Krise in der Koalition Bayan ,Wir müssen die Vater schaft beanspruchen* Auf der Insel Negros, dem „Reich des Zuckers" ', hat die „Februarrevolution" nicht einmal die Institutionen des Marcos-Regimes hinweggefegt. Die Streitkräfte üben hier nach wie vor die Kontrolle aus. Aber auch hier werden die von Marcos eingesetzten Bürgermeister und Beamten nach und nach ersetzt, teilweise sogar durch Mitglieder von Bayan, die sich am Wahlkampf beteiligt haben. Der Boykott war allerdings sehr populär unter den Zuckerarbeitern. Die Vorsitzenden der National Federation of Sugar Workers (NFSW - Nationaler Verband der Zuckerarbeiter), Bobby Ortaliz und Serge Cherniguin', hoffen, daß die Militärs bald unter Kontrolle gestellt werden. Doch sie erklären: „ Wir greifen auf, was positiv ist, aber wir bereiten uns auf das Schlimmste vor."2 Der Kampf für die demokratischen Rechte ist also noch längst nicht gewonnen. Allerdings haben sich die Bedingungen, ihn zu führen, verbessert. Der Vorstand des Trade Union Congress of the Philippines (TUCP - Zentraler Gewerkschaftsverband der Philippinen), der lange Zeit unter der Protektion von Marcos stand, fordert heute die Abserzung von „Bobbit" Sanchez, dem Arbeitsminister der Regierung Aquino. Sanchez wird vom TUCP vorgeworfen, er unterstütze die Kilusang Mayo Uno (KMU - Bewegung des ersten Mai)', den klassenkämpferischen Gewerkschaftsverband, der unter dem alten Regime so oft und gewaltsam unterdrückt worden war. Die KMU, die heute zum Wahlboykott aufgerufen hatte, kann heute viel offener agieren als in der Vergangenheit. Dasselbe gilt für die Kilusang Magbubukid ng Philipinas (KMP — Bauernbewegung der Philippinen).* Örtliche Führer dieser Bewegung sagen, die Lage der Bauern habe sich überhaupt nicht geändert. Maria Rosario Felizco aus der Region Zentral-Luzon erklärt: „Nichts hat sich geändert. Wir sind geblufft worden." Aber der Vorsitzende der KMP, Jaime „Jimmy" Tadeo, wird heute vom Landwirtschaftsminister empfangen und nicht 34 INPREKORR Nr. 186 Hochburgen der NPA (die dunkel gezeichneten Gebiete) CHINA TAIWAN
Vrai
PHILIPPINES
Manila
South
China CAGAYAN VIETNAM leva PROVINCE 'Sea
MAL AYNA
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Philippine
BULACAN Seve
Mána PROVINCE
ALBAY
MINDORO PROVINCE
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DATE
PALAMAN
NECKOS! *Sprigao
PHILIPPINES
Salu Sera •Pagedian
Davao
Zamboanga
MINDANAO
NPA- Kampf- US- Truppen zonen Basen
IHOHENSON-NEWSWEEK mit Knüppeln hinausgeworfen, wie unter Marcos. Er ist auch Mitglied der von der Präsidentin einberufenen Kommission, die eine neue Verfassung ausarbeiten soll. In dieser Kommission haben weitgehend die Vertreter der gesellschattlichen Elite das Sagen. Hierin zeigt sich eine der Hauptschwächen der „Februarrevolution" ; nämlich das Fehlen von Selbstorganisationsstrukturen der Massen, durch die sie hätten vertreten werden können. Die neue Verfassung wird Gegenstand der politischen Klassenauseinandersetzung sein. Die Berufung von Jimmy Tadeo und einigen anderen Vertretern der Kräfte des Volkes in die Verfassungskommission ist deshalb ziemlich symbolisch, sie zeigt aber die politische Veränderung an, die stattgefunden hat. Jimmy Tadeo, der zum Wahlboykott aufgerufen hatte, sieht in den Februarereignissen eine „Revolution der Städte" , doch er setzt auf eine kritische Kooperation mit dem *; Aquino Regime.