Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Zur Entwicklung des Trotzkismus in Palästina

Inprekorr Nr. 19, 15. September 1972 · S. 2-15 · 7.260 Wörter

Nahost und Palästina Trotzki und Geschichte IV. Internationale Indien und Südasien

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ZUR ENTWİCKLUNG DES TROTZKISMUS IN PALÄSTINA *4+++4++++++++++++++++++++++++++++++++++++++#+++++ INTERVIEW MIT DEM GENOSSEN MICHA VON DER ISRAELISCHEN SOZIALISTISCHEN ORGA. NISATION - MATZEN (MARXISTEN)

| | Seit wann gibt es eine trotzkistische Gruppe in Palästina?

Unsere trotzkistische Gruppe entstand in der zweiten Hälfte der 30er Jahre, und zwar durd folgende drei Faktoren:

1.- Während der 30er Jahre erfolgte die große Immigration aus Deutschland, welche nahez das ganze Spektrum der politischen Verhältnisse in Deutschland reflektierte. In dieser Immigration befanden sich unter anderem einige Genossen aus der KPO ( Brandler-Opposition), deren Mehrheit sich bald zu trotzkistischen Positionen entwickelte (1937/38). Sie waren allerdings politisch von der Gesamtbevölkerung relativ isoliert, und die neuen Genossen waren nur individuell in ökonomischen Kämpfen aktiv. Die Gruppe versuchte natürlich, Verbindungen herzustellen, was durch geringe Erfahrung und Vertrautheit mit den neuen Be dingungen erschwert wurde.

2. - Den zweiten Faktor stellte eine Gruppe Jugendlicher dar, die in der selben Zeit inner halb der sogenannten CHUGIM MARXISTIIM ( Marxistische Zirkel), der Jugendsektion eine der beiden Flügel der "Linken Poale Zion" , organisiert war. Dieser linke Flügel war mit dem damaligen "Londoner Büro verbunden. Dort bestanden kurzfristig gewisse Tendenzen zum Trotzkismus. Die Jugendgruppe, die hauptsächlich aus in Palästina Aufgewachsenen be stand, entwickelte sich aus eigenen Kräften zu trotzkistischen politischen Auffassungen, ohn anfangs ihre zionistischen Positionen ganz zu überwinden, was aber schließlich um die Zeit des Ausbruchs des Weltkrieges geschah. In dieser Zeit erfuhren wir (die deutsche Gruppe) von der Existenz dieser Gruppe, die inzwischen aus den "Marxistischen Zirkeln" ausgetre ten war und einige Nummern des KOL HAMAAMAD (Stimme der Klasse) herausgebracht hattı 3. - Zu diesen beiden Gruppen stießen im Laufe der Zeit verschiedene andere Elemente, die meist aus dem HASCHOMER HAZAIR (Junge Garde, linkszionistische Kibuz-Bewegung) kamen.

Diese Elemente vereinigten sich zum BRIT KOMMUNISTIM MAHAPCHANIM ( Bund revolutio närer Kommunisten), der sich von Anfang an seiner theoretischen und politischen Arbeit widmete. (Unabhängig von uns entwickelte sich eine Gruppe deutscher Immigranten, die der Auffassung waren, daß Trotzkisten in Palästina nicht aktiv werden sollten und sich auf theoretische Arbeit beschränkten.)

Welche waren Eure wichtigsten Positionen?

Von Beginn an lehnten wir den Zionismus in jeder Hinsicht ab. Er war nicht nur nicht fähig, die Probleme der Juden in der Welt zu lösen, sondern schuf bereits damals ein neue jüdisches Problem im Rahmen des Arabischen Ostens.

a. Die Judenfrage im modernen Kapitalismus war Folge einerseits der krisenhaften Entwick lung des Kapitalismus selbst, andererseits eine Folge des Mangels der Realisierung der re volutionär-sozialistischen Perspektive zur Lösung des Problems wegen des Ausbleibens der internationalen Revolution nach dem Oktober (Stalinismus...). Den krassesten Ausdruck erhielt diese Entwicklung in der Machtergreifung des Faschismus in Deutschland, der den Großteil der europäischen Juden physisch vernichtete. Die Judenfrage war (und ist) also ein Symptom der Ausweglosigkeit der gegenwärtigen kapitalistischen Ordnung und kann nur durch die sozialistische Revolution selbst gelöst werden. Wir lehnten die Schaffung eines jüdischen Staates ab, da er nur Teil dieser untergehenden Ordnung sein und die Judenfrage nur verschärfen konnte.

b. Die zionistische Kolonisation war ihrer Natur nach von Beginn an zwangsläufig mit den

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Interessen des Imperialismus, die gegen die einheimischen Massen gerichtet sind, verbundden. Die zionistische Kolonisation konnte nur in engem Einvernehmen mit den Interessen und mit der Hilfe einer oder einiger Großmächte erfolgen, was vom gesamten Verlauf der Geschichte des Zionismus bestätigt wird.

Der Zionismus schuf in Palästina einen zweiten sozioökonomischen Sektor, der von der arabischen Bevölkerung nach Möglichkeit isoliert wurde, die Zionisten verdrängten aus ihrem ökonomischen Sektor die arabischen Arbeiter und arabischen Waren vom Markt, um einen eigenen rein kapitalistisch-jüdischen Sektor, als Vorläufer eines zionistischen Staates, zu errichten. Dadurch wurde die jüdische Arbeiterklasse von der arabischen Bevölkerung isoliert und der arabische ökonomische Sektor wurde jeder Entwicklungsmöglichkeit beraubt. Die sogenannte Gewerkschaft (HISTADRUT"') trug wesentlich zu beidem bei.

Welche war Eure Antwort als revolutionäre Internationalisten?

Wir sahen schon damals, als erste, die Perspektive zur Überwindung der sozioökonomischen Rückständigkeit der Region im allgemeinen anti-imperialistischen Kampf zur sozialistischen Vereinigung des Arabischen Ostens. (Dieses Kriterium ist auch bestimmend für unsere gegenwärtige Position zur palästinensischen Widerstandsbewegung. ) Wir sahen ( und sehen) unsere Aufgabe darin, innerhalb der jüdischen und arabischen Massen für diese Ziele propagandistisch und organisatorisch zu wirken und eine einheitliche revolutionär- sozialistische Partei der Region zu schaffen, wozu die Stalinisten, deren Politik jener der Kreml-Diplomatie folgt, unfähig waren. Allein in der Perspektive des Vereinigten Sozialistischen Arabischen Ostens sahen wir auch die Perspektive der politischen Integrierung der jüdischen Arbeiter in den anti-imperialistischen und sozialistischen Kampf der Region.

Wie würdest Du rückblickend die Bedeutung Eurer Gruppe beurteilen?

Unsere organisatorische und politische Situation war während des Weltkrieges sehr schwierig. Wir standen ( illegal) gegen drei Feinde: Zionisten, britische Imperialisten und Stalinisten. Letztere waren in jener Zeit bereit, uns der britischen Polizei auszuliefern. Wir konzentrier ten uns wesentlich auf die Ausarbeitung unserer programmatischen Positionen und deren Propagierung im KOL HAMAAMAD. Außerdem brachten wir Material in Arabisch, Deutsch und Englisch heraus. Wir hatten mit trotzkistischen Genossen in der britischen Armee Verbindung. Diese stellten Kontakte zu den trotzkistischen Gruppen in Kairo und Alexandria her. Unsere internationale Verbindung bestand hauptsächlich mit der RCP ( britische Sektion der IV. Internationale) und zum Teil mit der SWP in Amerika - Kontakt zum Internationalen Sekretariat in Europa erhielten wir erst nach dem Weltkrieg.

