Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Die Internationale: Der Niedergang der US-Wirtschaft

· Inprekorr Nr. 189, Januar 1987 · S. 15-25 · 10.652 Wörter

USA und Kanada Japan und Korea Weltwirtschaft und Krise

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Der nachfolgende Artikel von Robert Brenner letztlich eine Folge des gesetzmäßigen Verfalls der Der nachfolgende Artikel von Robert Brenner letztlich eine Folge des gesetzmäßigen Verfalls der (USA) wurde 1985 geschrieben, zu einer Zeit also, Profitrate in der kapitalistischen Wirtschaft ist. wo die US-Konjunktur noch voll im Aufschwung war und der Dollar hoch im Kurs stand. Der teure Robert Brenner arbeitet im folgenden heraus, wie sich der Niedergang der US-Wirtschaft spürbar Dollar ist für das Rekord-Handelsbilanzdefizit der USA verantwortlich gemacht worden. Inzwimacht und wie er zuerklärenist. Es handelt sich um den ersten Teil eines umfassenden Artikels über schen rutscht er wieder in den Keller, doch das die wirtschaftliche und gesellschaftliche Lage in hohe Defizit bleibt. Die Exportschwäche der USA kann durch währungspolitische Maßnahmen nicht den USA. Robert Brenner ist Redakteur der soziakann durch währungspolitische Maßnahmen nicht den USA. Robert Brenner ist Redakteur der sozialistischen Zeitschrift Against the Current in den ausgeglichen werden, weil ihre Wurzeln im indu- USA und Professor für Geschichte in Los Angeles. striellen Niedergang der USA selbst liegen, der R onald Reagans erdrutschartiger Wahlsieg 1982 schien der bereits vollzogenen Rechtswende in der US-Politik die Krone aufzusetzen. Doch trügt der Anschein in mancherlei Hinsicht. Unzweifelhaft gibt es in der US-Gesellschaft einen starken Druck, der breite Teile der Bevölkerung nach rechts treibt, nicht nur Eliten, sondern auch Teile der Arbeiterklasse. Doch die politische Rechte ist noch weit davon entfernt, ihre Macht konsolidiert zu haben. Wenig mehr als ein Jahr nach ihrem Wahlsieg scheint die Reagan-Regierung die Vorteile daraus bereits verspielt zu haben. Die Administration ist zunehmend unfähig, eine kohärente Steuer- und Ausgabenpolitik zu entwerfen, von ihrer Durchsetzung ganz zu schweigen. Ihre Pläne für eine Anhebung der Militärausgaben, Kürzung der Sozialausgaben und eine Steuerreform sind unter Beschuß geraten, nicht nur seitens der desorganisierten Opposition — der Demokratischen Partei — sondern auch durch breite Teile in der Republikanischen Partei. Inzwischen überschlagen sich die Steigerungsraten des Haushalts und das Handelsbilanzdefizit und drohen, die gesamte Wirtschaft mit in den Sumpf zu ziehen. Die Kernbehauptung der vorliegenden Arbeit lautet, daß die Krise der US-Wirtschaftspolitik und der US-Politik insgesamt nicht rasch gelöst werden kann. Dies hängt zusammen mit dem relativen Niedergang der US-Industrie, dem angestiegenen Engagement von US-Kapitalisten in Finanz- und Überseegeschäften, und mit der drastisch gestiegenen Neigung des Kapitalismus im allgemeinen, verarbeitende Industrie in die Dritte Welt zu verlagern. Angesichts der sich verschärfenden langfristigen Krise des internationalen Kapitalismus haben es diese Fak toren für jede US-Regierung unmöglich gemacht, Programme zu entwerfen, die nicht politisch und ökonomisch selbstzerstöre risch sind Nun muß man betonen, daß hinter dem Nie dergang der US-Industrie die Krise der ge samten Weltwirtschaft steckt, die ihn stark beeinflußt. Seit über einem Jahrzehnt bedeu tet die Krise der Weltwirtschaft, daß überall die Profitrate, die Wachstumsrate der Wirtschaft und der Produktivität erheblich unter der Wachstumsrate der fünfziger und sechziger Jahre liegen, das Konjunkturpendel des zyklischen Abschwungs immer mehr nach unten geht und der Arbeitslosensockel stetig ansteigt... Aber der Schlüssel zu den besonde ren Merkmalen der US-Politik in den späten siebziger und achtziger Jahren muß im lang fristigen relativen Niedergang der Konkur renzfähigkeit der verarbeitenden Industrie in den USA und in ihrer abnehmenden Attrak tivität als Investitionsfond gesucht werden.

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Verantwortlich für die entscheidenden Anlagen ausreichend zu investieren, um ihre Merkmale der US-Wirtschaftspolitik heute Konkurrenzfähigkeit aufrechtzuerhalten; 2. sind vor allem der Rückgang der Attraktivi- die sprunghafte Zunahme der politisch-milität der verarbeitenden Industrie in den USA tärischen Intervention der USA in der Welt, als Feld von Kapitalanlage; das zunehmende vor allem in den sich neu entwickelnden Re. Engagement der US-Kapitalisten in Finanz- gionen, um hier das wachsende Engagement und Überseegeschäften (vor allem über die des US-Kapitals und des Kapitalismus in der Kreditvergabe); und die Verlagerung von Dritten Welt im allgemeinen zu schützen; verarbeitender Industrie in Länder der Drit- und 3. eine in Friedenszeiten bisher beispielten Welt. Die hauptsächlichen Merkmale der lose Steigerung der Militärausgaben, die ur- US-Wirtschaftspolitik sind: 1. die anhalten- sprünglich zusammenhing mit den zunehde Unfähigkeit der US-Regierung, irgendei- menden „imperialen" Verpflichtungen, die nen Plan oder ein Programm für die Erneue- heute aber auch — nach Keynesianischem rung der US-Industrie zu formulieren, trotz Muster über das Haushaltsdefizit - als der hartnäckigen Weigerung der US-Kapi- Hauptinstrument dienen, um bei schärferen talisten, in neue industrielle Fabriken und konjunkturellen Schwankungen internatio- I. Der Verlust der internationalen Vormachtstellung verarbeitenden Industrie - gemessen an der Leistung pro Arbeitsstunde - in den USA schaft völlig beherrschende Kraft hervorge- doppelt so hoch wie in Japan, und ein Drittel gangen: sie waren technologisch am fortge- über der der BRD und Frankreichs. Zu Anschrittensten, vom Krieg am wenigsten zer- fang der achtziger Jahre lag sie hinter dem stört und im Besitz der politischen Macht, Niveau in der BRD und Frankreich, und nur die Bedingungen der internationalen wirt- knapp über dem in Japan'. schaftlichen Nachkriegsordnung zu diktie- Selbst diese entscheidende Wende in der ren. Dennoch verlangsamte sich das Wachs- durchschnittlichen Produktivität der verartum der Produktivkräfte seit Ende der fünfziger Jahre, was langfristig ihre wirtschaftli- beitenden Industrie gibt kein komplettes che Vormachtstellung unterhöhlte. Mit der Bild. Obwohl Japan wahrscheinlich immer Zeit wurde die verarbeitende Industrie in den noch knapp hinter den USA liegt, was die USA auf dem internationalen Markt immer durchschnittliche Leistung pro Arbeitsstunweniger konkurrenzfähig und die US-Indu- de in der gesamten verarbeitenden Industrie strie als Investitionsanlage immer weniger anbelangt, stellt Japan doch eine Reihe von Gütern, die auf dem Weltmarkt gehandelt und in die USA importiert werden, mit ei- Der Schlüssel zum Niedergang der US-Ma- nem viel höheren Leistungsgrad her als die nufaktur liegt im relativen Mangelan Investitionen. In der gesamten Nachkriegszeit hat die US-Wirtschaft einen viel geringeren Teil ihrer gesamten jährlichen Produktion in fixes D ie Stahlindustrie war wahrscheinlich Kapital investiert als ihre Konkurrenten, un- der Punkt, wo die USA zum ersten gefähr halb so viel wie Japan, ungefähr zwei Mal wirklich ihre Vormachtstellung Drittel von dem, was die BRD und Frank- eingebüßt haben. 1958 brauchte man in den reich investic en. Auch die jährlichen Wachstumsraten desfixen Kapitals lagen viel USA 9 Stunden, um eine Tonne Warmwalzniedriger als die der Konkurrenten: fixes Ka- stahl herzustellen, 27 Stunden in Japan. Aber 1980 brauchte man in den USA noch 5,3 pital wuchs weniger als halb so schnell wie in Stunden dazu, in Japan nur noch 4,4 Stun- Japan, vielleicht zwei Drittel soschnell wie in Frankreich und der BRD. Da die US-Wirtschaft ihre Arbeiter mit Fabriken und Anla- Zu einem ähnlichen Rückschlag kam es dann gen (fixes Kapital) über einen so langen Zeit- in der Unterhaltungselektronik. 1965 wurde raum - überein Vierteljahrhundert - umso ein Fernseher in den USA noch in 7,6 Stunviel langsamer versorgte als ihre Konkurren- den hergestellt, in Japan in 9 Stunden. 1980 ten, hatte sie auch viel geringere Wachstums- brauchte man dazu 2,6 Stunden in den USA, raten an Industrieproduktivität als ihre Kon- in Japan 0,8 Stunden. Dasselbe läßt sich über kurrenten. den so wichtigen Werkzeugmaschinenbau In der Periode von 1950-1975 ist die indu- sagen. Noch 1975 waren japanische Werkstrielle Produktivität in den USA jährlich um zeugmaschinenbauer nur 60% so produktiv wie US-amerikanische. 1985 waren sie um ca. durchschnittlich 2,8%, in Japan um 8,3%, in 25% produktiver. der BRD um 5,4% und in Frankreich um 5% gestiegen'. Da die wichtigsten Konkurrenten Diese Kehrtwende hat bei einer ganzen Reihe der USA ihre wirtschaftliche Effizienz viel von Produkten stattgefunden, die einem schneller steigerten als die USA, haben die komplexen und vielschichtigen Produk USA natürlich ihren überwältigenden Vor- tionsverfahren unterliegen: Uhren, Kame sprung in der industriellen Produktivität ver- ras, große Elektromotoren, Lkw's, Bulldooren. Noch 1970 lag die Produktivität in der zer, Traktoren, Busse, U-Bahn-Wagen. Dir 16 INPREKORR 189 nal wirtschaftliche Stabilität aufrechtzuerhalten.