° Die größte national-demokratische • Koalition, Bagong Alyansang Maka- • bayan (Bayan — Neue Patriotische Allianz), ist durch die Orientierung der CPP in die Krise geraten.? Die Situation innerhalb von Bayan ist je nach Region und nach gesellschaftlichem Milieu unterschiedlich. In so elenden Gebieten wie unter den Zuckerarbeitern der Insel Negros hat die Hoffnung auf eine Verbesserung der Lage durch Wahlen wahrscheinlich niemals konkrete Gestalt angenommen. Andererseits haben sich in zahlreichen Gebieten Führer von Bayan trotz der nationalen Boykott-Losung am Wahlkampf beteiligt. Manchmal hat Bayan seine örtlichen Büros den Organisationen zur Verfügung gestellt, die die Unterstützung für Cory Aquino organisierten. In der Provinz ist der Einfluß Bayans somit lebendig geblieben, einigen Orts ist er sogar gestiegen. In Manila ist der Zustand von Bayan jedoch, offen gesagt, schlecht. Hier steht sie für die Boykott-Losung — und es scheint, daß diese eine Zeit lang mit sehr arronganter Selbstsicherheit vorgetragen worden ist. In Teilen der Bevölkerung stößt Bayan heute auf offene Ablehnung:
Die nationale Führung von Bayan hat Selbstkritik geübt, und zwar sowohl an ihrer Analyse der politischen Situation als auch an der mangelnden Flexibilität, die sie bei ihrer Entscheidung gezeigt hat. Leider hat sie diese Selbstkritik nicht veröffentlicht, was ihrer Glaubwürdigkeit sehr geschadet hat. Bayan verfügt also in der Hauptstadt und im gesamten Land nicht über die notwendi-
1* Autorität, den Kampf der Linken zu koordinieren. Die neue Koalition, Lakasnş Sambayan — Volksmacht*, hat beschlosen, dais gegenwärtig die von Bayan ge führte Linke nicht eingeladen werder soll, sich zu beteiligen, obwohl die Tür für Abkommen über eine praktische Zusammenarbeit offen bleiben soll. Noch ist das Vertrauen gering.
Innerhalb der national-demokratischen Strömung selbst haben sich nebeneinander eine Vielzahl von verschiedenen politischen Intiativen entwickelt. Joma Sison hat aufgerufen zur Bildung einer neuen Partei, die den Namen New Democratic Party oder National Democralic Party (NDP) tragen soll. Diese neue Organisation soll gegründet werden für den Fall, daß Bayan selbst sich nicht in eine „große politische Partei"° verwandeln kann oder will. Das Projekt scheint aber noch keine richtige Gestalt ange- Hommen zu haben. Politisch besteht zur Zeit die Gefahr, daf die revolutionäre Linke sich spaltet in eine sektiererische Position und, als Reaktion darauf, eine zu opportunistische Position. Freiwillige für Volksdemokratie Zwei der angesehensten Führer der NDF, die unter Marcos lange Jahre eingekerkert waren, haben nach ihrer Freilassung die Volunteers for People's De тостасу (VDP — Freiwillige für die Volksdemokratie) gebildet. Es handelt sich um Ed de la Torre'° , Mitglied der Christians for National Liberation (CNL - Christen für die nationale Befreiung), und Horacio „Boy" Morales" den ehemaligen Vorsitzenden der NDF. Boy Morales wird nachgesagt, er habe die NDF für unabhängige Gruppen öffnen wollen. Die CPP war mit dieser Perspektive einverstanden, sie entsprach der Linie, die sie in ihrem Jahresdokument 1980 niedergelegt hatte. Erst nach der Verhaftung von Boy Morales 1982 hat die CPP eine sektierische und dogmatische Wendung gemacht. Als alter Technokrat hat Boy Morales heute eine Beschäftigung in der Verwaltung gefunden.
Ed de la Torre hat zugegeben, daß „die Linke ihren historischen Rhythmus verloren hat, von den Ereignissen überrollt wurde". 1' Um die Komplexität der Situation nach der „Februarrevolution" zu beschreiben, hat er ein Gleichnis benutzt. Die Revolution ist gekommen wie ein zu früh geborenes Kind. Die Revolutionäre haben gezögert, dies Kind anzuerkennen, das frühreif und nicht so kräftig war, wie sie gehofft hatten. In der Politik liegen die Dinge aber etwas anders als in der Biologie: ein Kind kann viele Eltern haben. Dies ist bei der Februarrevolution der Fall. Die Linke darf den Anspruch auf die Vaterschaft des Kindes nicht aufgeben, im Gegenteil, sie muß darum kämpfen, ihm einen Namen zu geben: Als ich aus dem Gefängnis kam, fühlte ich mich von der Linken exkommuniziert. Das war aber nicht so schlimm und nicht so traurig wie das Gefühl der Selbst-Exkkommunikation, das ich anfänglich bei einigen Aktivisten der Linken verspürte, als sie sagten: 'Wem gehört dieses Kind? Uns gehört es nicht. Unseres kommt erst 1995'.""
