Sache, Interferone zu produzieren, und eine andere, sie an die übrige Welt zu verkaufen. 10 Zusammenfassend scheint Kubas unabhängige Wirtschaftsentwicklung von äu- Berer Abhängigkeit, von der Unordnung in den Unternehmen und in der Organisation der Produktion, von den Auswirkungen der Arbeitsteilung im RGW und vor allem durch die Ungewißheit hinsichtlich der zukünftigen Entwicklung der wirtschaftlichen Beziehungen zur UdSSR gehemmt zu werden. Entgegen einiger oberflächlicher Beurteilungen haben weder Gorbatschows Besuch noch die unterzeichneten Vereinbarungen die Wolken am Horizont der kubanischen Wirtschaft hinwegräumen können. Nach drei Jahren sind die anfänglichen, von Castro verkündeten Ziele der rectificación unscharf geworden. Das primäre Ziel der Führung ist nun, Zeit zu gewinnen. Gorbatschows Besuch gab Castro die Gelegenheit, ins Rampenlicht zu treten und, im Namen der Prinzipien der Nichteinmischung, das Recht jedes Landes" zu betonen, ,seine eigenen Formeln für den Aufbau des Sozialismus anzuwenden". Anschließend wandt er sich direkt an seinen Gast: „Wenn ein sozialistisches Land den Kapitalismus aufbauen will, können wir uns nicht einmischen, genauso wie wir verlangen, daß sich niemand in die souveräne Entscheidung irgendeines Landes, den Sozialismus aufzubauen, einmischt, ob dieses Land nun kapitalistisch oder halbkapitalistisch ist, ob es im entwickelten oder im unterentwickelten Teil der Welt liegt."" Über die rhetorischen Floskeln hinaus brachten die beiden Redner verschiedene Vorstellungen über Frieden, Verschuldung, Verteidigung und den Aufbau des Sozialismus zum Ausdruck. Doch Castros Ablehnung kapitalistischer Methoden" mußte hinter der harten Wirklichkeit der Joint-Venture-Abkommen mit japanischen und europäischen Firmen in Bereichen wie Tourismus, Textilien und Nahrungsmittelindustrie zurücktreten. Sie verfügen in einigen Fällen bereits über die Kontrolle über Einstellungen und Entlassungen sowie die Festlegung der Löhne und manchmal auch über das Recht, die Profite in ihr Land zurückzubringen.
Laut einem Beobachter „kommt die Perestroika durch die Hintertür herein, aber keiner wagt es laut zu sagen". Um sich den nationalen Gepflogenheiten anzupassen, nennt dies Julio Oliveras, der Präsident der kubanischen Handelskammer, „Cha-Cha-Cha-Sozialismus" 12 Sie orientieren sich auf eine Koexistenz von Wirtschaftssektoren, die in sehr verschiedener Weise verwaltet werden, was genau das ist, was Fidel Castro zu Beginn der rectificación als eine Quelle der Spal-
KUBA rung und Ungleichheit gebrandmarkt hatte.
Ein derartiger Pragmatismus resultiert zum Teil aus Zwängen, über die die castristische Führung keine Kontrolle besitzt. Aber er zeugt auch vom Fehlen irgendeiner Gesamtkonzeption der Beziehungen zwischen wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Demokratie und politischer Demokratie in einer Übergangsgesellschaft in einem unterentwickelten Land.
Der Kontrast zwischen der tief in der allgemeinen Organisation der Wirtschaft verwurzelten Verschwendung und dem Wachstum einiger High-Tech-Industrien widerspiegelt recht gut die Inkohärenz und den chaotischen Charakter der durchgeführten Politik. „Die Unfähigkeit der politischen Strukturen, adäquat auf die schwerwiegenden ökonomischen Zwänge und Planungsfehler zu antworten"'", steht im Mittelpunkt der wirtschaftlichen Funktionsstörungen.
Die Kombination aus der entscheidenden Kontrolle über die wichtigsten ökonomischen Entscheidungen durch Fidel Castro und seine Vasallen und dem Machtmonopol der Partei hat als Auswirkung, daß die Verantwortlichkeiten verschleiert werden, daß Inkompetenz und Korruption verborgen bleiben und daß ein stillschweigendes Einverständnis unter Bürokraten, welches die Kubaner „sociolismo", den Sozialismos von socios (Kumpane), nennen, begünstigt wird.
Politisch-organisatorische Mittel zur Korrektur von Funktionsstörungen existieren nicht. Die Kontrollmechanismen besitzen keinerlei Macht. Und die Strukturen der Volksmacht, die eine Menge Hoffnungen geweckt hatten, haben kein politisches Gewicht, auch wenn sie eine wirkliche Rolle in der Verwaltung spielen.
Voluntaristische Vorstellungen schwinden Die Vorstellung, daß die bürokratische Lähmung durch den Voluntarismus und, mehr noch, einen auf wenige begrenzten Voluntarismus - korrigiert werden könnte, schwindet immer mehr, auch wenn, anders als in der UdSSR, das Regime noch auf das Desinteresse und die Opferbereitschaft einiger Sektoren zählen kann. Nur eine Konfrontation von Ideen und politischen Konzepten, eine Transparenz der Verantwortlichkeiten
und Entscheidungen, die Einrichtung von Kontrollmechanismen und die Freiheit der Kritik können gegen die Undurchsichtigkeit des Systems wirksam sein. Anders als Castro hat Gorbatschow sehr gut die Rolle, die Glasnost bei der ökonomischen Umstrukturierung spielt, verstanden.
Es ist bereits deutlich geworden, daß die „Korrektur der Irrtümer" [rectificación de los errores] die Mängel des Systems nicht beseitigt hat. Die Kubaner haben gegenüber dem, was sie den Prozeß der „Ratifizierung der Schrecken" (ratificación de los horrores] genannt haben, eine ironische Skepsis an den Tag gelegt. Der Effekt einer Kombination aus verbalem Radikalismus und Appellen, härter zu arbeiten, ist, daß die Leute zynischer werden, wenn sich sonst nichts ändert.
Viele junge Leute konzentrieren sich heute darauf, ihre Stellung in der Gesellschaft zu verbessern, wobei die Aussichten dafür unsicher sind, denn es gibt nicht immer die ihren Qualifikationen entsprechenden Möglichkeiten. Die führenden Posten sind auf allen Gebieten besetzt, im besten Falle von Veteranen des revolutionären Krieges oder aber von denen, die in letzter Minute übergelaufen sind und oftmals keine wirkliche Autorität besitzen. Die ideologische Entwicklung wie auch die Fähigkeit, die neue Generation zu mobilisieren, sind wesentlich für die Zukunft der Revolution. Aber Tatsache ist, daß ein großer Teil der Jugend keine stetige revolutionäre Motivation besitzt. Eine gewisse Demobilisierung wird verstärkt durch den Kontrast zwischen einer enttäuschenden heimischen Szene, die durch einen Mangel an Debatten und politischer Demokratie sowie durch ökonomische Verschwendung gekennzeichnet ist, und den antiimperialistischen Reden, die viel von ihrer Glaubwürdigkeit verloren haben, in dem Maße wie die diplomatische Öffnung in Lateinamerika ihre Bedeutung einschränkt.
Diese Politik ist selbst die Quelle von Widersprüchen. Sie verstärkt die Notwendigkeit einer politischen Liberalisierung, von der es, trotz einiger jüngerer Zugeständnisse, noch kein Anzeichen gibt. Zur selben Zeit weiten sich die kulturellen Beziehungen mit Lateinamerika aus. Auf der Ebene der Information sieht sich das Regime dem Problem einer Rundfunkstation in Miami ausgesetzt, die den Kubanern all die Informationen liefert, die ihnen die eigene Presse vorenthält. So wurden die jüngsten Ereignisse in China von den kubanischen Medien in den ersten Wochen kaum erwähnt. An der diplomatischen und Handelsfront könnte die Suche der Kubaner nach Unterstützung in Lateinamerika die traditionell vom Castrismus gewährte Hilfe für revolutionäre Organisationen beeinträchtigen. Dies zeigte sich bei dem durch die Besuche Castros in Mexiko und Venezuela hervorgerufenen Aufsehen. Wie Lázaro Cárdenas kommentierte, hatten sie (Castro und Ortega] ihre eigenen Gründe zur Teilnahme [an der Amtseinführung des mit zweifelhaften Methoden gewählten mexikanischen Präsidenten Salinas de Gortari], aber dafür werden sie einen Preis zahlen müssen. " Nun, die Revolten in Argentinien und Venezuela verschlechtern die Aussichten für stabile Handelsbeziehungen mit diesen Ländern.
So läuft Castro Gefahr, Widersprüche aufzuhäufen und an verschiedenen Fronten zu verlieren. An der heimischen Front dadurch, daß er nicht die Initiative zur Lancierung der unvermeidlichen Politik von Glasnost ergreift, und außenpolitisch durch den Verlust wertvoller Quellen der Unterstützung, ohne im Gegenzug neue zu erhalten. Die verheerenden Auswirkungen der Vermengung der Funktionen von Partei und Staat und ihre Symbiose in einem einzelnen Führer sind offenkundig geworden. Auch hier ist Transparenz an der Tagesordnung.
