PERUANISCHE POLITIK IN ABKÜRZUNGEN »Frente Obrere, Campesino, Estudiante y Popular« (FOCEP) - zu den Wahlen für die konstituierende Versammlung 1978 geschlossenes Wahlbündnis, das die Mehrheit der sich auf den Trotzkismus berufenden Organisationen, maoistische und zentristische Gruppen und bedeutende Teile der klassenkämpferischen Gewerkschaftsbewegung der Arbeiter und Bauern umfaßte.
»Alianza Revolucionaria de Izquierda« (ARI) - Bündnis nahezu aller revolutionären Organisationen und Krafte der Arbeiterbewegung, die für eine »Arbeiterregierung ohne Generale und Bosseu kämpfen; gebildet zur Unterstützung der Präsidentschaftskandidatur unseres Genossen Hugo Blanco zu den Wahlen im Frühjahr 1980. Die ARI umfaßte die »Union Democratica Popular« (UDP), cine Koalition moaistischer und zentristischer Gruppen. Unglücklicherweise brach die ARI noch vor den Wahlen in ihrer einheitlichen Form auseinander, was sie daran hinderte, bei den Wahlen als der klassenkämpferische Anzichungspol zu wirken, den sie hätte darstellen sollen.
»Izquierda Unida« (IU) - zv den Gemeinderatswahlen 1981 geschlossenes Wahlbündnis mit u.a. der UDP unter Hegemonie der pro-sowjetischen KP (PCP. Unidad). Das politische Scheitern der ARI 1980 erlaubie der KP, cinige zentristische Gruppen um sich zu scharen und dieses Bündnis auf der Grundlage ihrer reformistichen Strategie zu organisieren. Sie greift damit nach der Führung der Massenbewegung, die ihr bei der Bildung der FOCEP und der ARI zeitweilig entglitten war. »Alianza Popular Revolucionaria Americana« (APRA) - bis zu den Wahlen 1980, bei denen sie eine große Niederlage einstecken mußte, die hegemoniale politische Kraft im bürgerlichen LageR.
»AcCion Popular« (AP) - bürgerliche Partei, die die Wahlen 1980 gewann und Fernando Belaunde Terry in das Amt des Staatspräsidenten brachte. »Partido Obrero Marxista Revolucionario - Partido Socialista de los Trabajadores« (POMR-PST) - die POMR war die mit der lambertistischen Stromung der französischen PCI verbundete Organisation; die PST vertrat die Positionen der von Nahuel Moreno geführien Strömung. Die POMR-PST (vereinigte Partei) ist das Ergebnis ciner Umgruppierung in Peru, die auf die Krise ihrer internationalen Gruppierung im September 1981 folgte (vgl. die kurze Analyse »Das Internationale Komitee ist gestorben«, in: »Inprekorr«, Nr. 7/1982, 26.6.1982). Ein Teil der Mitglieder der POMR mit ihrem Führer Ricardo Napuri brach die Bezichungen zu den Lambertisten ab und bildete mit der morenistichen Strömung die POMR-PST. daß das heute unsere Hauptaufgabe ist. - Senaero Luminoso ist eine maoistische Leider erlaubt uns unsere organisatorische Gruppe mit sehr sektiererischen Zügen, die Schwäche kaum, dies auf breiter Ebene zu der Auffassung ist, daß alle, die sie nicht tun. unterstützen, Reaktionäre sind und es verdienen, eliminiert zu werden.
- Welche Bedeutung und welchen wirkli- Sie lehnt die Teilnahme an Wahlen ab chen Einfluß hat die Guerilla in Ayacucho? und widmet sich der Vorbereitung der Gue- Was stellt Sendero Luminoso dar? rilla. Ihre Mitglieder begannen auf intelligente Weise mit kleinen Sabotageaktionen, um ihre Kämpfer zu trainieren; heute sind sie bei der Durchführung von Guerilla-Aktionen angekommen. Ihr Hochburg ist die Gebirgsregion Ayacucho, die zu den ärmsten und vergessensten des Landes gehört.
Die verbreitete Religiösität bildet einen fruchtbaren Boden für dogmatische Positionen wie die folgende: »Das Denken des Genossen Gonzalo (das ist ihr Führer) leitet die Weltrevolution.«
Die durch und durch volksfeindliche Wirtschaftspolitik des Regimes und das Fehlen einer wirksamen Kampfalternative auf Seiten der Führungen der Massenorganisationen sind die Faktoren, die die Ausdehnung der Aktionen und des Einflusses von »Sendero Luminoso« möglich gemacht haben.
