Die französische Sektion der IV. Internationale wollte zu diesen Wahlen ein breites Bündnis von Lutte Ouvrière bis zu den Ökologisten schaffen. Stattdessen trat die Linke zersplittert an. Francis Sitel
Auf ihrem VI. Kongreß im Januar 1984 beschloß die LCR, die französische Sektion der IV. Internationale, eine Einheitsinitiative gegenüber den Organisationen, Strömungen, Einzelpersonen und Teilen der Arbeiterklasse, die nach einer Alternative zur Politik der Klassenkollaboration von PS und PC suchen. Auf ihre Versammlung »Gegen die Sparpolitik! Gegen das kapitalistische Europa!« in Le Bourget im Mai 1984 lud sie all die Organisationen ein, die über die anstehenden Fragen diskutieren wollten. Für die Wahlen am 16. März 1986 hat sie zur Bildung einer „gemeinsamen antikapitalistischen Kraft" aufgerufen.
Der Vorschlag der LCR gründete sich auf die Einschätzung, daß die aktuelle Situation im großen und ganzen zwar sehr ungünstig sei, aber doch zu einer gewissen Umgruppierung innerhalb der Arbeiterbewegung führe. Die Arbeiterbewegung steckt in einer tiefen Krise, aus der sich bisher keine erfolgversprechenden Auswege abzeichnen, da das Mobilisierungsniveau sehr gering ist. Es kann nicht die Aufgabe der LCR sein, sich auf sich selbst zurückzuziehen, sondern sie muß dieser Krise entgegentreten, sich einmischen in die Ansätze von Differenzierungsprozessen und versuchen, diesen eine Perspektive zu geben. Sie muß sich daher mit den kommunistischen und sozialistischen Aktivisten verbinden, die sich von der Politik ihrer Führungen abwenden, mit den Gewerkschafterinnen und Gewerkschaftern, die die Klassenkollaboration ablehnen, mit den Aktivisten der extremen Linken, die aus den vergangenen Erfahrungen die Bilanz gezogen haben und sich weigern, die Flügel hängen zu lassen. Sie sucht die Zusammenarbeit mit all jenen, die die Lehren aus dem sozialistischen Regierungsexperiment ziehen wollen und nach Mitteln und Wegen suchen, den Kampf fortzuführen. Auf all diese Kräfte stößt die LCR in ihrer täglichen Arbeit in den Gewerkschaften, in den Massenbewegungen, in der Frauenbewegung oder in der antirassistischen Bewegung sowie bei der Mobilisierung zur Unterstützung des Kampfs des kanakischen Volks.
Die Schwierigkeiten, diesen Kräften politisch Ausdruck zu verleihen, liegen im allgemeinen Klima der politischen Desorientierung, aber vor allem im Feh-
len großer gesellschaftlicher Mobilisie- Krämergeist, interne Schwierigkeiten rungen. Nur solche könnten die aktuelle und auch politische Differenzen verhin- Krise der Arbeiterbewegung zuspitzen dert, daß eine Einheitsfront zu den Wahund die Notwendigkeit einer politischen len zustandekommt. und organisatorischen Alternative ,im So hat die Partei der Grünen jede großen Maßstab" stellen. Allianz mit Organisationen der extre- Da man aber nicht abwarten kann, men Linken von vornherein ausgesondern hier und heute handeln muß, schlossen, weil sie hoffte, das ökologisci um die Zukunft vorzubereiten, hat sich orientierte Potential ganz für sich zu die LCR bemüht, konkrete Vorschläge gewinnen. Dadurch wurden auch solche auszuarbeiten, die die Einheit und die Organisationen verunsichert wie die Föolitische Neugruppierung der Kräfte deration für eine Alternative Linke inks von der reformistischen Linken (FGA), die Partei für eine Kommunistifördern können. Lange vor Beginn des sche Alternative (PAC, ex-PCML); sie Wahlkampfs hat die L.CR an der Bildung setzten vor allem auf ein „grün-alternatiörtlicher Bündnisse gearbeitet. 60 sol- ves Bündnis" und haben es deshalbabgecher Bündnisse sind zustandegekom- lehnt, auf nationaler Ebene ein Abkommen. men mit der LCR zu treffen. LO hat sich Zu den Parlamentswahlen im März nicht nur geweigert, mit der LCR zu- 1986 hat die LCR einbreites Wahlbünd- sammen den Kampf für ein Wahlbündnis von Lutte Ouvrière bis zu den Grü- nis zu führen sondern auch ein Wahlabnen vorgeschlagen auf der Grundlage kommen LCR - LO abgelehnt, obwohl folgender Forderungen: Abwehr einer es möglich gewesen wäre und bei zahlrei- Rückkehr der Rechten; Ablehnung der chen früheren Wahlen auch schon ge- Politik der Klassenkollaboration von PS troffen worden ist. Die Internationaliund PC; Verteidigung der Forderungen stische Kommunistische Partei (PCI, der Arbeiterbewegung und der Massen- Lambertisten) hat eine Bewegung für bewegungen in der Perspektive des eine Arbeiterpartei (MPPT) lanciert Bruchs mit dem Kapitalismus. Wäre ein und deshalb zu keinem Zeitpunkt ein solches Bündnis zustandegekommen, gemeinsames Vorgehen auch nur in Erhätte es den Arbeiterinnen und Arbei- wägung gezogen. tern, die von der Politik von PS und PC abgestoßen werden, eine reale Alternative geboten. Leider war das nicht der Fall. Im März 1986 gibt die extreme Linke Zum einen waren die örtlichen Bündnis. daher ein klägliches Bild äußerster Zerse nicht stark genug, um eine solche splitterung ab, das für die Mehrheit der Perspektive von unten durchzusetzen. Ärbeiter völlig unverständlich ist. Eine Zum anderen haben bei den Organisa- solche Situation läßt sich nicht nur mit tionen der extremen Linken und den dem Sektierertum und der Unverant- Umweltorganisationen, die eine natio- wortlichkeit der einen oder anderen Ornale Bedeutung haben, Sektierertum, ganisation erklären. Sie ist das Produkt La riposte- un bon gauche une vraie gauche La droite céstle K.O. REVOLUTIONNAIRE • ICH c 0 • CUE einer allgemeinen Orientierungskrise, die die extreme Linke nicht verschont. Deshalb ist es unerläßlich, eine klare Politik zu verteidigen, die sich das Ziel setzt, diese Desorientierung zu überwinden, nicht auf sektiererische Art, sondern durch die Verwirklichung der Einheit.
Diese Politik hat die LCR in ihrem Wahlkampf betrieben. Sie hat in etwa 40 Departements kandidiert, um 23 Millionen Wählerinnen und Wähler zu erreichen. Der Kampf für die Einheit hat trotz allem Früchte getragen. In der Hälfte der Departements konnte die LCR Kandidatinnen und Kandidaten im Rahmen von Bündnissen aufstellen, die entweder durch örtliche Kollektive gebildet wurden oder durch Absprachen mit anderen Organisationen (der Bretonischen Demokratischen Union (UDB), der PSU, der FGA, der PAC, einigen örtlichen Umweltgruppen ...). Im Kreis Maine-et-Loire hat es die einzige gemeinsame Liste mit LO gegeben. In den wichtigsten Departements, wo es nicht möglich gewesen ist, Einheitslisten zu bilden, hat die LCR 20 eigene Listen aufgestellt. Diese Listen setzen sich zu je 50 % aus Frauen und Männern zusammen. Der Altersdurchschnitt beträgt 34 Jahre. Die überwältigende Mehrheit der Kandidatinnen und Kandidaten sind Lohnabhängige aus der Industrie, dem öffentlichen Dienst und dem Handel. Vier Listen wurden in der Region Paris aufgestellt, 16 in der ProvInz.
Une autre voix pour mars 86