David Cameron radikalisiert sich Das seit 25 Jahren anhaltende wirtschaftliche Wachstum in Südkorea (vgl. Inprekorr Nr. 189) wurde verschiedentlich von großen Massenbewegungen gegen die autoritären Regime begleitet, die dieses Wachstum herbeigeführt hatten. Dies war 1960-61 der Fall, als Syngman Rhee stürzte und Park Chung Hee an die Macht kam, und noch einmal 1979-80, als Park stürzte und ihm der gegenwärtige Diktator, Chun Doo Hwan nachfolgte. Heute gärt es in Südkorea wieder, es gibt Massenmobilisierungen, die die Bevölkerung gegen das Regime aufbringen. Dem Machtantritt von Chun Doo Hwan folgte eine Repression der Massenbewegung, vor allem der Aufstand von Kwangju wurde im Mai 1980 niedergeschlagen. Danach gab es im Land eine provisorische »Stabilität", die jedoch bald wieder infragegestellt wurde. 1982- 83 begann, teilweise unter dem Druck der USA, eine Liberalisierung des Regimes. Bereits 1981-82 waren mehrere tausend Gefangene des Aufstands von Kwangju freigelassen worden. 1983 wurde Oppositionsführer Kim Dae Jung, der ursprünglich zum Tod, spätet zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt worden war, freigelassen und ihm die Ausreise in die USA genehmigt. Im Februar 1985 kehrte er nach Südkorea zurück.
1983-84 kam es auch zu einer Reihe von lokalen Arbeiterkämpfen und zu Bewegungen unter den Bauern. Die Studentenbewegung, von der noch zu sprechen sein wird, begann sich neu zu organisieren. Diese Veränderungen im politischen und sozialen Klima schlugen sich in den Erfolgen der größten legalen und neugegründeten Oppositionspartei, der New Democratic Party of Korea (NKDP-Neu-Demokratische Partei Koreas) bei den Parlamentswahlen im Februar 1985 nieder.
Erst im Frühjahr 1986 kam es jedoch zur Entfaltung einer politischen Massenbewegung für die Demokratie, die sich immer direkter gegen das Regime wendete. Diese Bewegung wurde von der NKDP im Februar initiiert, in Form einer Petitionskampagne für direkte Präsidentschaftswahlen, die begleitet wurde von einer Reihe von Massenkundgebungen. Im Laufe dieser Kampagne zogen Hunderttausende von Demonstranten durch die Straßen. Deren soziale Zusammensetzung war überraschend Auf der politischen Bühne tauchte eine neue, radikale Studentenbewegung auf, die das Regime verurteilte, aber auch die NKDP kritisierte. Vor allem bei den Unruhen von Inchon am 3. Mai hat diese Bewegung gezeigt, daß sie für ihre antidiktatorischen und antiimperialistischen Positionen einen gewissen Rückhalt in der Bevölkerung genießt. Ein autoritäres Regime
Die Opposition und die Studentenbewegung nennen das Regime von Chun Doo Hwan eine Diktatur. Dabei wurde der Präsident 1981 ordentlich von einem Wahlmännergremium gewählt, wie es in der Verfassung steht. Seine Partei, die Gerechtigkeitspartei (Democratic Justice Party-DJP), hat eine Mehrheit im Parlament, das im Februar 1985 wiedergewählt wurde. In Wirklichkeit handelt es sich jedoch um eine sehr stark manipulierte Demokratie. Das Wahlmännergremium, das den Präsidenten wählt, ist leicht zu beeinflussen. Das Wahlsystem wirkt sich völlig zugunsten der herrschenden Partei aus. So konnte die DJP mit 35,8 % der Stimmen 148 von 276 Parlamentssitzen erlangen, während die NKDP mit 29,3 % der Stimmen nur 90 Sitze erhielt. Das Wahlsystem sichert die Machtposition Chuns und seiner Partei ab. Man muß auch die Machtfülle der Regierung in Betracht ziehen, die Oppositionsführer Kim Dae Jung (links) und Kim Young Sam
Ressourcen, über die sie verfügt, die Vetternwirtschaft und ihr Monopol über die Medien, was u.a. im Frühjahr 1986 zu einer Kampagne für den Zahlungsboykott der staatlichen Fernsehgesellschaft KBS geführt hat. Die Opposition will alle diese Kontrollmechanismen brechen; deshalb ist ihre Hauptforderung die nach der direkten Wahl des Präsidenten.
