Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Interview zum Kampf der Kurden im Irak

Inprekorr Nr. 1 (151), 13. Januar 1983 · S. 15-20 · 6.281 Wörter

Griechenland und Türkei Arabische Welt und Golf Iran

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Welche Auswirkungen hat der irakisch-iranische Miliz, die sogenannte Volksarmee, die von der Krieg bis jetzt für den Kampf der Kurden im Irak Bevölkerung volksfeindliche Armee genannt wird, mußte zum größten Teil in den mittleren und Die wirtschaftlichen Schäden sind sehr groß. Die südlichen Te der Front verlegt werden. Dadurch Inflation im Irak hat 300 Prozent erreicht und die und auf G: d der zermürbenden Wirkung Regierung hat die Löhne um ein Fünftel gekürzt. unserer Ange •st die Zahl der paramilitärischen In der letzten Zeit gab es erstmals echte Knappheit Kräfte im ira chen Kurdistan von 17000 auf wobei wir den Eindruck 3000 zurückg: gen. haben, daß es von Bagdad aus eine Blockade gegen Kurdistan gibt. Welle : : Massendemonstrationen Die kurdischen und die arabischen männliche Jugend — alle zwischen 1936 und 1965 geborenen - ist in die Armee eingezogen, wobei die Arzah! der Deserteure sehr groß ist. Wir schätzen, daß Hat dieser Rückgang des militärischen Drucks des seit Beginn des Krieges etwa 65000 Araber und Regimes Folgen für die Massenbewegung gehabt? 35000 Kurden desertiert sind und sich in ihrer Ja, vom Frühjahr bis in den Sommer gab es in Mehrheit in ihren Heimatdörfern verstecken. nahezu allen Städten Kurdistans eine Welle von Und die militärische Situation? Massendemonstrationen. Begonnen hat das am Die Regierung mußte vier von sechs Divi 24. April, als 4000 Menschen in der kleinen Stadt aus Kurdistan zurückziehen und wir habei jetzt Qualadidza zum Gedenken an den irakischen uns zu bewegen. Wir konnten Bombenangriff von 1974 demonstriert haben unsere Aktivität in den. Städten ver 1974 hatte es in Qualadidza 197 Tote gegeben. Die erreichten sogar so südliche Gebien wie die Exekutive griff ein und es gab sieben Tote, Ebenen von Arbil, Kirkuk und Kifri. Im Novem- darunter zwei Frauen. Diese Demonstrationen ber dieses Jahres hatten wir in den im südlichsten haben sich dann bis in den Sommer hinein auf Teil Kurdistans gelegenen Hamrin-Bergen Zu- andere Städte ausgedehnt: Suleimania, Penjdwieu, sammenstöße mit den irakischen S..eitkräften. In Halabdscha, Koja, Salahadin, Kirkuk und Arbil. der Nähe von Kirkuk gab es in der Nacht vom 24. 37 Personen wurden dabei von den Regierungszum 25. Dezember eine achtstündige Schlacht, bei streitkräften getötet, und es gab viele Verhafder unsere Kämpfer 2 Panzer erbeutet und 30 tungen, vor allem unter den Schülern, die die Gefangene gemacht haben. Sogar wie baathistische Hauptkraft der Bewegung sind. Bis jetzt gibt es 1 ma - Se 124-4m iyarbakir TURKEI

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Bagdad • 15 Der seit dem irakischen Angriff auf den Iran am 21. September 1980 andauernde Golfkrieg hat tiefgreifende Veränderungen in der ganzen Region gebracht. Iranische Truppen stehen seit dem vergangenen Sommer etwa 50 Kilometer jenseits der Grenze auf irakischem Boden und haben in drei Großoffensiven versucht, ins Innere des Landes vorzustoßen. Dem Khomeini-Regime ist es gelungen aus dem Krieg, der ursprünglich ein Verteidigungskrieg war. Nutzen zu ziehen und seine Position im Inneren des Landes zu festigen. Dagegen ist das baathistische Regime in Bagdad unter Präsident Saddam Hussein in seinen Grundfesten erschüttert. Nur durch massive Hilfe an Waffen und Finanzen, vor allem aus Frankreich und Saudi- Arabien, konnte sich die Regierung über die zweite Halfte des vergangenen Jahres retlen.

Der Einsatz ist hoch: Ein Zusammenbruch des Irak könnte die Schleusen der radikalen islamischen Bewegung nicht nur für das Land am Euphrat, sondern auch für die arabische Halbinsel öffnen. Eine unmittelbare Bedrohung der Emirate am Golf und damit des imperialistischen Zugriffs zu den Olquellen wäre die Folge. Ein Fall, für den die USA eine direkte militarische Intervention vorbereiten. M.aBsiab 1:5.000.000 • Kermanshah

IRAN

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Die Kurden, auf Syrien, die Türkei, den Irak und den Iran verteilt, sind von dieser Entwicklung unmittelbar betroffen. Im Iran konnten die Regierungstruppen zwar die Städte Kurdistans unter ihre Kontrolle bringen. die bewaffneten Peshmerga deutsch »Die dem Tod ins Auge blicken«). der iranischen Kurdischen Demokratischen Partei und der linksgerichteten Komala kontrollieren jedoch weite Teile des Landes und vor allem der Grenzregion zum Irak. Im

Irak konnten die beiden wichtigsten kurdischen Organisationen. die Patriotische Union

Kurdistans (PUK) unter Jalal

Talabani und die von den Söhnen des legendären Kurdenführers Barzani geführic irakische Kurdische Demokratische Partei (KDP). thren Handlungsspiciraum erweitern. Wobei die irakische KIP allerdings von den iranischen kurdischen Organisationen beschuldigt wird, sich für Waffenhilfe aus Teheran am Krieg des Mullahregimes gegen die Kurden im Iran zu beteiligen.