Wir intervenierten häufig mit Flugblättern bei Arbeiterkämpfen in den britischen Militärlagern, bei den Eisenbahnen und den Erdölgesellschaften, etc., das heißt wir konzentrierten uns auf jene Betriebe, wo Juden und Araber gemeinsam vom imperialistischen Kapital ausge beutet wurden. Nach dem Weltkrieg beschlossen wir, in diesen Betrieben zu arbeiten. Unsere Absichten, damit internationale Kontakte herzustellen, konnten jedoch kaum verwirklicht werden, da nur wenige arabische Arbeiter nach dem Entstehen des israelischen Staates in diesen Betrieben vom zionistischen Establishment "geduldet" wurden. Wie war Eure Stellung zur Schaffung des israelischen Staates?

Bereits vor Ausbruch des II. Weltkrieges, während großer politischer Streiks und Kämpfe der arabischen Bevölkerung, entstanden englische Pläne zur Teilung des Landes in einen jüdischen und einen arabischen Staat. Während des Weltkrieges wurde dieses Problem infolge der Kriegshandlungen zurückgedrängt. Nach Beendigung des Krieges stellte sich die Zukunft des Mandatsgebietes Palästina in schärferer Form als vor dem Kriege, und zwar aus folgenden Gründen: 1. bedeutende Schwächung des britischen Imperialismus; 2. Beginn der USimperialistischen Ansprüche auf britische Kolonialgebiete, 3. die arabische nationalrevolutionäre Bewegung begann fast den ganzen arabischen Osten zu erfassen; 4. der Zionismus benutzte die verzweifelte Situation der jüdischen Überlebenden in Europa für seine Ziele in

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Palästina. Selbstverständlich operierten wir schärfstens gegen den Beschluß der UNO-Vollversammlung (mit amerikanischen und sowjetischen Stimmen) am 29. November 1947, das Land in einen jüdischen und einen arabischen Staat zu teilen. Die Folge der Teilung des Landes war die Vertreibung von über 80 % der arabischen Bevölkerung, und der jüdische Staa wurde faktisch ein Stützpunkt des US-Imperialismus, ohne dessen ökonomische und politische Unterstützung er nicht existieren könnte. Wichtig ist hier zu erwähnen, daß bei der Entstehung des Staates die Sowjetunion ihm bedeutende Unterstützung gewährte, und zwar poli tisch als auch militärisch.

In dieser Phase beschäftigten wir uns wesentlich mit Propaganda gegen die Vertreibung, Un terdrückung und Enteignung der Palästinenser durch den zionistischen Staat und dessen Instrumentalisierung im Dienste des US-Imperialismus im Kampf gegen die sich entwickelnde arabische national-revolutionäre Bewegung. Als Initiative stellten ( und stellen) wir folgen den Plan entgegen: Recht auf Rückkehr und Wiedergutmachung für die palästinensischen Flüchtlinge, politische Integrierung der israelischen Arbeiterklasse in die Region und Realisierung beider Aufgaben im Rahmen des Kampfes um einen Vereinigten Sozialistischen Arabischen Osten (wie bereits vorher erwähnt).

| Wie verlief die Entwicklung bis zur Entstehung von MATZPEN?

Nach dem Weltkrieg, mehr noch nach der Entstehung des zionistischen Staates, verließ ein Großteil der Genossen das Land und ein anderer zog sich von der politischen Tätigkeit zurück. Es blieb eine Handvoll Genossen, die bis 1951 eine gewisse Aktivität entfalteten. In den 50er Jahren war ich als Trotzkist völlig isoliert und hatte nur Verbindung zu einem uns nahestehenden arabischen KP-Genossen und einem jüdischen Genossen. In dieser Periode wirkte ich als Betriebsrat einer der größten Fabriken des Landes. Dort bestand eine "Linke Zelle" , in der MAPAMniks, Mitglieder der KP und ich kooperierten. Im Jahr 1951 fand der große Seeleutestreik statt. Ich war Verbindungsmann des Arbeiterkomi tees unserer Fabrik zur Streikleitung der Seeleute und trat bei internen sowie bei Massenversammlungen einer breiten Solidaritätsbewegung auf. Dieser Streik hatte eine besondere Bedeutung für die Charakterisierung der HISTADRUT Der Seeleutestreik war nicht rein ökonomistisch, sondern forderte die Möglichkeit, gewerkschaftlich unabhängig von der HISTA- DRUT wirken zu können, da diese keine Gewerkschaft sei. Zur Absicherung der Kontrolle der HISTADRUT über die Arbeiter (d. h. das Entstehen einer wirklichen Gewerkschaft zu verhindern) wurde der gesamte Staatsapparat (Polizei, Militär) sowie eine öffentliche Hett kampagne mobilisiert.

Neben meiner Arbeit im Betriebsrat setzte ich die trotzkistische Propaganda im Rahmen der linken Zelle fort, die sich bei einigen KP-Mitgliedern zwar ideologisch, aber aus subjekti• ven und objektiven Gründen nicht organisatorisch-politisch auswirken konnte. In der zweiten Hälfte der 50er Jahre entstand innerhalb gewisser Teile der jungen Intelli genz hauptsächlich infolge der Entwicklung der arabischen Revolution in Irak eine kritische Haltung zum Zionismus und seinem Staat. So kam ich in Berührung mit Gruppen wie AVNERE "PEULA HASCHEMIT"' (Semitische Aktion) und MOKEDS "'HASMOL HECHADASCH" (Die Neve Linke). Jedoch erst das Entstehen jener Gruppe, welche die Zeitung MATZPEN (Kom paß ) herausgab, kündete ein Wiederaufleben revolutionär-sozialistischer Organisationen an. MATZPEN war nicht nur konsequenter in seiner Ablehnung des Zionismus, sondern war auch ein Teil des weltweiten Bruchs im stalinistischen Monolit.

Diese Gruppe entstand in der Periode der sino-sowjetischen Diskussion. Einige junge Mitglieder der KP in Tel Aviv und Jerusalem traten mit der Forderung auf, nicht nur die Doku mente der SU zu veröffentlichen, sondern auch jene Chinas. Es handelte sich bei ihnen an s um die Forderung nach Demokratisierung der KP. Noch bevor die vier Mitglieder aus der KP (1962) ausgeschlossen wurden, brachten sie bereits zusammen mit Sympathisanten außerhalb der Partei die Zeitung MATZPEN heraus. Mit dieser Gruppe kam der arabische Genosse und ich Ende 1962 in Verbindung.