Die Gefängniserfahrung scheint Ed de la Torre in seinem Einheitsgedanken bestärkt zu haben. Er erinnert an die Diskussionen, die im Lager Bago Bantay geführt wurden, wo er zusammen mit Horacio „Boy" Morales, dem sozialde mokratischen Führer Marianito „Mar" Canoningo"* und Dr. Nemesio Prudente von der People's Liberation Movement (PLM — Volksbefreiungsbewegung)" gefangen war. Nach seiner Freilassung erklärte Ed de la Torre: „In Wirklichkeit hatten wir keine einheitliche Position. Wenn du im Gefängnisse bist, bist du Буланий nicht so sicher, dais du die gesamte politische Dynamik erfaßt hast. (Wir haben damals gespürt, daf die politische Revolution im Aufschwung war.) Das war also unsere erste Position, und auf dieser Grundlage haben wir gesagt: Die Frage ist nicht: Boykott oder Beteiligung'. Es ging darum zu wissen, welche Perspektive die Massenbewegung und diese breitere Koalition weiterbringen würde. Die Mehrheit unter uns meinte, durch eine Beteiligung würde sie ausgeweitet. Das ist nicht wirklich eine strategische Frage. 1 Bobby „Bob" Ortaliz ist der Präsident der NFSW. Serge Chemniguin ihr Generalsekretär. 2 Cherniguin, zit. von Deb Shnookal _Repression continues in Sugarland", Intercontinental Press, 19. Mai 1986, S. 31.
} Die KMU gab vor der _Februarrevolution" 500000 Mitglieder an.
+ Die KMP hat ca. 500000 Mitglieder. 5 Maria Rosario Felizco _Interview with a Filipino peasant leader". International Viewpoint, Nr. 98, 5. Mai 1986.
6 Zit. von Romy P. Marinas, Peasants after the City Revolution", We Forum 8-14 April 1986. S. 6. 7 Bayan gab im Februar-März 1986 2,5 Millionen Mitglieder an.
8 Lakas ist eine Linkskoalition, die sich am Wahlkampf Cory Aquinos beteiligt hat.
9 Joma Sison, Interview mit We Forum, 18.-24. März 1986, S. 12.
10 Edicio „Ed" de la Torre, 43 Jahre, ist Priester der Gesellschaft des Wortes Gottes (heute vom Orden _beurlaubt"). Er war früher geistlicher Berater des Verbands der freien Bauern (FFF) und der sozialdemokratischen Christengruppe Khi Rho. Er radikalisiert sich und wird 1972 Vorsitzender der Christen für die Nationale Befreiung (CNL). Er ist Mitglied der Gründungskommission der NDF im April 1973. Im Dezember 1974 wird er verhaftet und über fünf Jahre gefangengehalten. Im April 1980 wird er auf Bewäh. rung freigelassen, dann nach Rom und Löwen (Belgien) auf Studienreise geschickt. Nach seiner Rückkehr auf die Philippinen im April 1982 wird er erneut verhaftet, und nach dem Wahlsieg Corazon Aquinos wieder freigelassen.
Die anderen haben darüber diskutiert (und die taktische Entscheidung abhängig gemacht vom voraussichtlichen Ausgang der Wahlen), Ich sagte: 'Nein, die erste Frage ist nicht die, ob wir gewinnen oder verlieren, denn wir diskutieren nicht einfach darüber, Marcos zu stürzen oder ihn durch jemand anderes zu ersetzen, sondern über die Ausweitung der demokratischen Koalition, der Volksdemokratie."
Ed de la Torre greift hier einen sehr wichtigen Punkt in der Argumentation auf. Viele Befürworter des Boykotts erklären, die Boykott-Losung wäre richtig gewesen, wenn Marcos nicht gestürzt worden wäre. Damit gehen sie aber am Hauptproblem vorbei. Ed besteht darauf: Selbst wenn wir annehmen, daf Marcos aller Wahrscheinlichkeit nach an der Macht bleiben würde, ... glaubten wir, daß eine Beteiligung uns in eine bessere Position bringen würde, die Proteste, die es nach den Wahlen geben würde, auf einer fortschrittlicheren Basis zu organisieren (als die gemäßigte Opposition)."