In absehbarer Zeit wird jede US-Regierung, sei sie republikanisch oder demokratisch, diese Politik fortsetzen, da sie am ehesten die Absicherung der Profite für das US-Kapital und die Stabilität des Kapitalismus als ganzes garantiert — obgleich sie langfristig das Scheitern einer produktiven industriellen Investitionspolitik nur verschärfen und zur Quelle wirtschaftlicher Instabilität werden kann, die für das Wohlergehen der arbeitenden Menschen in den USA katastrophale Auswirkungen haben wird.

bedeutendste Veränderung hat in der Automobilindustrie, der Schlüsselindustrie der Nachkriegswirtschaft weltweit, stattgefunden. 1970 mußten in den USA noch 210 Stunden aufgewendet werden, um ein Auto herzustellen, in Japan 260 Stunden. 1981 waren es in den USA immer noch 210 Stunden, in Japan aber nur noch 140 Stunden'. Die USA haben ihre Vorherrschaft auch in der sogenannten High-Tech - Industrie eingebüft. Die Japaner beherrschen völlig die Produktion von High-Tech-Unterhaltungselektronik wie Videogeräte und die neuen Laser-Disketten, die USA stellen so etwas nicht her. Genaue Zahlen über den Produktivitätsvergleich zwischen den USA und Japan auf dem Halbleitersektor gibt es nicht. Man kann sich aber eine Vorstellung davon machen, wenn man sieht, daß vor kurzem die USA noch ein Monopol auf die Herstellung von Halbleiterchips hatten, 1985 aber die Japaner schon 60% des Marktes für 64K RAM-Chips und 85% des Marktes für die neuen 256K RAM-Chips kontrollierten und die meisten US-amerikanischen Unternehmen aus diesem Markt herausgeworfen haben. Dies ist eine besonders unheilvolle Entwicklung für US-Hersteller, weil die Erfahrung in der Produktion von Hochleistungschips wahrscheinlich unerläßlich ist für die Herstellung der sogenannten Super-Chips, bei denen mit Hilfe einer massiven Verkleinerung der integrierten Schaltkreise die Leistung ganzer Computer auf einen einzigen Chip paßt' Die Japaner haben auch die Führung bei der Herstellung der neuen Serie größerer, schnellerer und leichter handhabbarer Super-Computer übernommen, ein Feld, das bislang völlig von den USA und IBM beherrscht war. Dies könnte erhebliche Auswirkungen auf den Weltmarkt für Computer haben, da die Verwendung der neuen Super- Computer nicht wie in der Vergangenheit auf die wissenschaftliche Forschung beschränkt bleibt, sondern umfassenden Einsatz in der Geschäftswelt und in der Verwaltung findet. Am symptomatischsten für diese Entwick-

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lung ist aber, daß die Japaner den USA heute die Führung auf dem brandneuen Gebiet der kommerziellen Nutzung der Biotechnologie streitig machen, wo Produkte entstehen, die für die pharmazeutische, Nahrungsmittelund Agro-Industrie eine ungeheure Bedeutung haben'.

Solche Beispiele können unzählige aufgeführt werden. Die Anzeichen des Niedergangs der Konkurrenztähigkeit der USA in der verar beitenden Industrie, eine direkte Folge des relativen Niedergangs ihrer Produktivität, sind so offensichtlich, daß sie jedem außer den akademischen Wirtschaftsprofessoren ins Auge springen. Es sind: das massive Ab. sinken des US-Anteils am Welt-Export; der sprunghafte Anstieg des Anteils an verarbeiteten Gütern am US-Import, besonders der Einfuhr von Hoch-Technologie-Gütern (die heute erheblich über der Ausfuhr dieser Güter liegt); das Rekord-Defizit der Handelsbilanz, das bereits die Krisenschwelle erreicht hat; die massive Kapitalflucht ins Ausland, besonders in Form von Krediten; der Niedergang ganzer Industrieregionen, mit damit einhergehendem Verlust von Arbeitsplätzen; und vor allem das drastische Absinken des Lebensstandards der Industricarbeiter und der Arbeiter im allgemeinen. Es sei hier die Schlußfolgerung eines Gutachtens über die US-Induśtrie wiedergegeben, der Data Resources Inc. Report on US Manufacturing Industries: ,Der Niedergang der Warenherstellung ist für dieses Landeine bedeutende historische Entwicklung. ... Es gibt so wenig Ausnahmen vom Niedergang der internationalen Position der Industrie der USA, daß man dafür allgemeine Gründe suchen muß, die Auswirkungen auf die gesamte Wirtschaft haben"".

II. Die Gründe für den industriellen Niedergang D ie Frage ist, warum die Produktivität in den USA so viel langsamer gewachsen ist als bei den Konkurrenten. Die Gründe dafür sind struktureller Art und es wäre deshalb schwer gewesen, sie unter allen Umständen zu vermeiden.

Wirtschaften, die lange Zeit führend sind, neigen nacheiner Weile dazu, in der Entwicklung ihrer Produktivität hinter wirtschaftliche Spätkömmlinge zurückzufallen. Der Prozeß der Kapitalakkumulation selbst bringt eine wirtschaftliche Führungsmacht kurz- bis mittelfristig in eine nachteilige Position hinsichtlich gewisser zentraler Kosten und Marktmöglichkeiten; zugleich stattet er zumindest einige der wirtschaftlichen Spätkömmlinge mit einigen langfristigen Vorteilen aus — hinsichtlich der Entwicklung und Nutzung von besonders wirksamen Produktionstechniken und wirtschaftlichen Einrichtungen — die im Laufe der kapitalistischen Entwicklung entstehen. Folglich ist es über einen langen Zeitraum leichter und bringt mehr Vorteile, wenn man zusätzliches Kapital in die neueste Fabrik und jüngste Anlage der spätergekommenen Wirtschatten investiert, als in die führende Wirtschaft; das Ergebnis ist eine Verschiebung im Verhältnis der internationalen Wirtschafts- und Produktivkräfte.

D ie kurz- bis mittelfristigen Nachteile einer führenden Wirtschaftsmacht liegen in folgenden Faktoren:

1.

Das bestehende fixe Kapital bildet ein Hindernis für weitere Investitionen

In der unmittelbaren Nachkriegszeit machte die US-Wirtschaft eine kolossale Erneuerung durch; gewaltige Massen von Kapital, die sich während der Depression und dem Zweiten Weltkrieg angestaut hatten, fanden eine Anlagemöglichkeit in neuen Fabriken und Anlagen in aller Welt. Ende der fünfziger Jahre verlangsamten sich die Ausgaben fur neue Fabriken und Anlagen jedoch spürbar. Dies kam nicht überraschend, da der Besitz an großen Mengen an Produktivkraft, die sozusagen in bereits bestehenden Investitionen „gebunden" ist, Kapitalinvestitionen auf höherer Ebene entmutigt, zumindest bis zu einem gewissen Punkt. Fixes Kapital ist Kapital, das bereits angelegt ist, das gebunden ist. Wenn ein Unternehmen fixes Kapital gekauft hat, wird es versuchen, dieses solange wie möglich zu nutzen. Vom Standpunkt dieses Unternehmens aus ist dieses Kapital jetzt „kostenlos", , die einzigen relevanten Kosten, die dazu kommen, sind die des zirkulierenden Kapitals, das zusätzlich nötig ist, um das fixe Kapital zum Arbeiten zu bringen, also Rohstoffe, Abschreibungskosten, die natürliche Abnutzung und Arbeit. Andersherum, wenn dieses Unternehmen eine neue Technik einführen wollte, die neues Kapital, d.h. neue Maschinen erforderlich machte, müßte es nicht nur zusätzliches Geld in fixes Kapital investieren, es würdeauch die Nutzung des bereits bestehenden fixen Kapitals verlieren (das es ohne zusätzliche Kosten hatte nutzen können). Solange also ein Unternehmen mit seinem zirkulierenden Kapital eine durchschnittliche Profitrate erzielen kann, solange wird es das alte fixe Kapital (also die alten Anlagen und Maschinen) benutzen, selbst wenn es fortgeschrittenere Techniken gibt, mit denen es effizienter, d.h. zu niedrigeren Kosten arbeiten könnte. Unter sonst gleichbleibenden Umständen wird die Einführung neuer Technologien dadurch in älteren Wirtschaften - zumindest eine Zeit lang — im Vergleich mit jüngeren Wirtschaften gebremst. Als z.B. in den späten fünfziger Jahren Oxygen-Öfen in der Stahlindustrie eingeführt wurden, hatten die US-Hersteller sich bereits mit den relativ veralteten Anlagen ausgerüstet, die jetzt weiter benutzt werden mußten, da sie erhebliche Investitionen gekostet hatten. Das Ergebnis war, daß die US-Stahlindustrie lange Zeit die neue Produktionsmethode nicht anwenden konnte. Die neu entstehende japanische Stahlindustrie dagegen, die mit bereitsbestehenden Produktionskapazitäten nicht belastet war, hatte die Freiheit, in die neuen Oxygen-Öfen zu investieren und tat dies auch in den sechziger und siebziger Jahren'. 2.

Die relativ größere Rentabilität neuer Produktionsweisen und Produktionszweige

In den fünfziger Jahren verfügten die US-Kapitalisten bald in jedem Produktionszweig über große, neu errichtete Fabriken. Sie hatten daher wenig Neigung, ihre Fabriken wieder umzumodeln und waren mehr oder weniger gezwungen, sie auf dem erreichten tech- 1 The Report of the President's Commission on Industrial Competitiveness, in: Global Competition, the New Reality, 1985, S. 25; Riccardo Parboni, The Dollar and its Rivals, 1984, S. 93. 2 Data Resources Inc., The DR/ Report on US Manufacturing Industries, 1984, S. 56; Global Competition. the New Reality, S.9.