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| | Wie be urteilst Du die Entwicklung von MATZEN bis zu den Spaltungen? Wie erwähnt war ursprünglich der Inhalt der Opposition der erwähnten Genossen Kritik des Mangels an Demokratie in der Partei. Ihre politischen Konzeptionen waren sehr heterogen und unklar. Sie bezogen in der sino-sowjetischen Auseinandersetzung keine eindeutige Position. Einer der Ausgeschlossenen betrachtete sogar die Partei Pietro NENNIS als Vorbild. Die Aufnahme von uns beiden in die Organisation verursachte gewisse Konflikte und eine Krise in der jungen Gruppe, die Diskussion führte bei ihnen dennoch zu einem klareren Verständnis des Zionismus und der arabischen Revolution ( das heißt zur teilweisen Übernahme unserer Positionen). In ihrer gesamtpolitischen Konzeption und vor allem in internationalen und organisatorischen Fragen lehnten sie den Trotzkismus ab, einige unter ihnen jedoch nur teilweise. Ihre Politik bestand in der Sammlung aller nicht- bzw. fast-nicht-zionistischen Ele" mente, was die Organisation noch heterogener machte, als sie ursprünglich war. Sie umfaßte Elemente von Anarchisten bis zu "linken' Nicht-Sozialisten. Dies brachte eine quantitative Verstärkung der Organisation bei gleichzeitigem Sinken ihres qualitativen Niveaus mit sich. Das Neue und Positive der MATZEN-Gruppe war trotz all ihrer ernsten Schwächen, 1. daß sie unabhängig vom Stalinismus den gemeinsamen jüdisch-arabischen anti-imperialistischen Kampf zu organisieren begann, 2. daß sie die Idee der Möglichkeit des Bestehens sozialistisch-revolutionärer Kräfte in Israel den palästinensischen Bewegungen aufzeigte, 3. daß sie in der internationalen Linken die Idee der arabisch-israelischen revolutionären antizionistischen Kooperation verbreitete und 4. eine Basis wurde für die neue Entwicklung des Trotzkismus in Israel.

| Welche Differenzen führten zur Abspaltung der lambertistischen und der maoistischen Gruppe von der ISO ?

Nach dem Juni-Krieg (1967) und der Besetzung arabischer Territorien wurde der chauvinistisch und expansionistische Charakter des zionistischen Regimes immer krasser, was sich auch bei den Auseinandersetzungen innerhalb der ISO widerspiegelte.

Die Position der Lambertisten innerhalb der ISO entspricht den allgemeinen Positionen dieser Sekte. Sie leugnen den spezifischen Charakter des zionistischen Staates und betrach- " bürgerlichen Staat, den prinzipiell nichts von den arabischen Staaten ten ihn als "normalen unterscheidet, dementsprechend berücksichtigen sie nicht die besondere Stellung der israelischen Arbeiterklasse.

Die Position der Maoisten innerhalb der ISO ist schwieriger zu definieren, weil sie unklarer und fluktuierender ist als jene der Lambertisten. Sie betrachten einerseits die palästinensische Widerstandsbewegung als den Inbegriff aller revolutionären Tätigkeit in der Region, befürworten aber andererseits die ausschließliche Tätigkeit innerhalb der israelischen Arbeiterklasse. Das ist jedoch keine endgültige Position. Diese ändert sich je nach Bedarf. Welche Situation entstand nach den Abspaltungen in der ISO?

Die Abspaltung dieser beiden Gruppen hatte wenigstens ein positives Ergebnis: nun standen sich der revolutionäre Marxismus einerseits und ein Konglomerat von Spontaneisten und Anar chisten andererseits in eindeutiger Form gegenüber.

Der Mangel an einheitlichen politischen und organisatorischen Auffassungen machte die Fortsetzung gemeinsamer Arbeit unmöglich. Wir revolutionäre Marxisten begannen mit einer Fraktionsarbeit zur Bildung von Kadern. Zu diesem Zweck stützten wir uns auf das Prinzip des demokratischen Zentralismus - während die übrigen an ihrem politischen und organisatorischen Individualismus festhielten. Praktisch ergab sich, daß die Aktivität auf allen Gebieten auf uns überging.

In Bezug auf die revolutionär-sozialistische Perspektive vertraten wir die alte trotzkistische Position des Aufbaus einer einheitlichen revolutionär-marxistischen Partei der Region zur Verwirklichung des Vereinigten Sozialistischen Arabischen Ostens. Auch die anderen, bereits

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aufgezählten trotzkistischen Positionen wurden prinzipiell von uns übernommen. In diesen und vielen anderen Fragen entwickelten sich unüberbrückbare Gegensätze. Wir versuchten noch vor der Spaltung, die gemeinsame Arbeit der Organisation auf der Basis einer Plattform zu ermöglichen. Diese Plattform enthielt nur die elementarsten Grundsätze des revolutionären Marxismus. Aber die Anarchisten und Spontaneisten wehrten sich heftig ge gen jegliche programmatische Festlegung, der sie nur Allgemeinplätze entgegenzusetzen hatten, Während unsere Organisation dabei ist, die anfänglichen Schwierigkeiten der Kaderbildung zu überwinden, versuchen sie ihren Zerfallprozeß durch Verleumdungen zu verschleiern. | | Worin bestehen die Hauptelemente Eurer gegenwärtigen Aktivität? In der ersten Periode der ISO-Matzpen ( Marxisten) hatten wir noch spontaneistische Mängel zu überwinden. Unsere Hauptaktivität konzentriert sich nun auf die Jugend, die in geringerem Maße durch den Zionismus korrumpiert ist und beginnt, sich gegen seine mörderischen und repressiven Erscheinungsformen zu wehren. Wir konzentrieren uns bei dieser Aktivität wesentlich auf revolutionär-marxistische Bildungsarbeit, um Kader zu schaffen, die fähig sind, unter bestimmten Voraussetzungen in der Arbeiterklasse revolutionär zu wirken, um sie in den anti-imperialistischen und sozialistischen Kampf in der Region zu integrieren. Wir bringen regelmäßig unseren MATZPEN heraus. Wir begannen vor kurzem einige theoretische Schriften zu veröffentlichen (z. T. in Arabisch). Wir beabsichtigen in Bälde eine theoretische Zeitschrift und eine Zeitung in arabischer Sprache zu publizieren ( bisher wurde die Heraus gabe einer solchen Zeitung behördlich verhindert).

Wir intervenieren in allen wesentlichen politischen Kämpfen mit an der Spitze der Bewegung (wie z. B. jetzt bei den Vertriebenen aus den arabischen Dörfern Biram und Ikrit). Wir festigen ständig unsere Verbindung mit der IV. Internationale, die uns organisatorisch, theoretisch, politisch und materiell hilft. Diese enge Verbindung ist notwendig, um auf der Grund lage des proletarischen Internationalismus unsere strategische Hauptaufgabe zu verwirklichen: den Aufbau der revolutionär-marxistischen Partei der Region.

Haifa, August 1972 (Interview von JOHN BUNZE aufgenommen)

DER REVOLUTIONÄRE KAMPF IN CEYLON +++++++++++++++++++++++++++++++ ++++++ + Über ein Jahr nach dem durch die blutige Repression der Bandaranaike-Regierung provozierten "Aufstand' der JVP (Volksbefreiungsfront) von Ceylon (siehe INPRE- KORR Nr. 4, auch Nr. 2, 5, 7 und 14) wurde in Colombo der Prozeß gegen 4l Führer dieser Organisation eröffnet. Hauptangeklagter ist ROHAN WIJEWEERA, der Gründer der JVP, der übrigens schon vor Ausbruch des 'Aufstandes' verhaftet worden war.

Der Prozeß wurde nach Sitzungen am 22. Juli und 10. August unterbrochen: Die Anklageschriften, ja sogar das extra zur Verurteilung der 11 000 seit 18 Monaten in Konzentrationslagern Festgehaltenen JVP-Genossen erlassene Sondergesetz "Criminal Justice Commissions Act" existierte nur auf Englisch und nicht in der Landessprache Singhalesisch. Wijeweera hat beantragt, daß diese übersetzt wer den, damit die Angeklagten davon Kenntnis nehmen könnten. Diesem Antrag wurde stattgegeben, so daß der Prozeß bis zu einem noch unbekannten Termin unterbroc hen ist.