Die neue sowjetische Politik in Lateinamerika wie auch anderswo ist dabei, die Karten sowohl an der diplomatischen Front als auch in den Reihen der traditionellen Linken und der revolutionären Bewegungen, wo die Wirkung nicht vorauszusehen ist, neu zu mischen. Für die Länder der „Dritten Welt" können die ersten Regelungen „regionaler Konflikte* nur Beunruhigung auslösen. Die Vereinbarungen im südlichen Afrika für den Rückzug kubanischer Truppen aus Angola, mit der Perspektive, den Weg für die namibische Unabhängigkeit freizumachen, beinhalten keineswegs ein Ende der US-Hilfe für Savimbis UNITA. 14 Schlechtes Omen für Namibias Unabhängigkeit
Die Umstände, unter denen SWAPO- Kämpfer bei ihrer Rückkehr zur Grenze ihres Landes von südafrikanischen Truppen, die straflos agieren konnten, niedergemetzelt wurden, sind ein schlechtes Omen für den Unabhängigkeitsprozeß und die Abhaltung angeblich „freier und demokratischer Wahlen"
Laut dem am 19. Mai 1989 von Südafrika, Angola und Kuba unterzeichneten bkommen von Cahama (Angola) wul en die bewattneten Elemente de SWAPO auf ihre Stützpunkte nördlich des 16. Breitengrades eingeschränkt* Angola und Kuba wurden beauftragt, dies zu überwachen. Das Abkommen stellt auch fest, „daß die namibische Polizei in Übereinstimmung mit UN-Resolution KUBA
Alternative
Kommunal
Politik
Was haben wir mit Fidel Castro am Hut?
Nun. die AKP berichtet laufend über alle wichtigen kommunalpolitischen Fachthemen wie Abwasser, Privatisicrung. Haushalt. Kultur, Gesundheit. Abfallbeseitigung. Städtepartnerschaften, Verkehr usw.. In Heft 3/88 hatten wir auch einen Schwerpunkt zur kommunalen Dritte-Welt-Politik.
Ein Nachrichten- und Magazinteil, sowie die Rubriken Börse + Fundgrube. Kalender und Rezensionen runden die Zeitschrift ab und liefern vielfältigste Informationen und Anregungen für die eigene kommunalpolitische Praxis. Die AKP erscheint 6-mal im Jahr à 68 Seiten. Das Einzelheft kostet 7.- DM (zzgl. 1.50 Versand). das Abo gibt es portofrei für 42.- DM.
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AKP
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Fachzeitschrift für grune und alternative Kommunalpolitik
KUBA 435 ihre grundlegende Rolle weiter spic- pression stattfinden wird, die verhindern len wird, die darin besteht, die Ordnung soll, daß sie den Zwei-Drittel-Stimmenaufrechtzuerhalten", und sich bemühen anteil erhält, der erforderlich ist, um die wird, die von den nach Angola zurückge- von der südafrikanischen Kolonialherrdrängten SWAPO-Kämpfern „in Nami- schaft übriggebliebene diskriminierende bia zurückgelassenen geheimen Waffen- Gesetzgebung abzuschaffen. lager aufzudecken". Castro kann sich keine Illusionen machen: Trotz des militärischen Sieges der kubanischen Truppen über die südafrika- Angriffe gegen nische Armee in Cuito Cuanavale sind die US-Interventionen in Afrika erreichten politischen Vereinbarungen kein Erfolg. In der Vergangen- Ein Land erhält nach 74 Jahren der heit hatte Castro den Abzug der kubanisüdafrikanischen Besetzung seine Unab- schen Truppen mit dem Ende der Aparthängigkeit, und diejenigen, die für seine heid verknüpft. Seine Klagen erklären Befreiung gekämpft haben, müssen unbe- zweifellos, warum er die Mitglieder des waffnet und unter dem Diktat der Kolo- UN-Sicherheitsrates im Februar 1989 so nialmacht in ihr Land zurückkehren. Die- scharf attackierte. Er sagte, daß sie „zuses Beispiel der Beilegung eines regiona- sammen als eine enge Verbindung, die len Konflikts und der nationalen Aus- das Privileg des Vetorechts genießt, gesöhnung" wird zweifellos revolutionäre handelt haben". Und er erinnerte sie an Bewegungen, die in Befreiungskämpfen die bedeutende Verantwortung, die auf verwickelt sind, Anlaß zum Nachdenken sie fallen wird, wenn die Rassisten in der CUBA• liefern. Zweifellos deshalb hat die kuba- age sind. die Selbstbestimmung ur nische Regierung, obwohl selbst Unter- ele Entscheidung des namibischen Vo zeichner des Abkommens, die Entschei- kes zu blockieren". 