Eine Niederlage für Raúl Sendic ein Beispiel für Konsequenz und für Treue - Treue gegenüber seiner die Volksbewegung
Vergangenheit, gegenüber seinen gefallenen Kampfgefährtinnen und -gefährten, aber auch und vor allem zur sozialistischen Zukunft seines Landes. Im Oktober 1987 hat Raúl Sendic an einer Kundgebung der Ligue Communiste Révolutionnaire (LCR), der französischen Sektion der IV. Internationale, teilgenommen, die aus Anlaß des 20.Jahrestages des Todes von Che Guevara stattfand; er gedachte des Che und erklärte, er suche nach „jenem Horizont, der nicht mehr so klar ist wie vor 20 Jahren". Wir konnten ihn am folgenden Tag zu einem freundschaftlichen Gespräch über unsere Ansichten treffen. Dabei fanden wir zweierlei frappierend: einmal seine Bescheidenheit, das Fehlen jeglichen Anspruchs auf den Besitz einer absoluten Wahrheit, den Willen zu lernen, zu studieren, sich mit der neuen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wirklichkeit vertraut zu machen; zum anderen sein echtes Interesse für die Kampferfahrungen aller Länder — nicht nur in Lateinamerika, sondern auch in Europa und weltweit.
Eine legendäre Gestalt
Mit Raúl Sendic ist die letzte jener legendären Figuren verschwunden, die in Lateinamerika in den sechziger und siebziger Jahren das Banner des bewaffneten Kampfes gegen die herrschenden Klassen und den Imperialismus entrollt haben: Che Guevara, Carlos Marighella, Inti Peredo, Yon Sosa, Miguel Enríquez, Roberto Santucho, Camilo Torres, Carlos Fonseca. Zwar ist er nicht direkt ermordet worden wie die anderen, doch ist er einer Krankheit erlegen, die von den Folgen der langen Jahre seiner Gefangenschaft und Folter herrührte. Raúl Sendic, Dein Kampf geht weiter: wie Tupac Amaru hast Du Keime der Revolte gesät, die früher oder später im Bewußtsein der Arbeiter und der Bauern, der Jugendlichen und der Frauen, der Am Tag nach dem Referendum hat die Partido Socialista de los Trabajadores (PST — Sozialistische Arbeiterpartei), die uruguayische Sektion der IV. Internationale, folgende Erklärung abgegeben:
Obwohl „Grün" in Montevideo gewonnen hat und „Gelb" im Landesinneren, wurden in Wirklichkeit in Montevideo die schlechtesten Resultate erzielt, Man erwartete, daß in Montevideo „Grün" weit überwiegt, doch es gab nur eine Stimmenmehrheit von rd. 100.000. Wenn man die Anzahl der Unterschriften für die Einberufung des Referendums zugrundelegt, dann gab es in Montevideo 1,15 Stimmen je Unterschrift, im Landesinneren waren es dagegen 1,5 Stimmen je Unterschrift. „Grün" hätte gewonnen, wenn das Verhältnis von Unterschriften/ „grüne" Stimmen in der Hauptstadt das gleiche gewesen wäre wie im Landesinneren. Das Ergebnis ist eine Bestätigung des Übergangsregimes und stärkt das traditionelle Zweiparteiensystem; v.a. wenn man die Spaltung der Frente Amplio berücksichtigt. Die Hoffnung auf einen Sieg von „Grün" war groß,und es existiert heute eine bedeutende Enttäuschung, v.a. bei den unabhängigen Sektoren, die sich in der Kampagne stark engagiert hatten.
Die Kampagne für „Grün" war einheitlich, kämpferisch und geschah unter starker Beteiligung. Wir meinen allerdings, daß einige politische Fehler begangen wurden. Z.B. wurde versäumt, die Entscheidung für „Grün" zu einer Entscheidung gegen die Regierung zu machen, stattdessen hat man sich auf den unmoralischen Aspekt des „Gesetzes der Ungültigkeit" und die ethischen Gründe für seine Aufhebung konzentriert.
Vor allem hat die Opposition es nicht geschafft zu erklären, was nach einem Sieg geschehen würde. Während die Regierung mit einer gewaltigen Kampagne versuchte, die Gefahr eines Militärputsches an die Wand zu malen, und die Nutzlosigkeit der Entscheidung für „Grün" unterstrich, weil die Militärs sowieso nicht vor den Gerichten erscheinen würden, gaben einige bekannte Sprecher der Regierung zweideutige Erklärungen ab. So hatten sie erklärt, daß es darum ginge, die Militärs zu verurteilen, um ihnen dann zu vergeben. Aber auf jeden Fall ist klar, daß die Niederlage nicht aufgrund dieser Fehler zustande kam.
Die Erpressung der Regierung und die Angst vor der Ungewißheit im Falle eines „grünen" Sieges hat zweifellos eine wichtige Rolle beim Sieg der Entscheidung für „Gelb" gespielt. Aber wir glauben, daß die meisten „gelben" Stimmen Stimmen für die Stabilität des gegenwärtigen Systems sind, das trotz allem noch als „demokratisch" betrachtet wird. Unter den Bedingungen, unter denen der Kampf des Referendums stattfand, muß man die Bedeutung der 800.000 Stimmen für „Grün" unterstreichen, auch wenn sie für einen Sieg nicht ausreichten. Aber die Situation wird sehr schwierig werden, und die Aussichten für die Wahlen im November sind nicht gut»
SÜDAFRIKA