Im folgenden veröffentlichen wir einen aus dem Gefängnis herausgebrachten Appel! des Genossen Wijeweera zur Solidarität mit den ceylonesischen Revolutionären; danach ein Interview mit BALA TAMPOE über die politische Situation in Ceylon.

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Für uns revolutionäre Marxisten der IV. Internationale ist die Verantwortung in einer weltweiten Informations- und Solidaritätskampagne über und mit den Angeklagten und Gefangenen in Ceylon umso größer, als wir dabei so ziemlich allein dastehen. Die Gruppen und Parteien, die sich nach Moskau oder Peking orientieren, denunzieren die JVP als "Kleinbürger" und " von der CIA manipulierte Agenten"' ( Worte der prochinesischen KP Ceylons).

Die Regierung Bandaranaike wird bei ihrer Repression gegen die JVP und die Ar beiterklasse von den wichtigsten Nachbarländern ( Indien, Pakistan) und den wichtigsten Großmächten (USA, Großbritannien, Sowjetunion, Rotchina) aktiv unterstützt - erst in der letzten Juniwoche 1972 wurde Frau Bandaranaike von Mao in Peking persönlich empfangen; sie erhielt neben militärischer Ausrüstung ( Kanonenboote) einen weiteren Kredit über 100 Millionen Dollar. Unter diesen Umständen ist es nicht verwunderlich, daß die einzigen, die in Ceylon selbst die Repressionswelle gegen die JVP denunzieren und bekämpfen, neben einigen Einzelpersönlichkeiten die LSSP(R), ceylonesische Sektion der IV. Internationale, sowie die von unserem Genossen Bala Tampoe geführte CMU, der mächtigsten Gewerkschaft Ceylons, sind. (INPREKORR) ROHAN WIJEWEERA: AUFRUF AN DIE VÖLKER DER WELT +++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++ "!Erhebt Euch, aufgewachte Massen! Ohne Kampf kein Sieg!"

"Die unterdrückten Volksmassen von Sri Lanka stehen heute auf dem Schlachtfeld, mit Waffen in den Händen im Kampf um die Freiheit; sie küssen die Erde, die mit warmem Blut getränkt ist; öffnet Eure Augen und seht, wie sie als Männer sterben!"

Es ist in der Welt bekannt, daß die herrschende Kapitalistenclique unseres Landes, Ceylon, in Verbindung mit den finsteren reaktionären Kräften des ausländischen Imperialismus für den Augenblick das ceylonesische Proletariat und seine politische Organisation, die Lanka Janatha Vimukhti Peramuna ( Volksbefreiungsfront von Ceylon) in einer grausamen und gewaltsamen Aktion unterdrückt hat, um ihr System der Ausbeutung zu sichern, ihre Klassenprivilegien zu erhalten und einem Sturz ihrer Klassenherrschaft zuvorzukommen. Seit März 1971 hat die bürgerliche Konterrevolution in Ceylon einen unsicheren militärischen Sieg einstweilen hier erreicht, indem sie in großem Maßstab und auf unglaublich erscheinende Weise die barbarischsten, jämmerlichsten und unmenschlichsten Greveltaten vollbracht hat, die den übelsten Terror unserer Geschichte darstellen.

In diesem Augenblick, wo die herrschende reaktionäre und korrupte Kapitalistenclique mit der großzügigen Beihilfe und Unterstützung sowie den sowie den Segenswünschen der ausländischen imperialistischen Mächte verschiedenster Provenienz - mit den mörderischen Yankee-Imperialisten an der Spitze - das ceylonesische Proletariat und seine revolutionäre Avantgarde, die Volksbefreiungsfront, grausam unterdrückt und zum Rückzug gezwungen hat, suchen wir als wahre Marxisten-Leninisten in Übereinstimmung mit den höchsten Prinzipien des proletarischen Internationalismus Eure moralische und materielle Unterstützung und Hilfe. Völker aller Länder!

Wir rufen Euch auf, 1- Zwingt die mörderische faschistische und diktatorische Regierung von Sirima Bandaranaike, die sich hinter einer demokratischen Maske versteckt, das von ihr in Kraft gesetzte sogenannto "Public Security Act" sofort und vollständig zu widerrufen,

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Zwingt sie, das unter den Ausnahmegesetzen über die Volksbefreiungsfront, die Avantgarde des ceylonesischen Proletariats, verhängte Verbot aufzuheben und die gegen die revolutionäre Bewegung gerichteten Unterdrückungsmaß nahmen einzustellen!

3- Helft dabei, aufzudecken, wie die reaktionäre herrschende Clique, die die Züge einer "konstitutionellen Diktatur' angenommen hat, die korrupten und pro-imperialistischen Polizeikräfte und Teile der Streitkräfte, private Terroristenbanden, ausländische Piloten und Flugzeuge sowie CIA-Beratung und Methoden benutzt hat, um in dem von ihr selbst regier ten Land dasselbe Volk, das sie an die Macht gebracht hat, zu massakrieren. Dabei wurden ganze Dörfer zerstört, Häuser vernichtet und niedergebrannt, Frauen vergewaltigt, ganze Familien ausgelöscht und mehr als 15 000 junge Revolutionäre, Männer und Frauen, und darüberhinaus mehr als zweimal soviel unschuldige Menschen ermordet - Taten, die diese Clique beging und noch begeht, um die revolutionäre Bewegung zu unterdrücken. Helft bei der Aufdeckung der Tatsachen über diese bisher verheimlichten barbarischen Aktio nen, die die ganze Welt schockieren und erschrecken werden!

* Helft dabei, die wahnwitziget, herrschenden Clique, die zehntausend Patrioten, junge Mär "demokratischen destruktive, dem Volk gegenüber verräterische Politik dieser ner und Frauen, unter unmenschlichen Bedingungen unter dem Deckmantel der "Rehabilitation" eingekerkert hält, zu enthüllen und zunichte zu machen; zwingt sie, alle diejenigen, gegen die keine Anklage vorliegt, freizulassen und all diejenigen, gegen die eine angebliche Anklage vorliegt, über deren Inhalt zu informieren und ihnen sofortigen Zugang zu einem Rechtsanwalt zu gewähren.

5- Zwingt sie, das willkürliche, unmenschliche und brutale "Criminal Justice Commissions Act" aufzuheben, die Verfahren gegen die politischen Gefangenen nach dem früher gültigen ordentlichen Gesetz zu führen und sofort die auf die auf dem neuen Gesetz basierende politische Repression einzustellen.

