QUEBEC - EIN VOLK REBELLIERT
Dies war mehr als ein Streik oder eine Vielzahl lokaler Streiks. Es war ein großer nationaler Ausbruch der Bevölkerung Quebecs, der sich in der rapiden Ausdehnung der Streiks in der ganzen Provinz zeigte und in der großen Sympathie für die Streikenden, die auch andere Schichten der Bevölkerung öffentlich an den Tag legten. Es war der größte spontane Arbeiteraufstand dieser Art in der Geschichte Kanandas. Er verbreitete sich lawinenartig über die ganze Provinz Quebec vom am Nordufer des St. - Lorenz-Stromes gelegenen Erzhafen Sept Isles bis zu den modernen Industriegebieten in St. Jerome, von den riesigen Asbestbergwerken von Thetford bis zu den Zellstoff- und Papierfabriken von Abitibi im Nordwesten.
Die Streikwelle erreichte ihren Höhepunkt in den Städten, die am Rand von Montreal, dem Finanz- und Handelszentrum des Landes, liegen. In diesen Städten, die im allgemeinen von einigen wenigen großen Industrien, die in ausländischem Besitz sind und deren Management englisch spricht, beherrscht sind, ist der Klassenkampf hart und bitter. Die Bevölkerung ganzer Städte mißt ihre Kraft mit ein paar Vertretern des ausländischen Unterdrückers und seinen örtlichen Agenten.
Einige von den Namen der etwa 10 Städte, die von den Streikenden übernommen wurden, hören sich an wie ein "'Who's Who" der Arbeiterkämpfe in der Geschichte der Provinz Quebec: Asbestos ( Thetford- Mines), Gaspe (Kupferminen), Sorel, Sept-Isles. Die Arbeiter der Schlüsselindustrien breiteten den Streik in den umliegenden Gebieten aus, übernahmen Radiostationen, sandten Ar beitertrupps aus, um die großen Firmen zu schließen und hielten die Ordnung unter der Kontrolle örtlicher Gewerkschafter aufrecht, die in den 'Gemeinsamen Fronten' zusammengeschlossen waren, die sich während des Kampfes gebildet hatten. Die örtlichen Polizeikräfte waren - in einigen Fällen tagelang - außer Gefecht gesetzt. Die Städte wurden in Wirklichkeit von Streikkomitees verwaltet.
Unterstützung kam tief aus dem Volke, u.a. von so unerwarteter Seite wie dem Provinzialober sten der "Frères des Ecoles Chretiennes"" ( Brüder der christlichen Schulen), der folgenden Hirtenbrief herausgab: "'Die spontane Solidarität, die sich nach der Inhaftierung der drei Gewerkschafts führer herausgebildet hat, kann letzten Endes nur dazu führen, die arbeitenden Massen Quebecs hinter die sozialen und ökonomischen Forderungen zu vereinigen, die wir in Quebec schon immer durchzusetzen versuchten... Unser stillschweigendes Einverständnis mit der Bourgeoisie Mit ihren Aktionen forderten die Streikenden einige Schlüsselinstitutionen ihrer Unterdrücker heraus. Die Übernahme von Radio- und Fernsehstationen spiegelt das tief empfundene Bewußtsein wider, daß die Massenmedien in der Hand von Leuten sind, die der Mehrheit des Volkes in Quebec feindlich gesonnen sind. Ein anderes bevorzugtes Ziel waren die großen Supermarkt- Kettenläden mit ihren überhöhten Preisen, die die Arbeiterfamilien ausbeuten und ihren Kredit aufsaugen.
Der Funke für den Aufstand war der Protest gegen die Inhaftierung prominenter Arbeiterführer durch einen Richter geweser. Die Massen von Quebec betrachten die Gerichte allgemein nur als Instrumente der Partei, die an der Macht ist, man erwähnt häufig die politische Vergangenheit der Richter in der einen oder anderen bürgerlichen Partei. Die Sondergerichte während des Aus Jahr trugen sehr zu dieser Verachtung der Rechtsprechung durch das Volk bei. War es ein Zufall, daß auf dem Höhepunkt des letzten Aufstands ein Schöffengericht von 12 Geschworenen sich weigerte, Jacques Rose, einen der Hauptangeklagten aus der Zeit der Krise wegen der Entführung von Pierre Laporte im Oktober 1970, zu verurteilen? Wie zwei der Geschworenen aussagten, wollten 1l der 12 Geschworenen Rose ganz freisprechen! Die Kämpfe verschiedener Sektoren verschmolzen miteinander. In Montreal mobilisierten Ober schüler gegen Versuche der Regierung, das Schuljahr wegen des Lehrerstreiks zu verlängern, "indem sie gegen das Prinzip der 82-Tage - Norm ( für Lehrer) protestierten" "in der gleichen Weise, wie die Lehrer bei den Verhandlungen im S. 6
Öffentlichen Dienst sich gegen die Vorschriften über das Lehrer-Schuler-Verhälts wehren, das sie als starr und unpädagogisch ansehen. " Der Kampf der Schüler, bemerkte "La Presse", erzeug- "sehr ausgeprägte Bestrebungen zur Selbstverwaltung... oder, genauer, zur Übernahme der Institutionen durch Schüler, Lehrer und Verwaltungspersonal."
AUGENZEUGENBERICHT AUS QUEBEC: