Sinn Fein verliert GRS kandidiert bei den bei Nachwahlen
Regionalwahlen
In der vorigen Ausgabe von Inprekorr brachten wir einen Bericht über den letzten Kongreß Sinn Féins, in dem wir auch Vorbereitung auf die Teilnahme an den Nachwahlen zumbritischen Unterhaus in Nordirland erwähnten. Inzwischen sind uns die Ergebnisse bekannt.
Diese Wahlen waren von den protestantischen Unionisten erzwungen worden, deren Abgeordnete aus Protest gegen das anglo-irische Abkommen zurückgetreten waren. Sie fanden am 23. Januar statt und betrafen die beiden Sitze der katholischen Parteien Sinn Féin und Social Democratic and Labour Party (SDLP) nicht.
Diese Wahlen brachten eine deutliche Verschiebung im nationalistischen Lager zugunsten der SDLP und zuungunsten von Sinn Féin. Die SDLP hatte das Abkommen im Grunde befürwortet und hoffte, auf einer Welle der Zustimmung ihre Hegemonie wiederzuerlangen. Die Unionisten wollten durch totale Mobilisierung der protestantischen Stimmen der Regierung in London einen Denkzettel verpassen. Sie erreichte mit 418 230 Stimmen jedoch nur 5291 mehr als beiden letzten Wahlen. Die gesamte nationalistische Stimmenzahl betrug 109 500, davon fielen auf die SDLP 70917 und auf SF 38 821 (64,5 % zu 35,5 %).
Bei den Wahlen zur Nordirland-Versammlung 1982 hatte SF 43 % erhalten. Die SDLP eroberte zum erstenmal einen zweiten Unterhaussitz, und zwar in Newry/Armagh. Einer der Gründe für den Zuwachsbei der SDLP dort liegt in der Zugehörigkeit des dortigen Kandidaten, Seamus Mallon, zum nationalistischeren Flügel der Partei Die Renegaten der Workers Party (WP, frühere Officials) steigerten ihre Stimmenzahl von 10 000 auf 18 000. Am besten charakterisiert man sie als „linke katholische Unionisten", ihre Wählerbasis ist jedoch auch im nationalistischen Lager zu suchen, denn sie sammelt dessen Stimmen in den Hochburgen der Protestanten, weil SF und SDLP dort erst gar keine Kandidaten aufstellen; wo SDIP und SF kandidieren, erhält WP weniger als 500 Stimmen. Um ein Haar hätte auch Danny Morrison, einer der bekanntesten Führer von SF seinen Sitz verloren. Der junge, unbekannte Kandidat der SDLP kam mit 13 021 zu 13998 Stimmen nah an ihn in Mittel-Ulster ran; letztesmal hatte SF dort noch 16 096 Stimmen bekommen. Die
SDLP konnte hier die Stimmen der katholischen Unionisten von der Alliance Party aufsaugen, die 1983 dort 1700 erreicht hatte.
Bis auf wenige Ausnahmen zeigten sich die Sinn Féin-Führer über den Ausgang der Wahlen überrascht; sie hatten die Illusionen in das anglo-irische Abkommen unterschätzt. Im März werden nicht nur in Frankreich Parlaments- und Regionalwahlen stattfinden, sondern auch in den sogenannten Überseedepartements.
Groupe Révolution Socialiste (GRS), die Sektion der IV. Internationale auf den Antillen, befürwortete auf ihrer letzten ZK-Sitzung eine aktive Teilnahme an den Regionalwahlen. Wir veröffentlichen Auszüge aus der Ausgabe von Mitte Januar des Organs der GRS, Révolution Socialiste.
„Das Zentralkomitee hat auf seiner Sitzung am 26. und 27. Dezember 1985 die Orientierung der Organisation auf eine aktive und entschlossene Teilnahme an den bevorstehenden Regionalwahlen bestätigt. Den Volksmassen darf nicht bloß die Wahl zwischen einer rückständigen, auf das Mutterland orientierten Rechten und einer lokalen Linken bleiben, die auf den Antillen wie in Frankreich den Boden für eine Politik bereitet, die der der Rechten nahekommt.