6- Helft mit, die wirklichen Zustände auf udecken, die im Gegensatz stehen zu den prinzipienlosen faulen Lügen, Verdrehungen, Beleidigungen und Verleumdungen, die sich gegen die ceylonesische proletarische Bewegung und ihren politischen Kern, der Volksbefreiungsfront, deren Politik, Prinzipien, Programm und Militanten richten. 7- Schließlich suchen wir Eure moralische und materielle Unterstützung in jeder Form, auf je• de Weise und durch jedes Mittel, Eure Bestätigung und Solidarität, um der reaktionären herrschenden Kapitalistenclique von Sirima Bandaranaike die "sozialistische" und "demokratische" Maske vom Gesicht zu reißen, um sie der ganzen Welt in ihrer faschistischen kapitalistischen Nacktheit zu zeigen, um die Volksbefreiungsfront, den Stoßtrupp des ceylonesischen Proletariats, bei ihrem Rückzug zu schützen, um die Reinheit und Universalität des marxistisch-leninistischen Gedankengutes und das heilige Recht der unterdrückten Mensc heit, gegen grausame und willkürliche Herrschaft zu revoltieren, zu bewahren, um die revolutionäre Ehre von mehr als 15 000 revolutionärer junger Männer und Frauen zu retten, den Mitgliedern der Volksbefreiungsfront, die ihr ihr Leben geopfert haben, um die Menschen- und sozialen Rechten von Millionen ceylonesischer Proletarier zu schützen und die ceylonesische sozialistische proletarische Revolution zum Sieg zu führen. Wo Ihr auch immer sein mögt in der Welt, wenn Ihr Marxisten-Leninisten, Revolutionäre, Kommunisten, Sozialisten, Progressive, Demokraten, Freunde der Menschheit oder Freunde der Gerechtigkeit seid - wir suchen Eure Hilfe.

Für mehr als 15 000 Marxisten-Leninisten, junge Männer und Frauen, die keine Begräbnisstätte fanden, die lebendig verbrannt wurden, die sterben mußten, während sie mit ansahen, wie ihre Schwestern, Frauen und Mütter vor ihren Augen vergewaltigt wurden, die ihr Leben auf dem Schlachtfeld opferten, die gegen den Feind vorrückten und den Tod willkommen hies sen, weil sie wußten, daß sie sterben mußten, die nicht das Glück hatten, daß Millionen von Proletariern, denen sie gedient hatten, ihnen das letzte Geleit gaben; für die zehntausende Revolutionäre, die ihr Zuhause, ihre Frauen und Kinder, Brüder und Schwestern verloren ha-

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ben, die eingekerkert wurden, die zu Krüppeln geschlagen und verstümmelt wurden; für die Jugend dieses Landes, die keine Hoffnung hat, aus dem Dunkel und der grausamen Sklaverei der monströsen Diktatur der Bourgeoisie in das Licht der Befreiung zu treten ohne einen revolutionären Aufstand, ohne einen Wiederaufbau der Volksbefreiungsfront, ohne einen neuen AuF schwung der proletarischen Bewegung; für das Proletariat Ceylons, das schutzlos der wachsenden ökonomischen, politischen, sozialen und militärischen Unterdrückung durch die Bourgeoisie ausgesetzt ist, rufen wir Euch auf, Eure Pflicht als proletarische Internationalisten und Menschen zu erfüllen.

Aus düsteren Gefängnissen erheben wir unsere Stimme mit dem erhabenen, mächtigen und geheiligten Ruf - "'Es lebe der proletarische Internationalismus!" - der von unseren verehrten Lehrmeistern Marx, Engels und Lenin angestimmt wurde.

In einem Land ohne Gerechtigkeit, wo die Menschen wie das Recht, die Gerechtigkeit und die Redlichkeit den verdorbenen Zwecken der herrschenden Kapitalistenclique geopfert worden sir. reichen wir als Genossen die Hände, gefesselt von der Ketten der Bourgeoisie, abgezehrt, aber dennoch stark.

Vor dem Obersten Gerichtshof, dem Gewissen der Menschheit, erheben wir Anklage gegen die brutale Repression der herrschenden Kapitalistenclique von Ceylon. Völker aller Länder! Von Euch erwarten wir Recht und Gerechtigkeit.

"Wenn Zehntausende vortreten, um die uns entglittenen Aufgaben zu übernehmen, wenn das Volk die Hände ausstreckt, um die uns entglittenen roten Fahnen zu packen, wenn bei unserem Gang zum Grab sich Stimmen zum Travergesang erheben, dann bin ich bereit, woimmer der Tod micht ereilt, ihn willkommen zu heißen." Rohana Wijeweera

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DER KAMPF GEGEN DIE REPRESSION

Am 3. April 1972 trat der Zentralrat der CMU (Ceylon Mercantile Union; Gewerkschaft für die Beschäftigten im Handels- und Transportwesen) zusammen und bekräftigte einmütig seinen Widerstand gegen die Fortdauer des Ausnahmezustandes. Die Versammlung verurteilte das Straf rechtskommissionsgesetz und das in Form einer Interpretationsanweisung verfaßte Zusatzgesetz wegen deren eindeutig reaktionärer Absicht, die Zerstörung aller Reste von Demokratie und Gerechtigkeit in Ceylon unter dem Deckmantel der parlamentarischen Legalität voranzutreiben. Der Zentralrat forderte alle gewerkschaftlichen und anderen Organisationen auf, die reaktionäre Gesetzgebung zu bekämpfen, und erließ am 15. Mai einen Appell, "sich zusammenzuschließen, um gegen das Strafrechtskommissionsgesetz und gegen die Abkehr der Regierung von allen anerkannten Prinzipien der Gerechtigkeit bei der Behandlung von tausenden von Personen, die aufgrund des Ausnahmezustandes inhaftiert sind, zu protestieren... "' Ein Hungerstreik auf nationaler Ebene und andere Formen des Protests werden jetzt zu Beginn der Prozesse organisiert.

Genosse Bala Tampoe (Generalsekretär der LSSP-R, ceylonesische Sektion der IV. Internationale, und Sekretär der (MU) und 53 Rechtsgelehrte übergaben dem Zentralrat der Anwälte eine Resolution, die besagte, daß die Mitglieder der Organisation denjenigen Personen, die nach dem Strafrechtskommissionsgesetz angeklagt werden, klarmachen sollten, daß sie von diesem Gesetz keine Gerechtigkeit erwarten könnten und daß sie sich für seine Rücknahme einsetzen sollten. Die KP-Mitglieder waren gegen die Einberufung einer außerordentlichen Sitzung zur Beratung dieser Fragen.

INTERVIEW MIT DEM GENOSSEN BALA TAMPOE

Die folgenden Auszüge stammen aus einem Interview, das unserem Südostasienkorrespondenten gegeben wurde bevor das Strafrechtskommissionsgesetz in Kraft trat. Genosse Bala, anscheinend steckt Ceylon schon seit einiger Zeit in einer akuten wirtschaftlichen Krise und wir vermuten, daß die Ereignisse vom März und April direkt mit dieser Krise zusammenhängen. Was ist deine Einschätzung ?

Die Verhängung des Ausnahmezustandes am 16. März 1971 war direkt durch die Wirtschaftskrise bedingt. Die gegenwärtige Regierung hat schon einige Zeit vorher mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) über eine Anleihe verhandelt. Tatsächlich scheinen die Verhandlungen über die Anleihe fast unmittelbar nach dem Amtsantritt im Juni 1970 begonnen zu haben. Es ist bezeichnend, daß der IWF die Anleihe von 24,6 Mio Dollar einen Tag nachdem der Ausnahmezustand verhängt worden war genehmigte. In einem späteren Stadium, als der Haushalt im Oktober 1971 eingebracht wurde, versuchte man, eine Reihe von Maßnahmen durchzuführen, die für den Großteil der Bevölkerung den Verbrauch, besonders von Zucker und Mehl, erheblich eingeschränkt hätten. Diese Maßnahmen wurden von den Mitgliedern der Regierungspartei abgelehnt, nachdem das Kabinett sie gebilligt hatte, und sie wurden zeitweilig zurückgenommen. Außerdem wurde mithilfe der Dienstverpflichtungsverordnung, deren Anwendung während des Ausnahmezustandes vorgesehen ist, das Streikrecht für alle Arbeiter in öffentlichen und privaten Betrieben ebenso wie in staatlichen Behörden aufgehoben, so daß durch die steigenden Lebenshaltungskosten der Lebensstandard der Arbeiter willkürlich gesenkt und ihnen das Recht, zu streiken und durch Tarifverhandlungen Lohnerhöhungen zu sichern, genommen wurde.

