(PRS - Partei der sozialistischen Revolution), die Perspektive einer Ver- Aufbau einer Partei einigung dieser Organisationen. Sie begrüfste den Vorschlag der PMT, die Möglichkeiten einer organischen Einheit zu prüfen. Dabei ist sich die PRT der Linken darüber im klaren, daß ein Vereinigungsprozeß nicht einfach durch ein Abkommen zwischen den Führungen erreicht wird, sondern in gemeinsamen Diskussionen und Aktionen von unten nach oben entwickelt werden muß. Die PRT hatte auch noch eine andere Gruppe, die Organización de la Izquierda Revólucio- und des Charakters der Differenzen, die PRT, in dem er das Einheitsprojekt der naria-Linea de masa (OIR-LM — Orga- zwischen den verschiedenen Organisa- PRT erklärt und ihre Sichtweise vom der revolutionären Linken- tionen bestehen. Aufbau der revolutionären Partei in Me- Massenlinie) zu gemeinsamen Gesprä- xiko darlegt. Dazu veröffentlichen wir chen und Aktivitäten eingeladen. Im folgenden veröffentlichen wir einen eine Resolution, die Grundlage entspreleicht gekürzten Beitrag des Genossen chender Beschlüsse des Zentralkomitees Fortschritte in dem Ziel der organischen Für unsere Genossen geht es darum, Sergio Rodriguez von der Führung der der PRT im September 1986 war. Einheit zu machen und dabei in der Aktion die bestehenden Differenzen und Gemeinsamkeiten auszuloten; die Aktionseinheit ist eine unerläfliche Vorbedingung für jede organisatorische Ver- Sergio Rodriguez die Organisation der Sozialistischen Ineinigung • ternationale in Peru), der Peronismus in Im Juli 1986 machte die kommunistische Seit einigen Jahren erlebt die gesamte Argentinien, die MNR (Movimiento Nacionalista Revolucionario - Natio- Partei, die sich in Mexiko Partido Socia- lateinamerikanische Linke einen Reor- nalistisch-Revolutionäre Bewegung) in lista Unificado (PSUM) nennt, zur ganisierungsprozeß. Dies ist nur der Bolivien und die stalinistischen Parteien Überraschung unserer Genossen mehre- sichtbarste Ausdruck von den Entwick- in Chile und Uruguay hatten die Masren Parteien der Linken, der PRT, der lungen, die es in der Massenbewegung senbewegung nur mit einer drittrangi- PMT, der Partido Patriotico Revolucio- gibt. Mehrere Anzeichen bestätigen gen Nebenrolle bedacht, in einer Genario (PPR — Patriotisch-Revolutionä- dies. samtstrategie, die darauf abzielte, den re Partei) und der Union de la Izquierda Die lateinamerikanische Linke ist heute bürgerlichen Staat zu stärken. (...) Communista (UIC — Einheit der kom- nicht mehr dieselbe wie bis zu den 60er Die kubanische Revolution war das erste munistischen Linken) den Vorschlag, im Jahren. Damals übten Stalinisten und Anzeichen dafür, daß sich hier etwas Februar 1987 miteinander zu fusionie- Nationalisten eine fast vollständige He- änderte. Sie bewies nicht nur, daß man ren. Unsere Genossen haben diesen Vor- remonie über die Massenbewegung aus den Imperialismus stürzen kann, sie hat schlag bislang abgelehnt. Sie halten ihn Die PRI in Mexiko, die APRA (Alianza auch zum Aufbau eines Arbeiterstaats für verfrüht, angesichts des Umfangs Popular Revolucionaria Americana — geführt. Sie kennzeichnete den Beginn
Mexiko einer Veränderung des Kräfteverhältnis- strukturierung des Großteils der Arbeises in der Linken und auf der politischen (Central Unica dos Trabalhadores — Bühne Lateinamerikas. Die PRI, die Einheitszentrale der Arbeiter) voran- APRA, der Peronismus und die MNR, zutreiben. die bis dahin inden Augender Massenals Einen solchen Prozeß der Veränderung die Verteidiger der nationalen Souverä des Kräfteverhältnisses innerhalb der nität galten, traten in den Hintergrund. Linken gab es in vielen Ländern, natür- Es war nun eine kommunistische Regi-- lich auf unterschiedliche Art und Weise. rung, die diesen Kampf anführte. Auf In der argentinischen Gewerkschaft der Linken entstanden die Guerillagrup CGT haben die klassenkämpferischen pen, die aus Abspaltungen von den kom- Kräfte größeren Einfluß als früher, munistischen Parteien hervorgingen. wenngleich die revolutionäre Linke nach der schweren Niederlage unter der Mili- Entwicklung der tärdiktatur ihre Kräfte nur langsam wielateinamerikanischen Linken