REVOLUTIONÄRE ANTWORTEN AUF DIE MÖRDERREGIERUNG +++++++ +++++++++++ ++++++ +++ Das Tam-Tam der internationalen Presseagenturen über die Exekution von Sallustro und Sanchez vermag nur schlecht eine Realität zu verbergen, von der der Tod dieser beiden Komplizen in der Ausbeutung und Repression nur den einen Aspekt bilden. Die argentinische Presse hat, soweit es die Diktatur erlaubte, über die 'Meutereien' von Mendoza und San Juan berichtet. Während drei aufeinanferfolgender Tage war die erste Stadt ein regelrechtes Schlacht feld, und da die Truppen, die normalerweise in der Provinz die Repressionsaufgaben wahr nehmen, nicht 'sicher' waren, hatte die Regierung Antiguerilla-Spezialeinheiten gesandt, die jederzeit zur Intervention innerhalb von wenigen Stunden an jedem Unruheherd bereit sind. Trotzdem gelang es erst dann, die 'Ordnung * wiederherzustellen, als die Regierung nachgegeben und die neuen Elektrizitätstarife zurückgenommen hatte. In der Presse ist nur von 4 oder 5 Toten und von ein paar Dutzend Verwundeten die Rede. Es ist schwer, sich von der Wirklichkeit ein Bild zu machen, da die Regionalzeitungen einfach geschlossen wurden und man auf die Kommuniques der Armee als einziger Informationsquelle angewiesen war. Daß die Regierung gezwungen war, die Zeitungen zu verbieten und zu zensieren, zeigt deutlich, wie akut die Krise des Regimes ist. Was hatten diese Zeitungen Traten Papst Paul berichtet? Von "barbarischen und unqualifizierbaren' Taten (Papst Paul VI. zur Exekution Sallustros), die die Exekution eines Agenten der Ausbeutung und der Repression wie Sallustro bei weitem übertrafen: die Einwohner erklärten den Journalisten, daß in einem einzigen Stadtviertel 15 getötet wurden. Die Repression durch die Elitetruppen von Sanchez war so blutig und die Unruhe so groß, daß von "Reibereien' zwischen der Luftwaffengarnison von Mendoza und den Bodentruppen die Rede ist.
Warum brachen die Ereignisse in Mendoza und nicht anderswo auf, wo doch der Elektrizitätstarif überall um etwa 100 % erhöht werden sollte und die Lebenshaltungskosten im ganzen Land 1971 um 50 % und im ersten Drittel des Jahres 1972 um 25 % gestiegen sind? Weil einer seits im Gegensatz zu Cordoba und Rosario die Arbeiterklasse hier in der jüngsten Vergangenheit keiner heftigen Repression ausgesetzt war, und vor allem weil hier der Einfluß der peronistischen Führung schwächer ist und der Gewerkschaftsapparat leichter von der Basis her beeinflußt wird. Man darf nicht vergessen, daß die CGT trotz der Macht ihres Apparats manch mal von der Basis überrollt wird und der Einfluß des Apparats auf lokaler und regionaler Ebene manchmal infrage gestellt wird.
Es ist sehr gut möglich, daß die Teilerhebung von Mendoza ähnliche Massenbewegungen ankündigte, immer zahlreichere, die von der Armee und von den bürgerlichen Politikern nicht mehr kontrolliert werden können, und mit denen sich die Aktion bewaffneter Gruppen verbindet. In ihren Kommentaren zu den Ereignissen in Mendoza hat die bürgerliche Presse sogar betont, daß eine "Gruppe von isolierten und verfolgten Guerilleros" als Urheber für eine Bewegung von solcher Reichweite in Frage käme; um die Behauptung, "Berufsagitatoren von außen " seine schuld, zu widerlegen, genügt es, darauf hinzuweisen, daß nur zwölf unter den Hunderten von Personen, die man verhaftet hatte, nicht aus der Provinz selbst kamen. Ubrigens entdeckt die Polizei fast täglich im ganzen Land Waffen, Explosivstoffe, regelrechte geheime Feldlazarette, was deutlich anzeigt, daß im ganzen Lande die revolutionäre Aktivität in ihrer radikalsten Form vorbereitet wird. Auf die immer brutaleren Repressionsmethoden antworten die bewaffneten Gruppen, unter denen heute die ERP die akfivste ist, mit ihren eigenen Methoden, wobei sie soweit wie möglich vermeiden, nutzlos Tote zu machen. Wenn man die Exekution des berüchtigten Sanchez als Maßnahme der öffent lichen Gesundheitspflege bezeichnen könnte ( vergl. den Steckbrief diese abscheulichen Folterers weiter unten), so hätte der Tod von Sallustro von der Diktatur vermieden werden kön nen. Es ist nichts verbrecherisches daran, von FIAT die Wiedereinstellung der entlassenen Arbeiter und die Verteilung von Material für Schulkinder zu verlangen. Der FIAT - Konzern verfügt über mächtige Druckmittel, setzte sie aber nicht ein, da er mit den Methoden und Zielen der Regierung einverstanden ist. In Italien selbst arbeitet FIAT
