Henryk Szlajfer ist Mitglied der Redaktion von NTO. des Warschauer Mitteilungsblatts von „Solidarität" für die Arbeiter im Bereich Wissenschaft. Technik Kultur Seine Artikel uber die Ziele der unabhängigen Gewerkschaftsbewegung und uber die Wirtschaftsreform, die er für den Diskussionskreis , Forum "80" von "Solidaritat" an der sozialwissenschaftlichen; Fakultät der Universität Warschau schrieb, wurden in vielen regionalen Gewerkschaftsblattern nachgedruckt. Das folgende Gesprach mit Szlajfer wurde Ende Dezember von der franzosischen Journalistin Jacqueline Allio in Warschau gefuhrt Frage: In den Diskussionen mit den Funktionaren und sogar mit den Wirtschaftsexperten von Solidar nosc, war ich erstaunt daruber wie groß die Verwirrung ist, die in der Debatte uber die Wirtschaftsreform herrscht, insbesondere was die Rolle des zentralen Plans betrifft und die Auswirkungen, die eine Wiederein fuhrung von Marktmechanismen in die Wirtschaft haben konnten Alle scheinen mehr oder weniger sich da ruber einig zu sein, daß solche Maß nahmen an erster Stelle auf landwirt schaftlichem gebiet erfolgen mußten aber niemand scheint genaue Vorstel lungen uber das Ausmaß dieses Pro zesses vor allem auf anderen wirt schaftlichen Gebieten zu haben Nie mand scheint sich auch klar zu sein, welche konkreten Maßnahmen ergrif fen werden mußten, um das Bestehen solcher Marktmechanismen mit der Aufrechterhaltung einer zentralen Planung in Ubereinstimmung zu brin gen Henryk Szlajfer Es ist wahr, daß die meisten Leute nicht wissen, wie die Verbindungen zwischen Marktele menten und dem zentralen Plan aus sehen müßten. Das rührt unter ande de, als die Wirtschaft nicht in einer rem daher, daß es seit fünf oder sechs Krise steckte, während wir es heute Jahren fast überhaupt keinen zentra in Polen mit einer strukturellen Wirt len Plan mehr gibt. Wir stehen einer schaftskrise zu tun haben. Lage gegenüber, in der einerseits zen trale Entscheidungen von der admini Zweitens hatten die Ungarn 1968 strativen Seite her sehr weit gehen keine Schwierigkeiten mit ihrer Zah und den Betrieben keine Autonomie lungsbilanz, während das in Polen einraumen und andererseits der Plan heute der Fall ist. Und drittens - das als Mittel, die Gesamtwirtschaft zu ist der wohl wichtigste Faktor - hat koordinieren praktisch nicht vorhan ten die Ungarn gewaltige Kapitalien den ist Um sich davon zu uberzeugen in der Landwirtschaft investiert, und genugt es, die in dem Plan verwand zwar während des ganzen Jahrzehnts, ten Indikatoren (Kennziffern) mit ih das dem Beginn der Wirtschaftsre rem konkreten Einsatz in jedem ein form vorausgegangen war. Das aber zelnen Unternehmen zu vergleichen bedeutet, daß sie 1968 die Reform Man stellt dann fest, da es einen ge begannen, ohne das Problem des Eng waltigen Graben gibt zwischen diesen passes in der Versorgung und den Kennziffern und den wirtschaftlichen Nahrungsmittelreserven zu haben Ergebnissen, bezogen auf das, was in Das stellte also für das freie Spiel der den letzten 5 oder 6 Jahren geplant Wirtschaftsgesetze keinen begrenzen worden ist. Das zeigt, daß der Plan den Faktor dar Heute in Polen ist eine Fiktion war Und das erklärt die Versorgungskrise ein gewaltiges auch, warum die Leute aus dieser Problem und solange die Reserven so Praxis nicht die richtigen Lehre zie unzureichend sind, solange die Be hen konnen, warum sie dazu neigen, durfnisse an Nahrungsmitteln nicht zu vereinfachen