dergewinnt. In Uruguay, wodie K P'zwa: Eine weitere große Etappe stellte die noch immer die größte Kraft im Ge nicaraguanische Revolution dar. Dies werkschaftsverband PIT-CNT ist', hawar die zweite siegreiche Revolution, in ben die Strömungen, die den Widerder die kommunistischen Parteien keine stand gegen die Diktatur und Kolle gespielt hatten. Diese Revolution Gründung der PIT getragen haben, ein brachte vieles ins Rollen. Die kommuni- großes Gewicht erhalten. In Peru sind stische Partei El Salvadors übte in der die Partei der Mariáteguistischen Ein- Person ihres Generalsekretärs Shaffick heit (Partido de Unidad Mariáteguista Handal eine grundlegende Selbstkritik -PUM) und die Kommunistische Partei Perus Patria Roja (Rotes Vateran ihrer bisherigen Strategie, die sie mit land)' so stark, daß sie innerhalb der anderen kommunistischen Parteien La- Izquierda Unida (IU — Vereinigte Linteinamerikas teilt. Darin geht sie auf den ke, ein Bündnis linker Organisationen) ununterbrochenen Charakter der Revolution ein und stellt die Frage des Hin- zu den wichtigsten Parteien gehören. In El Salvador und in Guatemala ist die überwachsens der demokratischen und antiimperialistischen Revolution in eine Entwicklung noch ausgeprägter. sozialistische Revolution. Eine ähnliche Dieser Prozeß der Reorganisierung der Frage stellt sich auch die Partido Guate- lateinamerikanischen Linken zeichnet malteco del Trabajo (PGT — Guatemal- sich aus durchein verändertes Kräftevertekische Partei der Arbeit). Im Fall Boli- hältnis. Die revolutionären Strömungen viens hat diese Entwicklung 1985 zu ci- haben heute ein größeres gesellschaftliner Spaltung der KP in zwei etwa gleich ches Gewicht. Sie haben einen unter große Gruppen geführt. Korrupte und schiedlichen ideologischen Ursprung: versöhnlerische Parteien wie die argenti- sie setzen sich aus früheren Aktivisten nische KP sahen sich zu einer Selbstkri- traditioneller kommunistischer Parteitik ihrer unpolitischen Orientierung en, aus Trotzkisten, Maoisten, Castri vor, während und nach der Diktatur sten, radikalisierten Christen und revo gezwungen. Ähnliche Diskussionen gab lutionären Nationalisten zusammen. es auch in der chilenischen KP. D.h. allen, die es verstanden haben, den Kommunismus mit der indoamerikani- Ein anderes, wichtiges Element dieser schen Wirklichkeit zu verbinden, wie es Veränderung war die Entstehung der José Carlos Mariategui formuliert hatte. Partido do Travalho (PT
Arbeit) in Brasilien. Im Herzen der Die Neuzusammensetzung mächtigsten Arbeiterklasse Südameri- der mexikanischen Linken kas, aus einem Prozeß der Wandlung und Neuorganisierung der Arbeiterklas- Dieser Prozeß der Reorganisierung und se und ihren unmittelbaren Tages- Neuzusammensetzung der Linkenfand, kämpfen heraus entstand eine Klassen- mit einigen Besonderheiten, auch in Mepartei neuen Typs. Sie entstand jedoch xiko statt. Der ideologische Einfluß des auch gegen die beiden traditionellen Par- mexikanischen Staates, vermittelt über teien auf der Linken: die brasilianische die PRI, war wesentlich stärker als in KP (Partido Communista Brasileiro - anderen Ländern. Ihm ist es zu verdan- PCB) und die KP Brasiliens (Partido Co- ken, daß große Teile des mexikanischen munista do Brasli - PC doB)'. Seitihrer Proletariats sich mit dem Staat identifi- Gründung konnte sich die Partei zieren. So konnte die Entwicklung einer der Arbeit trotz aller Schwierig- unabhängigen mexikanischen Linken keiten ihren Charakter als eine unabhän- durch den Mythos der Existenz einer gige Klassenpartei bewahren. Dadurch PRI-Linken, die angeblich für einen wurde die PT zur wichtigsten Kraft auf Wandel im Land unentbehrlich sei, geder Linken und es gelang ihr, die Neu- hemme werden. Mehrfach hat sich die 10 INPREKORR 190 Regierung diese Tatsache zunutze gemacht. Diese Schwäche der Linken beschränkt sich nicht auf den ideologischen Bereich. Sie tritt auch in den Massenbewegungen und insbesondere in der Arbeiterbewegung zutage. Infolge ihrer mangelhaften Verankerung hat sich die Haltung breit gemacht, die einzige Möglichkeit, Politik für die Massen zu machen, sei die, ein Bündnis mit der PRI zu bilden.
Die mexikanische KP, die sich Vereinigte Sozialistische Partei Mexikos(PSUM) nennt, ist nie eine Massenpartei wie in Chile oder Uruguay gewesen. Deshalb ist der Einfluß des Stalinismus in der Arbeiterklasse gering.
Eine typisch castristische Strömung gibt es nicht. Es gibt eine Guerillabewegung, die „Partei der Armen"', , die jedoch eher mit der Tradition der mexikanischen Revolution als mit der kubanischen Revolution verbunden ist. Eine Verbindung dieser Elemente führte 1968 zu einer Keorganisation der Linken und zur Entstehung neuer politischer Organisationen. Seither haben wir für ein nationales politisches Projekt gekämpft. Es erschien die Zeitschrift Brecha, die jedoch auf wenige Nummern beschränkt blieb: sie versammelte um sich die Grupo Comunista Internacionalista (GCI — Kommunistisch - Internationalistische Gruppe, 1974 die mexikanische Sektion Partei des Proletariats), die Gruppe "Theorie und Praxis" und unabhängige Marxisten, darunter den Genossen José Revueltas. Später ist die Zeitschrift Perspectiva aus einer ähnlichen Umgruppierung hervorgegangen. Bei den Maoisten gab es eine ähnliche Entwicklung mit der Gründung der „Unabhängigen Volksfront" und der „Koordination Massenlinie". . Eine andere wichtige Entwicklung war die Gründung von Organisationen gesellschaftlicher Massenbewegungen wie das „Volksverteidigungskomitee" (Comitato de Defensa Popular — CDP) von Chihuahua und die Koordination der Arbeiter, Bauern und Studenten vom Isthmus von Oaxaca. Sie drücken nicht nur den Willen der Massen aus, sich für ihre Forderungen zu organisieren, sondern auch ihr Bedürfnis, sich politisch Gehör zu verschaffen. In dieselbe Richtung gingen die Wahlkampagne der Union Obrera, Campesina y Popular (Eiheit der Arbeiter, Bauern und Volksmassen) und die Eintragung der PRT ins Wahlregister als erster Schritt zu ihrer Wahlzulassung 1982. Bei ihrer Kandidatur konnte die Genossin Rosario Ibarra de Piedra eine eindrucksvolle Massenunterstützung
gewinnen. So stand die regierungsunabhängige Linke bald vor zwei Möglichkeiten bei den Wahlen: die eine war, wie die PSUM zu allem möglichen eine Meinung zu haben, selbst zur Steigerung der Milchproduktion; die andere war, wie die Genossin Rosario das Volk aufzurufen zu kämpfen und nur auf die eigene Kraft zu vertrauen. Deshalb wurde die Kandidatur der PRT von regierungsfreundlichen Kreisen auch als „Ausbund des Fraktionismus" seitens der PR Tkritisiert. Denn ihre Wahlkampagne setzte sich über alle traditionellen Spielregeln des Parlamentarismus, der PRI wie der reformistischen Linken, hinweg. Auf ihrem 3. Nationalen Kongreß 1981 hat die PRT eine Konzeption entwickelt, die für die Weiterentwicklung der Partei eine zentrale Rolle gespielt hat. Sie betonte die Notwendigkeit des Aufbaus einer Partei der Revolutionäre. Diese Auffassung brach mit der sektiererischen, triumphalistischen und beschränkten Vision des Aufbaus der eigenen Partei. Die Partei verstand sich nicht als die einzige und vollendete revolutionäre Partei der Zukunft. Diese Vorstellung wurde jedoch von anderen Teilen der revolutionären Linken nicht so schnell aufgegriffen. Die Gründung der Union Nacional de la Izquierda Revolucionaria (Nationale Union der Revolutionären Linken) kann verstanden werden als ein Instrument, um die PRT zu neutralisieren.