Donald Bernett und Louis Schorsch, Steel, Upheaual in a Basic Industry, 1983, S. 119; Ira C. Magaziner und Robert Reich, Minding America's Business, 1982, S. 113; S. Greenhouse, A Survival Fight in Machine Tools, New York Times (NYT) vom 8. Juli 1984; Alan Altshuleret al. The Futureof the Automobile, The Report of MIT's International Automobil Program, 1984. S. 160; vgl. auch James C. Abegglen und George Stalk, Kaisha, The Japanese Corporation, 1985, S. 62-65: Bruce R. Scotr, US Competitiveness: Concepts, Pertormance and Implications, in: US Competitiveness in the World Economy, ed. Bruce R. Scort und George C. Lodge, 1985, S. 65. 4 D. E. Sanger, Prospects Appear Bleak for US Chip Makers, in: Los Angeles Times (LAT) vom 29.10. 1985: Superchips: The New Frontier, Basiness Week (BW) vom 10. Juni 1985.

W. J. Broad, Big Japanese Gain in Computers Seen, NYT vom 13. Februar 1984; H. M. Schmeck, Report Says Japan Could Lead in Commercial Biotechnology: NYT vom 27. Januar 1984.

6 The DR/ Report, S. 1 und 6.

7 Barnett und Schorsch, Steel, S. 53-56.

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nologischen Stand laufen zu lassen. Dies war galt vor allem für die BRD und Japan, wo die jedoch nur ein Grund für die technologische Arbeiterbewegung erst durch den Faschis- Trägheit der US-Wirtschaft. mus und durch autoritäre Regime, dann Die andere Seite der Medaille ist, daß Kapi- durch die militärische Besetzung der USA talisten die nicht mit bereits bestehenden eine Reihe von verheerenden Niederlagen Anlagen belastet waren und deshalb theore- erlitten hatte. Die Arbeitskraft in der BRD tisch die neuesten Technologien hätten ein- und Japan war nicht nur billig, sie war auch setzen können, um billiger zu produzieren als qualifiziert. Billige Arbeitskraft konnte desdie mit alten Anlagen, und somit die Anwen- halb eingesetzt werden, ohne auf leistungsfäder der veralteten Technologien auf dem hige Technik zu verzichten, was oft ge- US-Markt hätten herausfordern können, schieht, wenn billige Arbeitskräfte vorhandies trotzdem nicht immer taten. Dies passiert deshalb, weil unter sonst gleichbleiben- Zum dritten gab es in diesen Regionen große den Umständen Kapitalisten neue Investi- ungesättigte Märkte, vor allem im Vergleich tionen wenn möglich in neuen Produktions- zu den relativ saturierten Märkten in den bereichen, auf neuen Gebieten tätigen wol- USA. len, um damit der Konkurrenz bereits etablierter Kapitalisten aus dem Weg zu gehen, Zum vierten gab es relativ wenig nutzbares aus dem offensichtlichen Grund heraus, daß fixes Kapital, denn was nicht zerstört worden diejenigen, die als erste in einen neuen Bereich war, war oft unbrauchbar, veraltet. Das Auseindringen oder die Produktion neuer Güter maß der Zerstörung durch den Krieg ist übriaufnehmen, zumindest vorübergehend hö- gens oft übertrieben worden. So hatten Inve here Profitraten erzielen können als die, die storen in Japan und in der BRD praktisch um bereits besetzte Märkte kämpfen. 'keine andere Wahl, als in die fortgeschrittensten Produktionstechniken zu investieren. Ende der fünfziger Jahre und Anfang der sechziger Jahre mußten sich Kapitalisten, die Schließlich konnte die Wirtschaft dieser auf dem amerikanischen Markt die neuesten Länder ihre einheimischen Märkte ohne Produktionsmethoden einführen Angst vor Vergeltungsmaßnahmen schütim allgemeinen gegen große Konzerne durch- zen, während die USA mehr oder weniger setzen. Es hätte wenig Sinn gehabt, in einen gezwungen waren, ihre Märkte frei und offen Markt zu investieren, der bereits weitgehend zu halten und zugleich ein gewisses Maß an besetzt war, weil es damals genügend andere, Protektionismus bei ihren Konkurrenten zu neue Investitionsmöglichkeiten gab. Die Wirt- dulden. Der Grund dafür war, daß die USA, schaftswissenschaftler Baran und Sweezy sa- wenn sie in die Lage kommen wollten, nach hen die Vorherrschaft der großen US-Kon- Europa oder Japan zu exportieren, erlauben zerne auf dem US-Markt Ende der fünfziger, mußten, daß diese Länder Kaufkraft (Devi- Anfang der sechziger Jahre und die damit sen) erarbeiten, um US-Produkte kaufen zu einhergehende Stagnation der Investitionen können. Sie konnten das aber nur, indem sie in neue Fabriken und Anlagen in der verarbei- ihre Ausfuhrtätigkeit in die USA entwickeltenden Industrie als Beweis dafür, daß diese Konzerne ein permanentes Monopol hielten, und daß ein neues Stadium des „Monopolka- U den soben Kapiblisten den Imstänpitals" angebrochen war. In Wirklichkeit war den haben Kapitalisten, die in Spätdieses „Monopol" der großen Konzerne über kömmlinge" der Wirtschaft investieren, bes den US-Markt eine vorübergehende Erschei- sere Möglichkeiten als solche, die in der füh. renden Wirtschaft investieren. Doch all die nung und selbst ein Beweis dafür, dal die grofen Möglichkeiten, Profit zu machen, oben genannten Vorteile der „Spätgeborewoanders lagen. Die gigantischen US-Kon- gegenüber den früher Angekommenen zerne waren sich dessen vielleicht deutlicher sind mehr oder weniger vorübergehender bewußt als jeder andere. den später entwickelten Wirtschaften voran- Natur. Je mehr die Kapitalakkumulation in schreitet, umso mehr werden neue Technologien in fixem Kapital gebunden und mit der Zeit ebenfalls überholt; die Löhne steigen Die relativ billigere mit der Nachfrage nach Arbeitsplätzen und Produktion unter den das Arbeitskräftereservoir erschöpft sich; die Märkte werden gesättigt und es ist nicht wirtschaftlichen länger möglich, Protektionsbarrieren auf- Neu-Ankömmlingen zu bauen, ohne Vergeltungsmaßnahmen befürchten zu müssen.

Die größeren Profitmöglichkeiten lagen da- Wären dies die einzigen Faktoren im Spiel mals in Europa und Japan, deren Wirtschaf gewesen, hätten die führenden Konkurrenten hinsichtlich der relativen Produktions- ten der USA auf Dauer ihre Vorteile und ihre kosten gegenüber der US-amerikanischen Vormachtstellung verloren. Doch die wirt- Wirtschaft im Vorteil waren, weil sie mit der schaftlichen Spätkommer erfreuen sich auch Kapitalakkumulation später begonnen hat- gewisser langfristiger Vorteile, die tendenziell ten. Zum ersten konnten Investoren in die- kumulativ sind und sich dauerhaft auswirken. sen Regionen die neuesten Technologien einsetzen, die sie von den USA übernahmen, und brauchten auch nicht gegen bereits ein- 4. gesessene, den Markt kontrollierende Kon-. Institutionelle Erneuerung zerne anzugehen.

Zum zweiten gab es in diesen Regionen eine und technischer Wandel große Reserve an billiger Arbeitskraft. Dies Im Verlauf der kapitalistischen Entwicklung 18 INPREKORR 189 gibt es nicht nur einen ständigen Fortschritt der Produktionstechnik, sondern auch einen kumulativen Fortschritt in dem, was man die institutionalisierte Form des Eigentums oder die wirtschaftliche Organisationsform nennen kann. Unter sonst gleichbleibenden Bedingungen ist eine führende Wirtschaftsmacht tendenziell weniger gut in der Lage, die fortgeschrittensten Eigentums- und Organisationsformen der Wirtschaft zu übernehmen, weil sie ihre Spitzenstellung mit älteren Organisationsformen errungen hat und diesen verbunden bleibt.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs haben vor allem japanische Unternehmenauf der Grundlage einer Reihe von institutionalisierten Absprachen gearbeitet. Es ist ihnen dadurch gelungen, erhebliche Konkurrenzvorteile gegenüber den US-Firmen zu erlangen, besonders hinsichtlich der Mobilisierung von umfänglichen und billigen Investitionsfonds und der Fähigkeit, Kapital schnell wieder anzulegen, Risiken zu verteilen oder zumindest vorübergehend zu sozialisieren und sich teilweise vor Wettbewerb zu schützen, Güter zu erlangen, die für die Kapitalakkumulation entscheidend, aber auf der Basis ›rivater Profitwirtschaft nur schwer zu be. commen sind. und vor allem hinsichtlich der Verfügung über qualifizierte Arbeitskräfte. Diese institutionellen Maßnahmen haben den Japanern weit mehr als den USA geholfen, die notwendige Steigerung der Produktivität mit der wünschenswerten Profitmaximierung in Einklang zu bringen. Dies gilt für die ganze Nachkriegszeit, vor allem aber seit dem Beginn der Krise und der Verschärfung der Konkurrenz Anfang der siebziger Jahre. In Japan gibt es vor allem eine sehr enge Verquickung zwischen den Banken und der horizontal miteinander verflochtenen, staatlich gestützten Industrie. Die großen japanischen City Banken bilden den Mittelpunkt der riesigen, horizontal verflochtenen Industriegruppen, keiretsu, die eine große Zahl von Betrieben in zahlreichen Industriezweigen umfassen. Die Banken leihen Geld an die Unternehmen ihrer Industriegruppe und besitzen zugleich einen großen Anteil ihrer Aktien; sie sind über die Operationen der Industrie ständig auf dem laufenden und mit Haut und Haaren mit deren Schicksal verbunden. Gleichzeitig beteiligt sich auch die Regierung an langfristigen Anleihen an die Industrie, über die Japan Development Bank oder die Export-Import-Bank, und übernimmt damit die Bürgschaft gegenüber den Banken®.

Da die Banken so eng mit der Industrie verflochten sind und die Regierung für die Industrieanleihen bürgt, können die japanischen Banken den verarbeitenden Betrieben, die ihre Schuldner sind, erlauben, eher als die US-Banken, sich auf Schulden(kredit)basis zu finanzieren, statt aufgrund von Eigenkapital. Japanische Manufakturbetriebe können auf Basiseines Fremdkapitalanteils arbeiten, der für amerikanische Unternehmen zu riskant wäre. Damit sind japanische Unternehmen in der Lage, zu niedrigeren Profitraten (gemessen an den gesamten Aktiva, Eigenkapital plus Kredite) zu arbeiten als ihre US-Konkurrenten, und dennoch Kapital zu akkumulieren, bzw. zur selben Profitrate zu

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arbeiten wie die USA und schneller Kapital zu akkumulieren.