Angesichts der Krise in der Region dominiert jedoch eine Tendenz des verstärkten Zusammenschlusses der Kurden aus den verschiedenen Staaten. In den Erklärungen der Kurden im Irak ist erstmals nicht mehr nur von der Forderung nach »Autonomie« die Rede, sondern auch vom »Recht des kurdischen Volkes auf Selbstbestimmung«. Das bedeutet eine Annäherung an die Forderung der kurdischen Organisationen in der Türkei nach einem unabhängigen kurdischen Staat. Zwischen kurdischen Organisationen aus den vier Staaten laufen Gespräche mit dem Ziel der Bildung eines gemeinsamen Koordinationskomitees.

Das folgende Gespräch mit Omar Sheikhmous, einem Mitglied des Politischen Büros der Patriotischen Union

Kurdistans, führte Raimund

Loew Ende Dezember 1982 in Wien.

Inprekorr übernahm das Interview aus die linke Nr. 1 vom 12. Januar 1983. die linke ist die Zeitung der GRM(Gruppe Revolutionärer

Marxisten), der österreichischen Sektion der Vierten Internationale.

R.L.

von einigen hundert Schülerinnen und Schülern keine Spur.

Wie sicht die Lage im arabischen Teil des Iraks Bis jetzt ist es dem Regime gelungen durch Terror und Unterdrückung die Lage unter Kontrolle zu halten. Die Mehrheit der alten irakischen oppositionellen Gruppen waren zu schwach, um die Massen zu mobilisieren. Wie blindwütig die Repression ist, zeigt das Beispiel der Stadt Dujdail, wo es am 13. Juli ein / Attentat auf Präsident Saddam Hussein gab: Das Regime hat daraufhin die ganze Stadt dem Erdboden gleichgemacht. 150 Personen wurden getötet, der Rest deportiert oder eingezogen. Sollte sich die wirtschaftliche Lage allerdings weiter verschlechtern, könnten sich auch diese Methoden als wirkungslos herausstellen.

Wieso ist es der Opposition - den Kurden, der stalinistischen KP und den Schiiten - nicht gelungen, eine glaubwürdige Alternative zu Saddam Hussein zu schaffen?

Unsere Politik ist es, alle oppositionellen Kräfte in einer breiten nationalen Front zu vereinigen. Gegenwärtig gibt es zwei wichtige Fronten: Einerdie Nationaldemokratische Patriotische Front, in der die Patriotische Union Kurdistans, die Demokratische Kurdische Volkspartei, die linke Baath-Partei, die Arabische Sozialistische Bewegung, die İrakische Sozialistische Partei, die Demokratische Organisation der Turkmenen im Irak, die İrakische Volksarmee und verschiedene unabhängige Persönlichkeiten zusammengeschlossen sind.

Die Irakische Kommunistische Partei und die irakische Kurdische Demokratische Partei (KDP) der Sohne Barzanis bilden gemeinsam mit der Kurdischen Sozialistischen Partei die Nationaldemokratische Front. Streitpunkt ist, daß wir — die Patriotische Union Kurdistans — es ablehnen, mit der KDP der Barzanis zusammenarbeiten, solange diese nicht ihre frühere Verbindung mit dem CIA und anderen reaktionären Kräften und militärischen Angriffe gegen unsere Peshmerga Ende der Siebzigerjahre verurteilt. Mit den islamischen Gruppen war bis jetzt Zusammenarbeit schwierig, weil sie den Kontakt mit sozialistischen und marxistischen Organisationen ablehnen, nicht demokratisch orientiert sind und auch nicht bereit sind, den Kurden nationale Rechte zuzugestehen. Andererseits gab es diesen Sommer eine Eklärung aller nichtislamischen oppositionellen Gruppen ebenso wie der Kurden, daß sie gegen eine islamische Republik sind und für eine demokratische Republik kämpfen. Welche Art von politischen und militärischen Aktionen konnte die Patriotische Union Kurdistans in der letzten Zeit durchführen? Von den Demonstrationen haben wir bereits gesprochen. Militärisch versuchen wir stets die schwächsten Stellen des Regimes anzugreifen. Zu Beginn des Krieges waren das die verschiedenen paramilitärischen Kräfte der Baathisten und die kurdischen Kollaborateure. Jetzt konzentrieren wir uns darauf kleinere Garnisonen anzugreifen, um unsere befreiten Gebiete auszudehnen. Etwa ein Drittel des irakischen Kurdistan ist völlig unter unserer Kontrolle und in zwei Drittel des Gebietes führen wir regelmäßig Operationen durch. Erstmals konnten wir auch stabile Basen errichten, die wir auch verteidigen können. Auf dem Land gibt es Verwaltungszentren und Einrichtungen zur medizinischen Versorgung. Den Schritt zum Aufbau von Schulen konnten wir noch nicht machen, weil diese Gebiete noch nicht zu 100 Prozent befreit sind.

Und wie sieht die Lage in den Städten aus? Wir kontrollieren die meisten Verbindungsstraßen zwischen den Städten. In den Städten selbst haben sich unsere Untergrundorganisationen verstärkt: Vor dem Krieg gab es in den meisten Städten vielleicht eine Operation pro Monat, jetzt sind es mehrere pro Tag. Unsere im März 1979 eingerichtete Radiostation "Die Stimme der irakischen Revolution", . die pro Tag eine Stunde sendet, wird sogar in Kaffeehäusern ganz offen gehört. Auch die Zahl unserer Peshmarga hat sich von 4 500 auf 8000 erhöht und wenn wir die Mittel dazu hätten. könnten wir innerhalb eines Monats bis zu 30000 organisieren.

Zu Beginn des Krieges haben die meisten Revolutionäre in der Region den Iran gegen den Irak unterstützt. Hat sich an dieser Position etwas geändert?

Die PUK hat sich nicht auf die Seite des Iran gestellt. Wir haben den Krieg als einen Aggressionskrieg des irakischen Regimes unter Saddam Hussein verurteilt und erklärt, daß er von zwei Regierungen geführt wird, die gegen die Interessen ihrer Völker handeln. Mit einer Beendigung des Krieges hätten die Revolutionäre in beiden Ländern bessere Möglichkeiten ihr Land zu befreien.

