Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Inprekorr 1983: Belgien

Streik im öffentlichen Dienst

Inprekorr Nr. 200, Februar 1988 · S. 29 · 213 Wörter

Gewerkschaften und Streiks Benelux

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Die belgische Arbeiterbewegung hat gerade den bedeutendsten Kampf gegen den kapitalistischen Staat seit dem großen Generalstreik im Dezember 1960 und Januar 1961 hinter sich. Damals hatte er zum Sturz der konservativen Regierung geführt. Der Streik nahm diesmal seinen Ausgang von den Eisenbahnern der wallonischen Industriestadt Charleroi am Freitag, dem 9.September. Sie wollten sich den Sparmaßnahmen der Regierung widersetzen, die diese mit ihrem Staatshaushalt 1984 durchsetzen wollte. Übers Wochenende dehnte sich der Streik auf sämtliche Beschäftigte bei der Bahn aus. Bis Mittwoch, den 14. September, hatte der Streik fast den gesamten öffentlichen Dienst ergriffen. Daraufhin riefen die Gewerkschaftsverbände ihrerseits in allen Behörden den Generalstreik aus.

Bei kämpferischen Gewerkschaftern machte sich der Gedanke breit, den Streik auch auf den privaten Sektor auszudehnen; in einigen wenigen Fallen fand dies sogar statt. Der Streik dauerte mehr als zehn Tage, umfaßte ca. 800.000 Beschäftigte und legte viele lebenswichtige Branchen des Landes lahm: Post, Radio, Fernsehen. usw. Deshalb hatte er in mehrfacher Hinsicht auch eine politische Dimension. ... Die Politisierung des Kampfes kam vor allem in einer breiten Debatte über die Frage zum Ausdruck, welche Regierungsalternative durchgesetzt werden könne. Bei den Kampf— und Organisationsformen spielte die Selbstorganisation des Streiks eine erheblich größere Rolle als früher.