Mit unserer Teilnahme bieten wir eine revolutionäre, antikolonialistische und antikapitalistische Alternative. Diese Alternative wollen wir mit allen Kräften zusammen aufbauen, die am doppelten Ziel der nationalen Befreiung und der Arbeitermacht interessiert sind, mit jenen, die aus dieser allgemeinen Perspektive die gemeinsamen Aufgaben der gegenwärtigen Etappe ableiten. Unter diesem Blickwinkel hat die GRS mit Combat Ouvrier (eine mit Lutte Ouvrière in Frankreich liierte Organisation), mit der wir programmatisch viel gemeinsam haben, und mit einer Reihe von antikolonialistischen Aktivisten, die aus unterschiedlichen politischen Traditionen kommen, aber alle gegen die reformistische Kapitulationspolitik sind (auf Martinique wie auf Gouadeloupe) Gespräche geführt.
Die GRS hat sich auch an die Mouvement pour l'Indépendence de la Martinique (MIM) mit der Bitte gewandt, die Möglichkeit einer gemeinsamen Liste all derer zu prüfen, die für die Unabhängigkeit von Frankreich sind, aber gegen eine Zusammenarbeit mit der einheimischen herrschenden Klasse. Die GRS stellt jetzt schon klar, daß sie über den Verlauf dieser Bündnisbemühungen Rechenschaft ablegen wird, im Falle ihres Scheiterns jedoch auf jeden Fall auch alleine kandidieren wird. Wir rufen alle unsere Sympathisanten und Freunde, alle Arbeiteraktivisten, die die Klassenunabhängigkeit verteidigen, die entschiedenen Antikolonialisten und die Demokraten, die den Kampf des Proletariats unterstützen, auf, unsere Kampagne finanziell, materiell und politisch zu unterstützen.
Kanada für eine grundlegende gesell mit Informationen wird ZUschaftliche Veränderung ZU- nächst zweimonatlich Socialist standezubringen. Challenge - for Socialist and Nach einer intensiven sechs- Feminist Action erscheinen. Die Neue Organisation monatigen mündlichen und Nullnummer kommt zum Inschriftlichen Vorkonferenzde ternationalen Frauentag am 8. batte verabschiedete die Kon- März heraus. der IV. Internationale
Barry Weisleder
Eine neue nationale Organisation zur Zusammenfassung der revolutionären Sozialistinnen und Sozialisten im englischsprachigen Kanada wurde am 22. - 24. November in Toronto gegründet. Die Alliance for Socialist Action (ASA) ist das Ergebnis des Zusammenschlusses von vier größeren lokalen Organisationen: Socialist Workers
Collective in Toronto, Socialist
Action Collective in Winnipeg.
Socialist and Feminist Action
Collective in Edmonton und Socialist Action Collective in Vancouver an der Westküste. Zusätzlich werden Gruppen in Hamilton, Saskatoon, Calgary, Moose Jaw und Einzelpersonen an anderen Orten der neuen Organisation beitreten.
Der Prozeß dieses Zusammenschlusses war ein Jahr zuvor mit einer gemeinsamen Konferenz in Winnipeg eingeleitet worden, auf der sich vor allem Genossinnen und Genossen zusammengefunden hatten, die im Laufe der Jahre aus der alten kanadischen Sektion der IV. Internationale, der Revolutionary
Workers League, hinausgedrängt worden waren. Dieser
Konferenz. folgte ein Jahr gemeinsamer politischer Initiativen und gemeinsamer DiskussIon.