Andererseits ist im Irak während des Krieges der Druck auf die Opposition zurückgegangen, die meisten politischen Gefangenen wurden freigelassen und auf Grund der militärischen Niederlagen könnte es zu einem Sturz des Regimes kommen. Während die Fortsetzung des Krieges Khomeiny innenpolitisch nützt, ist sie für Saddam Hussein doch eine tödliche Gefahr.

Das ist richtig, es gab viele Krisen für Saddam und je länger der Krieg dauert, desto schlimmer wird seine Lage. Aber mit der Gefahr einer iranischen Invasion gibt es jetzt gleichzeitig die Tendenz, daß der Krieg für das Regime zum Vorwand zur Stabilisierung seiner Position wird. Auch wenn viele Krafte in der irakischen Armee Saddam loswerden wollen mobilisiert die Gefahr einer iranischen Invasion doch patriotische Gefühle. Der irakisch-iranische Krieg hat ebenso wie die israelische Invasion im Libanon gezeigt, da die Grenzen in der Region nicht mehr so fix sind. Ergeben sich daraus Schlußfolgerungen für die kurdische Sache?

Für uns ist klar, daß der US-Imperialismus heute auf internationaler Ebene angreift, um den in den vergangenen Jahren verlorenen Einfluß zurückzugewinnen. Wir haben zwei Lehren aus der palästinensischen und libanesischen Erfahrung gezogen: Erstens dürfen wir uns auf niemanden anderen als auf uns selbst verlassen. Zweitens müssen wir uns auf einen breit angelegten Angriff gegen die fortschrittlichen kurdischen Kräfte einstellen. Wir glauben, daß wir nach den Palästinensern das zweite Ziel dieser Kampagne sind. Es gibt Anzeichen, daß die Amerikaner für die schnelle Eingreiftruppe Basen in der Osttürkei errichten wollen. Bereits jetzt gibt es dort, an der Grenze zu Syrien und zum Irak, eine starke türkische Truppenkonzentration. Wiederholt haben türkische Regierungssprecher erklärt, daß sie für den Fall eines iranischen Eindringens im Irak ihrerseits entschlossen wären mit US-Hilfe das Hinterland von Mossul im irakischen Kurdistan und die Ölfelder zu besetzten. Einerseits verkompliziert das natürlich unsere Lage, andererseits werden natürlich nicht wir Kurden die Unantastbarkeit dieser Grenzen verteidigen. Vielen Dank für dieses Gespräch.

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Sheikh Ezzedin zum Kampf im Iran

Der Brennpunkt des kurdischen Freiheitskampfes liegt heute im Die letzte militärische Offensive des Khomeini-Regimes ge- Iran. Hier sind die kurdischen Massen seit 4 Jahren mobilisiert. gen den kurdischen Widerstand, die vom Herbst 1982, kam zu Iran. Hier sind die kurdischen Massen seit 4 Jahren mobilisiert. gen den kurdischen Widerstand, die vom Herbst 1982, kam zu und der Widerstand ist bewaffnet. Geführt wird er von starken Beginn des Winters ins Stocken, ohne daß es den iranischen Organisationen, vor allem der DPK, aber auch Komala. Der Ein- Truppen gelungen wäre, das Gebiet bis an die irakische Grenze luß der Volksfedayin (Khalq) dagegen scheint in letzter Zeit hin zu säubern. In den letzten Wochen gelang es den Kurden sogar trotz der schlechten klimatischen Bedingungen, in die Offen- Die DPK, die wichtigste politische Organisation des kurdischen Widerstands, ist vor allem im Norden um Mahabad herum Sheikh Ezzedin Husseni ist der religiöse Führer der sunnitiverwurzelt. Ihre zentrale Führung (unter ihrem Chef Ghassemlu) schen Moslems, die im iranischen Kurdistan in der Mehrheit sind. hat enge Beziehungen zur internationalen kommunistischen Be- Er ist einer der Hauptsprecher des kurdischen Widerstands im wegung. Sie beschloß 1981, dem Nationalen Widerstandsrat des Iran und symbolisiert für die Kurden die nationale Einheit - er ist Ex-Präsidenten Bani Sadr und der Volksmudschahidin beizutre. eine unabhängige Persönlichkeit, auch wenn er politisch mit der ten. Die Komala ist maoistischen Ursprungs und vor allem im Komala verbunden ist. Bei seiner kürzlichen Europa-Reise ge- Südteil des iranischen Kurdistans verankert. Sie beschloß auf eiwährte er am 27. Oktober 1982 in Paris Gerry Foley von Internanem Kongreß im Jahre 1981, sich von ihren alten populistischen tional Viewpoint nachstehendes Interview, das nach der Rück- Konzepten zu lösen, und entwickelt nun eine Linie, die vor allem kehr von Sheikh Ezzedin Husseni nach Kurdistan im November auf den Auffassungen Lenins in der Revolution von 1905 basiert. 1982 ungekürzt über den Rundfunksender der Komala ausgeauf den Auffassungen Lenins in der Revolution von 1905 basiert. 1982 ungekürzt über den Rundfunksender der Komala ausge- Sie kritisiert scharf, daß die DPK dem Nationalen Widerstands- - Seit März 1979 gibt es bewaffnete Konflikte zwischen den kurdischen Organisationen und den Kräften des Khomeini-Regimes. Wie ist die gegenwärtige Lage in Kurdistan?

- Diesen September startete die Regierung eine neue Großoffensive gegen uns, die offensichtlich darauf zielte, alle Gebiete mit kurdischer Mehrheit militärisch zu erobern. Sie haben alles gegen uns eingesetzt und die Zivilbevölkerung unserer Städte und Dörfer angegriffen. Dennoch blieben die Peshmerga (die nationalistischen Guerilleros, wörtliche übersetzt Die dem Tod ins Anilitz blicken') nicht in der Defensive, sondern gingen zum Gegenangriff über. Und so gab es in den letzten Wochen große von den Peshmerga geführte Kämpfe gegen die Kräfte des Regimes.

