Jeden Tag gibt es Versammlungen half er als freiwilliger Elektrotechniker, die Es handelt sich hier um ein Interview mit Pat Kraftwerke auf Grenada zu reparieren, die die Kane, einem führenden Mitglied der Socialist League, der britischen Sektion der Vierten Interna- Grenadier i Zustand von den Engländern übernommen hattionale. Kane war mehrere Male monatelang aut Grenada. Bei seinem ersten Aufenthalt Ende 1981 IPK: Was waren die hauptsächlichen sozialen und wirtschaftlichen Ziele der Revolution in Grenada?
P.K.: Der wichtigste Unterschied zur Zeit vor 1979 zeigt sich in den Veränderungen in der Bevölkerung , selbst. Das läßt sich nicht in Statistiken bemessen. Überall, wo ich hinkam, arbeiteten ganz gewöhnliche Leute in den Wirtschafts und Regierungsbehörden und befaßten sich mit allen Aspekten des Lebens. Die Menschen sind sehr aktiv und von der Entwicklung seit der Revolution sehr begeistert. Soziale und wirtschaftliche Fortschritte sind in einem sich entwickelnden Land sehr eng miteinander verbunden. Kostenlose Milch, Erziehung, Gesundheitsfürsorge, Zuschüsse zu den Schuluniformen, neue Sportstätten und die Ausweitung der Kultur — all diese Ergebnisse der Revolution - müssen ja finanziert werden. Die Jugend und die Frauen, hauptsächliche Nutznießer dieser Entwicklung, können hautnah die Notwendigkeit erkennen, die wirtschaftlichen Leistungen zu erhöhen — nicht um die Profite irgendeines multinationalen Konzerns zu steigern, sondern um die sozialen Dienstleistungen auszuweiten, die die Revolution schon eingerichtet hat.
Der Imperialismus verhinderte bislang jede Entwicklung, von der die Grenadier profitiert hätten. Unter Gairy verlief die Wachstumsrate negativ. Da war schon eine Revolution nötig, um eine Fischereiflotte aufzubauen, die die reichhaltigen Fischvorkommen vor Grenadas Küste ausbeutet. Zuvor wurde die Mehrten.
zahl der auf der Insel verzehrten Fische aus Kanada importiert. Esgibt auch noch Kapitalisten. Die Grenadier beschreiben die derzeitige Situation als „gemischte Wirtschaft, in der der staatliche Sektor dominiert" IPK: Was meinen sie mit dem Begriff Gemischte Wirtschaft?
P.K.: Das ist nicht dasselbe, wie wenn Denis Healy (Führer des rechten Flügels der Labour Party in Großbritannien, d.U.) oder Konservative wie Ted Heath von einer gemischten Wirtschaft in Großbritannien sprechen. In unserer wirtschaft gibt es nichts Gemischtes. Der verstaatlichte Sektor wird von Kapitalisten geführt, die für billige Dienstleistungen für andere Kapitalisten sorgen. Die grenadischen Kapitalisten kann man nicht mit unseren vergleichen. Sie sind hauptsächlich auf den Dienstleistungssektor begrenzt: Hotelgewerbe, Läden, Lebensmittelgeschäfte, Grundbesitzer. Ihre Bedeutung für die nationale Wirtschaft sinkt. Es ist ähnlich wie in Nikaragua nach der Revolution. nachdem die Revolutionäre Gairy enteignet hatten, kontrollierten sie automatisch einen Großteil der landwirtschaftlichen Nutzfläche und der Hotels und gewannen außerdem die Kontrolle über Gairys Anteile in anderen Wirtschaftssektoren.
vender wischenchen alleinitianiaus. 1981 schon betrugen die staatlichen Investitionen 95% aller Investitionen überhaupt. Sie werden vor allem für kapitalintensive Vorhaben wie neue Industrien und die Entwicklung der Landwirtschaft verwandt. Das Hauptziel ist, die grenadische Wirtschaft rasch vom Imperialismus abzukoppeln, indem bestehende Absatzmärkte ausgebaut und neue gefunden werden. Gleichzeitig ist es wichtig, die Wirtschaft nicht durch zu rasche Veränderungen zu erschüttern, um das Wohlergehen der grenadischen Arbeiter nicht zu gefährden. Die US-amerikanische und britische Regierung lauern nur auf jeden Vorwand, Grenada anzugreifen. IPK: Heißt das, daß sich die Grenadier mit dem Kapitalismus arrangieren?