Die VDP steht somit an der Nahtstelle zwischen den Aktivisten, die boykottiert haben, und denen, die sich beteiligt haben. Anders als Sison, der sich hauptsächlich an die Aktivisten von Bayan wendet, sucht das Projekt von Ed de la Torre und Boy Morales eine sehr breite Einheit und einen gemeinsamen Aktionsrahmen für die National-Demokraten, die „Sozial-Demokraten" und die „Liberal-Demokraten" (das sind demokratische Persönlichkeiten ohne eindeutige organisatorische Zuordnung)." " Horacio „Boy" Morales, 42 Jahre, war inden60er und 70er Jahren ein Technokrat mit großen Zukunftsaussichten. Er arbeitet an der Development Academy of the Philippines, deren Vizepräsident er 1975 wird Symbolhaft ist sein Abtauchen in den Untergrund er schließt sich am 26. Dezember 1977 (dem Jahrestag der CCP und der Geburt Maos) der NDF an, während er zugleich mit dem Preis eines Elitewettbewerbs ausgezeichnet wird als einer der _zehn außergewöhnlichsten Männer des Jahres™. Sein Übergang zur Revolution erregt großes Aufschen. Er wird Vorsitzender der NDF. Im April 1982 wird er gefangengenommen und am 1. März 1986 wieder freigelassen. 12 Zit. von Romy Marinas Did Bayan fall flat on its face?" We Forum, 25.-31. März 1986. 13 Interview aus We Forum, 25.-31. März 1986, S. 13. 14 Marianito _Mar" Canoningo war 1970, zum Zeitpunkt der Kämpfe, die „Sturmdesersten Trimesters" genannt wurden, Student. Er gehörte der Bewegung Lakasdiwa — Kraft des Geistes - an. Er ging in den Untergrund, wo er im April 1981 verhaftet wurde. Nach dem Sieg Cory Aquinos wird er freigelassen. Heute ist er Vorsitzender der Koalition Bandila und Generalsekretär der Sozialdemokratischen Philippinischen Bewegung (FSDM), das legale Pendant zur PDSP im Untergrund.
15 Die PI.M wurde 1980 gegründet. 16 Interview von Ed de la Torre _Of Parents and Midwives* in Midweek, 26. März 1986, S. 18. 17 Vgl. Elmar Mercado , Nat Dem, plus Soc Dem, plus Lib Dem, égale Pop Dem", We Forum, 27. Mai - 2. Juni 1986.
Die Christen sind eine treibende Kraft der Revolution Befreiungstheologie auf philippinisch Parallel zu den politischen Initiativen die es zu prüten gilt, betrittt die Grund aus dem national-demokratischen Mi- satze und die Praxis beim Aufbau der lieu hat es auch in Bündnisstrukturen Einheitsfront, sowohl im Land selbst als Grundsatzdiskussionen gegeben. Das auch unter den Solidaritätsgruppen im Frauenbündnis Gabriela' zum Beispiel ist Ausland. Sie muß auch ihre Taktik auf während des Wahlkampfs in die Krise dem Gebiet des legalen Kampfes, der geraten. Deren Vorsitzende, die heutige Erziehung der Massen, ihre Analyse der Ministerin für Entwicklung und Sozia- Situation undihre Methode einer gründ les, Mamita Pardo de Tavera, hat ihr lichen Prüfung unterziehen ... Ange- Amt niedergelegt. Gabriela hat sich ge- sichts der wichtigen Rolle der Kirche bei spalten, eine neue Organisation Frauen- den jüngsten Ereignissen ist eine umfassolidarität hat sich gebildet. Die Diffe. sende und differenzierte Untersuchung renzen betrafen nicht nur die Frage des über die Rolle der Gläubigen notwendig. Wahlboykotts, sondern auch das inter- Unser erstes Anliegen muß es sein, Siene Funktionieren des Bündnisses (wie gesstimmung zu vermeiden; für die Kirstark zentralistisch und demokratisch) che wäre dies eine Versuchung, weiter und den Stellenwert der feministischen ihren Einfluß auf die bestehende Regie- Forderungen. Diese Spaltung ist heute rung auszuüben. Es sind bereits Tendenüberwunden, es wurde wieder eine ge- zen zu einemanderen Typ von Christenmeinsame Struktur gebildet, die aber tum spürbar; es gibt Bestrebungen, die dezentraler organisiert ist als in der Ver- Katholische Aktion als gesellschaftligangenheit. ches Gärmittel wiederzubeleben. Man