Die Reaktion der Regierung bestand vor allem in Unterdrückungsmaßnahmen; tora es wurde ein »Anti-Terror-Gesetz« erlassen, »Senderistas«, Bauernführer und an-
dere Leute wurden eingesperrt, gefoltert, JOKTUKA> FUMKe vergewaltigt und ermordet. Aber dies hat nicht zur Ausschaltung von Sendero Luminoso geführt; in letzter Zeit hat diese Gruppe einige Personen dieser Gegend exekutiert, darunter die Mächtigsten am Ort. Die Guerilla hat darüber hinaus mehr Angriffe gegen die Repressionskräfte durchgeführt und Hinterhalte gelegt als vorher, sowie neue Sabotageakte verübt.
Daraufhin hat die Regierung die Armee in die Provinz Ayacucho geschickt, wo diese eine noch massivere Unterdrückung begonnen hat mit Hausdurchsuchungen und dem Befehl, auf Verdächtige zu schie- Ben. Sendero Luminoso hat dies nicht sonderlich getroffen; man leistete sich sogar den Luxus, in der Stadt Ayacucho zu einem Generalstreik gegen die Repression aufzurufen, der von 90% der Bevölkerung befolgt wurde. Auch in anderen Teilen des Landes, darunter Lima, wurden Sabotageakte verübt. Leider befinden sich unter den Opfern von Sendero Luminoso auch Bauerführer anderer Strömungen der Linken, Mitglieder von Bauernkooperativen, Führer von Stadtteilorganisationen, die keine »Senderistas« sind, Universitätseinrichtungen usw.
Es ist jedoch bemerkenswert, daß trotz all dieser negativen Faktoren Sendero Luminoso sich entwickelt, statt von der Repression zerschlagen zu werden. Das zeigt, daß die wirtschaftliche Lage der Bevölkerung verzweifelt ist und daß immer mehr Leute nicht nur von den bürgerlichen politischen Apparaten, sondern auch von den Massenorganisationen und den Linksparteien enttäuscht sind.
Die PRT befindet sich gerade mitten in der Diskussion über die jüngsten Ereignis- - In den letzten Monaten haben sich die Konflikte auf dem Lande verschärft, was ernste Konfrontationen zwischen den Bauern und den Repressionskräften der Regierung nach sich zog. Während Sendero Luminoso das Problem des bewaffneten Kampfes in konkreter Art und Weise stellt, scheint der Rest der Linken sich nur um die nächsten Wahlen zu kümmern. Welche politische Position vertritt die PRT in der Frage der bewaffneten Selbstverteidigung, in der Frage des bewaffneten Selbstverteidigungsgruppen der Bauern (»rondas campesinas«) (3) usw.?
- Die Confederacion Campesina del Peru (CCP- Peruanischer Bauernverband) hat auf ihrem letzten Kongreß(4) den von der PRT bereits verschiedentlich eingebrachten Vorschlag angenommen, ein Sekretariat für Selbstverteidigung einzurichten, das den bewaffneten Kampf der Bauern gegen die bewaffnete Unterdrückung der Regierung anleiten und organisieren soll. Wir wissen, daß die Annahme dieses Vorschlags nicht ausreicht, daß es darauf ankommt, die Organisierung der Selbstverteidigung auf dem Land, in den Dörfern auf der Grundlage der jeweiligen besonderen Bedingungen anzugehen, ohne in Abenteurertum zu verfallen. In der Vergangenheit haben wir an dieser Art von Aktionen teilgenommen; heute sehen wir Ansätze der be. waffneten Selbstverteidigung in den sogenannten rondas campesinas, die die Bauern der Provinz Cajamarca gebildet haben, um ihr Vich durch Patrouillen und Wachposten gegen Diebe zu verteidigen. Dabei hat es schon kleine Zusammenstöße gegeben, darunter auch mit Angehörigen der Polizei, die mit den Viehdieben unter einer Decke steckten. Wir betrachten dies als ein Beispiel für organisierte bewaffnete Aktionen der Massen, auch wenn diese erst in Keimform entwickelt sind.
Wenn die Bauern Streikaktionen (paros) mit Straßensperren fortführen, werden die Unterdrückungsmaßnahmen der Regierung gegen die Massenorganisationen diese zwingen, sich mit Hilfe von Waffen zu verteidigen.