Anders ausgedrückt: japanische Unternehmen können zu billigeren Preisen produzieren als US-Unternehmen und dennoch dieselbe Profitrate einstreichen, oder die gleichen Preise fordern und eine höhere Profitrate erzielen?.

Die großen japanischen Unternehmen können sich nicht nurauf größere Finanzierungskredite stützen als ihre US-Konkurrenten, sie erhalten diese auch viel billiger - im Durchschnitt zuetwa zwei Drittelndes Zinssatzes, den US-Firmen in den siebziger und ersten achtziger Jahre zahlen muften. Dies liegt teils an ihren besonderen Beziehungen zu den Banken, teils an der Regierungspolitik. Der wichtigste Grund ist jedoch vielleicht der, daß die Finanzinstitute in Japan den Konsumenten kaum Zugang zu Krediten einräumen und sie damit zwingen zu sparen, statt große Käufe zu tätigen, wie z.B. den eines Hauses. Die Konsumenten werden also nicht nur daran gehindert, mit der Industrie um Kredite zu konkurrieren (wie z.B. in den USA), sie werden auch gezwungen, eine große Masse an Sparkapital anzuhäufen, womit sie das Kreditangebot, das die Banken der Industrie zur Verfügung stellen können, ausweiten und damit verbilligen'°.

D ie Organisation der Industrie in gigantischen, horizontal miteinander verflochtenen Gruppen, denen jeweils eine Großbank vorsteht, verleiht den japanischen Industriellen einen zusätzlichen Vorteil. Da sie eine sehr breite Palette verschiedenster Gesellschaften unter einem Dach vereinigen, sind diese keiretsus in der Lage, ihr Risiko zu reduzieren. Sie erfreuen sich einer Reihe von Vorteilen, die es ihnen ermöglichen, sich schneller veränderten wirtschaftlichen Bedingungen anzupassen"

Allein durch die Größe und finanzielle Ausstattung der keiretsus können japanische Unternehmen ihre Investitionen viel langfristiger planen als US-Unternehmen. D.h. sie können Investitionen in neue Fabriken und Anlagen auch in Phasen des Konjunkturabschwungs aufrechterhalten, wo US-Unternehmen gezwungen sind kürzer zu treten. Sie können mehr Geld in Forschung und Entwicklung investieren. 1983 betrugen die Ausgaben für zivile Forschung und Entwicklung in Japan 2,5% des BSP, in den USA 1,8%'2. Die horizontale Verflechtung von Industriegruppen erleichtert eine schnellere Kapital bewegung von unprofitablen in profitable Produktionsbereiche. Die Verlierer — die unter veränderten wirtschaftlichen Bedingungen: veränderte Nachfrage, Aufkommen neuer Produktionstechnologien, Verluste machen — sind oft gleichzeitig die Gewinner, da die „absteigenden" und die aufstrebenden* Industrien oftmals in derselben Industriegruppe vereinigt sind. Japanische Unternehmen können daher ihre Verluste oft besser abschreiben und ihr Kapital dort anlegen, wo es mehr Gewinn abwirft. In den USA dagegen haben die Eigner älterer, zunehmend weniger konkurrenzfähiger Industrien oft keine andere Möglichkeit als die, sie solang wie möglich gewinnbringend arbeiten zu lassen. Aus denselben Gründen erleichtert die horizontale Verflechtung der Regierung die Planung, vor allem bei der Vergabe von Subventionen oder Steuernachlässen an solche Unternehmen, die den technischen Wandel beschleunigen, rascher Kapital akkumulieren oder Forschung und Entwicklung in grofem Maßstab betreiben. Diese Sorte von „Industriepolitik" kann in den USA nursehr schwer betrieben werden, da die Unterstützung einer Firma oder Industrie zu Lasten anderer geht, und damit große politische Probleme aufwirft. Da die horizontal verflochtenen Gruppen in Japan sowohl Gewinner- wie Verlierer-Unternehmen umfassen, taucht dieses Problem dort viel weniger auf. Die japanische Regierung tätigt nur sehr wenig Direktinvestitionen in die Industrie, hat aber dennoch durch die strategische Plazierung von Direktkrediten und Subventionen, Steuernachlässen u.ä. japanischen Unternehmen in den fünfziger und sechziger Jahren maßgeblich geholfen, ihre Anstrengungen auf die Entwicklung einer breiten Massenproduktion zu richten, in den siebziger Jahren auf die Entwicklung sogenannter hochtechnisierter Produktion (Chips, usw.) zu orientieren und in den achtziger Jahren die Entwicklung einer Industrie, die von wissenschaftlicher Forschung abhängt (Biotechnologie, neue Werkstoffe, usw.) voranzutreiben.

Schließlich ist die die japanische Regierung dort tätig geworden, wo der Markt kaum oder gar nicht funktioniert. Sie hat vor allem für ein berufliches Ausbildungsniveau gesorgt, das erheblich über dem in den USA liegt. In Japan machen jährlich doppelt so viel Ingenieure pro Kopf der Bevölkerung ihren Abschluß wie in den USA!

Der Preis der Hegemonie

Zusätzlich zu den genannten wirtschaftlichen und institutionellen Nachteilen sind der US- Wirtschaft auch entscheidende Probleme aus der wirtschaftlichen und politischen Hegemonie erwachsen, die mit der weltweiten industriellen Führung einhergehen".

Als herrschende Industrienation - mit den jahrelang produktivsten Fabriken und der mächtigsten kapitalistischen Klasse — waren die USA natürlich gezwungen, auch die internationale Leitwährung zu stellen, den Dollar. Das hat ihnen einige handfeste Vorteile gebracht, aber auch Kuckschlage hinsichtlich der Entwicklung der Produktivkräfte in den USA. Da der Dollar die Hauptwährung bei internationalen Transaktionen war, wurde er tendenziell überbewertet - er war teurer als die reine Produktivkraft der US-Industrie rechtfertigte. Durch die Überbewertung des Dollar wurden die Preise für US-Waren im Ausland in die Höhe getrieben, ihr Export damit erschwert. Im Gegenzug wurden ausländische Waren für amerikanische Käufer dadurch billiger. Somit war es für die USA einfacher, Waren zu importieren und Kapital zuexportieren. Die Folge davon ist, daß Amerikas Probleme, die Zahlungs- und Handelsbilanz auszugleichen, verschärft wurden.

Als politisch und militärisch stärkste kapitalistische Nation waren die USA zudem gezwungen, einen unverhältnismällig groffen Anteil der Kosten einer Weltpolizei auf sich zu nehmen. Das bedeutet, die USA haben einen größeren Anteil ihres BSP für Waffen ausgegeben als irgendein anderes kapitalistisches Land. Im Zeitraum von 1960-1980 wurden 7,3% des Bruttoinlandsprodukts für Waffen ausgegeben, in Frankreich 4,5%, in der BRD 3,9% und in Japan nur 1%. Rüstungsausgaben stellen relativ und absolut gesehen eine riesige unproduktive Verschwendung von US-Ressourcen dar. Ressourcen, die sonst produktiv in neue Produktionsmittel und Konsumgüter hätten investiert werden können, wurden vergeudet und damit die Möglichkeit, die Produktivkräfte zu entwickeln und so die Wettbewerbsposition der US-amerikanischen Industrie auszubauen, weiter unterhöhlt.

E das der Trend zum Niedergang der s wird zunehmend unwahrscheinlich, US-Industrie in absehbarer Zeit umgekehrt wird.

Zunächst gilt, daß die riesige unproduktive Kriegsindustrie zwar eine enorme Auszehrung der Produktivkraft der USA darstellt, doch bietet sie vielen der größten US-Konzerne auch die Möglichkeit zu gigantischen gesicherten Profiten. Hier ist ein riesengro- Bes Feld, von dem ausländische Konkurrenten ausgeschlossen sind, da es ihnen nicht gestattet ist, sich um Regierungsausschreibungen zu bewerben, wo die Profite praktisch vom Staat garantiert sind. Man kanr von US-Konzernen kaum erwarten, daß sie solch lukrative Investitionsmöglichkeiten nicht nutzen, nur weil deren Aufrechterhaltung und Ausweitung die Konkurrenzfähigkeit der US-Industrie unterminiert. Da die relativ veralteten Industrien viel grö- Ber und besser etabliert sind als die neuen, fortgeschritteneren Industrien, haben sie natürlich auch eine bessere Chance, ihren politischen Einfluß geltend zu machen. Die führenden US-Konzerne, die von der ausländischen Konkurrenz bedroht werden, sind zunehmend erfolgreich in ihrem Bemühen, Protektion gegen Importe und direkte Subventionen der Regierung durchzusetzen. Es gibt eine Berechnung, die beziffert die Unterstützung der Industrie durch die Regierung mittels Steuervorteilen, Krediten, 8 Y. Miyazaki, Excessive Competition and the Formation of Keiretsu, in: Industry and Business in Japan, ed. K. Sato, 1980; E. Sakakibara, TheJapanese Financial System in Comparative Perspectite Joint Economic Committee, US-Congress 1982), S. 26 und 54. 9 J. C, Abegglen und W. V. Rapp. Japanese Managerial Behavior and Excessive Competition, in: Ihe Deréio ping Economies VIII, Dezember 1970, S. 427-430. 10 Sakakibara, Japunese Financial System, S. 22 und 53; Scott, US Competititeness, S. 64. 11 I. Nakatani, The Economic Role of Financial Corpo rate Grouping, in: The Economic Analysis of the /apanese Firm, ed. M. Aoki, 1984, S. 227 und 245. 12 Global Competition, S. 22.

13 S. Abegglen und Stalk, Kaisha. 14 Global Competition, S. 21.

15 Eine sehr gute Darlegung der Folgen der US-Hegemonie für den wirtschaftlichen Niedergang der USA gibt Joshua Cohen und Joel Rogers, On Democracy. 1982.

