Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Harter Vertrag für Ford-Arbeiter (aus Militant'), 14.1.1983

· Inprekorr Nr. 158, 10. November 1983 · S. 31-32 · 828 Wörter

Gewerkschaften und Streiks

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aus Militant, 14.10.83 Harter Vertrag für Ford-Arbeiter

Mike Hills

Im September erpreßte die Ford damit, die Gewerkschaft zu spalten Gesellschaft erfolgreich den Ortsver- und einen neuen Ortsverband zu ein 600 der UA W zur Annahme eines gründen, wenn die restliche Führung Vertrags mit Zugeständnissen. Wir ihm nicht zustimme. Ja, er lief einen werden 4,13 $ vom Stundenlohn ver- Anwalt vor Gericht gehen, um die lieren, eine Urlaubswoche und vier Teilnahme der Autoarbeiter des bezahlte Feiertage. Aber das ist nicht Local 600 an der Abstimmung über alles. Die Firma wird die Prämien um den Vertrag untersagen zu lassen. Er 20 % und die COLA-Zahlungen um dachte nämlich, daß gerade diese 25 % kürzen. gegen den Vertrag stimmen würden. Die Abstimmung verlief 5154 zu Das erwies sich aber als unnötig, da 2799 zugunsten dieses Vertrags. schließlich die ganze Gewerkschafts- Ortsverein 600 ist der größte in der führung die Mitglieder zur Annahme UA W. er repräsentiert sowohl die aufforderte. Stahl- als auch die Autoarbeiter des So die Erklärung eines Funktioriesigen Komplexes River Rouge bei närs: „Die meisten Mitglieder sind Detroit. Der Vertrag wird davon nur mit dem Ergebnis zufrieden. Es ist für die Stahlkollegen gelten. schon toll, überhaupt ein Stück vom Wie hat Ford das geschafft, der Kuchen zu kriegen, anstatt gar keins Gewerkschaft diesen faulen Deal Es gıbt schon zu viel Arbeitslosigkeit anzudrehen? Sicher, es ist nicht das, was wir brau Ganz überraschend hat Ford eine chen, aber es heißt, das wir nicht das Woche vor der dann erfolgten Unter- bekommen, was wir nun echt nicht zeichnung die Verhandlungen abge- wollen: Arbeitslosigkeit." brochen. Sie drohten an, ihre Nachdem die schweren Konzessio- „Verluste einfahrenden" Stahlabtei- nen, die Chrysler zwischen 1979 und lungen sofort zu schließen, wenn die 1982 durchdrücken konnte, zu 65000 UAW nicht schleunigst umfang- verlorenen Arbeitsplätzen geführt reichere Zugeständnisse machen haben, nehmen heute immer weniger würde. Autoarbeiter das Argument ab, ein Während Ford über das Elend sei- solcher Vertrag könne Arbeitsplätze ner Stahlproduktion jammert, um retten. diese Lohnanteile abzujagen, wissen Ironischerweise drückte uns die die Arbeiter natürlich, daß insgesamt UAW-Führung Fords „Angebot" die Profite bei Ford steigen. Laut auf, einen Tag nachdem die Kollegen Detroit Free Press stiegen allein in den bei Chrysler ihren neuen Vertrag ersten beiden Septemberwochen die unterzeichnet hatten. Verkäufe um 61 %. In der ersten Jah- Auf die Frage . Was denkst Duüber reshälfte sahnten sie schon 542 Mio. S diese neue Runde von Zugeständnisan Profiten ab; insgesamt erwarten sie sen?" waren die typischen Antworfür 1983 1 Mrd. S. ten: „Sind wir total dagegen!" oder Anstatt die Konzessionen rund- „Das stinkt!" heraus abzulehnen, versuchte die Aber trotz dieser Verachtung und Gewerkschaftsführung, einen Kom- Wut sahen die meisten Kollegen promißvertrag vorzulegen. Das ließ keine Alternative zur Zustimmung, unter den Funktionären eine Spal- da die Führung keinen Widerstand tung aufkommen. organisierte. Diskussionen Nick Nestico, im Local 600 zustän- laufen, wie man eine Art von Führung dig für die Kollegen der Walzstraße, aufbauen kann, die die zukünftigen wollte Fords Forderungen schnur- Angrifte der Gesellschaft zurückstracks anerkannt sehen. Er drohte schlagen kann. InPreKorr, :Nr.158, 10.11.83 Gewerkschaft das gleiche bieten, wenn auch wegen der Währungsdifferenz 40 Cents pro Stunde weniger. Ein zusätzlicher wichtiger Unterschied zwischen den beiden Verträgen bestand darin, daß die kanadischen Kollegen eine nicht so strenge Klausel über das Fernbleiben von der Arbeit akzeptieren mußten. Dennoch hatten alle Chrysler-Arbeiter damit einen Sieg erreicht, der auch klar das Ergebnis ihrer Standhaftigkeit in der Zurückweisung des ursprünglichen Vertrags und des Streiks der Kanadier war.

In der Stahlindustrie, deren Produktion sich in den letzten zwei Jahren auch in freiem Fall befand, wurden die Arbeiter seitens der Unternehmer ebenfalls mit Forderungen nach Lohnverzicht konfrontiert. Im Juli 1982 mußten die Gespräche abgebrochen werden, da die Unternehmer einen dreijährigen Lohnstopp, eine Kürzung der COLA-Zahlungen auf zwei Jahre um 50 c und eine Senkung des Stundenlohns neu Eingestellter um 3 $ verlangten. Dieses Ansinnen wurde einstimmig von den Ortspräsidenten zurückgewiesen, denen die Macht zukommt, Vorschläge für Tarifverträge anzunehmen oder zurückzuweisen. Dieser Vorschlag hätte den Stahlarbeitern sage und schreibe 8,2 Mrd. $ geraubt. Zu dem Zeitpunkt, als die Autotarifverhandlungen wieder eröffnet werden sollte, hatte sich die Arbeitslosigkeit dramatisch verschlimmert. Bei einer Gesamtzahl von 360 000 Beschäftigten hatte die Arbeitslosigkeit zwischen Juli und November von 100 000 auf 140000 zugenommen. Die Unternehmer warteten diesmal mit noch übleren Vorschlägen auf, als sie im Juli schon von den Arbeitern zurückgewiesen worden waren. Diesmal wollten sie eine sofortige pauschale Lohnsenkung von 2,25 $ pro Stunde undein Verbot lokaler Streiks für 44 Monate. Die COLA-Regelung sollte an die jeweilige Gewinnlage einer Firma gebunden sein. Als Gegenleistung sollten die Stahlarbeiter immer schon 90 Tage vorab von der Schließung eines Werks unterrichtet werden, und für Arbeiter ab fünf Jahren Betriebszugehörigkeit sollte ein Sozialfond errichtet werden. Dieser Plan und eine jährliche Lohnerhöhung um 50 c sollten aus der anfänglichen Lohnsenkung finanziert werden.

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