Die neue Vorsitzende von Gabriela ist muß die Gläubigkeit des Volkes genauer Schwester Mary-John Mananzan.? Sie untersuchen und sorgfältig unterschei wurde im April gewählt. In ihrem Zeug den zwischen der in ihr wohnenden Mo nis über die „Februarrevolution" be- bilisierungskraft und ihrem inneren rührt Schwester Mary-John Mananzan Wert als religiöse Form... die Fragen, die sich der philippinischen Hiermit ist ein wichtiges Problem ange- Linken heute stellen. Sie analysiert die sprochen. Die Philippinen sind das einzi- Bedeutung und die Grenzen der Ereig ge wirklich christianisierte Land Asiens nisse und bemerkt dann: „Es ist notwen- Sie sind nicht in demselben Maße säkula dig, die neu organisierte Volksmacht risiert wie die westlichen Gesellschaften. neu zu bündeln, um die Regierung zu Aber der Katholizismus, dem die große mahnen, vor allem hinsichtlich der ame- Masse der Bevölkerung anhängt, hat er rikanischen Intervention in all ihren hebliche Veränderungen erfahren. Formen, hinsichtlich der Verwirkli- Ebenso wie ein philippinischer Marxis chung der Agrarreform und der Verbes- mus nicht einfach die Wiederholung des serung der Lebensbedingungen von 75% deutschen oder des chinesischen Marxis der Philippinen, die unterhalb der Ar mus sein kann, kann auch der philippinimutsgrenze leben ... Die Linke muß die sche Katholizismus nicht einfach ein Lage gründlich studieren und ehrliche Abbild des römischen oder spanischen Selbstkritik leisten; die Wurzeln ihrer Katholizismus sein. Das philippinische Isolierung liegen in den entscheidenden Christentum ist heute für die Mehrheit Tagen des Februar. Einer der Punkte, der Bevölkerung Teil der nationalen 36 INPREKORR Nr. 186 Kardinal Sin
Kultur und Identität. Für die revolutionäre Bewegung ist es deshalb wichtig, seine Besonderheiten und die ihm innewohnenden Widersprüche zu begreifen. Historisch taucht der Katholizismus auf im Zusammenhang mit der Kolonialisierung, er wird geprägt durch eine Kirchenhierarchie, die ihre Wurzeln im Westen hat. Aber er ist auch Ausdruck der Bedürfnisse eines asiatischen Volkes. Er ist Bezugspunkt für eine beherrschte Nation, die für ihre Unabhängigkeit kämpft, aber auch Sammelbecken gefährlichen Aberglaubens. Er birgt auf der einen Seite die demokratischen Traditionen des Volkes in sich, auf der anderen die Unterwerfung unter die Hierarchie und unter reaktionäre Ideologien. Die christlichen Basisgemeinschaften und die institutionelle Kirche verkörpern die beiden Aspekte dieser widersprüchlichen Realität.
Die aktive Rolle der Kirchenhierarchie und des Vatikans im politischen Kampf für eine pro-imperialistische Lösung der Krise ist den Philippinen wie den lateinamerikanischen Völkern gemeinsam. Eine Ähnlichkeit besteht auch hinsichtlich der historischen Rolle des Christentums für die Kultur und die nationale Identität dieser Völker. Seit den 60er Jahren haben sich die marxistischen und die christlichen Strömungen einander stark angenähert. Vor 15 - 20 Jahren standen sich die Katholische Aktion und die Marxisten noch diametral in einem politischen und ideologischen Konflikt gegenüber. Mit der Ausweitung der Kämpfe, der „Philippinisierung" der revolutionären Linken und der Radikalisierung bedeutender Teile der Kirche hat sich die Lage geändert. Geistliche und praktizierende Katholiken gibt es in allen politischen Gruppierungen auf der