16 R. W. DeGrasse, Military Expansion and Economic Decline, 1984, S. 61.

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Bürgschaften, Forschung und Entwicklung mangelte es den meist Dritt-Welt-Ländern u.ä. auf die erstaunliche Zahl von 13,9% des mit den niedrigsten Löhnen in der Regel an BSP der USA". ausgebildeten Arbeitskräften, am technischen Know how, der Infrastruktur und dem Angesichts des großen Ballasts alter, nieder- notwendigen Kapital, um neue Technologehender Industrien in den USA ist es nicht gien einzusetzen. Somit wurden sie gezwunverwunderlich, daß die Politik, US-Konzerne zu schützen und zu subventionieren, weit- gen, die gröbsten, unprofitabelsten Verargehend die Auswirkung gehabt hat, den alten beitungsprozesse zu leisten (und natürlich Produktionsapparat noch länger als erwartet Rohstoffe herzustellen). Nach dem Krieg aufrechtzuerhalten. schaffte in Taiwan und Korea die Landre. form die alten feudalen Klassen ab und legte Eine noch größere Bremse für die Umkehr damit die Grundlage für eine produktive der Tendenz zum industriellen Niedergang Landwirtschaft; sie befreite den Staat von der als die Militärausgaben und die Wirtschafts- Notwendigkeit, die Interessen der alteingepolitik der Regierung ist die Möglichkeit für sessenen Agraroligarchie zu pflegen und er- US-amerikanische Kapitalisten mit Finanz- möglichte ihm, eine dynamische Rolle bei der operationen Profit zu machen anstelle von Förderung der Industrialisierung zu spielen. industrieller Tätigkeit. Die Gewinne auf die- Wie in Japan spielen die Banken eine enorme sem Gebiet bleiben hoch, insbesondere da die Rolle in diesen Ländern; sie werden dabei Käufer und Verkäufer von Finanzoperatio- vom Staat unterstützt und die Wirtschaft nen zunehmend weltweit tätig sind: sie be- wird beherrscht von gigantischen horizontasorgen den profitabelsten Produktionszwei- len Konglomeraten und/oder staatseigenen gen Kredite, gleich wo diese angesiedelt sind, Industrien, die den größten Teil der Innovaund diese liegen mehr und mehr außerhalb tionen und der Exportproduktion unternehder USA. So werden die größten Profite mit Aktivitäten gemacht, die den industriellen Niedergang der USA beschleunigen. Diese Wirtschaften sind viel schneller in der Selbst wenn die US-Wirtschaft in der Lage Lage, die fortgeschrittensten Technologien wäre, sich auf eine Operationsweise wie die zu übernehmen als jede andere Nation vorjapanische umzustellen, könnte sie dadurch her, und sie verbinden diese mit der billigen noch nicht ihren Konkurrenznachteil über- Arbeitskraft, die die repressiven Regierunwinden. Dies liegt daran, daß die Schwellen- gen garantieren. Innerhalb von weniger als länder Südostasiens die dabei sind, sich zu zwei Jahrzehnten haben es die neu-industriaindustrialisieren - besonders Korea und lisierten Wirtschaften in Südostasien ge- Taiwan — das japanische Wirtschaftsmodell schafft, die USA und selbst japanische Pronicht nur übernommen und perfektioniert duzenten in einer ganzen Reihe von Industrie haben, sondern auf dieser Grundlage auch die zweigen herauszufordern: im Schiffsbau, der fortgeschrittenste Technologie mit extrem Stahlproduktion, der Herstellung elektroniniedrigen Löhnen kombinieren. scher Güter, dem Bauwesen, und in jüngster Zeit auch in der Automobilproduktion, von Dies ist in vielerlei Hinsicht eine bisher bei- der Textil-, Bekleidungs- und Nahrungsmitspiellose Entwicklung. In der Vergangenheit telindustrie ganz zu schweigen'. III. Die amerikanische Industrie vom Boom zur Krise

Der spektakuläre Aufstieg der sogenannten asiatischen Viererbande (Taiwan, Südkorea, Singapur und Hong Kong) hat Investitionen in die verarbeitende Industrie in den USA besonders entmutigt und stellt heute einen bedeutenden Anziehungspol für US-Finanzkreise dar. Dies ist einer der entscheidenden Gründe, warum die Stellung der US-Industrie sich seit dem Beginn der Krise vor zehn Jahren nochmals verschlechtert hat. Angesichts der entmutigenden Aussichten der verarbeitenden Industrie der USA im internationalen Wettbewerb und angesichts der Alternativen, die sich dem US-Kapital bieten - Investitionen in Rüstung, Finanzgeschäfte, und in die Industrien der US-Konkurrenten — ist es sehr unwahrscheinlich, daß die US-Kapitalisten das Risiko auf sich nehmen und den Preis für eine industrielle Erneuerung zahlen. Vorallem die sich verschärfende internationale Wirtschaftskrise macht einen solchen Wandel in absehbarer Zeit undenkbar. Die verarbeitende Industrie in den USA ist relativ zurückgegangen, aber jedenationale Wirtschaft, auch die Japans und die der südostasiatischen Viererbande, ist seit Beginn der internationalen Wirtschaftskrise im Vergleich zu früher absolut zurückgegangen. Eine neue ernsthafte Rezession wird für die export-abhängigen Wirtschaften Südostasiens besonders katastrophale Folgen haben. Angesichts der langfristigen Tendenz zu sinkenden Profitraten und gravierenden konjunkturellen Abschwüngen sind die Aussichten für die verarbeitende Industrie jeden Landes trübe. Unter diesen Bedingungen würden die US-Kapitalisten das Schicksal herausfordern, wollten sie ein großangelegtes Programm der industriellen Erneuerung auflegen, das riesige langfristige Kapitaleinlagen erfordert. Es gibt bislang keine Anzeichen dafür, daß sie das riskieren wollen. das Wachstum der Binnenmärkte, unter Ver- die ausgezeichneten Investitionsmöglichkei- D er relative Niedergang der amerikanischen Industrie zieht sich über die ganze Nachkriegsperiode hin, durch die Zeit Vor allem Japan stützte seine wirtschaftliche des Booms ebenso wie durch die nachfolgen- Expansion in der frühen Nachkriegszeit auf de Krise. Schematisch gesprochen kann man die rasche Expansion des einheimischen sagen, daß die Weltwirtschaft in der Nach- Marktes. kriegszeit drei Phasen durchlaufen hat. Eine Inzwischen wurden riesige Summen für US- Nachzeichnung dieser Entwicklung erlaubt amerikanische Investitionen im Auslandausaufzuzeigen, wie die sinkende Konkurrenz- gegeben — ein charakteristisches Symptom fähigkeit die besonderen Auswirkungen der für einen übergreifenden Trend. Die meiste Weltwirtschaftskrise auf die US-amerikani- Zeit nahmen die Auslandsinvestitionen der sche Wirtschaft, aber auch die politische Re- USA jährlich um 10% zu, doppelt so schnell aktion der USA auf diese Krise bestimmt hat. wie die Investitionen im Inland. Dies ist ein untrügliches Zeichen dafür, daß die Profit- 1. möglichkeiten im Ausland, vor allem in Eu- Der Nachkriegsboom ropa, wohin der größte Teilder Investitionen floß, erheblich über denen in den USA selbst und der Kapitalexport lagen.

Eine lange Zeit hindurch, während der fünf- In den frühen sechziger Jahren klagten die ziger und bis in die frühen sechziger Jahre Europäer über die sogenannte „amerikanientwickelte sich die Wirtschaft der verschie- sche Herausforderung", die Invasion der USdenen fortgeschrittenen Länder schnell, Multis in die europäischen Wirtschaften. weitgehend unabhängig voneinander, durch Aber diese Invasion war eher ein Beweis für 20 INPREKORR 189 der europäischen Produzenten.

2.

Internationaler

Wettbewerb und Beginn der Krise

Es dauerte nicht lange, bis ein breites Ausmals an gegenseitiger Abhängigkeit wieder hergestellt war. Das beispiellos schnelle Wachstum des internationalen Handels ist eines der charakteristischen Merkmale des Nachkriegbooms. Als dieser Handel sich ausweitete, wurden jedoch die Schwächen der industriellen Wettbewerbsfähigkeit der USA bloßgelegt.

Vor allem von 1964-65 an wurde die internationale Position der US-Wirtschaft stark unterminiert. In dieser Zeit vervielfachten japanische Produzenten mit Hilfe massiver

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Bankanleihen und staatlicher Unterstützung ihre Investitionen in die Schwerindustrie und stellten eine erste Herausforderung dar für die bisher unangefochtene Vorherrschaft der USA auf diesem Gebiet. 1973 hatten die japanischen Produzenten in den Bereichen Stahl, Maschinenbau, elektrische Maschinen, Transportausrüstungen und Präzisionsmaschinen die USA bereits übertroffen"".

Der Niedergang der Konkurrenzfähigkeit der USA zeigte sich zunächst im Niedergang des US-Anteils am Weltexport von verarbeiteten Produkten: er fiel in der Zeit von 1965 bis 1973 von 24% auf 18%. In derselben Zeit stieg der Anteil Japansam Export von Fertigwaren von 8% auf 14%. Es gab eine massive Invasion von im Ausland gefertigten Produkten auf dem US-Markt: Stahl, Autos, Werkzeugmaschinen, Apparate, Unterhaltungselektronik und zahlreiche andere Güter schnappten sich einen erheblichen Anteil am US-Markt*.