Eine Gruppe von Wirtschaftsexperten kam hierher nach Ceylon und hielt sich während der Aprilereignisse auf der Insel auf. Sie waren vom 'Overseas Development Institute' in Sussex geschickt und wurden von Prof. Dudley Seers geleitet. Inzwischen haben sie ihren Bericht, der eine ganze Reihe von Zwangsmaßnahmen empfiehlt, abgeliefert. Bevor sie Ende Juli letzten Jahres abreisten, bat mich der Vorsitzende um ein informelles Gespräch zusammen mit zwei seiner Kollegen, um zu erfahren, welches die möglichen Reaktionen der Arbeiterklasse auf einen durch die Ausnahmegesetzregelungen verursachten Stop der jährlich en An- 10 INPREKORR 15.9.72

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gleichung der Lohn- und Gehaltserhöhungen an die steigenden Lebenshaltungskosten sein könnten und wie sie reagieren würde, falls die automatischen Lohnerhöhungen zeitweise eingestellt würden. Ich sagte ihm, daß die Arbeiterklasse in Ceylon bisher nicht an die jetzt vor. herrschenden Bedingungen eines Polizeistaates gewöhnt worden sei und daß man ihre unmitte!bare Reaktion deshalb sehr schwer voraussehen könne. Ich sagte, daß die Regierung mithilfe von Maschinengewehren, mit denen sie jetzt bewaffnet war, solche Maßnahmen möglicherweise ohne sofortigen Widerstand von Seiten der Arbeiterklasse durchdrücken könnte. Darauf fragte er mich, ob der Gebrauch von Maschinengewehren notwendig sein würde. Ich antwortete, ich hätte nicht behauptet, daß er notwendig sei, aber daß die Regierung über die Maschinengewehre verfüge, und daß die Arbeiter sich dessen bewußt seien. Aber vorerst jedenfalls seien Teile der Arbeiterklasse dadurch verwirrt, daß die 'linke' Führer der LSSP und der KP in der Regierung sitzen, und in diesem verwirrten und politisch schwankenden Zustand würde die Arbeiterklasse nicht wirksam auf solche Maßnahmen reagieren können. Aber früher oder später würden sich die Wirkungen zeigen und die ceylonesische Arbeiterklasse, die eine lange Kampftradition hat, würde zu explosiven Reaktionen in einer solchen Angelegenheit durchaus in der Lage sein.

ein Land, das als eine Art asiatische Schweiz galt, jetzt in die- Kannst du erklären, warum ser Wirtschaftskrise steckt ?

Ceylon hatte tatsächlich einen höheren Lebensstandard als die meisten Länder in Asien, abgesehen von Malaya und natürlich Japan; aber das war nur eine vorübergehende Folge auf den II. Weltkrieg. Inzwischen ist der Lebensstandard der Massen stetig abgesunken und wir haben jetzt das Stadium erreicht, wo der Kapitalismus in Ceylon den Schein eines Wohlfahrtsstaates ( für asiatische Verhältnisse) nicht mehr aufrechterhalten kann. Die derzeitige politische Krise rührt in Wirklichkeit daher, daß die herrschende Klasse von Ceylon gemeinsam mit ihren impe: rialis fischen Herren dringend darauf angewiesen ist, vom vorgetäuschten Wohlfahrtsstaat zu einer vollständigen Reglementierung der Lebensbedingungen und des Lebensstandards der Bevölkerung umzuschwenken und daß sie deshalb alle gewohnten demokratischen Rechte auf Widerstand und Verbesserung der Lebensbedingungen durch diverse Arten von Massenaktivitäten vollständig aufheben muß. Wir stehen also jetzt der völligen Reglementierung der Bevölkerung durch das Gesetz gegenüber, nicht nur durch Ausnahmegesetze, sondern auch durch Änderungen in den Grundgesetzen.

Wie du schon sagtest, ergriff die Regierung im Anschluß an die Repression des letzten Jahres einige Maßnahmen, um die Wirtschaftskrise durch gewisse wirtschaftliche Einschränkungen für die Bevölkerung zu lösen. Wie weit ist die Krise überwunden worden? Ich bin sicher, daß den Massen noch mehr Einschränkungen zugemutet werden. Es gibt Anzeichen dafür, daß die Repression sich verschärfen wird anstatt sich zu lockern. Der Unterdrükkungsapparat des Staates wird z. Zt. verst rkt, die Polizeikräfte sind erheblich vermehrt worden, genauso die Armee. Zuletzt wurde das Land in sogenannte Alarmbereitschaft versetzt. Man wird wieder an die Atmosphäre des April 1971 erinnert, und all dies deutet hin auf eine zunehmende Unterdrückung der Massen und einen Angriff auf ihren Lebensstandard. Die Krise des ceylonesischen Kapitalismus läßt sich durch solche Maßnahmen nicht lösen. Er wird sich von Krise zu Krise bewegen. Dies ist das letzte Stadium im Todeskampf des Kapitalismus in Cey- Ion, und die Maske der Demokratie wurde jetzt fallengelassen. Ich bin sicher, daß die imperialistischen Länder, vor allem die USA und England, die Regierung zur Zeit wirtschaftlich unter Druck setzen; die Außenhandelsbilanz verschlechtert sich, es gibt nicht genügend Rohstoffe für die Fabriken, obwohl die Regierung viel von Industrialisierung redet, und inzwischen wächst die Bevölkerung weiter an. Alle Bemühungen werden nur eine aufschiebende Wirkung haben; die gesellschaftliche Krise wird sich weiter verschärfen, und ich glaube, wenn die Unzufriedenheit der Massen noch zu weiteren Unruhen von größerem Ausmaße führt, werden sie blutig niedergeschlagen werden. Kurz gesagt, der Kapitalismus in Ceylon kann im Rahmen des Imperialismus, genau wie in Vietnam undin Bangla Desh nur durch die blutige Unterdrückung der Massenbewegung in all ihren Stadien überleben.

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Comrade Bala Tampoe is General Secretary of the LSSP / Remlutionar). Cerlonese