15 dung der fünf ständigen Mitglieder im Diese Warnungen sollten während des UN-Sicherheitsrat (darunter die UdSSR) Gorbatschow-Besuchs im April wiederheftig kritisiert, die UN-Streitkräfte, die holt werden. In seiner Rede wandte sich die Anwendung der Resolution 435 und Gorbatschow „gegen jede Theorie oder Namibias Übergang in die Unabhängig- Doktrin, die den Export von Revolution keit überwachen sollen, um 40% zu ver- oder Konterrevolution zu rechtfertigen ringern. sucht, und gegen alle Formen der Einmi- Die kubanische Presse hat die von Pre- schung in die Angelegenheiten anderer torias Armee und Polizei gespielte Rolle Staaten**. 16 Diese Bezugnahme auf den hervorgehoben, ebenso wie die Befürch- Export von Revolutionen konnte seine tung der SWAPO, daß eine massive Re- Gesprächspartner auf einem Kontinent, in dem es einen ständigen Export der Konterrevolution zur Unterdrückung einheimischer Revolutionen gegeben hat, nur zornig machen. Castro machte den ersten Zug und fuhr eine Gegenattacke, die den US-Vertreter dazu provozierte, die Nationalversammlung demonstrativ zu verlassen.
Castro zitierte den Fall Afghanistan, „wo die USA sich das Recht vorbehalten, Waffen an die oppositionellen und konterrevolutionären Kräfte zu liefern"* trotz des Abzugs der sowjetischen Truppen; des weiteren den Fall des südwestlichen Afrika, wo die USA weiter Waffen an die UNITA liefern"; und schließlich Nicaragua, wo die USA „sich das Recht vorbehalten, organisierte konterrevolutionäre Kräfte auf honduranischem Gebiet zu halten, um Druck auf die Regierung und das Volk Nicaraguas auszuüben."1 In dieser Weise beantwortete er die von Gorbatschow in seiner Rede vorgenommene falsche Symmetrie zwischen Revolution und Konterrevolution, um ,die Abschaffung dieser Theorie und dieser Doktrin zu verlangen, dank derer sich die USA das Recht anmaßen, irregulären Kräften gegen etablierte Regierungen durch Waffenlieferungen zu helfen" Dies wirft ein ganz anderes Licht auf die Beilegung „regionaler Konflikte" Unter diesen Umständen kann man verstehen, warum die vom sowjetischen Botschafter gezogene Parallele zwischen der ausgehandelten Lösung im südlichen Afrika und der für Mittelamerika ange-
strebten, so sehr beunruhigt. Juri Petrow hatte tatsächlich erklärt: Um den Konflikt in Mittelamerika zu lösen, sollte das gleiche Herangehen wie im südlichen Afrika angewandt werden. In derselben Weise, in der wir mit den USA im Falle Angolas und Namibias zusammengearbeitet haben, sollten Drittländer die Rolle des Vermittlers im Fall Nicaragua und El Salvador spielen. **' Doch nicht nur die Natur der Staaten, sondern auch der betreffenden Organisationen differieren beträchtlich. (Wie kann man die MPLA und die SWAPO mit der FSLN und der FMLN gleichsetzen?) Außerdem ist das jeweilige Kräfteverhältnis nicht vergleichbar. Dies erklärt den Unmut, den dieser abwegige Vergleich hervorrief.
Die Bedingungen für eine Lösung der mittelamerikanischen Krise sind von der US-Regierung klar definiert worden. Sie behauptet, daß diese Region keine strategischen Interessen für die UdSSR repräsentiert, wohl aber für die USA. Deshalb sollte die UdSSR die von der Monroe- Doktrin' festgelegten Einflußsphären respektieren. Folglich kann von einem bilateralen Ende militärischer Interventionen, wie von Gorbatschow vorgeschlagen, nicht die Rede sein, sondern nur von einem einseitigen. Somit ist die Einstellung der sowjetischen Waffenlieferungen an Nicaragua „nicht ausreichend". Wie Oscar Arias, Costa Ricas Präsident, in Washington sagte, indem er Stellungnahmen wiederholte, die mehrfach von James Baker abgegeben wurden, das, was erforderlich ist, ist ein Ende der kubanischen Waffenlieferungen an El Salvador oder sogar Druck auf die UdSSR, damit diese ihre Hilfe an Kuba einschränkt.
