Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

1971: Betriebsarbeiterkonferenz der Vierten Internationale

Inprekorr Nr. 200, Februar 1988 · S. 16 · 295 Wörter

IV. Internationale

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Die dritte Betriebsarbeiterkonferenz der trotzkistischen Organisationen fand am 27. und 28.März in Turin statt (die erste Konferenz war in Turin im November 1969, die zweite in Lüttich im Juli 1970). Mehr als 100 Genossinnen waren beteiligt; die meisten waren junge Arbeiterinnen und Gewerkschafter- Innen aus Betrieben, insbesondere von Renault und Rhône-Poulenc in Frankreich, von Fiat, Nebiolo und anderen Metallbetrieben in Italien, von Cockerill-Ougree und der F.N.Herstal in Belgien, von SEL in der Bundesrepublik und den Belwal-Arbed Stahlwerken in Luxemburg.

Eine Genossin aus Lüttich berichtete über die bedeutendsten Kämpfe der letzten Zeit in Belgien, wobei sie vor allem auf die Erfahrungen bei Cockerill einging. Hier entwickelte sich der Kampf trotz der offenen Opposition der Gewerkschaftsführung aufgrund des Drucks von unten. In diesem großen Lütticher Stahlwerk wurden konkrete Erfahrungen mit der Arbeiterkontrolle gemacht: über die Beschäftigung und das Arbeitstempo, was sogar eine gewisse Kontrolle über Einstellungen und Vetorecht bei Entlassungen impliziert. Insbesondere die Arbeiter der Thomasstahlproduktion sind schon so weit, daß sie versuchen, Kontrolle auch über die Lagerhaltung und über die Investitionen auszuüben.

Der Genosse Antonio Moscato vom Politischen Büro der italienischen Sektion ... unterstrich, daß man nicht nur Formen der Arbeiterkontrolle (besonders über Arbeitstempo und über die Beschäftigtenzahl) und Ansätze zur Doppelherrschaft in gewissen Unternehmen beobachten konnte — es sind mit den Räten der ersten Periode auch neue Instrumente für die Durchführung der Kontrolle entstanden. Die auf die großen Kämpfe vom Herbst 1969 folgende Periode ist indes von der Notwendigkeit gekennzeichnet, daß man jetzt allgemeine politische Lösungen finden muß; sonst werde die Bewegung zersplittert und letzten Endes stagnieren, obwohl die Kampfbereitschaft der Arbeiter nicht nachläßt....

aus: Inprekorr, Nr.2, 15.April 1971