Auch die städtische Bevölkerung hat anläßlich der landesweiten paros civicos erste Erfahrungen im Zusammenstoß mit der bewaffneten Unterdrückungsmacht des Regimes gemacht. Wir sind davon überzeugt, daß auch die organisierten Massen der Städte dazu kommen werden, ihre bewaffnete Selbstverteidigung anzugehen. - In Peru spürt man bereits eine Vor- Wahlkampf-Atmosphäre; die Kommunalwahlen von 1983 rücken näher. Welche Position vertritt die PRT zu diesen Wahlen? Hat sie zu diesen Wahlen eine Bündnispolitik ins Auge gefaßt? Welche Bilanz zieht die PRT in bezug auf die Bündnispolitik der Vergangenheit (FOCEP, ARI etc.)? Wie schätzt die PRT die Möglichkeit eines Wahlbündnisses zwischen der APRA und der Izquierda Unida ein?
- Beginnen wir mit der Bilanz. Die großen Diskussionen hierüber und die beschleunigte Dynamik des Klassenkampfs haben die PRT bisher daran gehindert, eine gemein- 3) Die rondas campesinas (wörtlich: bauerliche Streifen) sind Formen der Selbstverteidigung der Bauern gegen Viehdiebe. Da aber in den meisten Fallen die Polizei in den organisierten Viehdiebstahl verwickelt ist, stellen die rondas Organe der Selbstverteidigung der Bauern gegen die Repression oder die Passivität der Reprasentanten des bürgerlichen Staates dar. Diese Organisationsformen sind eine elementare Etappe für die Herausbildung der Selbstverteidigung der Bauern auf Massenebenc.
DEL
WA same Bilanz dieser Wahlbündnisse auszuarbeiten. Meiner persönlichen Einschätung nach hat das Sektierertum, das die Mehrheit der peruanischen Trotzkisten beherrschte, unsere Bewegung bei beiden Gelegenheiten daran gehindert, sich an die Spitze breiter revolutionärer Massenfronten zu stellen. Unsere Unfahigkeit hat es dem Reformismus ermöglicht, die Einheitsbestrebungen der Massen durch die Bildung der Izquierda Unida auf die eigenen Mühlen zu lenken. Die refomistische Führung dieses Bündnisses verhindert, daß daraus ein Instrument des Massenkampfes wird. Sie bedient sich seiner, um die Kämpfe zu bremsen und auf parlamentarische Illusionen zu lenken.
Die PRT hat ihre politische Linie für die Kommunalwahlen im November noch nicht festgelegt. Persönlich glaube ich, daß diese Wahlen in den Augen der Massen geringere Bedeutung haben werden als die vorausgegangenen, denn sie haben zu einem großen Teil die lilusion verloren, ihre eigene Situation mit Hilfe der Gemeinderatswahlen spürbar verbessern zu können. Darüber hinaus sind die Bürgermeister und Gemeindevertreter der Linken, von einigen Ausnahmen abgesehen, von der Routire des Systems geschluckt worden und haben sich nicht darum bemüht, ihre Postep ais Stützpunkte der Kämpfe der Bevölkerung gegen die Regierung einzusetzen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten fer die PRT, sich an den Wahlen zu beteiligen: - eine Initiative für Kandidaturen der Massenorganisationen; (4) Der VI. Kongreß der CCP fand vom 16. bis 21. Juli 1982 in Lima statt. In Comhate Socialista, der Zeitung der PRT. von Anfang Oktober 1982 zicht Hugo Blanco. der wieder in das nationale Exekutivkomitee und zum Sekretär der CCP für Menschenrechte gewahlt worden ist, eine erste Bilanz dieses Kongresses. Als positive Aspekte unterstreicht er die Teilnahme von 1.201 Del. jerten und Gasten, den hohen Grad der Beiciligung der Basis an der Diskussion, den solidarischen Verlauf der Debatten, die Fragen, in denen Übereinstimmung erzielt worden ist, und den venerzechen Aufbruch der Bauern. frau, die ihre Rechte einforlert und den 'machismo' (lacinamerikanische und spannche Variante des mannliihen Chauvinismus, d.O.) Eekampft.& Mit der Vorlake von Resolutionen und der Teilnahme von Bauerngenossen an den Debatten und den Kommissionen hat die PRT auf diesem Kongreß zum ersten Mal als politische Organisation interveniert.
Peru: Generalstreik am 10. März • eine Kandidatur der PRT alleine oder als Teil einer oder mehrerer Fronten; • eine kritische Unterstützung für Kandidaten der Izquierda Unida.
Das Wahrscheinlichste ist, daß angesichts des Charakters dieser Kommunalwahlen und angesichts der Verschiedenar. tigkeit der politischen Gegebenheiten in den verschiedenen Gegenden diese drei Formen kombiniert werden.
Was die Möglichkeit eines Wahlbündnisses zwischen der APRA und der IU angeht, so halten wir es für einen beschämenden Verrat der Izquierda Unida, sich mit einer rechten Partei, einem Bestandteil des Unterdrückersystems, zu verbünden und damit die hungernden Massen zu betrügen, wo doch ihr einziges Interesse in der Organisierung ihrer eigenen Kämpfe in völliger Unabhängigkeit von allen Teilen der Ausbeuter liegt.