Ende der sechziger Jahre hatten die USA ernste Probleme sowohl mit ihrer Zahlungsbilanz (das Ergebnis des Kapitalexports) als auch mit ihrer Handelsbilanz (das Ergebnis des steigenden Konkurrenzdrucks auf dem Weltmarkt und der zunehmenden Importe). Die plötzliche Verschärfung der ausländischen Konkurrenz - die sich im beschleunigten Export von US-Kapital, im schnellen Wachstum der Importe und dem beginnenden Ungleichgewicht in der Handels- und Zahlungsbilanz niederschlug — hat anscheinend die internationale Wirtschaftskrise ausgelöst (nicht verursacht), deren erstes Opfer der Dollar war, dessen Golddeckung aufgegeben wurde. Bereits 1968 gab es einen starken run auf den Dollar, der das ganze internationale Währungssystem durcheinanderbrachte. 1971 erlebten die USA das erste Handelsbilanzdefizit in ihrer Geschichte. 1970 kam die erste Rezession, das erste Jahr negativen Wachstums, nach einem beispiellos langen Wirtschaftsaufschwung in den sechziger Jahren. 71-73 mußte der Dollar abgewertet werden und das ganze internationale Währungssystem, wie es in Bretton Woods festgelegt worden war: die Konvertibilität des Dollar und die festen Wechselkurse, brach zusammen. Genau in dieser Zeit und hauptsächlich unter dem Druck der zunehmenden internationalen Konkurrenz, die cinen verschärften Druck auf die Preise zur Folge hatte, fiel die durchschnittliche Profitrate in den USA scharf ab; davon muß sich die Wirtschaft immer noch erholen. Der Ge-' winn nach Abzug der Steuern fiel inflationsbereinigt von etwa 9% in 1965 auf rund 3,5% in 1970 und 2% in 1974, dann siechte er im restlichen Jahrzehnt unter 4% dahin. Die verarbeitende Industrie wurde noch härter getroffen, wahrscheinlich weil sie dem internationalen Wettbewerb stärker ausgesetzt war als der Rest der Wirtschaft. Der Gewinn vor Steuern fiel inflationsbereinigt in der verarbeitenden Industrie von 12% in 1965 auf 4% in 1970 und 3% in 1975; 1976 erholte er sich auf 7%, um bis 1981 stetig auf 2% abzufallen?.

Ironischerweise haben dieselben Faktoren, die zum Ausbruch der Krise in den USA geführt haben, weltweit das wirtschaftliche Wachstum verlängert, denn der Import europäischer und japanischer Produkte in die USA stützte die europäischen und japanischen Profite und das Wirtschaftswachstum, während die in den USA abstürzten. Von 1971 an begannen Unternehmen und Regierung in den USA eine Gegenoffensive gegen die Arbeiter und die ausländischen Konkurrenten. Sie schlug sich nieder in Nixons neuer Wirtschaftspolitik, die mehr oder weniger bewußt zur Wiederherstellung der US-Position führen sollte.

3.

Die Gegenoffensive der USA und die Internationalisierung der Krise

Von Anfang der siebziger Jahre an gab es einen ununterbrochenen Angriff auf die Arbeitslöhne, die Arbeitsbedingungen und die Sozialleistungen, um die Produktionskosten zu senken und das Einkommen von der Arbeit weg zum Kapital hin umzuverteilen. In der Zeit von 1972-73 bis 1982-83 fiel der Reallohn eines Produktionsarbeiters (also abzüglich der Preissteigerungen) um über 20%. Der Stundenlohn (vor Steuern) fiel im selben Zeitraum um über 10%. 1981 betrugen die realen Nettostundenverdienste der Arbeiter nicht mehr als 1960.

Von 1970 an starteten die Unternehmer mehrere Kampagnen zur Leistungssteigerung — G-MAD bei General Motors, den Kokomo Plan bei der Post, MTM (minutes times motion) in den großen Kaufhäusern, und viele ahnliche in der ganzen Industrie. Etwas spater setzten massive Kürzungen der Regierungsausgaben für die Armen ein. Zugleich wurden die Unternehmenssteuern drastisch gekürzt, eine Entwicklung, die schon vorher eingesetzt hatte. In den sechziger Jahren machten die Körperschaftssteuern noch ein Viertel aller Einnahmen des Bundes aus: 1983 nur noch 6,2%.

Der Angriff auf die US-amerikanischen Arbeiter wurde begleitet von einem Angriff auf die ausländischen Produzenten. In den siebziger Jahren wurde der Dollar dreimal abgewertet, sein Wert um 17% gesenkt. Damit wurden die US-Waren auf dem Weltmarkt erheblich billiger, ausländische Käufer konnten mit ihrer höherwertigen Währung mehr US-Produkte einkaufen. Die massive Abwertung bedeutete auch einen zusätzlichen Angriff auf die US-Arbeiter, denn die Preise für ausländische Produkte stiegen, und sie konnten mit ihrem Geld weniger kaufen. Im Verlauf der siebziger Jahre bis heute hat der Protektionismus, der Versuch, US-Waren vor ausländischen Importen zuschützen, zugenommen. Heute gibt es starke Hindernisse — seien sie formaler oder „freiwilliger" Art — gegen den Import von ausländischem Stahl, Autos, Textilien, Unterhaltungselektronik und vielen anderen Gütern. A" did der US-Regierung as die zuneh- und der US-Regierung auf die zunchmende internationale Konkurrenz halfen, den Faktoren entgegenzuarbeiten, die den Niedergang der Konkurrenzfähigkeit der US-Industrie vorantrieben. Aber auf die Dauer war das Ergebnis nicht so sehr eine Verbesserung der relativen Position der verarbeitenden Industrie der USA als eine Unterminierung der gesamten internationalen Wirtschaft. Die sinkende Nachfrage aus den USA - ein Ergebnis des Angriffs auf die Löhne und die Sozialleistungen, der Dollarabwertung und des zunehmenden Protektionismus — führte zu einer Einschränkung des Welthandels, vor allem der japanischen und europäischen Exporte. Der Welthandel war in der Zeit des Wirtschaftsaufschwungs 1962-73 um jährlich durchschnittlich 8,7% gestiegen; in der Periode von 1971-1981 stieg er jährlich nur noch um 3,5%2»

Da der US-Markt keine Lokomotive für die Weltwirtschaft mehr darstellte, machten sich die Auswirkungen der Überakkumulation und der verschärften Konkurrenz nun auch in der europäischen und japanischen Wirtschaft bemerkbar, denn diese waren für ihr schnelles wirtschaftliches Wachstum vom Export abhängig. 1974-75 gab es die erste tiete synchrone internationale Rezession; sie wiederholte sich 1979-1982. Die Internationalisierung der Krise in den siebziger Jahren konnte den Prozeß des relativen Niedergangs der Wettbewerbsfähigkeit der US-Industrie jedoch nicht umkehren, da die US-amerikanische verarbeitende Industrie als Feld von Kapitalanlagen nicht attraktiver wurde. In dieser Zeit steckte die verarbeitende Industrie in Europa tief in der Krise, und mag auch einiges an Attraktivität verloren haben; doch jeder Zuwachs an Konkurrenzfähigkeit der USA auf Kosten Europas wurde mehr als ausgeglichen durch den weiteren Verlust der Konkurrenzfähigkeit gegenüber der Dritten Welt (und Japan). Die Industrien in der Dritten Welt stiegen nun zu ernsthaften Konkurrenten auf dem Weltmarkt auf. Teilweise wurden industrielle Investitionen in der Dritten Welt nur getätigt, um Vorteile aus dem extrem niedrigen Lohnniveau zu ziehen, so in vielen lateinamerikanischen Ländern. Aber in Südostasien bot ein Wirtschaftsaufbau nach japanischem Modell viel größere und längerfristige Vorteile. Im Verlauf der krisengeschüttelten siebziger Jahre konnten Korea und Taiwan den Anteil des Sozialprodukts, den sie reinvestierten, steigern und damit außerordentliche jährliche Wachstumsraten in der verarbeitenden Industrie erzielen, die fünfmal so hoch lagen wie in den USA, in der ganzen Periode von 1960 bis 1980. 1980 überflügelten die südostasiatischen Wirtschaften jede der großen europäischen Nationen als Exporteure in die USA.

17 A. Pine, Debate Heats Up Againon Industrial Policy, in: Wall Street Journal (WSJ) vom Oktober 1982. 18 Vgl. The Koreans are Coming, in: BW vom 10. Oktober 1982.

19 Scott, US Competitiveness, S. 65. 20 Scott, US Competitiveness, S. 27; s. auch Magaziner und Reich, Minding Americas Business. 21 Scotr, US Comptetitiveness, S. 30; Global Competition, S. 12.

22 Samuel Bowles et. al. Beyond the Wasteland, 1983, S. 25: R. S. Meintyre und D. C. Tipps, Exploring the Investment Incentive Myth", in: Challenge vom Mai. Juni 1985, S. 47.

23 Philip Armstrong et. al. Capitalism Since World War 11. 1984.

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Angesichts der blendenden Investitionsaussichten in Südostasien und in geringerem Umfang in Lateinamerika ist es verständlich, daß eine der spektakulärsten neuen Entwicklungen der siebziger Jahre die eines massiven Kapitalabflusses in Form von Krediten von den USA in die „Schwellenländer" war. Die US-Banken und die europäischen Banken steckten Hunderte von Milliarden Dollar in die Finanzierung ihrer sich zusammenschließenden Konkurrenten in der verarbeitenden Industrie weltweit. Ende 1984 hielten die Privatbanken über 600 Milliarden Dollar Schulden der Dritten Welt?* Natürlich bricht die US-Industrie nicht einfach über Nacht zusammen. Auch gibt es Ausnahmen von dem Trend zum Niedergang. In Produktionsbereichen wie der Luftfahrt und in der Büroausstattung haben sich US-Hersteller seit langem eine beherrschende Stellung gesichert und behalten diese bei, nicht ohne Herausforderung. Selbst in der Autoindustrie ist der Konkurrenzkampf nicht entschieden. General Motors investiert Milliarden Dollar in die Modernisierung seiner Anlagen, vor allem in das Modell-Projekt Saturn, mit dem es mehr Autos billiger produzieren will als die Japaner.

Dennoch gibt es nur sehr wenige Produktionsbereiche, wie Flugzeuge und Büromaschinen, wo die Position der US-Hersteller scheinbar unangefochten bleibt, und die deshalb leicht Investitionsmittel auf dem freien Markt anziehen können. Es gibt auch nicht viele Unternehmen der verarbeitenden Industrie, die so massiv über internes Kapital verfügen wie General Motors. Seit dem Beginn der Weltwirtschaftskrise haben die japanischen Industriellen jedoch Vorteile aus ihrer besonderen Wirtschaftsorganisation gezogen, ihre Position auf dem US-Automarkt gefestigt und die USA auf dem Gebiet der High-Tech-Industrie gewaltig herausgefordert, wo diese früher unangefochten das Sagen hatte.