Eine Partei der Revolutionäre... In den letzten Monaten gab es einen Prozeß der Neubestimmung der Linken, dessen Hintergründe leicht ersichtlich sind. Wenn sich die Lage der Linken auch seit 1968 deutlich gebessert hat, so ist mit der Krise auch die Notwendigkeit eines nationalen alternativen Projekts dringender denn je geworden. In letzter Zeit wurden viele Vereinigungsvorschläge gemacht. Handelt es sich dabei nur um das Bedürfnis der Linken, ihre Isolierung zu durchbrechen, oder gibt es tiefere Gründe dafür? Was die Linke hiermit zum Ausdruck bringt, ist das Einheitsbestreben der Massenbewegung, ein Bestreben, das bisher stets vom mexikanischen Staat unterdrückt wurde. Das macht ihre Vorschläge glaubwürdig und notwendig.
Doch darf man nicht glauben, daß in der gegenwärtigen Situation diese Dynamik die Bildung einer Einheitsorganisation der Linken erlaubt. Wir sagen dies nicht, weil wir notorische Spalter wären. Die Einheit ergibt sich nicht allein aus dem Willen dazu; sie ist hauptsächlich Ergebnis eines politisch-programmatischen Zusammenwachsens. Denn was nutzt es, sich über die Gründung einer Einheitspartei zu freuen, wenn man später ihre Unfähigkeit, Lähmung und Zersplitterung beklagen muß.
Als die PR T den obengenannten Organisationen ihre Vorschläge unterbreitete, machten wir einige für uns wesentliche Bemerkungen dazu: die neue Partei muß sozialistischen Charakter haben und ihre Klassenunabhängigkeit gegenüber der Regierung und den Unternehmern bewahren. Bei der PM I registrierten wir zu Beginn der Diskussion Erklärungen des Genossen Heberto Castillo, eines führenden Vertreters dieser Partei, die Perspektive einer Zusammenarbeit mit der sogenannten PRI-Linken sei ein Irrtum gewesen. Diese beiden Aspekte sind, zusammenmit dersozialen Zusammensetzung und dem inneren Funktionieren der Partei, der Leitfaden für den Aufbau einer neuen revolutionären Organisation in Mexiko.
... oder eine Patriotische Front? Die PR T hat beschlossen, der PMT, der Partido de la Revolucion Socialista (PRS - Partei der Sozialistischen Revolution) und der OIR-LM Vereinigungsangebote zu machen, da wir glauben, dais hier die Grundlagen für eine politische und programmatische Übereinkunft gegeben sind, zwar nicht vollständig, aber doch in wesentlichen Teilen. Dies soll nochmals durch einen Prozels gemeinsamer Aktivitäten und politischer Diskussionen bestätigt werden. Wichtig wird auch die Frage sein, welche Orientierung jede der Organisationen in wichtigen Momenten des politischen Kampfs einnimmt. Dies gilt z.B. für die Haltung der verschiedenen Parteien gegenüber der Initiative von Teilen der PRI, eine Demonstration „zur Verteidigung der nationalen Souveränität und gegen die Intervention" zu organisieren®. Wir waren der Meinung, daß eine solche Demonstration äußerst wichtig war, nicht nur, weil es seit langem keine so breit getragene Aktion mehr gegeben hat, sondern auch weil sie die linken Kräfte zur Diskussion über den Charakter der aufzubauenden Front und die möglichen antiimperialistischen Aktionen zwang. Deshalb spielte diese Demonstration eine zentrale Rolle in den Diskussionen über den Aufbau einer neuen revolutionären Partei in Mexiko.