und insbesondere gedeckt werden konnen, werden alle zentrale Planung mit zentraler Ver Versuche, die Strukturen des Vertei waltung der Wirtschaft und der Be- lungskreislaufes andern, zum triebe gleichzusetzen. Scheitern verurteilt sein. Im Augenblick neigen die Wirt Das also sind die drei wesentlichen schaftswissenschaftler der Regierung Unterscheidungsmerkmale im Verebenso wie die mit 'Solidaritat Ver gleich zur ungarischen Lage. Wenn bundenen dazu, in vereinfachten man diesen drei Elementen die Tatsa- Vorstellungen zu denken und den che hinzufügt, daß in Polen das Lenk zentralen Plan und die Kräfte des ungssystem und die Mechanismen, Marktes einander gegenuberzustellen die es gestatten, die Wirtschaft zu Und wenn sie an eine Wirtschaftsre kontrollieren, fast völlig zerstört sind form denken, dann beziehen sie sich dann begreift man, warum die Regie auf die Lage, die Ende der fünfziger rung unfahig ist, uber die wesentli Jahre herrschte und die Ursache war chen Elemente des wirtschaftlichen für die Debatten Anfang der sechzi Gleichgewichtes Kontrolle auszuüben ger Jahre, als es um die Fragen des sei es, auf dem Gebiet der Rohstoffe, Wertgesetzes ging, um die Preise, den der Versorgung mit Energie, der Weizentralen Plan, usw. Sie beziehen sich terverarbeitung usw. All das bedeutet ubrigens auf eine Art ,klassischer" daß es zumindest in den beiden kom- Wirtschaftsreform, nämlich die un- menden Jahren unmöglich sein wird, garische Reform Ich meine jedoch, in diesem Lande eine Reform des daß die Vorraussetzungen hierfur klassischen Typs durchzuführen falsch sind Zunachst einmal weil die Bedingungen unter denen die ungari Alle Erklärungen und Konzepte sche Reform durchgeführt worden ist uber diese Art von Reform sind vieltotal andere waren als die augenblick leicht für die Zukunft gültig, in zwei, lichen in Polen Die wesentlichen Un- drei oder vier Jahren aber das wesentterschiede sind erstens, daß die Re liche Problem liegt in der Gegenwart form in Ungarn 1968 begonnen wur es geht schlicht darum, Ordnung in ===== S. 15 | Inprekorr_19810305_131_015.jpg ===== die Wirtschaft zu bringen. Man muß zunachst wissen, woruber man genau verfugt, welche Engpasse es auf dem Gebiet der Produktion, insbesondere auf technischem Gebiet gibt. Und diese Idee, daß es notig ist, zunachst einmal Ordnung in die Wirtschaft zu bringen, ehe man an eine Wirtschaftsreform herangeht, wurde unter anderen von Czeslaw Borowski betont, der fur mich der beste polnische Spezialıst auf dem Gebiet der Planung bleibt. Er hat deutlich erklart, daß man keine großen Reformen oder starke Veranderungen in der unmittelbaren Zukunft erwarten dürfe, und daß man hochstens einige kleinere Anderungen in der Funktionsweise der Wirtschaft in den kommenden zwei oder drei Jahren erhoffen konne Was Solidaritat' betrifft, so sind dort die verschiedenen Standpunkte, die in der Debatte zum Vorschein kamen, bis jetzt nicht sehr klar. Diejenigen, fur die sich das Interventionsfeld von Solidaritat' auf die klassischen Gebiete einer Gewerkschaft beschrankt vorstellen, versuchen diese Frage vollıg zu ubergehen. Sie behaupten, diese Probleme lagen nicht in der Zustandigkert von "Solidarnosc' , sie hingen von der Regierung ab "Solidarnosc' konne lediglich, wenn der Plan zur Wirtschaftsreform vorgelegt werde, Zustimmung oder Ablehnung ausdrucken Bisher ist dies die hauptsachliche Strömung, die in den Gewerkschaftsblattern zum Ausdruck gekommen Ist