Pontrolieren, une ersuchen lin, um den staatlichen Sektor zu entwickeln. Mit dem letzten Haushalt wurden eine ganze Reihe von Steuern eingeführt, die den privaten Sektor zwingen werden, sich in der von der Regierung gewünschten Richtung zu entwickeln. Finanzminister Bernard Coard nannte dies eine Methode von Zuckerbrot und Peitsche.
Innerhalb der Wirtschaft gibt es eine starke Tendenz zu mehr Planung und Rechenschaftspflicht. Buchstäblich tausende von Grenadiern haben den Haushalt mit vorbereitet und ihren ersten Einjahresplan verabschiedet. Der ganze Mechanismus der Wirtschaft wird entmystifiziert, und das untergräbt einen der Stützpfeiler des Kapitals, das Geschäftsgeheimnis. Jede Arbeiterversammlung diskutiert über die „Öffnung der Bücher" bei den staatlichen und privaten Unternehmen.
Die entscheidende Frage in Grenada ist der Charakter der Regierung. Die grenadische Regierung stützt
sich auf die Arbeiter und die kleinen Bauern, und immer, wenn es einen Interessenkonflikt gibt, untersützt sie die Arbeiter. Die Regierung hat eine ganze Reihe von Gesetzen verabschiedet, um die Rechte der Arbeiter zu schützen, außerdem ein Mutterschaftsschutzgesetz und die gleiche Bezahlung für Frauen. Sie hat die Gewerkschaften und das Streikrecht gesetzlich verankert.
IPK: Wie sind die Massen in den Wirtschaftsprozeß einbezogen wor- P.K.: Im Dezember 1981 erhielten alle Gemeindeversammlungen und alle Arbeiterversammlungen in den Betrieben vorläufige Berichte über den Wirtschaftsplan. Die Regierung erklärte 1982 zum Jahr des wirtschaftlichen Aufbaus. Alle Massenorganisationen wählten Delegierte für eine zentrale Konferenz, die die Wirtschaftsentwicklung diskutierte. Daran nahmen 1000 Menschen teil — bei einer Bevölkerung von nur 110 000. Sie tagten in 27 Arbeitsgruppen. Nach der Konferenz berichtete jeder und jede Delegierte seiner bzw. ihrer Organisation. Dann wurden durch die Gemeindeversammlungen noch breitere Kreise in die Diskussion einbezogen.
90° U. 5.
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Belize
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HONDURAS JAMAICA
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Schätzungsweise haben sich insge- P.K.: Grenada ist Teil der Revolusamt 30 000 Menschen an der Debatte tionen der Region — Kuba, Nikarabeteiligt und den recht detaillierten gua, El Salvador - und es weist der Bericht gelesen. Jeder Vorschlag englischsprachigen Karibik wurde notiert und in die abschlie- anderen Weg als den der neokolonia- Bende Budgetdebatte eingebracht, len oder reformistischen Lösungen. wenn möglich, in den Entwurf einge- Das ist der Grund warum die Impearbeitet. Und dieser Prozeß geht wei- rialisten Millionen ter. Zwei weitere große Konferenzen Heeres- und Marinemanöver ausgewerden heuer organisiert. Die ganze ben, die gegen alle Revolutionen der Insel ist nun voller Laienökonomen! Region gerichtet sind. Sin Ergebnis der ersten Konterenz Die Revolutionäre in Grenada sind var, daß eine ganze Reihe von sich dieser Drohungen sehr bewußt, Komitees bei den staatlichen Arbeits- und sie bemühen sich stark um Soli stellen eingerichtet wurden, um die daritätsbewegungen in den imperiali- Produktion zu überwachen und zu stischen Ländern. Sie haben enge kontrollieren. Sie berichten den Verbindungen mit den organisatiowöchentlichen, manchmal täglichen nen der Schwarzen in den USA, und Vollversammlungen in den Betrie- sie ermutigen die Grenadier im Ausland, dort politisch aktiv zu werden. Auch die Gewerkschaften sind in Sie haben eine Miliz und eine alle Bereiche des wirtschaftlichen Armee. Die Miliz/st aus Freiwilligen Lebens aktiv einbezogen. Die Regie- aller möglichen Berufe zusammengerung rief die Gewerkschaften auf, im setzt, und diese sind bereit für die privaten Sektor ebensolche Kontrol- Verteidigung ihres Landes zu kämplen durchzuführen. Beteiligung der fen. Besonders die Jugend ist in allen Massen und Arbeiterkontrolle sind Bereichen der Revolution aktiv und die Eckpfeiler der wirtschaftlichen steht in Miliz und Armee an vorder- Strategie der Regierung. ster Stelle. Das New Jewel Movement IPK: Grenada ist ein sehr kleines spricht von drei Pfeilern der Revolu- Land. Warum sind ihm die amerika- tion, die miteinander verbunden, aber nische und die britische Regierung eigenständig sind: Beteiligung der feindlich gesinnt? Massen und Demokratie, Wirtschaft 70° THE
BAHAMA WEST INDIES
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TERRITORIES - COMMONWEALTA COUNTRIES
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GRENADA • TOBAGO I0
TRINIDAD e a n VENEZUEL Georgetown
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COLOMBIA (OUTCH
GULANA)
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und Verteidigung. Und sie nehmen alle drei sehr ernst.