Wir bestreiten nicht, daß die Regierungstruppen einige Gebiete erobert haben, besonders nahe der irakischen Grenze. Aber zur gleichen Zeit haben ihnen die Peshmerga auch große Verluste zugefügt. Es gab heftige Gefechte nahe den Städten Mahabad, Sanandaj, Bokan und Diwandareh. In jedem dieser Gefechte verloren die Regierungstruppen über 50 Mann. Die Peshmerga haben eine Menge schwerer Waffen und große Munitionsvorräte erbeulel. Gestern, am 26. Oktober erfuhren wir, daß in der Gegend von Diwandareh ein Hubschrauber abgeschossen wurde und daß in der Nähe der Stadt Myandoab ein Panzer zerstört wurde.

Die wichtigsten militärischen Kräfte. die der Komala und der Demokratischen Partei Kurdistans, haben erfreulicherweise einen Pakı zur militärischen Zusammenarbeit geschlossen. Und diese beiden Organistrahlt wurde.

sationen haben zum ersten Mal in unserer Geschichte einen gemeinsamen Generalstab gebildet, der in der Gegend zwischen Piranschar und Sardasch seinen Sitz hat. - In den letzten Wochen brachten persische Zeitungen immer öfter Berichte über kurdische Dörfer, die von 'konterrevolutionarem Schmutz gesäubert wurden. Die Schlagzeile in Khomeinis Zeitung Jumhuriye Eslami' vor einigen Tagen lautete, daß viele Dörfer von 'korrupten Elementen gesäubert' würden. Was heißt das praktisch? - Das bedeutet, daß die Regierungstruppen ein Dorf einkreisen, eindringen und alle Leute sammeln. Sie fragen nach Waffen und sagen, daß jeder, der Waffen besitzt, diese aushändigen müsse. Werden die Waffen nicht ausgehändigt, durchsuchen sie die Häuser. In den meisten Fallen verschwinden die jungen Leute jedoch. Dann sperrt das Regime einige Leute ein mit der Behauptung, sie würden mit dieser oder jener Organisation sympathisieren. In manchen Fallen schießen sie auch auf die Leute. Und dann gehen sie zu ihrem Stationierungsort zurück und melden eine 'Säuberung'. Nach einiger Zeit kommen die Peshmerga zurück. Es gibt einige Dörfer, die öfter 'gesäubert' wurden.

- Können Sie einige Beispiele nennen? - Das geschieht öfter bei Dörfern in Stadtnähe. Ich kann die Namen anführen von einigen Dörfern um Mahabad, wie z.B. Inderqash, und um Bokan, wie z.B. Rahim Khan.

- Seit August 1979 hat die Regierung verhängen. Mit welchen Ergebnissen? - Volk und Peshmerga, Peshmerga und Volk sind identisch. Dieser engen Zusammenarbeit wegen sind wir in der Lage, die d wirtschaftliche Blockade zu überstehen, obwohl sie viele Probleme verursacht. Die Armee und die Pasdaran können nicht alle Straßen kontrollieren. Die Leute bringen es fertig, Güter von der Stadt in die Dörfer zu transportieren. Und in den Dörfern, die Opfer der 'Säuberungs'-Kampagne sind, leben die Menschen in einer weitgehenden Selbst versorgungswirtschaft.

- Was ist mit Brennstoffen? In den kurdi- schen Bergen wird es ziemlich kall. - Der letzte Winter war ziemlich hart, und das war besonders für die Peshmerga sehr schwierig. Aber sie konnten überleben mit der Hilfe der Bevölkerung.

Wir erwarten, daß die iranische Regierung in diesem Jahr landesweit eine Austerity-Politik verfolgen wird und daß die Schraube für uns angezogen wird. Was wir jedoch am dringendsten benotigen, sind Medikamente, Arzte, Chirurgen. Es gab viele Falle, in denen verwundete Peshmerga wegen fehlender Medikamente und Ärzte zu Märtyrern für ihr Volk wurden.

Um was es geht in Kurdistan, ist ziemlich klar. Es herrscht Krieg. Die eine Seite steht für die Gerechtigkeit, die andere Seite repräsentiert die Unterdrückung. Wir appellieren an alle humanitär gesinnten Menschen und Organisationen,

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dem kurdischen Volk in seinem gerechten Kampf zu helfen. Was jetzt in Kurdistan vor sich geht, ist ein Kampf auf Leben und Tod. Die Regierung hat eine Großoffensive gegen uns in Gang gesetzt, und unser Volk Kämpft verzweifelt gegen den Würgegriff. um in ciner Demokratie leben zu können. Wir glauben nicht daran, daß diese Regierung ein islamisches Regime ist. Islam bedeutet Nachstenliebe und gute Werke, und nicht, ganze Gemeinschaften unschul diger Menschen zu massakrieren. Deshalb kämpfen wir gegen dieses Regime. Ich bin hier in Frankreich, um dies der Weltöffentlichkeit zu erklären. Ich werde in Kürze nach Kurdistan zurückkehren, um noch entschlossener für die Einheit des kurdischen Volkes zu arbeiten.

- Welche Position nahmen die kurdischen Organisationen im iranisch-irakischen Krieg ein?

• Unsere Position war klar. Wir sagten. daß in dem Falle, in dem die Regierung unsere nationale Rechte akzeptiert, wenn sie dem kurdischen Volk die Autonomie gibt. wir bereit sind, die iranische Grenze zu verteidigen, und daß dann die Regierung auf uns zahlen konne.

Ich habe wiederholt gesagt. daß wir die iranische Grenze verteidigen würden, wenn sie den Krieg gegen uns in Kurdistan beenden und uns unsere Rechte geben. Aber die Regierung hat den Krieg gegen uns nicht nur nicht eingestellt, sie hat ihn vielmehr infensiviert.