Die zweite Stromung, die noch schwach ist, aber an Boden gewinnt bei den Mitgliedern von "Solidaritat' verteidigt den Standpunkt, daß die Vorberertung der Wirtschaftsreform eines der wichtigsten Diskussionsthemen der Gewerkschaft sein musse, weil die Art der angenommenen Reform mit daruber bestimmen werde, welchen Platz Solidaritat' in der wirtschaftlichen Lenkung des Landes einnehmen wird. In der Tat wird je- Solidarität' auf wirtschaftlichem Gebiete entweder einengen oder erwertern. Ich glaube, daß die zwerte Stromung recht hat, und daß man ganz schneli in die Diskussion uber die Wirtschaftsreform innerhalb Solidarität einsteigen muß, und zwar parallel zur Debatte über den gesetzlich festzulegenden Rahmen für die Aktivität unabhangiger Gewerkschaften. Um aber jetzt auf die Frage des zentralen Plans zurückzukommen, so glaube ich, wenn man nicht zentrale Planung und Verwaltung durcheinanderbringt - was sehr oft geschieht ist es absolut moglich, den Betrieben emen großen Spielraum an Autonomie einzuraumen, ohne deshalb das Konzept eines zentralen Planes aufzugeben. Wesentlich ist es, das interventionsfeld der Plankommission zu begrenzen und genau festzulegen, was ihrer Kontrolle unterliegt und was nicht. Es ist zum Beispiel offensichtlich, daß die wichtigsten Kennziffern durch diese Kommission bestimmt werden mussen. Sie muß auch - hier sogar verwaltungsmäßig - eine entscheidende Rolle in der Kontrolle der Produktion der Rohstoffe oder der Grundinvestitionen in der Schwer industrie und in der Leichtindustrie spielen. Aber das übrige muß dezentralisiert sein, muß direkt durch eine zwischenbetriebliche Abstimmung, ohne administrative Eingriffe seitens der Zentralkommission erfolgen Die andere wesentliche Frage betrifft jedoch die Art und Weise der Ausarbeitung des zentralen Plans, so daß tatsächlich die Arbeiter in den Betrieben #daran beteiligt sind. Zu diesem Zweck mußte der Planungsprozeß vom Betrieb ausgehen. Das ist insbesondere hinsichtlich der Roh stoffe wichtig man muß sich vor Augen fuhren, was die Zentrale Planungskommission im Augenblick in einem Bereich wie dem der Kohlen gruben an Produktion erwartet und was die Bergarbeiter zu tun bereit sind. Die Differenz zwischen beidem liegt in der Größenordnung von 20 Millionen Tonnen Kohle. Das beweist daß man einen realistischen Plan nur dann aufstellen kann, wenn man sich auf einen Prozeß stützt, der von der Basis ausgeht, wie das heute im Bergbau der Fall ist, wo die Arbeiter ihre Ansichten der Regierung aufgezwungen haben. Und die Tatsache, ob ein Plan realistisch ist oder nicht bestimmt ganz einfach über Sein oder Nichtsein des Plans. Bisher war im Gegensatz hierzu die Prozedur, die zur Ausarbeitung eines Planes führte, völlig anders. Die hauptsächlichen Kennziffern kamen von oben, wo sie in der zentralen Planungskommission festgelegt wurden. Das aber erklärt ihren illusorischen Charakter, die Tatsache, daß die Ergebnisse ohne jeden Bezug zu den zentral festge legten Vorauss/ tzunger blieben. Frage:Welche ind Deiner Meinung nach die Prioritäten die unter dem Gesichtspunkt der So ortmaßnahme ergriffen werden mul ten. um die augenblickliche Wirtschaftskrise zu ubenvinden?