IPK: Die imperialistische Presse redet davon, daß sich Grenada zu einem totalitären Staat entwickelt. Wie schaut das politische Leben in Grenada aus?
P.K.: Man kann es nur mit Hektik umschreiben. Jeden Tag gibt es Treffen und Versammlungen, und das Radio verbreitet ständig Informationen und Bildungsprogramme. Die Presse verbreitet Lügen über Grenada, so wie sie lügt, Thatcher sei eine Verteidigerin der Demokratie. In Grenada gibt es in einer Woche mehr Wahlen als in Britannien ein Menschenleben lang. Weil es kein Parlament gibt, mit dem die Kapitalisten das Land beherrschen können, behauptet die Presse, daß es keine Demokratie gebe.
Man sollte hinfahren und sich selber umsehen. Von dem Augenblick an, in dem man aus dem Flugzeug steigt, wird man die Beteiligung des grenadischen Volkes beobachten. Es ist eine andere Art von Demokratie — eine Demokratie nach Art der Räte im frühen revolutionären Rußland und sie ist aus dem Kampf einer ganzen Generation des grenadischen Volkes entstanden.
Die einfachen Leute sind aktiv in den Gewerkschaften, in der Frauenund in der Jugendorganisation und in den geographisch geordneten Gemeindeversammlungen. In einem Dorf mit 900 Einwohnern werden 200 regelmäßig die Versammlung besuchen.
IPK: Wie passend, denkst Du, ist der Vergleich mit dem frühen Sowjetstaat zu Zeiten Lenins?
P.K.: Es gibt riesige Unterschiede, was den Zusammenhang betrifft, in dem die beiden Revolutionen stehen. Aber was die grenadische Führung mit Lenin und Trotzki teilt, ist ihre Orientierung darauf, Probleme durch die Mobilisierung und Einbeziehung der Arbeiterschaft zu lösen. Das ist das Wesentliche. Die Grenadier haben deshalb gezeigt: welchen Fehler auch immer sie machen können, sie haben großartige Fähigkeiten, dazuzulernen und ihre Vorschläge entsprechend anzupassen. Zum Beispiel waren sie beim zweiten Jahrestag der Revolution nicht mit den 10000 Menschen zufrieden, die zur Versammlung kamen. Zur Erinnerung: das war die Zeit, als terroristische Angriffe einige Leute zu ängstigen begannen. deshalb warb die Regierung für verstärkte Mitarbeit in den Milizen und unternahm andere Schritte, um die Massenorganisationen wesentlich zu vergrößern.
Osteuropas, z.B. Polens. Wie würdest Du die grenadische Führung politisch definieren?