Doch dann sah alles so aus, als stolpere die Linke wieder in die Falle der ,, Verteidigung der nationalen Souveränität" Beim vorliegenden Vorschlag ging es um nichts anderes. Eine Vorstellung wie die der nationalen Verteidigung Mexiko ist abstrakt, sie kann selbst von einer reaktionären, vom Imperialismus abhängigen Regierung noch hochgehalten werden. Die Teile der PRI-Linken, die die Demonstration organisierten, nahmen die Äußerungen des US-Senators lesse Helms zum Anlaß, sie vorzuschlagen. Das damit verbundene Problem lag auf der Hand: die Senatskommission, der Helms angehört, hatte die mexikanische Regierung als korrupt und in den Schwarzhandel mit Drogen und Dollars verwickelt bezeichnet. Alle Aktionen, die sich daran aufhingen, konnten also nur als Unterstützung für die mexikanische Regierung verstanden werden. Niemals haben diese Teile der PRI-Linken zur Mobilisierung gegen das Gesetz Simpson-Mazoli' oder gegen die Einmischung des Internationalen Währungsfonds (IWF) oder gegen die Einreise von Hunderten von FBI-Agenten zur Überwachung der Fußballweltmeisterschaft im Juni 1986 aufgerufen.
Die Bevölkerung ist allerdings nicht in diese Falle getappt. Das mexikanische Volk hat mit den Füßen abgestimmt, indem es der Demonstration fernblieb. Die Teilnehmer waren mit den klassischen Transportmethoden der PRI zur Demonstration gekommen. Vom frühen Morgen an standen Lastwagen auf den Marktplätzen, um die Leute abzuholen, und aus einigen politischen Delegationen wurden die Arbeiter gezwungen mitzukommen. Es ist wirklich kaum mokratien, als personienden Ta den Persönlichkeiten den Marsch begrüßt haben, ohne auch nur ein Wort über die Art seines Zustandekommens zu verlieren.
Einige Führer der Linken glauben an die baldige Gründung einer Patriotischen Front. Selbst Munos Ledo® hat die Möglichkeit der Schaffung einer demokratischen Volksfront zur Verteidigung der nationalen Unabhängigkeit ins Auge gefaft. Es ist unbezweifelbar, daf Teile der Regierung die Linke mit diesem Projekt hereinlegen wollen.
Deshalb müssen die PSUM und die PMT, wenn sie von der Möglichkeit der Gründung einer politischen Front der Linken oder einer Föderation der Linksparteien sprechen und fordern, daß diese Front oder Föderation nicht nur von Parteien, sondern auch von Persönlichkeiten gebildet wird, ihre Vorschläge klar formulieren, besonders wenn diese Front eine innere Struktur, Basisstrukturen und eine Koordination auf Führungsebene haben soll. Die Frage ist nicht, ob eine solche Front richtig ist oder nicht, sondern was ihre Funktion und was ihre Politik sein soll. Es müssen also mehrere Probleme disku-
Mexiko tiert werden: Wer wird diese Front bilden? Es gibt immer linke Strömungen, die nicht die Einheit mit anderen Linksparteien suchen, sondern das Bündnis mit der Kegierung bzw. mit Teilen der selben. Wie soll ihre Aktionsplattform aussehen? Die PRT meint, daß die Existenz einersolchen Front sehr wichtigist und in diesem Sinne wollen wir uns an ihr beteiligen. Aber unserer Meinung nach darf das keine Front sein, an der auch Unternehmer oder in Ungnade gefallene PRI-Führer teilnehmen. Eine solche Front muß sich gleich in die politische Aktion stürzen und die Führung des Kampfs für Demokratie und nationale Unabhängigkeit, für die Verteidigung der Löhne und der Arbeitsplätze, gegen die Zahlung der Auslandsschuld, für die Verteidigung der Tarifverträge, gegen die Repression usw. übernehmen. Diese Front muß hauptsächlich die PRI und die Regierung angreifen, ohne sich darum zu kümmern, ob ihr ein Unternehmer oder ein abgesägter PRI-Mann beitreten will. Sie muß darüber wachen, daß die großse Masse der Arbeiter und Bauern in ihr ein Instrument sehen, sich poli tisch Ausdruck zu verschaffen. Das ist die Herausforderung, der wir gegenüberstehen.