Henryk Szlajfer Die I'rioritäten zu bestimmen, ist sehr einfach Zu nachst cinmal genugt is vor allem von den Bedurfnissen auszugenen Je de Diskussion mußte von den wesent lichen Problemen bestir amt werden auf die die Mehrheit der Menschen in ihrem taglichen Leben stoßt Dann aber schalen sici soforı vier Arten von Paoriaten heraus An erster Stelle mussen die Kapi talin ostitionen in die Landwirtschaft betrachtlich erho.t werden um so schneli wie mogltch die N.hrungsinit telk nappheit zu be citigen SOLiDARNOS ===== S. 16 | Inprekorr_19810305_131_016.jpg ===== gletchheit zwischen beiden abgestellt Schweineproduktion 1978 ständig zurückging und. die insbesondore Die zweite Priorität an Investitio- wird. Tatsächlich gehen zwei Drittel zwischen 1979 und 1980 um 30-% nen gilt dem Wohnungsproblem und der Subventionen und Investitionen gesunken ist. Die in der Landwirtder Notwendigkei. Kapial in den Bau von Wohnungin zu st cken, de in den staatlichen Sektor, obwohl dieser nur ein Drittel der landwirt nicht nur die Produzenten, sondern schaft herrschende Krise spüren aber ren Zahl vor allein in de Stadten schaftlichen Produktion arbringt, auch die Konsumenten, da die Nahvollig unzureichend ist während der private Sektor, der 70% rungsmittelknappheit schärfer ist als Dor dritte Punkt betrifft Investi- der landwirtschaftlichen Produktion erzeugt, nur 33 % der Investitionen je zuvor. Die Lösungen, die dazu die- nen, die Lage wieder zu verbessern, tionen in der gesell chaftlichen Infra- struktur - Schulen Krankenhauser, erhält. Daher rührt die Schwierigkeit der selbständigen Bauern, Maschinen müssen deshalb von der gesamten Ar- berterbewegung diskutiert werden. Es Kinderkrippen - funz zu schwogan anzuschaffen, die notwendigen Men- ist eine weitverbreitete Vorstetlung von der Erhchung der Mittel die ge an Futtermitteln zu erhalten und man müsse die Preise, die den Bauern fur Erziehung und kultur ginz allge die Kredite, die unabdingbar sind, gezahle werden so sehr erhöhen, daß mein notig sind um ihre Arbeit lohnend zu machen die Bauern damit zurecht kommen An vierter Stelle schließlich steht Denn wenn der private Sektor auch sehr viel rentabler ist als der staatli- (ganz zu schweigen von den Maßnah- men, die- getroffen werden, um das Probiem der Ausrustung der pri che, so bleibt doch die Produktivi Schluß zu machen mit der bürokrativaten Haushalte die in Betracht ga tatsrate im privaten Bereich sehr nie- schen Verwaltung, die in diesem Bezogen werden muß Die Lage ist für Junge Paare die sich einrichten wol drig im Vergleich zu anderen indust- nalisierten Staaten. Das erklärt sich reich hyperzentralisiert und reiner Schwachsinn ist) Was aber geschieht Hinblick len, absolut katastrophal, sowohl im auf Mobal als a ch auf insbesondere daher, daß fast die Hälf. te der privaten Höfe, die manchmal dann mit den Verbraucherpreisen? Wird man dann die Löhne entspre- Kuhischranke und Fernsche ppa.ute weniger als einen Hektar Land haben, chend erhöhen mussen? Wäre es nicht All dies sind absolut notwendige Din Subsistenzfarmen sind (also nur für besser, die Subventionen des Staates ge dia nichts mit Luxus zu tun ha den Eigenbedarf sorgen) Sie bringen zu erhöhen? Diese Debatte hat erst ben die man sich ahur nur sci wer be fast nichts auf den Markt Es mussen sehr rasch Maßnahmen ge- begonnen schafron kon Der dritte Punkt betrifft Investi- troffen werden, um dies zu ändern Frage: Welches sind Deiner Ansicht tionen in der gesellschaftlichen Infra- struktur - Schulen, Krankenhäuser, Die natürliche Arbeitsteilung müß- dern muß, damit die Arbeiter in all nach die Strukturen. die man for- Kinderkrippen - ganz zu schweigen der Erhohung der Mittel, die te in der Tat darauf hinauslaufen, daß der staatliche Sektor - abgese- diesen Debatten ihren Standpunkt fur von Erziehung und Kultur ganz allge- hen von der Arbeit in Versuchsfar- zur Geltung bringen konnen? mein notig sind An vierter Stelle schließlich steht men - vor allem die Produktion von Viehfutter sicherstellt, die einen ho- Henryk Szlajfer Wenn man - wie die Führung von Solidarität' es bisdas Problem der Ausrustuns der pri- hen Grad an Mechanisierung erfor her tat, davon ausgeht, daß die vorvaten Haushalte, die in Betracht ge dert und den selbständigen Bauern nehmlichste Aufgabe der Gewerkzogen werden muß Die Lage ist für die Viehzucht und jene Kulturen schaft darin liegt, die unmittelbaren junge Paare, die sich einrichten wol- uberlaßt, die einen großeren Teil an Interessen der Arbeiter zu verteidigen len, absolut katastrophal, sowohl im Handarbeit erforderlich machen. Die dann kommt man zum Schluß, daß Hinblick auf Mobel als auch auf Regierung hat vor einigen Jahren je alles was mit der Wirtschftslenkung Kühlschranke und Fernsehapparate doch entschieden, daß die Staatsfar- zu tun hat, in die Hände von Selbst- All dies sind absolut notwendige Din- men auch Viehžucht betreiben sollen verwaltungsstrukturen auf der bege, die nichts mit Luxus zu tun ha- ben, die man sich aber nur schwer be- und zwar im Gegensatz zu dem, was bis dahin üblich war Die unmittel Aber ich glaube, trieblichen Ebene gelegt werden muß • daß dies nur eine schaffen kann bare Folge davon war, daß man gros Teilantwort auf das Problem ist vor Frage Welche Losungen können vor mußte, denn die Staatsgüter hatten Be Mengen an Futter importieren geschlagen werden, um die Lage der Landwirtschaft zu verbessern? sich vorher als unfahig erwiesen, ge- nugend Futtermengen zu produzie- digen Selbstverwaltungsstrukturen zu Henryk Szlaifer Man muß zunachst Bereiches zu decken Ihre eigenen Be- ren, um die Bedürfnisse des privaten tun hat, wird man sehr schnell fest- stellen, daß diejenigen, die daran teilsich als absolut unfahig erwiesen hat, darauf hinweisen, daß die Regierung durfnisse an Futter kamen jetzt zu- nehmen, vor allem Mitglieder von den Bereich der Landwirtschaft rich- satzlich zu den bereits vorhandenen "Solidarität' sind. Wenn also die Roltig zu verwalten Die Produktionsrate Anforderungen hinzu. Infolge der Vergeudung, die im le von "Solidarität' als Gewerkschaft strophal, daß einige bereits den Vor- auf den Staatsgütern ist derart kata- staatlichen Bereich herrscht, hat man fantastischen doch die Mitglieder von "Solidarität" auch klar abgegrenzt ist, so werden / schlag gemacht haben, diese Guter auch rasch festgestellt, daß man dort sehr viel mehr Futter brauchte um werkschaftsfunktionäre und Vertret- eine doppelte Funktion ausuben: Geeinfach unter die Privatbauern aufzu- teilen Das aber ware ein Fehler, weil ein Kilo Schweinefleisch zu erzeugen Sektor (7 Kilo im ter in den Organen der Selbstverwaleinerseits die Staatsfarmen eine be * als im privaten staatlichen und nur 4 Kilo im priva- zwischen beiden und der Gewerk- ting Das Problem der Verbindung sondere " Rolle spielen mussen und weil andererseits die selbständigen ten Sektor!) schaft ist also noch keineswegs ge- Bauern nicht in der Lage waren, un- Auf diese Weise sind die Importe nau bestimmt und muß deshalb auster den augenblicklichen Umstanden in wenigen Jahren von 2.5 Millionen diskutiert