P.K.: Es gibt einen himmelweiten Unterschied zwischen dem NJM und der stalinistischen Bürokratie Osteuropas oder Chinas. Jaruzelski errichtet seine Herrschaft auf der Zerschlagung der Massenorganisationen. Der Ausschluß der Massen vom politischen Engagement ist eine Überlebensfrage für die Bürokraten, was ihre Zerstörung von Solidarność gezeigt hat. Die Grenadier setzen ihr Vertrauen in die Massen. Sie unterstützen das Engagement in jeder erdenklichen Form von Massenorganisation - Organisationen mit selbstgewählten Führungen und autonomen Finanzen. Die Verteidigung der Revolution erblickt man nicht im Rückzug auf den sogenannten „Sozialismus in einem Lande" sondern in der Ausdehnung des Sozialismus. Als Verteidigung gegen den Imperialismus begreifen sie die politische Mobilisierung der Massen. Und durch die Milizen werden die grenadischen Massen bewaffnet. Wie soll man eine Führung definieren, die das Engagement der Massen ermutigt und vertieft, die handelt, als ob sie Trotzkis Thesen in der Plattform der Linken Opposition gelesen hätte, den Staat näher an den Arbeiter, den Landarbeiter und die Wäscherin heranzubringen" ', die lieer die Klassenunabhängigkeit vor ntreibt als die Klassenzusammen arbeit, die die Verteidigung der Revolution in deren internationalen Ausbreitung sieht? Gewils, , das ist auch unser allgemeines Konzept. Man kann nicht eine Revolution über alle Ecken und Kanten hinwegführen und das Prinzip der Klasseohne eine Art sozialistischer Strategie. Es erscheint mir unangemessen, jede einzelne dieser Revolutionen in Nikaragua, El Salvador, Grenada als „Ausnahmen" zu definieren — so wie wir die kubanische Revolution definiert haben. Meiner Meinung kann man sie nur als bewußte Ausdehnung der kubanischen Revolution definieren.
IPK: Welche Rolle spielen die Kubaner?
P.K.: Ohne das revolutionäre Kuba gäbe es keine grenadische Revolution. Castro hat klargestellt, daß jeder direkte Angriff des Imperialismus auf, wie er sagt, einen der „drei Riesen" ; solidarische Aktionen Kubas zur Folge haben würde. Die Imperialisten zögern so sehr, weil sie die Feindseligkeit ihrer eigenen Arbeiterklasse gegenüber solchen militärischen Abenteuern erkennen. Die Grenadier haben einige Hilfe aus kapitalistischen Ländern erhalten. Aber die meiste Hilfe kommt aus Kuba. Castro forderte die U'SA zu einem „Wettbewerb" heraus. er versprach, dais Kuba mehr Lehrer, mehr Arzte und mehr sonstige uneigennützige Hilfe als die Vereinigten Staaten entsenden würde - trotz der ungeheuerlichen Unterschiede der beiden Länder in Größe und Wirtschaftskrsft. kuba hat spielend gewonnen. Kuba gewährt Hite in jedem Bereich, und es gewährt sie gern.
Es gibt allerdings keine kubanischen Banken oder Konzerne, um aus Grenada Profite herauszuholen. Die Imperialisten benutzen Hilfe immer, um politische und wirtschaftliche Vorteile zu erlangen. Dagegen ist Kubas Hilfe in den Kampf Grenadas um Selbstversorgung integriert. Sie macht es unabhängig, nicht abhängig. PEOPLE
El Salvador aus International Viewpoint, Nr. 35, 1.8.1983 Volksmacht das sind unsere Berge
Interview mit FMLN-Führerin Martinez Elena Martinez, führende Persönlichkeit in befreiten Gebiete organisiert werden und welche Bedeutung die Strukturen der Massendemokraden befreiten Gebieten von El Salvador errichtet tie für den Befreiungskrieg haben. wurden, machte im Juni 1983 eine Vortragsreise Hier die deutsche Übersetzung des Berichts, den Elena Martinez gab und der zuerst in der Aakerlund, Internationalismussekretärin der Zeitung der Sozialistischen Partei Internationalen schwedischen Sektion der Vierten Internationale, am 23.6.1983 erschien.
der Sozialistischen Partei, beschreibt sie, wie die In den langen Jahren des Kampfes gegen die Feinde der Freiheit haben wir gelernt, wie man eine neue Gesellschaft aufbauen muß. El Salvador ist ein sehr kleines Land, und wir haben keine großen Gebirgsgegenden, um uns zu schützen. Es wäre äußerst schwierig, den Krieg weiterzuführen, wenn wir nicht tatkräftige Unterstützung bei den Arbeitern und Bauern suchen und ihnen helfen würden, ihre eigene Macht aufzubauen.