Die Gerechtigkeitspartei
Chun Doo Hwan ist 1980 durch einen Militärputsch an die Macht gekommen. Im Jahr darauf wurde die DJP gegründet, auf den Trümmern der Demokra-
Südkorea tisch-Republikanischen Partei Park Chung Hees, die den Tod ihres Gründers nicht überlebte. Die DJP hat 1,5 Millionen Mitglieder, das sind 6,5 % der Wähler. Diese Mitglieder sind jedoch völlig passıv. Zur Leit versucht die DJP ihr Image eines politischen Instruments der Streitkräfte" loszuwerden vor allem über ein politisches Schulungsprogramm für den sog. „Kern der Aktiven" von denen bisher 110.000 eine solche Schulung durchgemacht haben. Aber die Umwandlung der DJP ist damit noch lange nicht gesichert.
Die DJP wird auch Yuk-pob-dang ge nannt: yuk steht für Y uksa, die koreanische Militärakademie KMA; pob für pobdae, die Kechtstakultät an der Uni versität Seoul; dang für Partei. Von den 148 Abgeordneten der DJP kommen 27 von der Rechtsfakultät und 21 von der KMA. Wenn man die Abgeordneten hinzuzählt, die von der nationalen Polizei, der koreanischen CIA (KCIA) und anderen staatlichen Institutionen kommen, wird der bürokratisch-militärische Charakter der Partei noch deutlicher. An der Spitze der Partei dominiert die rein militärische Komponente. Park Joon Byung, der Geschäftsführer der DJP, hat dazu erklärt: „Ich versichere Ihnen, daß die DJP keinerlei Beziehungen zu den Streitkräften unterhält"| Dabei ist er selbst ein General im Ruhestand, genauso wie Roh Tae Woo und Chong Sun Dok, jeweils Vorsitzender und Generalsekretär der Partei, und Chun Doo Hwan selbst. Premierminister Lho Shin Yong, der häufig als „ziviler" Führer hingestellt wird, ist ein Karrierediplomat, der zuvor Direktor des Planungsbüros der nationalen Sicherheit (KCIA) war. Die DJPist eine außerordentlich zentralisierte Partei, alle Ämter in ihr werden durch Ernennung von oben nach unten besetzt.
Damit wird verständlich, daß die DJP der politische Ausdruck des Staatsapparats und weitgehend auch der Repressionsorgane ist. Es gibt da eine Kontinuität des südkoreanischen Staates in Form und Inhalt, zumindest seit dem Putsch von Park 1961, die über Cliqueninteressen und über die Bevorzugung der Gleichaltrigen Chuns und seiner Familie hinausgeht. Dies ist sehr wichtig zu sehen, will man die Beziehungen zwischen der südkoreanischen Bourgeoisie und diesem Regime, das mit dem Staatsapparat eins ist, verstehen. Ein dichtes Netz von Klientelbeziehungen und Abhängigkeiten verbindet das Regierungspersonal, die Militärhierarchie, die Spitzen der Verwaltung, den staatlichen Sektor der Wirtschaft und die etwa zwanzig großen privaten Unternehmen, die chaebol, deren zehn größte für sich 32 INPREKORR 190 allein 1983 75 % der BSP erwirtschaftet haben' Trotz ihrer relativen Machtfülle, die erheblich über der der „Kumpaneiwirtschaft" des Regimes von Ferdinand Marcos auf den Philippinen liegt, hat diese Bourgeoisie wenig Spielraum hinsichtlich der politischen Form ihrer Herrschaft. Zunächst einmal ist sie gebunden durch große materielle und partikulare Interessen, die bedroht wären, wenn das koreanische Regime demokratisiert und die Regierung infolgedessen ausgewechselt würde. Die NKDP, die es durchaus als ihr Ziel begreift, das kapitalistische System zu verteidigen, legitimiert sich gerade dadurch, dals sie von den Zentren der politischen und wirtschaftlichen Macht ausgeschlossen und von dieser neuen Bourgeoisie isoliert ist. Es gibt aber noch einen tieferen Grund dafür, warum das Regime bisher so erfolgreich dem Druck zu einer Demokratisierung widersteht. Ein langfristig stabiles bürgerlich-demokratisches Regime braucht eine ausreichend stabile gesellschaftliche Grundlage. Eines der explosiven Elemente der südkoreanischen Gesellschaft ist gerade die Existenz breiter benachteiligter Gesellschaftsschichten. Das gilt für die Arbeiterklasse, die hauptsächlich das wirtschaftliche Wachstum hervorgebracht hat, für die verarmten Schichten in den Städten, die vom Lande geflohen sind und nun den schwer greifbaren informellen Sektor bilden, und für einen Teil der Bauernschaft, die unter den Auswirkungen des Weltmarkts auf die südkoreanische Landwirtschaft leidet, vor allem unter dem Import US-amerikanischer Landwirtschaftsprodukte. Diese Schichten bilden eine schwer zu kontrollierende Kraft, die sich heute für die Losungen der NKDP mobilisieren läßt, die sich aber leicht radikalisieren kann. Es ist schwer, auf einer solchen gesellschaftlichen Grundlage ein stabiles bürgerlichdemokratisches Regime aufzubauen. Die DJP konzentriert sich darauf, ihre Macht zu erhalten, um zu verhindern, daß die vom Wachstum Ausgeschlossenen sich politisch artikulieren, und um das Niveau der Repression zu halten, das bislang die hohe Ausbeutungsrate und damit das südkoreanische „Wirtschaftswunder" ermöglicht hat. Trotz des hohen Pro-Kopf-Einkommens ist die gesellschaftliche Ungleicheit sehr groß und die Arbeitsbedingungen für die Arbeiter sehr hart. Die Arbeitswoche in Südkorea ist eine der längsten auf der Welt, 1980 betrug sie 53,1 Stunden. 1984 kamen jeden Tag fünf Arbeiter durch Arbeitsunfälle ums Leben, 430 wurden verwundet'. In diesen Zahlen sind die Betriebe mit weniger als zehn Beschäftigten nicht inbegriffen, wenngleich hier 52 % der Industriearbeiterschaft arbeiten und die Arbeitsbedingungen und die Unfallraten hier am höchsten sind*. Vor dem Hintergrund dieser ungelösten gesellschaftlichen Probleme entfaltet sich die Bewegung für die Demokratisierung. Die NKDP versteht sich als Sprachrohr der neuen Mittelschichten. In diesem Sinn ist sie eine moderne Partei, in anderer Hinsicht ist sie aber sehr traditionell. Ihre Hochburgen hat sie in der Region Kwangju und Pusan, wo ihre beiden wichtigsten Führer, Kim Dae Jung und Kim Young Sam, ihre Hausmacht haben. Dies ist eine Quelle ständiger Spannungen für die Partei. Die Neu-Demokratische Partei Gegenüber der Arbeiterklasse ist su mißtrauisch. Ein führender Vertrete der Partei, Lee Taeck Hee, hat erklärt: „Wir müssen uns auf die Mittelklassen stützen. Die anderen sind an der Demokratie nicht interessiert"s . Kim Dae Jung, der bekannteste Vertreter der NKDP, hat gesagt: „Ich glaube, daß die Gewerkschaftsbewegung ein gefährliches Problem für dieses Land darstellt, weil sie von Studenten geführt wird. Die Arbeiter leisten einen großen Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung, aber sie bekommen nicht die Früchte dafür und haben keine Möglichkeit, ihre Beschwerden auszudrücken"'. Vor diesem Hintergrund findet die Kampagne der NKDP für die Direktwahl des Präsidenten statt. Die Führer der NKDP sagen dabei offen, worum es geht: „Man muß die Radikalisierung der Studenten und der Arbeiter aufgreifen, sagt Kim Young Sam, ihre Stimme ist in den letzten Jahren viel lauter geworden, und die einzige Art, damit umzugehen, ist, der Regierung eine starke Legitimation zu geben". In anderem Zusammenhang hat Kim Dae Jung erklärt: „Wenn die Regierung sich weiter der Demokratisierung widersetzt, bin ich sicher, daß wir auf eine Katastrophe zusteuern"®. Die NKDP versteht sich also offensichtlich als letztes Bollwerk der bürgerlichen Ordnung, obwohl sie die Möglichkeiten, die Massenbewegung unter Kontrolle zu halten, nicht sonderlich optimistisch einschätzt. Die DJP ist vor allem davon überzeugt, daß zum gegenwärtigen Zeitpunkt das Herrschaftssystem nicht geändert werden kann. Wahrscheinlich will Chun Doo Hwan wirklich das Amt des Präsidenten 1988 am Ende seiner Amtsperiode aufgeben, aber dann um den Großteil der Macht auf den Premierminister zu übertragen, der ebenfalls von der DJP ist. Das Regime widersetzt sich daher dem Druck, das System der Macht in dem Sinn zu ändern, wie das die NKDP wünscht.