werden. eine so gewaltige Masse an Boden zu ubernehmen und auch wirksam zu heute gestiegen, was einen der we- Tonnen Viehfutter auf 10 Millionen Es gibt jedoch auch ein allgemeinutzen. sentlichen Faktoren der wachsenden Polens dar- neres Problem, ob es nämlich richtig ist, überhaupt an der Wirtschaftsde- Im Augenblick ist es wesentlich, Auslandsverschuldung stellt Wie dumm die damalige Ent-• batte teilzunehmen, oder ob man die Verteilung der Investitionen zwi- schen den beiden Bereichen - dem scheidung des Staates war, geht al- lein daraus hervor, daß die landwirt- sich da nicht lieber raus halten und den strikten Status eines Beobachters privaten und dem staatlichen sofort zu ändern damit die unerhorte Un- schaftliche Produktion insgesamt seit ===== S. 17 | Inprekorr_19810305_131_017.jpg ===== bewahren soll. Ich meine, daß es zur zur Aufgabe von Solidarität' insge- samt, einen allgemeinen Rahmen zu Aufgabe von Solidarität gehort, ein erarberten, der es diesen isolierten Programm über die Wirtschaftsreform Arbeitern ermöglicht, in einen Pro auszuarbeiten, wie auch zu jedem As- pekt des wirtschaftlichen und gesell- zeß der Selbstverwaltung einzutreten schaftlichen Lebens. Das ist das ein- zige Mittel, um dem Regierungspro- Frage: ich war in der Diskussion mit Arbertern einiger Großbetriebe im gegenstellen zu können. Das setzt vo- gramm unser Alternativprogramment Stahlbereich, der Automobilindustrie auf den Werften, usw. überrascht fest raus, daß man bereit ist, an der Lei- zustellen, daß sie im Rahmen ihrer auf der Grundlage von Bedingungen, tung der Betriebe teilzunehmen, aber zu ergreifen sind, um die Produktion Vorschlage für die Maßnahmen, die den und nicht von der Regierung die von Solidarität bestimmt wer- zu reorganisieren und die Produkti- vitat zu verbessern, nicht davor zurung einen Plan zur Wirtschaftsre- Anders ausgedruckt wenn die Regie- sprechen (ohne Vorschlige zu ma rückschreckten, von Entlassungen zu form vorlegen wird, oder zur Einfuh- rung von Dringlichkertsmaßnahmen chen, wie man diese Arbeiter wieder eingliedert, so daß sie also arbeits die wirkliche Gefahr, daß dann die auf wirtschaftlichem Gebiet, besteht los wären). Ganz allgemein schienen sie sich übrigens sehr wenig der unabhängigen Gewerkschaften be- Folgen einer Wiedereinführung der schuldigt werden, Anarchisten, ver- antwortungslose Menschen zu sein zwischenbetrieblichen Konkurrenz bewußt zu sein und die Gesamtwirtschaft zu sabotieren, wenn sie der Regierung nichts Henryk Szlaifer: Das erklärt sich dadie von ihr vorgeschlagenen Pläne anderes entgegenzusetzen haben, als raus, da die meisten Arbeiter in die- som Land, seien es nun Facharberter einfach abzulehnen. niker usw niemals mit der Gefahr oder Ungelernte, Angestellte, Tech- Was die Praxis betrifft, so ist es der Arbertslosigkeit konfrontiert gedurchaus moglich, daß in einigen Be- trieben Komitees von "Solidarität' daß dies zumindest hinsichtlich der wesen sind Man kann sogar sagen, tatsächlich so auftreten, als ob sie waren Arberter in der Produktion, der Tech- niker, oder der Ingenieure auch heute Selbstverwaltungsorgane Wenn sie sich praktisch damit be noch nicht der Fall ist. Für sie ist desschäftigen, die Warenbestände aufzu- halb das Konzept der Arbeitslosigkeit abstrakt. Was sie mit dem Wort Ar dem Maschinenpark bestellt ist, sich nehmen, zu untersuchen, wie es mit bertslosigkeit verbinden, ist vielmehr und die schlechte Verwaltung