- Inwieweit veranderte die irakische Invasion die Bedingungen eurer Konfrontation mit den iranischen Truppen in Kurdistan? - Einen Zusammenhang zwischen diesen beiden Kriegen gibt es nicht. Die Regierung bekämpfte uns schon vor dem Krieg mit Irak: der Grund dafür war also nicht die irakische Invasion. Wir führen nur einfach unseren Selbstverteidigungskampf weiter. in diesem Sinne hat sich nichts verändert. - Aber was macht ihr konkret in einem Gebiet wie Qasr Shirin, einer kurdischen Stadt, die von den İrakis seit Kriegsbeginn bis zu ihrem Rückzug nach der Befreiung von Khorramshar gehalten wurde? - In dieser Gegend waren unsere Kräfte so schwach, daß wir uns nach dem Einmarsch der Irakis einfach zurückzogen. Im Gebiet von Marivan hingegen, wo es Kämpfe zwischen Iran und Irak gab und wo die iranischen Truppen kurdische Zivilisten angegriffen haben, schlugen die Kurden zurück gegen die iranischen Truppen. Aber sie schlagen die Khomeini-Kräfte nicht an der Front, wo diese mit der irakischen Armee kämpfen.

Das sind zwei verschiedene Kriege; sie haben nichts miteinander zu tun. Da gibt es einmal • einen Volkskrieg für nationale Rechte, und dann gibt es einen Krieg zwischen zwei Regierungen.

- Was halten Sie davon, militärische Hilfe von den Irakis anzunehmen, da Sie, wie Sie sagen, von der iranischen Armee schwer bedrängt werden?

• Ich mußte eine solche Entscheidung nicht treffen, da ich persönlich keine Peshmerga kommandiere. Ich bekam keinerlei Hilfe von den Irakis. Aber ich glaube. daß in ciner Situation, in der Ihnen jemand gegen ihren Feind helfen will. es möglich ist, solche Hilfe anzunehmen, wenn sie keine Bedingungen daran binden und Sie nicht in cine Lage gebracht werden, von ihnen abhängig zu werden. Das ist meine allgemeine Ansicht.

Der Kampf des kurdischen Volkes ist ein gerechter Kampf für seine Rechte. Was immer geschicht in diesem Krieg zwischen Iran und Irak, ob er aufhort oder jahrelang weitergeht, unser Kampf wird solange weitergehen, bis wir unsere Rechte bekommen haben.

- Haben Sie selbst eine Position zum iranisch-irakischen Krieg?

- Wir glauben, daß sich dieser Krieg sowohl gegen die Interessen des iranischen wie des irakischen Volkes richtet und wollen deshalb, daß er beender wird.

- Welche Rolle spielten die Khomeini- geführten Kräfte in der Revolution in Kurdistan und in den Massenorganisationen. die danach entstanden?

- In Kurdistan selbst spielten sie gar keine oder nur eine geringe Rolle. obwohl der Aufstand in Teheran das Signal war für den Aufstand hier wie auch in anderen iranischen Gebieten.

- Wie entwickelte sich die Revolution in Kurdistan, wie war sie organisiert? - Sie entsprang unseren eigenen Erfahrungen und den Schlußfolgerungen, die die politischen Kräfte daraus zogen. genre nationale Der Kampf für unsere nationalen Rechte ist sehr alt: in Iran reicht er mindestens hundert Jahre zurück. In der Vergangenheit wurde unser Kampf geführt von lokalen Grundbesitzern und religiösen Führern. Aber eine solche Führung war nie in der Lage, einen Sieg zu erringen. Während und nach dem Il. Weltkrieg waren die Herrscher des Landes gezwungen wegen der Schwäche der Zentralregierung in Teheran, ein gewisses Maß an Freiheit und Demokratie in Kurdistan zuzulassen. In dieser Frage mobilisierte sich das kurdische Volk wieder einmal. um seine nationalen Rechte zu verlangen. In diesen Jahren wurde von kurdischen Intellektuellen eine Organisation gegründet. die sich aus kleinen Landbesitzern der dörflichen Gebiete und der städtischen Bourgeoisie zusammensetzte. Auf kurdisch hieß ihre Organisation "Komale i Jianaway Kurd", die •Gesellschaft für die Wiedergeburt der Kurden'. Sie wurde 1942 gegründet. Drei Jahre später, 1945, wurde aus dieser Organisation nach einem Wechsel im Programm und der Führung die Demokratische Partei Kurdistans unter dem Märtyrer und Präsidenten der ersten kurdischen Republik. Ghazi. 1946 wurde die erste autonome kurdische Republik in Mahabad ausgerufen. Sie wurde nach nur elf Monaten wieder vernichtet.

Unter dem Schah-Regime gab es 1967- 68 eine weitere Bewegung. Das war cine bewaffnete Bewegung in den Bergen von Kurdistan. Aber die Truppen des Schah zerschlugen sie nach heftigen Angriffen. Es war eine Bewegung der neuen Intelligenz, die einen neuen Weg im nationalen Kampf ebnete. Sie war organisiert vom 'Komiteh Enqelabi (revolutionäres Komitee) der DPK. Es repräsentierte nicht die ganze DPK, aber schloß einige andere nationalistischen Kräfte mit ein. Das Ziel derjenigen Krafte, die aus der DPK kamen, war die Schaffung einer neuen Organisation. Der Kampf gegen das Schah-Regime in den letzten Jahren ist die Fortsetzung dieses langen Kampfes. Aus diesem Grund hatte die Revolution von Beginn an in Kurdistan einen anderen Charakter. Es gab wirkliche Demokratie und Freiheit. Wahrend die Revolution in anderen Teilen des Landes von einer einzigen Person geführt wurde, waren es in Kurdistan die Stadträte. Natürlich mußten wir kämpfen, um die reaktionären Elemente daran zu hindern, diese Art demokratischer Organisation zu beschneiden. Ich opponierte gegen diejenigen, die meinten. die religiösen Kräft sollten alles bestimmen. Ich kämpfte für die Meinungsfreiheit aller.

Ich sagte, unser Problem bestünde nicht darin, daß wir keinen Islam hätten. Wir hatten den Islam. Was wir nicht hatten, war Freiheit, und es ging darum, diese zu erlangen.

- Was waren das für Stadträte (shoras), die. wie Sie sagten, die Revolution in Kurdistan organisierten?

- Sobald wir den Punkt erreicht hatten, dal eine Stadt nicht mehr von Regierungsagenten kontrolliert wurde, waren wir verpflichlet. Stadträte zu bilden, um die Städte zu verwalten. Zur Bildung dieser Körperschaft gab es Wahlen bei den verschiedenen Schichten des Volkes, den Verwaltungsangehörigen, den Kaufleuten, den Arbeitern. den Bauern, den Studenten und in einigen Orten sogar den Frauen.

Jede dieser Gruppen hatte einen Delegierten. Die Räte bildeten sich aus sieben bis elf Delegierten.

- Wie kam es zu dem Zustand. dall die Stadte nicht mehr länger von Regierungsagenten kontrolliert wurden?

- Im Mai oder Juni 1978 wurde die Leiche eines Veteranen der DPK. Azi/ Yusafi, der 25 Jahre in den Gefängnissen des Schah verbracht hatte, nach Kurdistan überführt. Er wurde in Mahabad beigesetzt. Aus allen Gegenden Kurdistans kamen Leute zu der Beerdigung. Ich sprach und erklärte, daß Aziz Yusafi ein Märtyrer der Revolution. ein Märtyrer seines Volkes und seines Landes sei. Diese Rede wurde über ganz Kurdistan verbreitet.

So begann die Serie von Massendemonstrationen in ganz Kurdistan. Schon

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zwei oder drei Monate vor dem Zusammenbruch des Schah-Regimes hatte dieses keine Kontrolle mehr über Kurdistan. Dann konnten wir in den großen Moscheen Leute zusammenrufen und sie Delegierte für die Stadt-shoras wählen lassen.

- Wer kontrollierte Kurdistan nach dem Fall des Schah?

- Die Städte wurden von den Volksmassen kontrolliert. Zu dieser Zeit nahm das ganze Volk an der Revolution teil. Alle kamen zu mir und fragten, was sie für die Revolution tun könnten. Die jungen Männer hielten Wache an allen wichtigen Gebäuden und Straßen, besonders wahrend der Nacht. Im Wier 1978-79 wurde das Petroleum für den Hausgebrauch rationiert. In dieser Zeit verteilten die jungen Leute, was in den Tanks war. Jede Familie bekam 30 Liter, und die jungen Leute brachten das in die entlegendsten Gebiete.

Nach kurzer Zeit nur begannen die politischen Organisationen in Erscheinung zu treten.

- Aber irgend jemand muß dies doch alles organisiert haben.

- Es waren die chemaligen politischen Gefangenen. Unter dem Schah gab es so viele kurdische politische Gefangene. Alle wurden zu dieser Zeit freigelassen. In Mahabad organisierten wir die Bewegung. Aber in den anderen Städten waren es die revolutionären Elemente.

- Wer ist 'wir'?

- Die Stadt-shora; zu der Zeit war ich ihr Vorsitzender. Es gab eine sehr enge Zusammenarbeit zwischen den Städten zu der Zeit. Außerhalb Kurdistans gab es so etwas nicht. Um Ihnen ein Beispiel zu geben: als in Bokan jemand von den Regierungstrup pen erschossen wurde, ging ich hin, und die Leute kamen als allen kurdischen Städten. So wurde die Erfahrung von einer Stadt in die andere getragen. War einmal ein Rat in einer Stadt gegründet, wurde das in den anderen Städten nachgemacht.

Die Intellektuellen reisten immer zwischen den verschiedenen Städten herum. Sie hatten überall Freunde. Die politischen Elemente hatten sich im Gefängnis und im Untergrund kennengelernt.

Innerhalb weniger Tage nach dem Zusammenbruch des Schah-Regimes waren Zusammenschlüsse entstanden. Sie trugen Namen wie 'Vereinigung zur Verteidigung der Revolution und der Freiheit', auf persisch 'Jamiate Defa az Azadi va Enquelab'. Gleichzeitig gründete die DPK lokale Sektionen. Natürlich wurden die Vereinigungen von der Komala unterstützt. - War die DPk in diesen Vereinigungen vertreten?

- Nein. Die hauptsächliche politische Organisation, die sie stützte, war die Komala, und sie umfaßten noch weitere kurdische nationalistische Gruppen außerhalb der DPK. Die Vereinigungen wurden zu den maßgeblichen Gruppen im Süden Kurdistans - in Sanandaj. Bokan und anderen Orten. Die DPK-Sektionen waren vorherrschend im nördlichen Teil des kurdischen Gebiets wie in Mahabad und noch weiter nördlich. Ich spreche natürlich vom wirklichen Kurdistan und nicht der sogenannten Provinz Kuridstan. Denn offiziell liegt Mahabad in der Provinz West-Azerbaidschan. - Woher kamen die Komaleh?

- Diese Vereinigungen hatten unterschiedliche Namen in verschiedenen Städten. Derjenige, den ich erwähnt habe, war in Sanandaj gebräuchlich. In Mahabad hießen sie *Jamiate Rahe Rehaije Zehmetkeshan' ("Vereinigung zur Befreiung der Arbeiter'). In Saqqez hießen sie 'Jamiate Defa az Zehmetkeshan vak Halqe Kord' ('Vereinigung zur Verteidigung der Arbeiter und des Kurdischen Volkes'). Ein Wort jedoch war überall präsent, nämlich "jamiat"; und die kurdische Übersetzung von "jamiat" lautet "komala'. Nach Einzelheiten über die Komala müssen Sie sie selbst fragen, aber soviel ich weiß, war die Komala eine Untergrundorganisation zur Zeit des Schah. Einige ihrer Führer unterhielten Beziehungen mit mir. Ich traf sie heimlich, aber auch die anderen aktiven revolutionären Elemente. - Gab es in Kurdistan irgendwelche organisierten Kräfte, die in der Periode direkt vor und nach der Revolution der Führung Khomeinis folgten?