Z umindest zur Zeit haben die US-Konzerne die Produktion von Kleinwagen in den USA selbst aufgegeben und stützen sich weitgehend auf Abkommen mit Zulieferern oder Partnern in Japan oder Korea. Diese Reaktion war vielleicht absehbar, da die Eiliger erstellen kinnenan die US-Konzes ne, aber sie wird katastrophale Folgen haben. Nach einer Schätzung des Handelsministeriums Commerce Departement werden 1988 17% der Autos, die Detroit verkauft, von Toyota, Nissan und Honda hergestellt sein. Das bedeutet, daß 40% des US-Marktes von Importen beherrscht sein wird, selbst wenn der Protektionismus bestehen bleibt, und weitere 90000 Arbeitsplätze in der Automobilindustrie verloren gehen. Die US-Hersteller stützen sich zunehmend auf Ersatzteillieferungen aus Übersee. Wenn man alles zusammennimmt, werden heute schon 50% der Autos, die in den USA verkauft werden, im Ausland produziert. Beim neuen Kooperationsunternehmen Toyota-General Motors 1945 1950 22 INPREKORR 189 WIR STELLEN EIN:

DIE

PRODUKTIONA in Kalifornien, wo hauptsächlich Endmontage gemacht wird, wurden schon 70% der Autoproduktion im Ausland getätigt. Es kann nicht überraschen, daß jeder der drei großen US-Autokonzerne angesichts der relativ besseren Gewinnmöglichkeiten auf dem Finanzsektor in jüngster Zeit neue große Institute geschaffen haben, die darauf spezialisiert sind, die gesamte Bandbreite an Finanzdienstleistungen anzubieten (nicht nur Kredite für den Kauf von Autos wie in der Vergangenheit)?.

In den letzten fünf Jahren hat die High- Tech-Produktion in den USA einen dramatischen Niedergang ihrer Position auf dem Weltmarkt erlebt. Das ist weitgehend das Resultat der Fähigkeit der Japaner, in jeder Phase des konjunkturellen Abschwungs die Investitionen weiter zu steigern, während die viel kleineren US-High-Tech-Unternehmen gezwungen waren, Investitionen zu streichen. Das ist auch der Erfolg der japanischen Regierung, die versucht hat, Abkommen über die Zusammenarbeit der großen japanischen Hersteller auf dem Gebiet der Forschung und Entwicklung zustandezubringen. Auf dem Gebiet der Halbleitertechnik investiert Japan heute schon absolut gesehen mehr als die USA.

In den letzten fünf Jahren sind die Importe in die USA auf allen Gebieten der Elektronik- Computerausrüstung, Instrumente, Kommunikationsanlagen, Büromaschinen, Halbleiter und Komponenten, Unterhaltungselektronik — gestiegen und die Exporte gefallen. Die gesamte Handelsbilanz (Exporte minus Importe) ist von einem Überschuß von fast acht Milliarden Dollar in 1980 auf ein Defizit von ca. sieben Milliarden Dollar in 1984 gefallen. Der gesamte US-Markt für 1955 Hochtechnologieprodukte, die heute in Massenproduktion hergestellt werden (Video-Kassetten-Rekorder und Kompaktdisketten), ist vom Ausland kontrolliert: nicht eines dieser Produkte wird inden USA hergestellt. Auch hier zeigen die US-Hersteller cher die Tendenz,zu kneiten statt zu kämpfen, die Produktion in den USA aufzugeben und entweder in Übersee aufzubauen oder einfach japanische und koreanische Produkte zu importieren und unter eigenem Markenzeichen vertreiben. 1984 z.B. kamen fast alle Produkte der Unterhaltungselektronik, die General Electrics vertrieb, aus Asien, GE importierte Waren im Wert von 1,4 Mrd. S und brachte sie unter eigenem Namen auf den Markt. Es ist ein schlechtes Zeichen für die verarbeitende Industrie in den USA, daf Japan 1983 30000 Roboter im Auftrag hatte, die USA nur 10000 — d.h. acht mal weniger pro beschäftigtem Arbeiter".

Nun ist eingewandt worden, dem Anschein zum Trotz spiegele der Niedergang der Wettbewerbsfähigkeit der verarbeitenden Industrie in den USA nicht ein langfristiges strukturelles Problem wider, sondern nur den jüngsten Anstieg des Dollar, dessen Wert von 1980 bis 1985 um 50% gestiegen ist. Das ist jedoch Traumtänzerei. Zunächst einmal hat die relativ niedrige Inflationsrate in den USA — im Vergleich zur relativ höheren Preissteigerungsrate im Ausland — dem Anstieg des Dollars wirksam entgegengearbeitet und die tatsächliche Aufwertung des Dollar um die Hälfte, auf 25% gedrückt. Der Wert des Dollar ist gegenüber den Währungen der Länder, die für die USA die größte Herausforderung darstellen, auch nicht so stark gestiegen. Zwischen Ende 1979 und Mitte 1985 hat sich das Handelsdefizit der USA mit Japan vervierfacht, der Wert des Dollar gegenüber dem Yen ist aber nur um 3,8% gestiegen. Ähnlich haben Taiwan, Südkorea, Singapur und Hong Kong ihre Währung auf den Dollar abgestimmt, so daß selbst eine Abwertung des Dollar die Wettbewerbsposition der USA gegenüber diesen Ländern nicht verbessert hat??

Al Andie Fendee Prodeskividt der us: . daß die relative Produktivität der US- Industrie sich weiter verschlechtert und die Attraktivität der verarbeitenden Industrie der USA als Investitionsanlagefeld weiter abnimmt. Die Krise der Investitionen hat zugenommen. Seit dem Beginn dieser Krise ist der Anteil des BSP, das die USA in fixes Kapital investieren, im Vergleich zu Japan gefallen. Während des Booms lag der US-Anteil an Investitionen nur halb so hoch wie der Japans; seit 1970 beträgt er nur noch ein Drittel.

Formal geschen hat es natürlich ein gigantisches Einfließen von Investitionsmitteln aus dem Ausland in die USA gegeben. Trotz der Behauptung des Gegenteils ist dies jedoch kein Anzeichen dafür, daß Ausländer glauben, die Perspektiven der US-Industrie seien guç und deshalb investieren. Wahrscheinlich 1965 1960

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sind 90% der ausländischen Investitionen in (zu hohen Zinssätzen) finanziert. Der Rest dient zum großen Teil der Umgehung der protektionistischen Maßnahmen und widerspiegelt die Tatsache oder auch die Angst der ausländischen Konzerne, daß steigende Importrestriktionen sie daran hindern werden, in die USA zu exportieren. Selbst in diesem Fall sind die neu eröffneten, im ausländischen Besitz befindlichen Fabriken oft Montagehallen, die Teile zusammensetzen,. die aus dem Ausland kommen — wie in der Autoindustrie oder in einigen High-Tech- Fabriken* Es kann daher nicht überraschen, daß die Fähigkeit der USA, ihre Produktivität zu steigern, noch stärker hinter die ihrer Konkurrenten zurückgefallen ist. In der Periode von 1977-85 ist die Produktivität in der verarbeitenden Industrie in den USA um die vernachlässigbare Rate von 0,7% pro Jahr gestiegen, in Westeuropa dagegen um 1,8% und in Japan um 3,4%. Der Grundtenor bleibt: die Rentabilität der verarbeitenden Industrie in den USA steckt in der Krise. Der jüngste Bericht der vom Präsidenten eingesetzten Commission on Industrial Competitiveness (Kommission zur Wettbewerbsfähigkeit der Industrie) merkte dazu an: „Die industrielle Basis Amerikas ist unfähig gewesen, die Art von finanziellem Rückfluß zu sichern, die produktive Investitionen anzieht. ….. In den sechziger Jahren lagen die realen Gewinnraten der verarbeitenden Industrie erheblich über denen im Finanzbereich. Heute ist die Situation umgekehrt. ... In den letzten zwanzig Jahren sind die realen Profitraten berechnet auf das Anlagevermögen in der verarbeitenden Industrie gefallen. Gewinne vor Steuern liegen erheblich unter denen bei Finanzinvestitionen und werfen bei vielen Investoren die Frage auf, ob es sich lohnt, Kapital in die verarbeitende Industrie der USA zu stecken"

H eute ist viel davon die Rede, daß der Niedergang der US-Industrie denepochalen Ubergang von der Industrieproduktion zum Dienstleistungsbereich widerspiegelt, analog zu dem von der Landwirtschaft zur Industrie, und deshalb Zeichen eines historischen Fortschritts der Produktivkräfte und eines allgemeinen Anstiegs der gut bezahlten Beschäftigung ist. Es wird behauptet, die US- Wirtschaft drifte in Richtung hochwertiger, bestausgebildeter, High-Tech bedienender Arbeit: die USA stelle die Software, die neuen Techniken und das industrielle Design für die verarbeitende Industrie der Welt und ernte den Vorteil seiner hochwertigen Pro- 1970 duktion in Form höherer Löhne und eines allgemein höheren Lebensstandards. Dieser Standpunkt liegt völlig daneben. Zunächst werden nur wenige der vielen Arbeitsplätze in den neuen (industriellen) Dienstleistungsbereichen im Sektor der Hochtechnologie eingerichtet. Dem Bericht des US-Bureau of Labor Statistics zufolge umfassen die zehn Beschäftigungsarten, in denen im nächsten Jahrzehnt der größte Zuwachs erwartet wird, zum größten Teil schlecht bezahlte Arbeitsplätze, die fast alle außerhalb der Hochtechnologie liegen. Solche Arbeitsplätze sind, der Reihenfolge des erwarteten Zuwachses nach: Kassierer, ausgebildete Hebammen, Pförtner und Reinigungspersonal, Lkw-Fahrer, Kellner und Kellnerinnen, Kaufhausangestellte, Babysitter, Krankenwärter und Diener, Einzelhandelsverkäufer, Buchhälter und Revisoren, Kindergärtner/ innen und Grundschullehrer/innen. Auf der anderen Seite werden in der High-Tech-Industrie, obwohl es hier relativ gesehen ein rasches Wachstum gibt, in den nächsten zehn Jahren bestenfalls eine Million Arbeitsplätze geschaffen, d.h. weniger als die Hälfte der Arbeitsplätze, die in der verarbeitenden Industrie zwischen 1980 und 1983 verloren gingen'°. Der Zug hin zum Dienstleistungssektor ist äuferst problematisch. Zum einen bedingt der größte Teil der „Produktion" im Dienstleistungsbereich niedere Technologie, schlechte Ausbildung und schlechte Bezahlung; das bleibt auch so. Zum zweiten ist der Produktivitätsanstieg im Dienstleistungsbereich historisch wie auch inabsehbarer Zeit nicht so stark wie in der verarbeitenden Industrie; ein Zug hin zum Dienstleistungssektor bedeutet daher eine Verlangsamung im Produktivitätsanstieg für die gesamte Wirtschaft. Damit zusammenhängend und wichtiger ist, daß der Zug hin zum Dienstleistungssektor mit Sicherheit zu einer Verlangsamung des technischen Fortschritts führen wird. Der rascheste technische Fortschritt findet nicht in den Labors statt, sondern im Prozeß des Lernens und Entdeckens in der Produktion selbst. Ein sehr großer Teil des jüngsten japanischen Fortschritts auf dem Gebiet der sogenannten 1975 • professionellen High-Tech-Elektronik hat sich z.B. direkt aus den Erfahrungen in der Produktion von Unterhaltungselektronik entwickelte. In dem Maße, wie die USA die Produktion von Fertigwaren seinen führenden Konkurrenten überlassen, verlieren sie deshalb die Fähigkeit zur technischen Innovation, damit auch zur Produktion der hochwertigen Dienstleistungen (Software, Produktionsdesign), die verarbeitende Industrie erfordert.