sehr eng mit der Polizei zusammen und praktiziert die Repression systematisch im Stillen. Sallustro und Sanchez arbeiteten sozusagen arbeitsteilig. Sallustro wurde in dem Augenblick exekutiert, a's die Repressionskräfte beim zweiten 'Volksgefängnis' ankamen ( nach den letztan Meldungen handelte es sich um eine gewöhnliche Hausdurchsuchung, die Polizei wußte nicht, daß sich Sallustro dort befand). Die Gesetze des revolutionären Krieges ließen keine andere Möglichkeit, als den Generaldirektor von FIAT zu exekutieren, und die Verantwortung Für den Tod von Sallustro fällt unter diesen Umständen voll und ganz auf die Regierung, die sich geweigert hatte, zu verhandeln, und die die ganze Gegend durchkämmte, die verhaftete und folterte in vollem Bewußtsein für das Risiko, das damit auf Sallustro lastete. Übrigens hat sich FIAT wohl gehütet, die öffentliche Meinung über dieses Risiko zu alarmieren, und seinen argentinischen Generaldrektor geopfert, um seine materiellen Interessen im Rahmen der 'Ordnung' der Diktatur zu sichern.
(Jorge Antonion Echeverria. Aus ROUGE Nr. 153)
Aus LE MONDE vom 12.4.72:
DER 'RATISSAGE'- GENERAL (1)
• Wenn es nur auf mich ankäme, ich würde sie in ein Flugzeug laden und dann ins Leere ohne Fallschirm stürzen" , vertraute kürzlich Generals Juan Carlos SANCHEZ einem Journalisten in Bezug auf verhaftete Guerilleros an. Von allen Militärführern ist dieser General sicher der aktivste und entschlossenste im 'counter insurgency' - Kampf. Die zweite Militärregion, deren Kommando er 1970 übernahm, und die sich von Rosario bis Tucuman entlang der Grenze mit Uruguay und Paraguay erstreckt, ist allerdings auch zu einem Operatienszentrum der Aufständischen geworden, insbesondere der Trotzkisten von der ERP ( Revolutionäre Volksarmee); Im letzten Mai, nach der Entführung des britischen Konsuls Sylvester in Rosario, begann General Sanchez, nachdem er von der Regierung freie Hand bekommen hatte, eine Reihe von Operationen, die ihm blad zum Beinahmen "Ratissage-General" verhalfen. Seine brutalen Methoden riefen die Feindschaft eines großen Teiles der Bevölkerung hervor, insbesondere der Bewohner der Slums, wo die Einwanderer aus dem Innern Argentiniens und aus den Nachbar ländern zusammengepfercht sind. Die Schläge der Repression gingen ohne Unterscheidung auf all die nieder, die ihre Opposition zum Regime zu erkennen gaben und damit nach Meinung des Generals 'Komplizen' der Guerilleros waren. Dieser moderne Kreuzritter des Antikommunismus hatte auch die 'Priester der Dritten Welt' gefressen, die in seinen Augen schuldig waren, die Kirche verraten zu haben. Er ließ 47 von ihnen im September 1971 verhaften und geb sie erst nach einer Intervention von bischöflicher Seite wieder frei. Rocario war zur "Hauptstadt der Folter' geworden, nach dem Ausdruck der Rechtsanwälte der Stadt. Polizisten und Soldaten hatten die Erlaubnis, die Gefangenen zu foltern. Schon Ende letzten Jahres konnte der Kommandant der II. Militärregion sich rühmen, 85 % des Guerillas außer Gefecht gesetzt zu haben. General Sanchez war weit davon entfernt, den politischen Plan der Regierung zu billigen. Er hatte andere Sorgen. "Die jetzige Situation , sagte er, "ist das Ergebnis einer Verschwörung auf weltweiter Ebene. " - P.L. (1) "Ratissage': = Durchkämmen' einer Gegend oder einer Stadt im Guerillakrieg von der Besatzungsarmee.