KOREA
OLYMPIA
KAMPAGNE '88 Verbindung schaffen!
Olympische Spiele 1988 in Seoul! 29.000 Athleten und Journalisten werden erwartet. Für den reibungslosen Ablauf dieses bedeutsamen Sportereignisses betreibt das Gastgeberland Sodkorea einen beträchtlichen Aufwand. Geschätzte Kosten - mindestens drei Milliarden US-Dollar. Auch wir bereiten uns vor auf die Olymplachen Spiele:
Die Arbeitsgemeinschaft Korea Olympia Kampagne '88 - ein Zusammenschluß politischer, kirchlicher und humanitärer Organisationen und anderer Gruppen, Deutsche und Koreaner, die in der Bundesrepublik leben - will Verbindung schaffen zum Gastgeberland und seinen Menschen. - Kultureller Austausch und Verständigung - Politische Solidarität!
In diesem Zusammenhang ist auch die Entwicklung der politischen Lage und die Verhärtung der Haltung des Regimes gegenüber der Opposition seit Anfang Oktober zu sehen. Chun war es Verfassungsreform gelungen, die Massenmobilisierung im Juni zu stoppen, indem er die NKDP in Verhandlungen verwickelte. Es gelang ihm aber nicht, die NKDP zu bewegen, in der Frage der Direktwahl des Präsidenten nachzugeben, obwohl er in ihr Widersprüche hat schaffen können, die ihm zunutze kamen. Daraufhin hat das Regime beschlossen, seine entschlossensten Gegner frontal anzugreifen und die anderen zu schwächen, indem es ihnen anbietet, sich in ein reformiertes parlamentarisches System zu integrieren. Das Regime strebt eine Verfassungsänderung Anfang 1987 an, und versucht, so viele oppositionelle Abgeordnete dafür zu gewinnen, daß es im Parlament eine Zwei-Drittel-Mehrheit dafür erhält. Wenn sie wählen müssen zwischen der Konfrontation mit Chun — gestützt auf Aufruf zur Untexstützung
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Korea Olympia Kampagne '88 - Verbindung schaffen!