Die neue, über den Kreis chemaliger RWL-Mitglieder weit hinausreichende Organisation hat ihren Schwerpunkt in der Frauenbewegung, der Homosexuellenbewegung und der internationalen Solidaritätsbewegung, organisiert aber auch eine erhebliche Anzahl von Gewerkschaftern, Studenten und Mitgliedern des linken Flügels der sozialdemokratischen New Democratic Party. Die ASA spielte schon bei ihrer Gründung in den meisten Orten eine führende Rolle in der Bewegung zur Verteidigung der freien Abtreibung und in der gegen die US-Intervention in Mittelamerika. (Siehe Inprekorr Nr. 170, Juni 1985)
Ohne eine aktivistische Organisation, die sich auf ein authentisch revolutionäres Programm stutzt, so betont die jetzige ASA, bleiben Sozialistinnen und Sozialisten an die Tretmühle des Reformismus geketter", *, ohne jemals die Aussicht zu haben, eine Bewegung ferenz in drei Tagen eine Prinzi- Die ASA besteht zwar nur in pienerklärung, eine Plattform Englisch-Kanada, strebt jedoch für die Fusion, ein Statut und an, am Aufbau einer gesamtka- Texte zur politischen Lage, zu nadischen revolutionären Ar den Aufgaben und Perspektiven beiterpartei beteiligt zu sein. und zu den für die ASA gültigen Der nächste Schritt wird die organisatorischen Normen, die Vereinigung mit revolutionären allesamt veröffentlicht werden. Sozialistinnen und Sozialisten Das Nationalkomitee (Zentral- im französischsprachigen Quékomitee), das auf der Konferenz bec sein. Die Fusion mit der gewählt wurde, besteht ZU dortigen trotzkistischen Grup gleichen Teilen aus Frauen und pe Gauche Socialiste (Sozialisti- Männern. sche Linke) wird eine der wichtigsten Aufgaben der nächsten Die ASA sicht ihre Aufgabe Zeit sein. Die Führung von GS in der kommenden Periode vor hat damit schon ihr Einverallem im Vorantreiben exem- ständnis erklärt; im Februar plarischer Einzelkämpfe, solan- 1986 hat sie die Diskussion darge die Perode des Rückzugs der über in der Mitgliedschaft eröff. Arbeiterklasse anhält. Sie setzt net.
sich das Ziel, diesen Einzelbe- Die ASA hat sich dem Aufbau wegungen eine beispielhafte der IV. Internationale ver- Führung zu geben, um damit schrieben und um den Status als in traditionellen Organisatio- sympathisierende Organisation nen der Arbeiterklasse einen nachgesucht, während die R WL positiven Einfluß zu entwickeln. weiterhin die Sektion bleibt: exemplarischen Gauche Socialiste erhielt auf Kämpfe werden der gegen die dem letzten Weltkongreß den Intervention der USA in Mittel- Status als sympathisierende Oramerika und der gegen die An- ganisation.
griffe Selbstbestim- Die Konferenz schloß mit eimungsrecht von Frauen über ner öffentlichen Veranstaltung. den eigenen Körper sein, insbe- auf der Vertreter der Frauenbesondere die Verfolgung der Kli- wegung, der Solidaritätsaktiviniken von Dr. Morgentaler. sten mit Südafrika und Palästina Die ASA wird mit einem be- sowie Livio Maitan vom Vereischeidenen Publikationswesen nigten Sekretariat der IV. Interstarten, zunächst zur Verbrei- nationale und die Gäste der tung sozialistischer Analysen verschiedenen Fraktionen des und dann zur Unterstützung Trotzkismus in den USA sprader beiden Hauptkampagnen chen.