Welche revolutionäre Partei wollen wir?
Die revolutionäre Linke muß zugleich Fortschritte im Aufbau einer gemeinsamen Partei machen. Ich will in diesem Zusammenhang noch einmal die Diskussion um die Frage „Kaderpartei" oder „Massenpartei" aufnehmen. Die Dynamik des Bruchs mit den alten Modellen und dem alten Dogmatismus kann zum Eklektizismus führen. Die PRT hält es für grundsätzlich falsch, diese Debatte abstrakt zu führen. Einige Genossen auf der Linken glauben, die Frage allein dadurch zu lösen, daß sie sich für eine Massenpartei aussprechen. Die PRT will eine Partei, die in ihren Reihen Kämpfer und Kämpferinnen gegen die sozialen Zustände in diesem Land versammelt. Wir glauben, daß diese Aktivisten zu Tausenden, Zehntausenden oder Hunderttausenden zählen. Es geht nicht darum, x-beliebige Mitglieder zu rekrutieren, sondern aus denjenigen eine Partei zu bilden, die in ihrer Gewerkschaft, ihrem Stadtteil, ihrer Gemeinde, ihrer Schule usw. kämpfen. Anders gesagt: wir müssen eine Kampf partei aufbauen, keine Partei, die weilsie Massenpartei sein will, nur Meinungen von sich gibt oder nur bei Wahlen auftritt.
Einige haben daraus die Schlußfolgerung gezogen, daf man sich, um eine solche Kampfpartei aufzubauen, der le- 12 INPREKORR 190 ninistischen Konzepte entledigen muß Das ist nicht unsere Meinung. Esist klar, daß die revolutionäre Partei, die in Mexiko entstehen wird, von der russischen bolschewistischen Partei sehr verschieden sein wird. Nehmen wir ein Beispiel dazu: die Partei Lenins hat sich nie um die Integration der kämpferischen Bauern gekümmert. Wir glauben, daß dies eine große Schwäche war, für die sie später bezahlte. In Mexiko ist es unmöglich, sich eine revolutionäre Partei ohne die aktive Beteiligung dieses Sektors vorzustellen. Eine solche Partei muß auch die vielen nationalen Traditionen unseres Volkes aufnehmen, seine Symbole, seine Sprache.
Andere Aspekte wiederum haben sehr wohl etwas mit leninistischen Vorstellungen zu tun. Einige Beispiele dazu: wir wollen eine Partei von Tausenden Kampfern und Kämpferinnen. Aber diese Partei ist verpflichtet, ihre Mitglieder auf den Kampf politisch vorzubereiten, sie zu schulen, sonst ist die Gefahr des Caudillotums (der Vorherrschaft eines Chefs, Anm. d. Red.) und der Bürokratisierung enorm groß. Wir wollen keine Partei, in der sich Demagogie über die sog. Gleichheit aller breit macht, aber faktisch ein einziger dominiert, der immer etwas gleicher ist als andere. Die Partei muß auch die Autonomie der gesellschaftlichen Organisationen wahren, denn die gesellschaftlichen Organisationen sind nicht ein Arm der Partei, sondern ein Arm der zivilen Gesellschaft. Zu seinem Unglück hat man versucht, den Leninismus auf das Jahr 1903 und auf die Schrift „ Was Tun?" zu reduzieren. Kann man sich vorstellen, die Bolschewiki hätten eine Revolution wie die russische mit der Vorstellung einer kleinen Sekte geleitet? Wir wollen hierzu Lenin selbst zitieren:
„Die Genossen, die über reiche Erfahrungen in der revolutionären Arbeit unter den Verhältnissen der Selbstherrschaft verfügen, sollen allen denen mit ihren Ratschlägen beistehen, die die sozialdemokratische Arbeit unter den neuen, „freien" (freien einstweilen noch in Anführungszeichen) Verhältnissen beginnen. Selbstverständlich erfordert das von den Mitgliedern unseres Komitees viel Takt: die früheren formellen Prärogativen verlieren jetzt unvermeidlich ihre Bedeutung, und es ist oft notwendig, wieder „von Anfang an" zu beginnen und den breiten Schichten der neuen Parteigenossen die große Wichtigkeit eines konsequenten sozialdemokratischen Programms, einer konsequenten Taktik und Organisation zu beweisen. Man darf nicht vergessen, dats wir es bisher allzuoft mit Revolutionăren zu tun hatten, die nur aus einer bestimmten sozialen Schicht hervorgingen, während wir es jetzt mit typischen Vertretern der Massen zu tun haben werden. Diese Veränderung erfordert eine Änderung unserer Methoden nicht nur der Propaganda und Agitation (die Notwendigkeit größerer Popularität, die Fähigkeit, richtig an eine Frage heranzugehen, die Kunst, die Grundwahrheiten des Sozialismus auf sehr einfache, anschauliche und wirklich überzeugende Weise zu erklären), sondern auch der Organisation"* Das ist es, was wir aus der PRT machen wollen. Das bedeutet nicht, daß wir, um den Aufbau der revolutionären Partei voranzutreiben, jeden zum Leninisten machen wollen. Glaubensbekenntnisse sind uns nicht wichtig, uns geht es nur um den Gehalt des Problems. Wir sind nicht am Aufbau einer trotzkistischen Partei interessiert, was übrigens nie die ideologische Definition unserer Partei gewesen ist. Wir wollen den Aufbau einer Partei für die sozialistische Revolution, für die Klassenunabhängigkeit, für die Autonomie der Massenorganisationen, für den proletarischen Internationalismus, einer Partei, die gegen die Frauenunterdrückung kämpft, in der die verschiedenen Meinungen sich frei ausdrücken können, in der man Tendenzen und Fraktionen organisieren darf und Treue nur dem Programm gegenüber verlangt, nicht gegenüber Individuen oder Führungsstrukturen. Wir wollen eine Partei, die gesellschaftlich handelt die Frage der politischen Macht stellt 1 Die PRI wurde 1928 gegründet. Seither stellt sie die Regierung. weitgehend durch Wahlbetrug und Kliente lismus.
2 Die Brasilianische Kommunistische Partei (PCB) wurde 1922 gegründet, in der Schlußphase der Arbeiterkämpfe, die nach der russischen Revolution Brasilien erschütterten. Die Kommunistische Partei Brasiliens (PC do B) ging 1962 aus ciner Spaltung der PCB im Gefolge des sino-sowjetischen Bruchs hervor. 3 Die CNT wurde nach dem Staatsstreich 1973aufgelöst. Nach und nach konnte sich die Gewerkschaftsbewegung in Uruguay wieder formieren; die PIT wurdenach der Mobilisierung vom 1. Mai 1983 gebildet. 4 Patria Roja ist eine der Abspaltungen von der Kommu nistischen Partei Perus nach dem sino-sowjetischen Bruch.
5 Die _Partei der Armen" ist eine populistische Organisa tion, die in den 70er Jahren vorallem im Staate Guerrero (Peru) den Guerillakrieg organisierte. 6 Aus Anlaß der Angriffe des ultrarechten US-Senators Jesse Helms rief die PRI am 21. Mai 1986 zu einer _Demonstration zur Verteidigung der Volkssouverä. nität" auf. Anders als die Mitglieder der PR'T schlossen sich die PSUM, die PPR, die UIC und die PMT der Demonstration an. Die PRT lehnte ab, weil sie jeden Anschein einer Gemeinsamkeit mit der Regierung im Namen der nationalen Einheit vermeiden wollte. 7 Das Gesetz Simpson-Mazoli ist das neue US-Gesetz gegen die Einwanderer. Es richtet sich vor allem gegen die mexikanischen Arbeiter (vgl. Inprekorr, Nr. 8 Munos Ledo ist ein Führer der PRI. Er ist eng mit der Gewerkschaftsbürokratie verbunden. 9 Lenin, Werke Bd. 10, S. 13-18.
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