- Es gab keine Massenorganisationen oder politische Gruppen als solche, die Khomeini folgten. Es gab einige religiöse Führer mit einigem Anhang, die mit Khomeini verbunden waren. Der wichtigste unter ihnen war Ahmed Muftizadez, ein sunnitischer Geistlicher in Sanandaj.

• Was waren Ihrer Ansicht nach die Gründe dafür, daß Sie sich mit den Kräften Khomeinis beinahe von Anfang an in Konflikt befanden?

- Von Beginn an forderten wir Autonomie. Da wir keinen Kampf mit der Regierung wollten, versuchten wir, mit den neuen Herrschern des Iran zu sprechen, um unsere nationalen Rechte zu erlangen. So kam im Februar 1979 eine Delegation aus Teheran nach Mahabad, und wir schlugen die Acht-Punkte-Erklärung von Mahabad vor, deren siebter Punkt lautete, daß sämtliche Verhandlungen zwischen der Regierung und den kurdischen Führern von mir präsidiert werden sollten. Dann im März brachen in Sanandaj Kämpfe aus, um die Zeit des persischen Neujahrs (21. März). Ich unterbreitete einen zweiten Plan, auch aus acht Punkten bestehend, der die acht Punkte im Plan von Mahabad bekräftigte. Damit versuchten wir, unser Problem politisch zu lösen. Danach ging ich nach Teheran nach Qom. Ich traf die Führer des Iran einschließlich Khomeini, aber sie wollten dem kurdischen Volk keinerlei nationale Rechte zugestehen. Die Beziehungen verschlechterten sich weiter. Es kam das Massaker von Naghadeh. Dann die Eröffnung einer breiten Offensive im Juni. Und schließlich verkündete Khomeini am 19. August 1979 cinen Heiligen Krieg gegen uns. Ironischerweise war dies im persischen Kalender das selbe Datum wie der Coup des Schah gegen Mossadegh, der 28. Mordad.

• Gab es in Kurdistan nicht ziemlich freie Wahlen in den kurzen Wochen relativen Friedens nach dem Sturz des Schah? - Die wichtigsten Wahlen wurden in Sanandaj abgehalten, direkt nach den Kämpfen im März. Sie wurden abgehalten auf Druck des Ayatollah Teleghani (der liberale Ayatollah, den die Volksmujahidin als ihren geistigen Vater ansehen; er führte die Delegation aus Teheran, um eine Lösung zu finden für die Kämpfe in Sanandaj). Der Kampf war entstanden als Ergebnis des Konflikts zwischen der Muftizadeh-Fraktion und der Jamiat. Die Wahl sollte entscheiden, welche Gruppe die Unterstützung des Volkes genoß. Der gewählte Rat reprăsentierte die gesamte Bevölkerung von Sanandaj, die Delegierten der Jamiat hatten die Mehrheit.

- Was war die Antwort der kurdischen Or-

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ganisationen auf die Regierungsoffensive vom Sommer 1979?

- Zu dieser Zeit war die Bevölkerung nicht auf einen solchen großen Krieg vorbereitet. Zuerst zogen sie sich also zurück. Dann begannen sie, die Armeekasernen und die Pasdaran anzugreifen.

Die Pasdaran waren nicht in der Lage, zu kämpfen. Zur selben Zeit war die Regierung schwach, und wir nützten die Situation aus. Wir sagten damals in unserer Deklaration, daß unsere Bewegung auf zwei Beinen beruhte. Das eine bildeten die bewaffneten Peshmerga in den Bergen; das andere die Volksmassen in den Städten. Zum Fest von Eide Kurban am I. November 1979 rief ich das Volk zu Demonstrationen auf. Hunderttausende demonstrierten in allen Städten Kurdistans. Das schockierte die Regierung. In der Stadt Mahabad wurden drei oder vier Panzer zerstört. Bokan wurde nach heftigen Kämpfen zurückerobert.

Die Regierung war gezwungen, uns Verhandlungen anzubieten, aber dann versuchte sie ein Spaltungsmanöver. Sie wollte mit nur einer Partei verhandeln. Aber überall, wohin die Regierungsabgesandten gingen, rief das Volk: Ihr mußt mit allen unseren Führern reden. die in den Bergen sind". Und so wurde die repräsentative kurdische Delegation gebildet. Ich führte sic an. Sie umfaßte die Komala, die DPK und die Volksfedayin.

- Die Besetzung der amerikanischen Botschaft durch Studenten, die der Linie des Imam folgen, geschah ungefähr in dieser Zeit, kurz nach der Niederlage der Truppen Khomeinis im ersten kurdischen Krieg. Wie war Ihre Haltung dazu?

- Wir hielten das für Theaterdonner, ohne die geringste politische Bedeutung. Es wurde inszeniert zur Stabilisierung des Khomeini-Regimes, ein bedeutungsloses Sicherheitsventil für die Gefühle des Volkes. Es war reine Ablenkung, und wir sagten das auch zu der Zeit.

- Gab es nicht einige Stellungnahmen von Kräften der Vereinigten Kurdischen Front. Ausdruck brachten, die sich in den Mobilisierungen anläßlich der Besetzung aulerten, nicht für ihre Motive?

- Nein. Wir betrachteten es als reine Ablenkung. Zu dieser Zeit war die Regierung sehr schwach, und wenn sie uns Verhandlungen anbot, dann aus dieser Schwäche heraus. Deshalb gab es nur 45 Minuten lang offizielle Verhandlungen - gerade genug Zeit. um jedes Mitglied unserer Delegation vorzustellen...

Sie beendeten die Verhandlungen offiziell. Aber dann begannen sie, die einzelnen Führer rundum einzeln aufzusuchen, mich und die DPK zum Beispiel. Wir wußten in dieser Periode, daß sie versuchten, Zeit zu gewinnen, um ihre Kräfte wieder aufzubauen, urn sich auf einen neuen Angriff vorzubereiten. Er begann fünf Monate später, am 19. April 1980.

- Was glauben Sie, warum waren sie in der Lage, sich so weit zu stärken, um eine zweite und viel größere Operation gegen Kurdistan zu starten?

- Zum einen war die Regierung Bazargan gestürzt. Sogar jetzt noch, wenn sie über die Regierung Bazargan herzichen, fuhren sie als einen Beweis für ihren verfaulten Zustand, daß sie mit den Kurden verhandelte. Um ihre Operationen durchzuführen hatten sie genug Zeit, eine Expertenversammlung zu bilden. Dann hielten sie Präsidentschaftswahlen ab, in der Bani Sadr gewahlt wurde. Sie hatten also anerkannte Regierungsstrukturen und waren bereit, wieder gegen uns loszulegen.

- War die Besetzung der US-Botschaft ein wichtiger Faktor, um in der Regierung die Position durchzubringen, den zweiten Krieg gegen die Kurden zu starten? - Ja, das war so.

- Was war der Charakter der zweiten Offensive?

- Es war eine sehr groß angelegte Operation. Dieses Mal war die Armee sehr aktiv. zusammen mit den Pasdaran. Sie bombardierten systematisch die Stadte. Sanandaj wurde 24 Tage lang bombardiert. Natürlich gab es dort großen Volkswiderstand. Aber sogar die Stadt Mahabad, wo die Bevölkerung nicht vorbereitet war. großen Widerstand zu leisten., wurde mit Kanonen und Mörsern bombardiert. Dieses Mal richteten sich die Angriffe gegen die ganze Bevölkerung, einschließlich der Frauen, nicht nur gegen bewaffnete Peshmerga. Es gab sogar Falle, wo sie Arzte und Krankenschwestern erschossen, die nur Verwundete behandelten, sogar verwundete Soldaten und Pasdaran. Einige Städte wie z.B. Banch wurden praktisch dem Erdboden gleichgemacht. - Mit welchem politischen Programm kampften Sie nun?

- Was wir fordern, ist Selbstbestimmung für das kurdische Volk. Für uns heißt das Autonomie. Wir wollen keinen Separatismus. weil wir nicht glauben, daß eine Trennung vom Iran in unserem Interesse liegt. - Warum wollen Sie Teil eines Landes bleiben, dessen Regierung Sie seit zweieinhalb Jahren mit einem grausamen Krieg überzieht?

- Wenn wir ein demokratisches und unabhängiges Iran erreichen können, dann heißı das, daß wir von allen Resourcen des Iran profitieren können, zusammen mit den anderen Völkern des Iran. Wir können mit ihnen zusammenleben in gegenseitigem Vorteil, wenn wir als Nation angeschen werden.

- Was schlagen Sie vor, um einen solchen Iran zu bekommen?

- Um unsere nationale Rechte zu erlangen, benötigen wir die Unterstützung aller fortschrittlichen Krafte im Iran. Allein können wir die iranische Regierung nicht stürzen. Deshalb müssen wir mit allen iranischen Kräften zusammenarbeiten, um ein demokratisches Iran zu bekommen, in dem alle Iraner in Frieden leben können. Um etwas zu tun, haben wir drei Prinzipien, die man als Plattform anschen kann. Das erste ist der Sturz des gegenwärtigen Regimes. Das zweite ist die Errichtung eines demokratischen Regimes, eines demokratischen Republik Iran. Das dritte ist die Anerkennung des Rechts des kurdischen Volkes auf Autonomie. Wir sind bereit, mit all den oppositionellen Kräften unabhängig ihrer Ideologie zusammenzuarbeiten, die diese drei Punkte akzeptieren. - Was ist Ihre Haltung zum Nationalen Widerstandsrat?

- Es gibt einige Gemeinsamkeiten, und es gibt einige Differenzen, was uns nicht abhalt. mit einigen Elementen zusammenzuarbeiten. die sich am Nationalen Widerstandsrat beteiligen.

- Aber das heißt nicht, dem Rat beizutreten?

- Nein. Eine der Differenzen, die ich mit dem Nationalen Widerstandsrat habe, betrifft die Autonomie für Kurdistan. Die Verlautbarungen, die er zu dieser Frage abgab, waren sehr vage. Sie können beliebig interpretiert werden.

- Kann die Tatsache, daß einer der Führer des Nationalen Widerstandsrats Bani Sadr heißt. der eine Phase des Kriegs gegen das kurdische Volk kommandierte, Ihre abwartende Position rechtfertigen?

- Ja, das sagte ich vorhin.

- Es gibt eine Reihe von Völkern in der Welt, die wissen, was es bedeutet, fast allein gegen einen mächtigen und grausamen Unterdrücker zu kämpfen. Das gilt z.B. für den britisch besetzten Teil Irlands, wo während des zweiten kurdischen Kriegs zehn Männer, die man irische Peshmerga nennen könnte, nacheinander sich zu Tode hungern mußten, um die Aufmerksamkeit der Welt auf die massive Repression in Nordirland zu lenken. Identifizieren Sie sich mit dem Kampf solcher Völker?

- Wir verfolgien die Ereignisse in Irland genau, und unsere Herzen waren mit dem irischen Volk. Ich glaube, es gibt Berührungspunkte zwischen den Kämpfen aller unterdrückten Völker, die für ihre nationalen Rechte kämpfen, besonders wenn sie ein entscheidendes Stadium ihrer Revolution erreicht haben wie wir im Iran. Das kurdische Volk ist der wirkliche Freund des irischen Volkes. nicht das Khomeini-Regime, obwohl es in Worten behauptet, sein Freund zu sein. Es ist unmöglich, daß ein Regime das eigene Volk unterdrückt und zur selben Zeit ernsthaft die Rechte anderer Völker verteidigt. Diese Lehre hat sich tief im Bewußtsein des kurdischen Volkes eingeprägt durch unseren