Wir berichteten in der vorigen Inprekorr über die Lage der ukrainischen Das Lebendes Ukralners
Dissidenten und erwähnten dabei auch Danylo Shumuk. Sein Leben ist so außerordentlich, daß wir hier eine kurze Biographie nachtragen Danylo Shumuk Walter Stein
Niemand anders als Danylo Schumuk selbst hat sein Leben erzählt, das Zentralukraine verhaftet und in das Zwangsarbeitslager von Norilsk in wie kaum ein anderes die Tragödie einer ganzen Generation von Revolu- Vordsibirien geschickt wurde. Dort wurde er nach jahrelangem Kamp tionären widerspiegelt. Ihn an der Abfassung und der Verbreitung seiner gegen Spitzel und die politischen Häftlinge terrorisierende Kriminell Memoiren zu hindern, war deshalb auch jahrelange das Bestreben des einer der Anführer der Zwangsarbeiter, die mit ihren Streiks nach dem KGB. Aber trotz aller Beschlagnahmungen von Manuskripten gelang dies Tode Stalins das Svstem der Zwangsarbeit zum Zusammenbruch brach nicht, der Hauptteil erreichte den Westen und liegt — nach einer ten. Minutiös schildert Schumuk diese Kämpfe mit all ihrem Heroismus, ukrainischen Veröffentlichung, die sicher wieder den Weg in die Heimat der Brutalität der Lagerverwaltung, aber auch den kleinlichen Intrigen so finden wird —inzwischen auch auf Englisch vor. (Nur ein kleiner, aber mancher Häftlinge untereinander. (Gerade dieser Teil liegt auf Deutsch interessanter Teilist bisherauchauf Deutscherschienen.) Schumuk, 1914 vor: in Samizdal —Stimmen aus dem anderen Rußland Nr. 15, 1981.) geboren, schildert seinen Lebensweg vom Eintritt in die Kommunistische Nach der Entstalinisierung 1956 wurde er freigelassen, nur um 1957 nach Partei der Westukraine im Jahre 1932 — als Sohn einer bitterarmen seiner Weigerung, Spitzel des KGB zu werden, und dem Beginn seiner Bauernfamilie gleichsam selbstverständlich. Arbeit an den Memoiren erneut zu zehn Jahren Lagerhaft verurteilt zu polnischen Staat, der dieses Gebiet 1920 annektiert hatte und der ihn von werden. 1967 freigekommen, trat er in Kontakt zu einer Reihe ukraini- 1933 bis 1939 ins Gefängnis warf. Nach der Angliederung der Westukraischer Dissidenten und wurde 1972 wegen „Rückfälligkeit" erneut zuzehn ne 1939 an die UdSSR verflosen rasch die noch vorhandenen Illusionen ahren Lager plusfünf Jahren Verbannung verurteilt. Zur Zeit befindet e unter der Bevölkerung. Schumuk mußte wie alle übrigen Kommunisten ich in der Verbannung in Kasachstan. Alles in allem verbrachte er dami erleben, daß er von den stalinistischen Machthabern mit äußerstem 37 Jahre in Gefangenschaft — ein Schicksal, daseinen selbst angesichts Mißtrauen behandelt wurde. Schließlich hatte Stalin 1938 die KP der der Barbarei dieses Jahrhunderts sprachlos macht. Auch wenn seine Westukraine zusammen mit der Polens aufgelöst. Nach Kriegsausbruch Memoiren von einem tiefen Pessimismus und von Illusionen in die war dieses Gebiet der Kern der nationalistischen Guerilla UPA (vgl. bürgerliche Demokratie durchdrungen sind, so schildern sie sicherlich Inprekorr nr. 171), der sich Schmuk anschloß, auch wenn er nicht mit einen der beeindruckendsten Lebenswege eines sowjetischen Dissiden- Kritik an der zunächst ultranationalistischen Linie der UPA sparte (was ten.
ihm im ukrainischen Exil seitens rechter Gruppen die Beschimpfung als „Nestbeschmutzer" eintrug). Ihre politische Wandlung nach linkserleb. Danylo Shumuk, -Life sentence. Memoirs of a Ukrainian political prisoner-, te er jedoch nicht mehr mit, da er 1945 auf einer Propagandamission in der Edmonton 1984 (Canadian Institute of Ukrainian Studies)