Rechten wie auf der Linken (wahrscheinlich mit Ausnahme der Parti Komunista ng Philipinas (PKP — die prosowjetische Kommunistische Partei). Dies erklärt sich jedoch eher daraus, daß die PKP völlig am Rand der jüngsten Radikalisierungsprozesse steht, und nicht so sehr aus ihrer „ideologischen Festigkeit" ; die sie übrigens nicht gehindert hat, mit Marcos zu kollaborieren. Diese Entwicklung wirft eine Reihe von Fragen auf, die lange Zeit von den revolutionären Marixsten und vielleicht auch von philippinischen Aktivisten ignoriert wurden. Dabei geht es um nichts weniger als um grundlegende Aspekte der revolutionären Praxis in einem Land wie den Philippinen. Was bedeutet in diesem Zusammenhang gesellschaftliche und politische Verantwortung einer revolutionären Partei? Welchen Platz haben christliche Aktivisten in der Bewegung, und welche Beziehung gibt es zwischen Christentum und Marxismus, beide im Plural gedacht? In bezug auf die Einheitsfront, was kann da die Rolle der Christen für die nationale Befreiung (CNL) sein, eine der wichtigsten Strömungen in der National-Demokratischen Front? Es geht hier weniger um den individuellen Beitritt von Christen zu einer kommunistischen, marxistischen Organisation, sondern um die Beziehungen zwischen einer Partei wie der CPP und christlichen Strömungen, die Ausdruck einer Radikali sierung und einer besonderen Weltanschauung sind, wie z.B. die Theologie der Befreiung. Soll die Kommunistische Partei versuchen, diese Strömung zu integrieren? Oder soll eine solche Strömung sich besser eine eigene Identität schaffen und die CPP dann ein enges politisches Bündnis mit ihr schließen? Christen für die nationale Befreiung
Es ist möglich, daß diese Frage im Mittelpunkt der Entwicklung der CNL stand. Sollten die CNL die Massenorganisation der CPP in der Kirche sein (wie es andere Organisationen der CPP gibt, die in den Betrieben und Dörfern arbeiten)? Oder sollten sie eine unabhängige Organisation sein, die innerhalb der NDF mit der CPP verbündet ist? Die CNL wurden am 17. Februar 1972 gegründet, zwei Monate vor den Christen für den Sozialismus (auf internationaler Ebene). Pater Ed de la Torre ist ihr bekanntester Vertreter. Anfänglich waren die CNL offen für Vertreter freier Berufe, Intellektuelle, Studenten; Geistliche waren eine kleine Minderheit. Auf dem 2. Nationalen Kongreß der CNLim April 1981 wurde beschlossen, daß die CNL zu einer reinen Organisation von Geistlichen und praktizierenden Katholiken werden sollten, denn jetzt schloß sich eine viel größere Zahl von ihnen dem revolutionären Kampf an als in der Vergangenheit.* In ihrem Programm für den 2. Kongreß erklärte die CNL: „Die Christen für die Anzeige
Jaime Wheelock kommt Am Freitagabend, 17. Oktober, spricht der Agrarminister Nicaraguas aufeiner Veranstaltung im Rahmen des Entwicklungspolitischen Kongresses, den die Jusos vom 17.-19. Oktober in Düsseldorf veranstalten. Seinem Referat schließt sich eine Podiumsdiskussion über die Verschuldungskrise und die Rolle des Internationalen Währungsfonds an, mit: Christa Randzio- Plath, Elmar Altvater, Alexander Schubert, u.a.
nationale Befreiung sind eine Organisation für Christen, die für die national-demokratische Revolution auf den Philippinen eintreten. Dieses Engagement im Kampf für die nationale Demokratie ist der historische Ausdruck unserer Berufung, zu helfen, das Reich Gottes aufzubauen. Es ist die politische Verkörperung unseres christlichen Glaubens, in der gegenwärtigen Phase der philippinischen Geschichte. Unser Glaube an Jesus Christus ruft uns auf, unserem Christentum Gestalt zu verleihen, ihm Fleisch und Blut zu geben. Wir suchen dies im Leiden, dem Tod und der Auferstehung des philippinischen Volkes: der demokratischen Volksrevolution... Unser Volkskrieg nimmt hauptsächlich die Form des bewaffneten Kampfes an, aber 1 Vgl. Sonia Rupon ,Frauenkampf auf den Philippinen, in Inprekorr Nr. 182, April 1986. 2 Mary-John Mananzan ist Benediktinerschwester und Santa Scolastica. Sie ist vorgeschlagen worden für die Kommission, die den Entwurf einer neuen Verfassung ausarbeiten soll.
