Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

III. Nationaler Kongress der Ligue Communiste (7.-10. Dezember 1972)

Inprekorr Nr. 22, 15. Dezember 1972 · S. 5-7 · 1.186 Wörter

Frankreich

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III. NATIONALER KONGRESS DER LIGUE COMMUNISTE (7.- 10. Dez. 72)

+++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++ Unser I. Kongreß war der des Beitrirts. zur IV. internationale gewesen. Indem wir diesem Beitritt zustimmten, entschieden wir uns für den Aufbau einer revolutionären Organisation. Und wir boten den Tendenzen zur Zerstreuung und Demobilisierung nach dem Mai 68 Einhalt. Unser II. Kongreß war der des Bruchs wir der Amateurarbeit. Wir waren uns von nun an unsere Verantwortung bewußt. Und wir mußten uns mit den notwendigen Mitteln versorgen, um den Erwartungen, die man in uns setzte, gerecht zu werden.

Dieser I||. Kongreß bedeutet einen entscheidenden Schritt vorwärts in der Ausarbeitung einer revolutionären Strategie. Er repräsentiert die Synthese, die Systematisierung von drei Jahren militanter Interventionen und Erfahrungen. Wir haben zugenommen an Zahl und in unseren Fähigkeiten, also auch in unserer Verantwortung. Von nun an reicht es nicht mehr, die Sackgassen, in die uns die reformistischen Lösungen unausweichlich führen, zu denunzieren. Es reicht nicht mehr, darauf hinzuweisen, daß die Arbeiter die Macht so nicht erringen werden. Wir müssen in der Lage sein, unseren eigenen Weg zu gehen. Ein wirkungsvolles Werkzeug zu schmieden, das in der Lage ist, die Widersprüche, die die kapitalistische Gesellschaft würgen, in revolutionärer Richtung zu durchhauen.

Eine revolutionäre Partei zu schaffen, die sich nicht in der bestehenden Gesellschaft einrichfet, die nicht zur Linksopposition der Linken wird, die den Hebel abgibt, den die Massen benötigen, um mit der Macht der Bourgeoisie Schluß zu machen - das war der Sinn der Diskus sion über die dem Kongreß vorgelegten 22 Thesen.

In diesen Thesen wird die Taktik zur Schaffung der Partei im Lichte der Ziele, die wir ver folgen, definiert. Es handelt sich darum, sich in der neuen Arbeiteravantgarde, die sich in den Kämpfen herausbildet, zu verwurzeln. Eine Arbeiteravantgarde, die nicht nach 1968 massenhaft in die KPF eingetreten ist wie 1936 oder 1945. Es handelt sich darum, dieser neuen Avantgarde Wege und Mittel zu zeigen für den Kampf, um mit den reformistischen Bürokratien um das Vertrauen der Arbeitermassen insbesondere in den Gewerkschaften zu kämpfen. Es geht darum, eine Organisation zu schaffen, die das Feld der bürgerlichen Legalität benutzt, ohne in sie verstrickt zu werden, die sich dabei immer bewußt bleibt, daß wir gegenüber den Gesetzen der Bourgeoisie Kriminelle auf Bewährung sind. Wir stellen uns nicht allein die Frage der Macht. Sondern wir stellen uns auch die Frage ihrer Lösungen. An uns liegt es, eine Organisation aufzubauen, die in der Lage ist, diese Lösungen in die Praxis umzusetzen. Insofern bedeutet die Annahme der Thesen zum Aufbau der Partei (mit 229 Stimmen gegen 8 für die "bolschewistisch-leninistische' Tendenz, 2 für die vor allem von Genossen aus Dijon gebildete Tendenz und 34 Enthaltungen) einen ent scheidenden Schritt nach vorn.

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Die Annahme dar politischen Resolution über die "Einheit der Linken" und die Krise der Bourgeoisie geht in die gleiche Richtung. Wir haben erklärt, daß in dem Fall, wo sich in der Wahlkampagne eine tiefgehende Tendenz zur Einheit bei der Arbeiterklasse um des Ge meinsame Programm d der 'Einheit der Linken') herauskristallisieren wird, wir nicht zögen werden, beim zweiten Wahlgang zur Abstimmung für die 'Einheit der Linken' aufrufen wen den, wobei wir gleichzeitig die Ausweglosigkeit der Perspektiven, die sie zu bieten vorgil aufzeigen werden. Sofort haben einige Journalisten geglaubt ankündigen zu können, daß die unverbesserlichen Ultralinken von 1968 jetzt endlich brav geworden sind. Sie sind völ lig im Irrtum.