Schließlich bringen die Dienstleistungsindustrien in den USA heute im großen und -100 -90 -- 701 - 50 -30 Durchschnittlicher Tagesumschlag an der New Yorker

Börse, in Millionen Aktien.

-20 -10 TIME Chart

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Sklavenhalterbetrieben in den Städten, wo Geschätzter Beschäftigungszuwachs (in Tausend) die Unternehmer unter ausländischen Arbeitern extrem billige, illegale und ungeschützte Arbeitskräfte finden. Das ist himmelweit Gesamt- geschätzter prozen- durch- entfernt von der utopischen Vision heutiger heschäftig Zuwachs tualer schnitt- Theoretiker der „postindustriellen Geselltenzahl 1990 - Anteil licher schaft". Aber es liegt völlig im Einklang mit 19813 von Wochen- dem allgemeinen Trend zum industriellen Frauen lohn Niedergang der USA.

1981 1981 (Dollar)

Beschaftigung insgesamt 72491 16,800 39.5 289 Einzelberufe:

I. Sekretär/in 3 199 700 99.3 2. Krankenhelfer/in 832 SOR 84.3 3. Hausmeister 993 501 14.6 4. Verkaufspersonal 1032 479 60.3 5. Bankkassierer/in 712 452 85.1 6. Krankenpfleger/in 1168 418 95.8 7. Fernfahrer/in 1560 415 2.1 24 Scott. US Competitiveness, S. 52 und 55. 8. Fast-food-Personal 1000 400 50.9 25 K. Dreyfach & O. Port, Even American Know-How 9. Büropersonal 2082 178 76.2 ist Headed Abroad, in: BW vom 3. März 1986: W.J. 10. Gaststättenpersonal 532 360 85.1 Hampton, Cen Detroit cope this Time?, in: BW vom 22. April 1985: Chrysler Will Acquire Consumer Crenur Vollzeit-Beschäftigte dir Unit Form Bank America, in: LAT vom 9. Oktober 1985; R. W. Bennett, Expanded Scope for GMAC in: NYT vom 6. August 1985; J. Holusha, Tie Disap. pearing US Car, in: NYT vom 10. August 1985: D. D Buss & Paul Ingrassia, While Trying to Carb Imports, Anto Makers Ser More Forcign Ties, in: WSJ vom 28. ganzen keine Produkte hervor, die sich auf anzunehmen. In der langen Periode von 1970 26 Japan's Strategy for the 80s, in: BW vom 14. Dezember dem Weltmarkt verkaufen lassen. Der Zug bis 1984 haben 23,3 Millionen Menschen im 1981, S. 61 ff.; Chip Wars, in: BW vom 23. Mai 1983; S. 138-139; J. W. Wilson, Amerihin zum Dienstleistungssektor wird deshalb nicht-landwirtschaftlichen Bereich zusätz- ca's High Tech Crisis, in: BW vom 11. März 1985: die Position der USA im internationalen lich einen Arbeitsplatz gefunden, doch nur Dreyfach & Port, Even American Know How Handel weiter unterminieren, und ihre Fa- 1% davon in der verarbeitenden Industrie. 27 Zur Erklärung des Zusammenhangs zwischen dem higkeit, aus der internationalen Arbeitstei- Einer Kongreß-Studie zufolge haben von Dollar s. Robert Z. Lawrence, Can America compete?. Niedergang der US-Industrie und dem Anstieg des lung Nutzen zu ziehen, weiter einschrän- 1979 bis 1984 11,5 Millionen Arbeiter ihren 1984; zu den Zahlenangaben vgl. G. Shilling. Trade ken" Arbeitsplatz verloren, weil Fabriken ge- Blves Aren't Just a Matter of Green, in: WS/ vom 11. Kurzum, die Drift von der verarbeitenden schlossen oder an einen anderen Standort Juli 1985; M. Karczmar, A Weaker Dollar Won't Slos Imports, in: NYT vom 20. Oktober 1985. Industrie zum Dienstleistungssektor, die verlegt wurden; doch nur 60% davon haben 28 B. M. Friedman, Saving Investment and Government heute stattfindet, wird wahrscheinlich die in dieser Zeit einen neuen Job bekommen. Deficits in the 1980s, in: US Comptetiticeness in the Tendenz zum Niedergang der Produktivität Die, die - zwangsläufig - einen neuen Ar- World Economy, S. 400; P. T. Kilborn, Japan Inceverstärken und Wohlstand sowie Lebens- beitsplatz im Dienstleistungsbereich gefun- sting Enormons Sums of Cash Abroad, in: NYT vom standard in den USA senken. Der Nieder- den haben, mußten empfindliche Lohneinbußen hinnehmen, da die Löhne im Dienst- 29 Shilling, Trade Blues, in: Global Competition, S. 12. gang der verarbeitenden Industrie bedeutet leistungssektor etwa 20% unter denen in der 30 J. Burger, The False Paradise of a Service Economy, in: für die Arbeitskräfte in dieser Industrie un- BW vom 3. März 1986; American Rushes to High weigerlich sinkende Löhne und schlechtere verarbeitenden Industrie liegen. Tech for Growth, BW vom 28. März 1983. Arbeitsbedingungen, den Verlust ihres Ar- Ironischerweise liegen vielleicht die besten 31 Japan's Strategy for the 80%, BW vom 14. Dezember beitsplatzes und den Zwang. Arbeitsplätze Chancen für eine Expansion der verarbeiten- 32 K. B. Noble. Study Finds 60 Percent of 11 Million who im relativ wachsenden Dienstleistungssektor den Industrie in den Grenzgebieten und den lost Jobs got New Ones, NYT vom 7. Januar 1986. United States trade balance, 1985:

50 10 Sbn - 0 + 40 30 20 10 Sbn - 0 + 10 Holland Aircraft & other transport Saudi Arabia Otfice equipment Australia Scientific instruments Soviet Union Industrial machinery with selected countries France in manufactures Plastics & rubber by sector Indonesia Generators 1 Britain Engineering equipment South Korea Integrated circuits Brazil Non-ferrous metals Italy Other minerals Mexico Footwea

Hongkong tron & steel W Germany Consumer goods Taiwan Audio & video Canada Cars Clothing

Sovces IF. US Departm we of Commerce 24 INPREKORR 189

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Pashe

Die erneut sich abzeichnende Krise vor allem der US-Wirtschaft, die anhaltende Massenarbeitslosigkeit selbst in der Phase des wirtschaftlichen Aufschwungs der letzten Jahre, und die offensichtlichen Versuche der Unternehmer und Regierungen, die Arbeitslosigkeit für einen drastischen Abbau des Lebensstandards und der Rechte der Arbeiterinnen und Arbeiter zu nutzen, hat auf seiten der Linken zu neuen Versuchen geführt, diese Entwicklung zu erklären und daraus Aktionsperspektiven zu gewinnen. Drei dieser Versuche seien hier vorgestellt. Obwohl die Autoren zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen, verbindet sie der Ansatz, die Krise der internationalen kapitalistischen Wirtschaft hauptsächlich als eine Krise der Nachfrage zu begreifen.

Die Krise und die neue Arbeitslosigkeit in der BRD sind nicht unvermeidbares Resultat der kapitalistischen Wirtschaft, sie wurden von der Regierung und den Großkonzernen gemacht und können demzufolge im Rahmen der 1 bestehenden marktwirtschaftlichen Ordnung auch gelöst werden. Dies ist die zentrale These von Stefan Welzk, Boom ohne Arbeitsplätze, Kiepenheuer & Witsch, Köln 1986, 250 Seiten.

Das Buch gibt zunächst einmal einen kenntnisreichen Einblick in die Entwicklung der bundesrepublikanischen Wirtschaft seit Antritt der Wenderegierung 1982. Es legt dar, wie Bilanz- und Steuergesetzgebung den gro- Ben Aktiengesellschaften geholfen hat, trotz des Kriseneinbruchs von 1980-82 ihre Eigenkapitalquote zu steigern — indem sie in gro- Sem Umfang steuerfreie Rücklagen bildeten und Pensionsfonds anlegten. Hinzukommedie rasante Zunahme von Kapitalflucht in Steueroasen der Karibik. Diese und andere Tricks, Milliarden Gewinne am Fiskus vorbeizuschmuggeln, haben zu einer Geldschwemme bei den großen Aktiengesellschaften geführt, in der Weise, daß trotz der Hochzinspolitik diese AGs ihre Schulden gegenüber den Banken abbauen konnten und ihre Einkünfteaus Zinsen teilweise höher lagen als ihre Ausgaben für Kredite.

Ein näherer Blick auf die Bilanzen der AGs sowie der mittleren und kleineren Unternehmen führt Welzk zur Schlußfolgerung: die Klagen der deutschen Konzerne über eine Profitklemme, die angeblich den überhöhten Bücherkiste