3 Sr. Mary-John Mananzan _Analysis of the February er wird auf allen möglichen Fronten geführt... Als eine der Strömungen, die die NDF gegründet haben, teilen die CNL mit allen Mitgliedern der NDF eine gemeinsame Verantwortung, nämlich die. die national-demokratische Linie unter allen Klassen und fortschrittlichen Sektoren der philippinischen Gesellschaft zu vertreten. Als christliche Organisation, vor allem als Organisation von Mitgliedern der Kirche, tragen die CNL eine besondere Verantwortung, das ist die, die christliche Kirche auf die Seite des Kampfs des Volkes zu ziehen ... Christen vereinigen sich in der NDF mit Marxisten auf der Basis des national-demokratischen Programms. Im Rahmen dieser politischen Einheit führen wir die ideologischen Auseinandersetzung, den Dialog zwischen Christen und Marxisten. Aber das ist keine sterile, akademische Debatte, in ihrem Mittelpunkt steht die Praxis. Unser Dialog soll uns helfen, die Besonderheiten der philippinischen Gesellschaft und unseren Volkskrieg besser zu verstehen. In diesem Sinn geht es uns nicht nur um die Verkörperung des Christentums. Wir haben auch ein Interesse an der Verkörperung des Marxismus durch die Anstrengungen der philippinischen Kommunisten, ihm eine nationale Form geben.
In einem Land wie den Philippinen kann man die Bedeutung einer revolutionären Arbeit innerhalb der Kir-he nicht verkennen. Die Einheit zwischen atheistischen Marxisten und revolutionären christlichen Strömungen ist von zentraler Bedeutung. Marxisten müsssen die Tragweite der theologischen Debatte verstehen, die jene, die das Reich Gottes auf Erden vom Jenseits erwarten, in Gegensatz bringt zu denen, die es hier und heute aufbauen wollen und sich in der Gesellschaft, unter den Armen und Unterdrückten, dafür engagieren. Auf den Philippinen gibt es die seltene Erfahrung des Bündnisses zwischen einer revolutionären christlichen Strömung und einer kommunistischen Partei an der Spitze einer aktiven Guerilla. Diese Erfahrung ist sehr wertvoll, zumal die katholische Hierarchie und die mächtigen jesuitischen Kreise zur Zeit eine neue Offensive unternommen haben, um die engagiertesten Geistlichen zu isolieren und den Klassenkampf im Namen der „friedlichen Revolution" in Mißkredit zu bringen.
Revolution*, Tiparan Balita (Madrid), vol. 3, Nr. 14, 15, 16, Februar-Mare-April 1986, S. 5. 4 Exequiel Augustin Marxism. Capitalism and the Church", in The CNL. Reader, brag, von den CNL, Manila, olone Datum, 5: 53-54 5 CNL, 2nd National Congres Documents, eine Broschüre über 57 Seiten, 5. 11:12
IV. INTERNATIONALE
UND INTERNATIONALE ARBEITERBEWEGUNG Mexiko
Sodalista
PRT
Zeitung der mexikanischen Sektion der IV. Internationale Die ersten Vorläufer der PRT sind aus der großen Studentenund Massenbewegung von 1968 entstanden, die das Regime der regierenden Partido Revolucionario Institutional (PRI) in Mexiko erschütterte. Hieraus ging der erste Kern von Genossen hervor, der sich um Jose Revueltas u.a. in der Moviemento Comunista Revolucionario (MCI — Revolutionär-Kommunistische Bewegung)
zusammenschloß. Als die MCI aufgelöst und ihre wichtigsten Führer verhaftet wurden, wurde die Grupo Comunista Internationalista (GCI - Internanationalistisch-Kommunistische Gruppe) gegründet. Vom Gefängnis in Lecumbriel aus entsandte Revueltas dem IX. Weltkongreß der IV. Internationale seine Grüße.
Von Anfang an war die PRT eine internationalistische Organisation. Zum einen, weil die Ereignisse von 1968 in Mexiko der nationale Ausdruck einer weltweiten Rebellion der Jugend waren, zum anderen, weil für die PRT obwohl sie aus dem studentischen Milieu hervorgegangen ist - eine der politisch-ideologischen Grundlagen immer der Aufbau einer revolutionären, demokratischen und sozialistischen Arbeiterpartei gewesen ist, die die Ziele der IV. Internationale in ihr Programm geschrieben hat. Dies hat es der MCl und der GCI, die nicht mehr als 30 Mitglieder zählten, erlaubt, in den großen Auseinandersetzungen von 1968 zu bestehen, daraus Lehren zu ziehen, eine Kontinuität zu wahren und aktiv an der Bewegung und ihrer Führung teilzunehmen - sou.B. im nationalen Streikkomitee CNH -, ohne die soziali- 38 INPREKORR Nr. 186 stische Perspektive aus dem Auge beteiligt. Tausende von Bauern nem ersten Amnestiegesetz. zu verlieren. waren zusammengeschlossen in Hieraus, und aus dem Kampf für Unsere Strömung entstand in der Frente Campesino Indepen- den Nachweis über den Verbleib den Studentenkämpfen von 1971 diente (FCI — Unabhängige Bau- der Verschwundenen, entstand ernfront, heute: FCIR - Unab- die Frente Nacional contra la Rehängige und Revolutionäre Bau- presion (FNCR - Nationale ernfront. Unter dem Druck die- Front gegen die Repression) unc ses Kampfes mußte der damalige das Komitee der Eltern der politi- Staatspräsident Luis Echeverria schen Gefangenen, Verfolgten, 10 Jahre zehntausende Hektar Groß. Exilierten und Verschwundenen. grundbesitz enteignen und dieses Die Genossin Rosario Ibarra de Land an die Bauern verteilen. Piedra, eine Führerin der FNCR Dieser Kampf hat zusammen mit und des Elternkomitees, ist heute PRT dem der Arbeiter in der Erdölin- Mitglied der Parlamentsfraktion dustrie, der Ärzte und der Lehrer der PRT dem Gründungskongreß der heu- Unsere ständige Präsenz in den tigen PRT im September 1976 sozialen und politischen Kämp den Weg bereitet. Die PRT ist fen hat es uns ermöglicht, enerhervorgegangen aus der Fusion gisch unser Recht auf Registrieder Internationalen Kommunisti- rung als legale politische Parteizu in den Staaten Nueva Leon, Chi- schen Liga (L.CI) mit der Soziali- fordern. Wir haben dies im Jul huahua, Oaxaca, Sonora, Mexico stichen Liga (L.S), beide bis dahin 1982 durchgesetzt, als unsere u.a. die antibürokratische Revol- sympathisierende Sektionen der Kandidatin zu den Präsidentte in den Gewerkschaften 1974 IV. Internationale. schaftswahlen einen bedeutenhat uns erstmals Erfahrungen u.a. Ein Schwerpunkt der Politik der den Erfolg erzielte. Dies hat die in der Textil-, Automobil- und PRT waren seither der Kampf für Regierung gezwungen, uns als le- Transportindustrie ermöglicht die Freilassung der politischen gale nationale Partei anzuerken- Aus der Bewegung für die ge- Gefangenen - er endete mit ei- nen. werkschaftliche Demokratie und 1982 brach in Mexiko die schwer- Unabhängigkeit bei Dina, Nis- ste Wirtschaftskrise aus, die das san, General Electric, Spicer, Land bisher erlebt hat. Die Regie Volkswagen,. Textiles Morelos, rung hat darauf mit einem schar- Rivetex w.a. und aus der Bewe fen Sparplan, mit Entlassungen, gung für die gewerkschaftliche REVOLUTION UND Lohnkürzungen und der Sen. Organisierung der Universitäts- PERUANISCHE WIRKLICHKEIT kung des Lebensstandards im allangestellten kamen unsere ersten JOSE CARLOS gemeinen reagiert. Dagegen rich- Arbeiterkader. Die Gründung tet die PRT seither ihren Kampf der Einheitsgewerkschaft der MARIATEGUI 1983 stand sie zusammen mit an- Elektriker (SUTERM) und der deren Organisationen an der demokratischen Strömung in ihr, AUSGEWANETE PORTES HESCHRIEN |Sptize des ersten großen nationa die von Rafael Galvan geführt HERAUSGEGEBEN UNDINGENITE len Bürgerstreiks. Die PRT ist wird, und die Gründung der VON ELEONORE VONOERTZEN heute ein wichtiges Instrument Frente Nacional de Accion Popu- isp-Verlag im Kampf gegen die Sparpolitik lar (FNAP - Nationale Front und die Regierung. Sie ist auch der Volksaktion) unter den Bau- eine treibende Kraft im Prozeß ern hatten große Bedeutung für der Einheit der Linken, insbesonden Aufbau der Partei. 1976 wa- dere der Revolutionäre. Sie unren unsere Mitglieder führend an terhält Beziehungen zu wichtigen der größten Landbesetzung der revolutionären Kräften auf interletzten 30 Jahre im Staate Sonora nationaler Ebene.
SOZIALISMUS :