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Brangelische Darlebensgenossenschaft Kiel, Koeto-Nammer 65 111 (BLZ 210 602 37) - Stichwort: Korea Träger der Kampagne sind bislang (Stand: 1.10.1986): Arbeitgemeinschaft der Evangelischen Jugend - Bundeskongreß entwicklungspolitischer Aktionsgruppen • Evangellsche Studentengemeinde Deutschand • Deutsch- Koreanische Freundschaftsgesellschaft -Koreanische Aktionagemeinschaft - Korea Komitee • ASX • Jusos • Die Grünen • terre des hommes die Massenbewegung — und dem Kompromiß mit ihm, werden eine Reihe von Abgeordneten und führende Vertreter der NKDP bereit sein, sich für das zweite zu entscheiden, natürlich unter der Bedingung, daß der Druck der Massenbewegung ihren Handlungsspielraum nicht zu sehr einengt. Kim Young Sam hat dazu gesagt: „Einige haben gesagt, ich solle das Kabinettsystem (das die DJP anbietet) annehmen, um mich kompromißbereit zu zeigen, aber die politische Lage in Korea ist über diesen Punkt bereits hinaus, und wir können uns nicht auf dieses System stützen, um der Anti- Regierungsstimmung heute zu begegnen "9 • Seit Anfang Oktober, genauer seit dem Ende der Asien-Spiele am 5. Oktober, ist das Regime zur Offensive übergegangen. Am 16. Oktober wurde der Abgeordnete Yoo Sung Hwan wegen einer Rede verhaftet, die er vor der Nationalversammlung gehalten hat. Darin legte er dar, daß die politische Priorität des Landes auf der Vereinigung der beiden koreanischen Staaten liegen sollte, statt auf dem Antikommunismus. Er wurde angeklagt wegen Verstoßes gegen das Südkorea
Gesetz über die nationale Sicherheit (National Security Law - NSL), dessen Bestimmungen sehr hart sind. Am 1. November stürmten 8.000 Mann der Sonderpolizei das Universitätsgelände von Konkuk und verhafteten 1.525 Studenten. Am 4. November wurde Pastor Moon Ik Hwan zu drei Jahren Getangnis verurteilt, weil er angeblich zu gewaltsamen Protesten gegen die Regierung aufgerufen habe. Parallel dazu wurden nach einer dreimonatigen Untersuchung an der Nationalen Universität in Seoul und im Industriegebiet Kuro, einem Vorort der Hauptstadt, 27 Menschen festgenommen unter dem Verdacht, die Gründung einer marxistisch-leninistischen Partei vorbereitet zu haben. 13 davon wurden seitdem wegen Verstoßes gegen das NSL. unter Anklage gestellt. Der radikale Flügel der Bewegung Was stellt der radikale Flügel der Bewegung dar? Wer ist Moon Ik Hwan? Wer sind die Studenten und in welchem Grad finden sie außerhalb der Universitäten Gehör?
Moon Ik Hwan ist ein protestantischer Pfarrer, der die Koalition Mintongnyon (Volksbewegung für Demokratie und Vereinigung) anführt. Sie umfaßt 23Organisationen (freie Arbeitergewerkschaften, Organisationen der Bauern, der Frauen, Buddhisten, Protestanten, Katholiken und der Studenten). Moon fordert eine Regierung der minjung, d.h. der Arbeiter und Bauern. Er erklärt: „Auf beiden Seiten (der Grenze zwischen Nord- und Südkorea, Anm. d. Red.) haben die Diktatoren die Spaltung der Nation zum Vorwand genommen, um das Volk zu unterdrücken; der Kampf für die Demokratie kann deshalb nicht getrennt werden von dem der Wiedervereinigung"10 . Moon fordert auch den militärischen und wirtschaftlichen Rückzug der USA und greift den Einfluß Japans in Südkorea an.