Eine noch kleine Gruppe, die unfähig ist, direkt den Lauf der Ereignisse zu beeinflussen, und die vor allem darauf auf ist, ihre Genossen und näheren Sympathisanten zu schulen, hätte Wahlenthaltung propagieren können. Wir sind von nun an in einer Lage, wo wir die Frage anders stellen müssen. Wir sind der Ansicht, daß selbst ein begrenzter Wahlerfolg der 'Einheit der Linken' von den Lohnabhängigen als eine Veränderung zu ihren Gunsten des Kräfteverhältnisses zwischen den Klassen angesehen wird, als ein Ansporn zum Kampfı wir sind auch der Ansicht, daß ein solcher Erfolg die politische Krise der Mehrheit beschleu nigen kann.

Wenn wir unter diesen Umständen bereit sind, beim zweiten Wahlgang zur Stimmabgabe für die "Einheit der Linken" aufzurufen, dann deshalb, weil wir uns stark genug fühlen. Im Bewußtsein, daß es keine reale Lösung sein kann, sondern eine Verschärfung der gegen wärtigen Klassenspannungen, fühlen wir uns bereit, alle Konsequenzen durch unsere entschlossene Teilnahme am Kampf auf uns zu nehmen. Wir fühlen uns bereit, als antreibende Kraft zu wirken in Richtung auf ein Überschreiten des legalen Rahmens, auf den sich die 'Einheit der Linken' beschränken will.

Diese Offensivhaltung hat der Kongreß eingenommen, als er der politischen Resolution mit 191 Stimmen gegen 71 für Position, die für Stimmabgabe zugunsten der KP allein beim zweiten Wahlgang eintrat, und 12 Stimmen für Stimmenthaltung zustimmte. Jetzt stehen wir vor neuen Aufgaben. Wir müssen mit all unseren Kräften in die gegenwär tigen Kämpfe intervenieren, um die Beispiele von Arbeiterdemokratie, von Streikkomitees, die gewählt werden und abwählbar sind, um diese Beispiele, die am Vorabdend von Kämpfen ganz anderen Ausmaß es die kostbarste Erfahrung der Selbstorganisation für die Arbeiter darstellen, zu entwickeln und zu propagieren. Wir müssen auf konkrete Art und Weise, z. B. über die Unterstützungskomitees, zeigen, wie im Kampf eine Solidarität entsteht, die wesentlich solider und fester ist als die Menge von Stimmzetteln in der Wahlurne. Wir müssen auch die geringsten Ansätze von Arbeiterselbstverteidigung gegenüber den Polizeieinsätzen der Regierung und ihrer Schlägerbanden unterstützen; und wir müssen gegen die faschistischen Gruppen und die 'gelben' Gewerkschaften die permanente Organisierung dieses Kampfes selbst übernehmen.

Was die Stärkung unserer Organisation betrifft, so müssen wir mehr Anstrengungen in der Schulung unternehmen. Aus den Statistiken, die aus Anlaß des Kongresses erstellt wurden, geht hervor, welch große Disparitäten in unseren Reihen bestehen, und die aus den unter schiedlichen Generationen, der politischen Geschichte und Erfahrung und der organisatorischen Herkunft herrühren. All diese Unterschiede müssen wir absorbieren, wenn wir eine ideologisch gefestigte Organisation haben wollen, die einzige Garantie für das demokrafische Leben in der Organisation. Das ist die Vorraussetzung dafür, daß die Führungskader im Feuer einer wirklichen internen Diskussion stehen und nicht gegenüber der Organisation eine vorsichtig-konservative und paternalistische Haltung einnehmen. Schließlich wurde durch die Anzahl und Qualität der internationalen Gruß botschaften, die wir erhielten, die Breite unserer internationalen Aufgaben unterstrichen. Von der Urter are intion zu ton Aufgeben de stUtzung der indochinesischen Revolution zur Unterstützung des Befreiungskampfes in deu portugiesischen Kolonien. Von der Verteidigung der eingewanderten Arbeiter, die Opfer der İnapitalistischen verschärften Ausbeutung und des Rassismus sind, zur Entwicklung unee Ihel ferso lidarität auf europäischer Ebene. Unser IV. Konareb, der dan Varbaraitunariol

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sionen zum X. Weltkongreß der IV. Internationale gewidmet sein wird, wird uns in den kommenden Monaten die Gelegenheit geben, uns für diese Aufgaben zu bewaffnen. Der Inhalt der Botschaften wie die Diskussionen, die wir bei dieser Gelegneh eit mit den Delegierten aus verschiedenen Kontinenten führen konnten, zeigen deutlich die gemeinsamen Sorgen und Probleme einer Generation, die in der gleichen Welle revolutionären Aufschwungs entstanden ist. Sin sagen, daß sie von unserer Erfahrung lernen müssen, wir haben unserer seits viel von der ihren zu lernen. Zusammen werden wir die Lösungen finden, und zusammen: werden wir siegen.

(D. B. Aus ROUGE Nr. 184, 16.12.72