Regionales Kräfteverhältnis entscheidend Kubas Position ist die, daß ,der Friede eine zweiseitige Sache ist: die Reduzierung der weltweiten nuklearen Bedrohung und eine gerechte Beilegung regionaler Konflikte. "20 Über die Differenzen in der Haltung zur friedlichen Koexistenz hinaus haben Kuba und die UdSSR verschiedene staatliche Interessen in bezug auf Mittelamerika. Für die UdSSR ist dies nur eine zweitrangige Frage, doch für die kubanische Revolution, die ein gefährliches Stadium durchmacht, ist es eine überaus bedeutende Frage. In einem Kontext ökonomischer und politischer Krise wird von allen Seiten Druck ausgeübt: seitens der UdSSR; seitens der USA, die das Ende ihrer Wirtschaftsblockade von einer Kursänderung in der Region abhängig macht; seitens der lateinamerikanischen Bourgeoisie; und seitens der europäischen Bourgeoisie, die ökonomische und politische Gegenleistungen für die Neuaushandlung der Schulden verlangt.
Bei diesem Tauziehen ist das regionale Kräfteverhältnis entscheidend. Der Ausgang der Konflikte in Mittelamerika wird einen entscheidenden Einfluß auf die Entwicklung der inneren Situation in Kuba haben.
Gorbatschows Offensive hat die castristische Führung in die Defensive gedrängt und ein Argwohn gegen Kuba in der internationalen Arbeiterbewegung hervorgerufen. Es gibt Spekulationen über mögliche Verbindungen zwischen Castro und Ligatschow und den konservativen Elementen in verschiedenen Kommunistischen Parteien. Die Tatsache, daß Vertreter der KP der CSSR, der SED sowie der Französischen und Portugiesischen KP zur selben Zeit in Havanna waren, könnte einen solchen Eindruck erwecken. Es scheint jedoch nicht so zu sein, daß sich irgendeine Annäherung dieser Art herauskristallisieren könnte (außer bei einer Änderung der Kräfteverhältnisse in der UdSSR), denn Castro benötigt zu sehr die sowjetische Hilfe. Andererseits kann die Verteidigung des Marxismus-Leninismus, die Castro verkörpern möchte, nur wirksam und glaubwürdig sein, wenn der von Gorbatschow geworfene Handschuh aufgegriffen wird. Dies würde die Kritik der Ubel der Mark- KUBA treform oder eines Friedenskonzepts auf Kosten der Unterdrückten populärer machen.
Ein „Nein" zur Perestroika, ein „Ja" zu Glasnost ist die einzige Antwort auf diejenigen in der internationalen Arbeiterbewegung und in Kuba, die einen demokratischen Ausweg nur in Marktreformen sehen.
Dies wäre die Untermauerung einer echten internationalistischen Offensive, die den Einfluß der kubanischen Revolution popularisieren würde. * Anmerkungen:
1. Die AKP-Staaten sind 66 Länder Afrikas, der Karibik und des Pazifik, die mit der EG über das Lomé-Abkommen verbunden sind 2. Financial Times, 17. Februar 1989. 3. Granma, 16. April 1989.
4. L'Unità, 4. April 1989.
5. Freundschaftsvertrag, Artikel 2 und 4. 6. Granma, 2. April 1989.
7. El País, 3. April 1989.
8. Granma, 28. Mai 1989. [Zur rectificación siche Inprekorr. Nr. 214, April 1989, S. 4-7; Inprekorr, Nr. 213. März 1989, S. 8-12.] 9. Financial Times, I2. April 1989. 10. Financial Times, 17. Februar 1989. 11. Granma, 16. April 1989.
12. Newsweek, S. Juni 1989 13. Financial Times, 17. Februar 1989. [14. Siche Inprekorr, Nr. 215, Mai 1989, S. I1-15.] 15. Granma, 12. Februar 1989. 16. Grarma, 16. April 1989.
17. Ebd 18. Le Monde, 7. April 1989.
(19. Monroe-Doktrin: 1823 aufgestellte, nach Präsident Monroe benannte, Doktrin, nach der die USA von aller Einmischung in curopäische Angelegenheiten absehen. aber auch alle Kolonisationsversuche, Gebictsübertragungen und Interventionen außeramerikanischer Staaten auf dem amerikanischen Doppelkontinent als unfreundliche Akte betrachten würden, die Frieden und Sicherheit der USA bedrohen.] 20. Rafael Hernández, in: Granna, 26. Februar 1989.
UDSSR
Perestroika und aum jemand wird die Behauptung K in Frage stellen, daß die sowjeti-