Section of the Fourth International, and Secretary of the Ceylon Mercantik (* * Genosse Bala, was hältst du von der neuen Verfassung von der so viel Aufhebens gemacht wird ? Welche Änderungen bringt sie für den Großteil der Bevölkerung ? Es ist eigentlich keine neue Verfassung. Sie erweckt nur diesen Anschein im Zusammenhang mit der sogenannten Verfassungsgebenden Versammlung, die nichts anderes ist als eine Versammlung der Mitglieder des jetzigen Parlaments, die unter der gegenwärtigen Verfassung gewählt wurden und jetzt nur unter einer anderen Bezeichnung fungieren. Der Zentralrat der CMU hat in einer Resolution, die allen Parlamentsmitgliedern zugegangen ist, darauf hingewiesen, daß sie, welches Mandat auch immer sie zunächst unter der Soulbury-Verfassung gehabt zu haben glaubten, dieses Mandat vollständig verwirkt haben durch den offenen Bruch des Versprechens , das im Wahlprogramm gegeben und in der Thronrede der Regierung wiederholt wurde, demokratische Rechte zu gewähren, reaktionäre Gesetze aufzuheben und Versammlungsfreiheit, Pressefreiheit und andere Grundrechte in 'Gesetz und Praxis' zu garantier en. Man kann also sagen, daß die Mitglieder des Repräsentantenhauses, die die Regierungs mehrheit stellen, ihren Sitz im Parlament selbst in der gegenwärtigen Verfassung durch absichtlichen Betrug und Täuschung der Bevölkerung erhalten haben, und daß sie kein Mandat vom Volk haben, ihm eine Verfassung zu geben. Gegenwärtig scheinen sie einfach die wahre Beziehung zwischen dem jetzigen ceylonesischen Regime und dem Imperialismus, vor allem dem britischen Imperialismus, zu konstitutionalisieren. Die englische Krone hat keine wirk liche Bedeutung mehr in Ceylon, und Ceylon eine Republik zu nennen, ist einfach die Aner kennung der realen Lage. Davon abgesehen, bleiben die reaktionärsten Züge der alten Ver fassung erhalten. Es gibt eine wichtige Veränderung in der Rechtssprechung: nicht nur wird dem Obersten Gerichtshof praktisch das Recht genommen, einer zu Unrecht inhaftierten Person, "habeas corpus' zu gewähren, sondern der Oberste Gerichtshof und die Be zirksgerichte werden auch nicht mehr das Recht haben, Beschlüsse der Regierung auf ihre Legalität hin zu überprüfen. Wir werden also in Ceylon eine legalisierte, konstitutionalisierte totalitäre Diktatur haben, und die neue Verfassung legalisiert nur das, was während des Aus nahmezustands bereits Wirklichkeit geworden ist, nämlich die Ausstattung der Exekutive mit vollkommen er und unkontrollierter Macht, gestützt von einer servilen Legislative. S. 12

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Genosse Bala, die Regierung hat bereits zwei Gesetze vorgelegt (die inzwischen in Kraft getreten sind, Anm. von Red Mole), das Gesetz der Strafrechtskommission und das Ergänzungsgesetz. Kannst Du etwas darüber sagen, wie diese beiden Gesetze auf die Bevölkerung wirken werden?

Das Gesetz der Strafrechtskommission soll lediglich das gesetzlich abdecken, was schon geschehen ist, und die legale Hinrichtung von mehreren Leuten, die wegen der angeblichen Teilnahme an dem sogenannten Aufstand des letzten Jahres in Haft sind, ermöglichen. Man muß betonen, daß die Regierung sehr bestrebt ist, zu vertuschen, was vor dem sogenannten Aufstand im April 1971 geschehen ist. Wie ich schon sagte, wurde am 16. März der Ausnahmezustand erklärt und Regelungen getroffen, daß Leute willkürlich von der Polizei festgenommen und für 15 Tage inhaftiert werden konnten, ohne einem Gericht vorgestellt zu werden, und daß Leichen ohne Übereinstimmung mit anderen Gesetzen auf Anordnung des Vorgesetzten einer Polizeistelle verbrannt oder begraben werden konnten - all dies geschah volle drei Wochen, bevor eine einzige Polizeistation von irgendjemand irgendwo in Ceylon angegriffen wurde, nicht einmal mit einem Stein. Es waren drei Wochen ununterbrochener Hexenjagd von Seiten der Polizei, bei der Hunderte von Jugendlichen, besonders in den ländlichen Gegenden von Ceylon, wo die sogenannte Janatha Vimukhti Peramuna - Bewegung stärker geworden war, verschleppt wurden, und was mit diesen Jugendlichen während ihrer Inhaftierung geschehen ist, wird offiziell wahrscheinlich nie bekannt werden. Eine Frage, die die Regierung nie beantworten wird, ist die, wieviele der Jugendlichen, die vor dem Angriff auf irgendeine Polizeistelle verhaftet wurden, in irgendeiner Weise verletzt wurden, und wie viele von ihnen heute noch leben. Erst wenn diese Tatsachen bekannt sind, kann man sich wirklich eine Meinung darüber bilden, was im April geschehen ist. Auch wenn Richter des Obersten Gerichtshofs mit der Untersuchung beauftragt werden, sind ihnen unter dem neuen Gesetz die Hände gebunden, wenn sie feststellen wollen, was wirklich vorgefallen ist. Ferner gibt es die Bestimmung, daß man die "Geständnisse" von Häftlingen als Beweismaterial nicht nur gegen sie selbst, sondern auch gegen andere verwenden kann. Dadurch können Unschuldige ohne jede Schwierigkeit überführt werden. Auf diese Weise werden außerdem Polizei, Arm e und alle, die das Recht haben, Leute nach den bestehenden Gesetzen zu verhören, zur Anwendung der Folter ermutigt. Dabei soll dies angeblich ein Land sein, das vom Buddhismus geführt wird, einer Religion, die für das Prinzip des 'Maitrhriya' oder des Mitleids bekannt ist.

Ich bin sicher, daß dieses Gesetz, wenn es in Kraft getreten ist, auf die Auer dazu beitragen wird, das Schicksal der Regierung zu besiegeln, weil es mehr Haß und Verachtung auslösen wird, als je eine frühere Regierung selbst verursacht hat. Die Regierung verschafft sich nur den legalen Rahmen für eine totalitäre Diktatur ohne irgendwelche Unterstützung von irgendeinem wichtigen Teil der Bevölkerung zu haben. Sie hat nicht den Rückhalt, den die faschistischen Regierungen Hitlers und Mussolinis hatten, oder das totalitäre Regime Stalins. Die Lage in Ceylon ist ganz anders. Die Jugendlichen haben sich vollkommen oder weitgehend von der Regierung abgewandt; ebenso die Arbeiterklasse, und alle anständigen Leute in diesem Land, ob sie konservativ sind oder nicht, sind jetzt absolut entsetzt über das Vorgehen der Regierung. Daher glaube ich nicht, daß diese Gesetze sich als sehr wirksam erweisen werden, obwohl sie zunächst sicher angewandt werden, wenn sie in Kraft getreten sind. Die Repression, die wirtschaftliche Belastung, die Maßnahmen, die die Regierung durchdrücken will, usw. scheinen die Massen weder auf dem Land noch in der Stadt zu irgendwelchem Widerstand gegen die Regierung getrieben zu haben. Wie erklärst Du Dir das, und wie würdest Du die augenblickliche Einstellung der Massen charakterisieren? Ich glaube, die Geschichte vom Rotkäppchen wäre eine geeignete ||lustration für die Beziehung der Massen zur Regierung. Am Anfang waren sie wie Rotkäppchen und glaubten, der Wo If sei wirklich ihre Großmutter und verhielte sich wohlwollend ihnen gegenüber. Sie brauchten ziemlich lange, bis sie sich bewußt wurden, daß die Regierung nicht zu ihnen hielt, und daß sie INDDEKODD S 13