der Di- uber die Verschwendung von Mitteln die Lage, in der Arbeiter bezahlt wer- den ohne etwas zu tun. Äußersten rektion zu informieren, wie es die Falls glauben sie, das könne nur an- Arbeiter von URSUS, von Huta Ka- towice oder der Werften getan haben sie selbst. Ich glaube jedoch, wenn si dere Schichten betreffen, aber nicht - ganz zu schweigen von dem Willen eine allgemeinere Kontrolle über die gemacht haben, werden sie zu der einige Erfahrungen in diesem Sinne Augenblick bei der Rationierung von Versorgung auszuuben, wie es im hartnäckigsten Gegnern von Arbeits- losigkeit gehören Und ich glaube tet "Solidarität" bei wertem die tradi- Flesch der Fall ist, dann überschrei- nicht, daß es wirklich eine Gefahr gibt, Arberterkomitees könnten fü eine wirkliche Politik der Arbeits Wenn ich an Diskussionen zurückdenke, die ich mit Arbertern.zum Bespiel in Huta Katowice hatte, dann stelle ich übrigens fest, daß sie sehr viel pfiffiger waren. Im Verwaltungsbereich dieses Stahlwerkes gibt es - wie überall sonst auch einen Oberschuß an Arbeitskräften. Es ist wahr, daß die Arbeiter sich nicht ge rade besorgt zeigten über das Schicksal der Angestellten, die man entlas sen mußte. Als es aber um die Frage der bäuerlichen Arbeiter ging (der „Mondscheinbauern" , die im Betreb arberten und gleichzeitig auch auf ihrem kleinen Bauernhof), die größtenteils unqualifizierte Arbeiter sind und deren Leistung im Betrieb nicht gerade hervorragend ist, haben sie jede Überlegung, sie zu entlassen weit von sich gewiesen Sie argumentierten, daß sie schließlich - selbst offiziõs - zur Lebensmittelversorgung des ganzen Landes und auch der Stadt Katowice einen Beitrag leisten, auch der Stadt Katowice, wo sie auf dem Markt Gemüse, Früchte, Eier usw verkaufen. _Wenn sie keine Lohnarbeit mehr haben, dann werden sie auch ihren Bauernhof aufgeben und nicht mehr das produzieren, was sie heute erzeugen, und wir werden ver- hungern erklärten die Arberter. Und was Solidarität' betrifft, s0 glaube ich nicht, daß die Mitglieder bereit sein werden, für eine Politik der Entlassungen Verantwortung zu übernehmen, denn sie würden dann in den Augen der betroffenen Arbeiter als Verräter dastehen. Das wäre einfach Selbstmord für die Bewegung und es ginge gegen die gesamte Ausrichtung der unabhängigen Gewerkschaften seit dem Zeitpunkt ihrer Entstehung losigkeit eintreten. Das würde Solitionelle Verteidigungsrolle einer klas- sischen Gewerkschaft Wenn aber darität" in eine unmögliche Lage ver setzen. Polen wäre dann das erste Solidarität kein klares alternatives Land in der Welt, in dem eine Ge Programm hat, sowohl den Prozeß der Wirtschaftsreform als auch der zutreiben, dann taucht unzweifelhaft als auch der Selbstverwaltung voran- eine solche Politik zu unterstützen werkschaft sich bereit zeigen würde sonder auch auf der ideologischer das Risiko auf, daß isolierte gewerkschaftliche Gruppen sich einfach korrumpieren oder in das alte Lenkungs- system integrieren lassen Vor allem die schwachen oder wirtschaftlich gedenen die Arbeiter nicht auf die Hilfe sehen weniger wichtigen Betriebe, in anderer Betriebe zahlen können, sind dann gefährdet Ich habe den Eindruck, daß die meisten Arbeiter bereit sind, ein System der Mitbestimmung oder der Mitentscheidung zU akzeptieren, wenn sie tatsächlich in kampferischer Weise in die wirtschaftlichen Ent- scheidungen auf betrieblicher Ebene eingreifen konnen. Darum gehort es