Zum Unglück der IU sicht es so aus, als würde die APRA diesen Bündnispartner dieses Mal zurückweisen.
- Welches Verhältnis beteht zur Zeit zwischen der PRT und den anderen Gruppen, die sich auf den Trotzkismus berufen? Gibt es Möglichkeiten, eine gemeinsame Arbeit zu beginnen? Wird die Möglichkeit einer Vereinigung ins Auge gefaßt?
- Die PRT, die aus einer Vereinigung trotzkistischer Gruppen hervorgegangen ist, hatte am Anfang die Illusion, über die Vereinigung mit der PST und der POMR eine Partei bilden zu können. Aber unsere Bemühungen waren vergeblich und wurden von den Genossen der anderen Gruppen in unloyaler Weise ausgenutzt.
Gerade haben wir mit der PST-POMR (d.h. der PST mit einem Teil der POMR) eine Koordination einiger gemeinsamer Aktivitäten begonnen, so z.B. die Bildung des loque Parlamentario socialsta (paria nentarischer sozialistischer Block)(S . Wir wollen auf diesem Weg weitergehen, so weit es irgend geht. Wir werden die gleiche Anstrengung bezüglich der POMR unternehmen. Wir sind uns jedoch der Schwierigkeiten bewußt, die sich aus dem traditionellen Sektierertum dieser Organisation ergeben: Sektierertum gegenüber dem Rest der Linken, Sektierertum untereinander. Was die Möglichkeit einer Vereinigung betrifft, so halten wir das im Moment für schwierig, aus den Gründen, die ich gerade genannt habe, weil es keine interne Demokratie gibt in diesen Organisationen und ihre Haltung uns gegenüber nicht den Notwendigkeiten des Klassenkampfes in Peru ausgeht, sondern von den Anweisungen, die sie von Nahuel Moreno oder Pierre Lambert erhalten.
Natürlich trachtet die PRT danach, ihre Anstrengungen mit denen aller Revolutionăre zu vereinen - über den Weg gemeinsamer Aktionen und Fronten; und wenn die erreichte politische und programmati- 5) Am 15. September 1982 wurde auf einem Treffen der Parlamentsfraktionen der PRT und der POMR-PST (vereinigie Partei) die Bildung eines sozialistischen Blocks im Parlament beschlossen. Dieser Block trat zum erten Mal anlaßlich der Anfrage an das Kabinett von Manuel Ulloa im September in Erscheinung. In einer Am 10. Marz wurde Peru durch einen Generalstreik weitgehend stillgelegt. Die Initiative zu diesem Kampf ging von der CGTP aus, des bei weitem stärksten Gewerkschaftsbundes, den die Kommunistische Partei maßgeblich beeinflußt. Die übrigen Gewerkschaftsverbände • einschließlich der mit der APRA verbundenen Gewerkschaft, die früher mächtig war, jetzt aber nur noch eine Apparat-Struktur darstellt -, die Bauernverbände und andere Massenorganisationen schlossen sich dann an. Die Mobilisierung hatte zum Ziel, gegen die Wirtschaftspolitik zu protestieren, welche auf Drängen des IWF (Internationalen Wahrungsfond) hin vom Premiermini- Ster Manuel Ulloa eingeleitet und von seinem Nachfolger Fernando Schwalb weitergeführt wurde.
Auf den Beschluß der Gewerkschaftsund Massenorganisationen antwortete die Regierung mit der Ausrufung des Ausnahmezustands und der Aufhebung der verfassungsmäßigen Garantien in der ganzen Region der Hauptstadt für fünf Tage. Außerdem wollte die Regierung der Mobilisierung der Arbeiter und der Massen die Spitze abbrechen, indem sie in letzter Sekunde ein paar Konzessionen machte (partielle Lohnerhöhung, Verschiebung der Preiserhöhung beim Benzin, Kontrolle des Brotpreises usw.). Das reichte aber nicht aus; der Streik wurde nicht abgeblasen. Breite Teile des Volkes waren entschlossen, in Aktion zu treten. Zu sehr iss in letzter Zeit der Lebensstandard der arbeitenden Massen in Mitleidenschaft gezogen worden. Die Halfte der arbeitsfähigen Bevölkerung ist zu Arbeitslosigkeit oder Unterbeschäftigung verurteilt, und die Inflation erreichte in den ersten beiden Monaten des Jahres 1983 schon eine Rate von 16%, mehr als das doppelte wie im Vorjahr.