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auf jeden Fall nicht die Versprechungen halten würde, die bei den Wahlen von der 'United Front' gegeben worden waren. Dann kam der Schock vom letzten April, von dem die Arbeiterklasse selbst völlig überrascht wurde. Sie war dadurch politisch desorientiert, daß die Lanka Sama Samaja Party und die KP ( Moskau) in verräterischer Weise vorgaben, diese Regierung und die Führung der Sri Lanka Freedom Party seien in der Lage, eine sozialistische Demokratie in Ceylon durchzusetzen. Die verräterische Rolle der sogenannten Linken in der Regierung hat die Massen politisch entwaffnet und die Arbeiterklasse gespalten. Sie wur den vollkommen überrascht, als die Regierung den Ausnahmezustand ausrief, die Jugendlichen, die in der JVP waren, durch ihr repressives Vorgehen gegen sie provozierte und dann eine große Anzahl von Jugendlichen praktisch massakrierte, als sie im letzten April mit Gewehren und Handgranaten gegen gewisse Polizeistellen zurückschlugen. In dieser Situation wurde am 6. April von 3 Uhr nachmittags an das Ausgehverbot verhängt. Völliges Chaos an allen Arbeitstellen war das Ergebnis. Die Leute mußten nach Hause eilen, aus Angst, erschossen zu werden, wenn sie sich nach der Sperrstunde noch auf öffentlichen Plätzen aufhielten. Das Radio verkündete ununterbrochen, daß Leute beim Übertreten der Sperrstunde erschossen würden Dies wurde immer wieder wiederholt, zusammen mit Berichten über Einsätze gegen die sogenannten Rebellen. So wurde ein Spannungszustand erzeugt, und keine Arbeiterorganisation, auch nicht die sehr gut organisierte und militante CMU, war in der Lage, vor dem 23. oder 24. April, zwei Wochen, nachdem das Massaker angefangen hatte, auch nur eine funktionierende Vorstandssitzung abzuhalten.

Jetzt wird den breiten Massen allmählich bewußt, was im letzten April vorgefallen ist und wie ihre eigene Lage aussieht; aber sie sind immer noch betäubt, verwirrt und ohne effektive politische Führung. Die Massen werden Zeit brauchen, bis sie begreifen, daß es jetzt keinen anderen Weg mehr gibt für sie als die Revolution. Inzwischen bleibt der Regierung nichts anderes übrig, als sich immer weiter zur extremen Rechten hin zu entwickeln. Der Zustand der Repression und der Einschüchterung der Bevölkerung wird verschärft werden, so daß die Massen an der Oberfläche weiterhin stumm und apathisch scheinen werden. Aber es wäre falsch, anzunehmen, daß sie nicht reagieren. Trotzki sprach von molekularen Prozessen, die jeder größeren Massenerhebung vorausgehen. Ich bin sicher, daß diese molekularen Prozesse jetzt in allen Teilen der Bevölkerung vor sich gehen. Es gibt keinen Teil der Bevölkerung, der heute nicht beunruhigt oder zumindest unzufrieden darüber ist, wie sich die Dinge entwickeln, hinzu kommt die langjährige linke Tradition in der Bevölkerung, die eine echte Tradition ist, und die tief verwurzelten Gedanken des Sozialismus und des Kampfes, die einen Teil ihre Bewußtseins formen. Ich glaube, daß der eigentliche Widerstand der Massen anfange: wird, sich zu zeigen, wenn die Repression unerträglich wird. Der Linksruck wird dann wohl kein parlamentarischer, sondern eher ein revolutionärer Vorgang sein. Genosse Bala, der Premierminister und der Innenminister, Felix Dias Bandaraike, haben sich im Pariament bei verschiedenen Gelegenheiten sehr feindselig gegenüber dem Vor ge. an von Prins Gunasekera gezeigt, der in der 'Human and Democratic Rights Organisatio m Dir zusammenarbeitet, sowie gegenüber der CMU. Kürzlich wurden einige Genossen vc.ı der LSSP(R) einschließlich des stellvertretenden Parteisekretärs verhaftet, als sie eine normale Versammlung der 'Youth League' abhielten. Glaubst Du nicht, daß es für die Regierung sehr bald nötig werden könnte, z. B. gegen Dich und Prins Gunasekera und andere Mitglieder der LSSP(R) vorzugehen, um jede wirksame Kritik an ihren zukünf tigen Maßnahmen auszuse halten?

Als unser stellvertretender Parteisekretär, Genosse Prins Rajasooriya, verhaftet wurde, waren etwa sechs Parteimitglieder und fünf andere Führer der Jugendorganisation anwesend, abge sehen von zwei Polizeiagenten, die anscheinend durch einen Spitzel, der der Jugendliga einige Monate vorher beigetreten war, in die Sitzung eingeschleust worden waren. Gerüchte verbreiteten sich, daß auch ich verhaftet worden se i. Solche Gerüchte wurden seit letztem April (1971) mehrmals verbreitet, wie ich festgestellt habe, besonders von der KP und der LSSP. Sie würden mich sicherlich gern im Gefängnis sehen, denn dadurch verschwände für sie wohl die einzige Gefahr, die sie jetzt wohl sehen, nämlich daß ihre Anhänger sich einer anderen Führung anschließen könnten. Aber obgleich ich überzeugt bin, daß die Frage meiner

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Verhaltung oder der Verhaftung anderer Leute wie Prins Gunasekera die Regierung schon verschiedentlich beschäftigt hat, muß sie die Vor und Nachteile abwägen. Wenn Prins Gunasekera und ich gefangen würden, wäre das ein Signal für die Massen, dai sie überhaupt nicht mehr auf eine Rückkehr zur Normalität hoffen können. Dadurch würde sozusagen der Deckel von ihrer Unzufriedenheit gehoben. Ich nehme an, daß die Regierung schon irgendwann beabsichtigt, Prins Gunasekera und micht zu verhaften. Natürlich sind wir beide uns dessen völlig bewußt und durchaus darauf vorbereitet, dieser Möglichkeit jederzeit ins Auge zu sehen. Die Regierung weiß, daß sie uns durch solche Drohungen und Gerüchte nicht einschüchtern kann. In dieser Frage müssen die Regierung und ihre imperialistischen Berater, wie mir scheint, entscheiden, was für sie nützlicher ist - uns unter den Bedingungen einer legalen Dik tatur in Freiheit zu lassen und abzuwarten, ob wir etwas Wirksames ausrichten können, oder uns zu verhaften und zu sehen, ob sie den Widerstand, der sich daraufhin entwickelt, zer schlagen können. Es ist meine persönliche Ansicht, daß der Widerstand, wenn er einmal wirklich anfängt, wenn der Funke irgendwo zündet, sich wie ein Steppenbrand ausbreiten wird, und daß die Regierung sich weder auf die Polizei noch auf die Armee wird verlassen können, die beide gewaltig verstärkt wurden, um jedem ernsthaften Ausbruch von Massenaktionen entgegenzutreten. Ich bin sicher, daß die ganze staatliche Maschinerie zusammenbrechen wird, wenn sie einmal an irgendeiner Stelle brüchig wird, und da diese Regierung heute keine wirklichen politischen Rückhalt bei den Massen mehr hat, wird sie bald in den Mülleimer der Geschichte gekehrt werden.

Glaubts Du, daß die Genossen im Ausland den Kampf für die Wiederherstellung der demokratischen Rechte unterstützen können, und wenn ja, wie wäre das möglich? Ich glaube allerdings, daß die Genossen im Ausland den Kampf, der hier für die Wiederher stellung demokratischer Rechte geführt wird, unterstützen können. Zwar ist die Wiederherstellung der demokratischen Rechte unter dem gegenwärtigen kapitalistischen Regime meiner Ansicht nach nicht möglich, aber der Kampf dafür fördert selbst revolutionäres Bewußtsein und wird später dazu beitragen, eine revolutionäre Entwicklung in Gang zu setzen. Die Propagierung der Tatsachen über die ceylonesische Situation in anderen ; Ländern, besonders bei