Seit ihrer Gründung 1984 hat die Bewegung um Moon eine wichtige Rolle für die Kräfte links von der NK DP gespielt, als Ausdruck der Forderungen der Arbeiter und Bauern. Er hat es gewagt, die brennende Frage der Vereinigung Koreas aufzuwerfen. Aber im Verlauf des Jahres 1986 hat die Studentenbewegung diese Fragen aufgegriffen und sie in den Rahmen einer politischen Strategie gestellt. Die Studentenbewegung hat 1983-84 wieder von sich reden gemacht, als in jeder Universität Studentenverbände gegründet wurden, die sich zum Nationalen Bund der Studentengruppen (Chun-hakryon) zusammenschlos-
Südkorea sen. Parallel dazu wurde die Organisation Sammintoo (Komitee zum Kampf für die minjung, für die Demokratie und die nationale Einheit) geschaffen. Heute radikalisiert und politisiert sich die Studentenbewegung sehr stark. Im Winter 1985-86 traten zwei politische Strömungen in Erscheinung, die Minmintoo und die Chamintoo, zwei Gruppen, die sich heute anscheinend auf den Grundlagen der Chamintoo (Studentisches Kampfkomitee für die nationale Wiedervereinigung und die Demokratie, gegen Imperialismus und Faschismus) einander annähern. Der Prozeß der Ausarbeitung einer politischen Strategie hat die Chamintoo dazu geführt, von einer ,Theorie der national-demokratischen Revolution" zu sprechen, die später genauer als .,Theorie der Revolution der minjung für Demokratisierung, gegen Imperialismus" und als „Theorie der Revolution für die nationale Wiedervereinigung und die Demokratie" bezeichnet wurde Da die Bewegung noch voll in Entwicklung begriffen ist, ist es zu früh, ein definitives Urteil über die studentische extreme Linke zu fällen. Klar ist jedoch, daß ihre fortschrittlichsten Elemente dabei sind, eine Perspektive auszuarbeiten, die eine Revolution vorschlägt, um die nationalen und demokratischen Aufgaen in Korea zu lösen, deren Bewegungskräfte die Arbeiter und Bauern wären. Dies im Rahmen einer Wiederversüdostasien informationen Heft Nr. 4/86 Religion und Kultur •Chinesische Religion •Kultur des Widerstands •Vietnamesen im Exil •Interview: Promoedya Ananta Toer • Nationale Kultur Malaysias? und wie immer:
Nachrichten und Literaturhinweise. zusammengestellt aus z.T. schwerzugänglichen Publikationen zur Gesamtregion und zu einzelnen Ländern: Indochina, Thailand. Malaysia, Singapur, Brunei, Indonesien/Osttimor, Philippinen.
• .••• Schwerpunkt des nächsten Hefts: 1/87 - PHILIPPINEN südostasien informationen scheinen viertelthrlic Herausoeber und Vertrieb- Súdostasien.
6. - OM Informationsstalle
Josephinenstr. 71 4630 Bochum 1 Tol.: (02 34) 502748 34 INPREKORR 190 einigung mit dem Norden. Es ist schwer zu sagen, bis zu welchem Grad eine solche Perspektive für die Massen glaubwürdig ist, wieweit also der Wunsch der südkoreanischen Massen nach Einheit durch den Charakter des Regimes im Norden abgewürgt wird. Es ist auch schwer feststellbar, in welchem Maße sich die revolutionären Studenten selbst mit dem Regime in Pyöngyang identifizieren und welche Kritik sie möglicherweise daran haben.
Die Bedeutung der Studentenbewegung steht jedoch außer Zweifel. Nach offiziellen Quellen hat es zwischen dem 2. April und dem 6. Mai fast täglich Demonstrationen gegeben. Von Jahresanfang bis zum 7. Mai haben sich 166.000 Studenten an den Demonstrationen beteiligt". Die Bedeutung der Studentenbewegung wird auch daraus ersichtlich, daß es die Studenten sind, die derzeit die große Mehrheit der politischen Gefangenen in Südkorea ausmachen. Nach jüngsten Schätzungen gibt es derzeit 1.300 politische Gefangene, davon sind 800 Studenten und 200 Arbeiter. Darin sind nicht die 1000 Gefangenen enthalten, die nach der Stürmung des Campus von Konkuk gemacht wurden, von denen neun wegen Verstoß gegen das Nationale Sicherheitsgesetz angeklagt sind'?.
Der harte Kern der Aktivisten der extremen Linken wird von einigen auf 12000 Menschen (nach Angaben der Opposition), von anderen auf 1.000 bis 5.000 Menschen (nach Angaben einiger westlicher Diplomaten) geschätzt. Die eigentliche Frage ist aber die, ob die Studenten in der Lage sind, ihren Organisationen und Ideen eine dauerhafte Basis außerhalb der Universitäten zu verschaffen. Es scheint, als sei ihnen dies teilweise gelungen. Das deutlichste Zeichen dafür war die Demonstration in Inchon am 3. Mai, an der sich 10.000 Studenten und Arbeiter unter Losungen gegen die Diktatur und gegen die USA beteiligten. Es gibt auch Anzeichen für einen Einfluß des linksextremen Gedankenguts der Studenten unter den Bauern' . Kim Dae Jungs Erklärung zu den Studenten, die die Gewerkschaftsbewegung anführen, ist nicht nur Ausdruck einer antikommunistischen Paranoia. Vor allem seit den Ereignissen von 1980 haben viele aktive Studenten, die der Repression zum Opfer fielen, ihre wahre Identität verborgen gehalten, wenn sie eine Anstellung suchten.
Heute liegt die Initiative beim Regime, das in erster Linie offensiv gegen die Studentenbewegung vorgeht. Seoul versucht ganz offen, die studentische extreme Linke zu zerschlagen. Innenminister Kim Chong-Hoh hat vor dem Parlament erklärt, die Besetzung des Universitätsgeländes von Konkuk sei das Werk von „Terroristen (gewesen), die eine gewaltsame kommunistische Revolution wollen" . Mit dem Gespenst des Antikommunismus versucht die Regierung, die öffentliche Meinung der Mittelklassen gegen die drohende Unterwanderung der südkoreanischen „Demokratie" zu mobilisieren und damit um sich zu scharen. Das Kalkül scheint aufzugehen.
Antikommunismus
Die antikommunistische Kampagne ist auch ein gutes Mittel, den Druck auf die NADP zu steigern. Die Kegierung hat dieser Partei eine Wiederaufnahme der Verhandlungen über die Verfassungsreform angeboten, unter der Bedingung, daß die NKDP zuvor eine Erklärung abgibt, in der sie die wachsende Gefahr einer kommunistischen Subversion anerkennt. Das kommunistische Schreckgespenst ist dem Vorhaben Chuns, die NKDP zu spalten, sehr dienlich. Die Studentenbewegung ist angesichts der massiven Repression in der Detensive und ihre Möglichkeiten, ihr zu widerstehen, scheinen begrenzt, zumindest in Seoul. Die NKDP scheint angesichts der Regierungsoffensive ebenfalls die Initiative verloren zu haben. Die grundlegenden Probleme bestehen aber weiter. Chun Doo Hwan hat vor allem das Datum 1988 fest im Auge. Da hofft ereinen zweifachen Triumph davonzutragen: seine Nachfolge zu regeln und Südkorea bei den Olympischen Spielen von Seoul zum Schaufenster der Welt zu machen. Aber 1988 ist noch weit. Das Jahr 1987 kann für das Regime in Seoul durchaus zum „Jahr aller Gefahren" werden. 13. November 1986 1 aus Far Eastern Economic Review, 13. März 1986. 2 Statistiken der südkoreanischen Regierung von 1983. 3 Jahresstatistik des Arbeitsministeriums von 1984. 4 Korea Communiqué Bulletin, Sondernr. Juli 1986. Es wird monatlich in Tokio von der Japan Emergency Christian Conference on Korean Problems herausgegeben. Es stellt eine wertvolle Informationsquelle über Südkorea dar.
5 International Herald Tribune, 8./9. November 1986. 6 Far Faster Economic Review, 13. November 1986. 7 2.1.0.
8 International Herald Tribune, 26. September 1986. 9 Far Eastern Economic Review, 10. Juli 1986. 10 Korea Communiqué Bulletin, 2.a.O. 11 nach Angaben von Kang Min-Chang, Chet der natio nalen Polizei, vgl. Korea Communiqué Bulletin, a.a.O. 12 Far Eastern Economic Review, 13. November 1986. 13 Die Sondernummer von Korea Communiqué Bulletin vom Mai 1986 berichtet über das Auftauchen antidiktatorischer und antiimperialistischer Losungen unter den Bauern der Provinz Cholla im Süden. Das Phänomen ist auf diese Region begrenzt, aber „solche l.osungen werden von der Mehrheit der Bauern nicht mehr als fremd oder als zu radikal empfunden", schreibt das Bulletin.
UDF
Südafrika — Die Freiheitscharta des ANC war jahrzehntelang das Hauptdokument der Befreiungsbewegung Südafrikas. Mit der Gründung starker Einheitsgewerkschaften verstärkt sich die Diskussion über die Rolle der Arbeiterklasse.