Jerry Lawless (Pseudonym: der Gesetzlose): 36 mal verurteilt (das ist Tatsache, nicht Amgabe), mehrfach eingesperrt, besonders wegen Zugehörigkeit zur IRA. Als Kind war er in einem britischen Konzentrationslager. Von der nordirischen Regierung wird er als einer der Hauptverantwortlichen für die gegenwärtigen Unruhen in Ulster hingestellt. Zur Zeit auf der Fahndungsliste der britischen Polizei.
Jerry Lawless, Sie sind ebenfalls Herausgeber des "Irish Citizen", dem Organ der Irischen Solidaritätskampagne ( I.S.C., Irish Solidarity Campaign). Was sind die Ziele der ISC? Die ISC konzentriert ihre Aktivitäten auf die irische Frage und rekrutiert ihre Kräfte unter britischen Studenten, englischen Gewerkschaftern sowie irischen Emigranten. Wir sind zahlenmässig die größte Organisation in Großbritannien, die sich mit der irischen Frage beschäftigt. Wir haben mehr als 26 Ortsgruppen und geben somit den Ton für die ganze Bewegung in Großbritannien an. Was wir heute sagen, übernehmen andere Gruppen und Tendenzen morgen, über morgen und vielleicht nächstes Jahr. So ist die Lage.
Unsere Hauptaufgabe besteht darin, Einfluß auf die Linke, insbesondere auf die revolutionäre Linke in Großbritannien auszuüben. Das ist außerordentlich schwierig. Zum Teil deshalb, weil wir gegen den Ballast des britischen Imperialismus zu kämpfen haben, der als imperialistische Ideologie nicht nur bei der Bourgeoisie, sondern auch in der englischen Arbeiterbewegung spür bar ist, was sich in bestimmten Teilen der Linken widerspiegelt. Man kann ohne Übertreibung sagen, daß dies Auswirkungen bis hin zu rassistischer Verachtung gegenüber den Iren hat. Diese politische Problem müssen wir gerade in Großbritannien lösen, weil es sich beim Aufbau einer Solidaritätsbewegung in ganz Europa negativ auswirkt. Das wahre Problem bilden diejenigen, die die Solidaritätsbewegung auf den Kampf um die Bürgerrechte, d.h. um Forderungen von gestern, beschränken wollen. Und das andere Extrem sind Genossen - ich hätte fast gesagt auf der Linken, aber das wäre falsch, da es sich nur um eine andere Form des Opportunismus handelt - die ohne Differenzierung sofort die Fahne des Sozialismus hissen wollen, wobei sie so den Kampf, der sich zur Zeit abspielt, völlig ignorieren.
Was für einen Charakter hat dieser Kampf?
Der wahre Kampf, der sich jetzt in Irland abspielt, hat als katholische Massenbewegung in Nordirland begonnen, mit der Forderung nach bürgerlicher Gleichberechtigung. In dieser Zeit von 1968 bis 1969, die von der Parole der Bürgerrechte geprägt war, wäre die Masse der Mobilisierten bereit gewesen, die bürgerliche Gleichberechtigung im Rahmen des nordirischen Mikro-Staates des britischen Imperialismus zu akzeptieren. Sie waren bereit, 1968 das zu akzeptieren, was ihre Väter 1920 zurückgewiesen hatten. Aber um diese begrenzten und in gewisser Weise unbedeutenden Forderungen nach Bürgerrechten hat sich eine Massenbewegung gebildet, die dem Pogrom und der Bürgerkriegsdrohung standhalten mußte. Anstatt sich gängel zu lassen und zu kapitulieren, hat die Massenbewegung geantwortet und zurückgeschlagen. Es kan so zu einem Hinüberwachsen in dem Sinne, daß sich die Massenbewegung für Bürgerrechte in eine Bewegung für die nationale Befreiung verwandelte. Aber das bedeutet nicht, di die Ziele der Bürgerrechtsbewegung erreicht worden seien, sondern nur, daß der Bewußtseins stand der Massen fortgeschritten ist, daß sie sich bewußt sind, daß sie die bürgerliche Gleichheit im Rahmen des nordirischen Polizeistaats nicht erlangen können, und daß das einzige Mit tel, diese Gleichberechtigung zu erreichen, darin besteht, den Polizeistaat zu zerstören, und daß man erst die nationale Befreiung Irlands erreichen muß, bevor man die bürgerliche Gleichberechtigung erreichen kann. In diesem Momen sehen wir bereits den Beginn eines anderen Hinüberwachsens. Wir sehen bereits, daß die kathi lischen Massen Nordirlands sich fragen, welche Art von Irland den Staat Nordirland ersetzen so 20 INPREKORR 15. 3.72
Es wäre falsch zu behaupten, daß die Massen dabei schon eine sozialistische Republik im Auge hätten, aber es ist schon so weit, daß sie den Charakter eines freien Irland bestimmen und solche Bedingungen fordern, die nur im Rahmen eines sozialistischen Systems verwirklichbar sind. Sie sagen: wir wollen nicht einfach Nordirland Südirland einverleiben - obwohl dies historisch ein enormer Fortschritt wäre. Sie wollen das nicht und sie sagen, daß das neue Irland ein Staat sein wird, in dem es keine Arbeitslosigkeit, keine Elendswohnungen, keine Groß grundbesitzer gibt, und in dem der britische Imperialismus ausgelöscht sein wird. In mehrerlei Hin sicht gleicht die Lage der Ruß lands vor 1917, als die russischen Arbeiter Brot, Frieden und Freiheit forderten, aber das einzige Mittel, wodurch sie Brot, Frieden und Freiheit erlangen konn ten, die Zerstörung des zaristischen Staates war, was sich fortsetzte in der Beseitigung des Ke- Ich behaupte nicht, daß wir ein neues 1917 haben, aber daß wir ein Stadium err eicht haben, wo die Mehrheit sich bewußt ist, daß es darum geht, das System zu ersetzen, und wo sie zu fragen beginnt, was für ein System an die Stelle des alten treten muß. Ich betone, daß es sich hierbei nicht nur um die Linke handelt oder um die Aktiven, sondern um die Masse. Das bedeutendste und wichtigste der letzten Wochen ist, daß dieser Bewußtseinsstand, der bislang nur im Norden unter den kampfbereiten Katholiken bestand, sich auf den Süden ausgeweitet ..at, sogar soweit, daß die Liberalen des Südens beginnen, revolutionäre Dichtungen aus dem Jahre 1848 zu zitieren (die nationalen Gewandes, aber sozialen Inhalts sind). Sie machen das jetzt nur, weil sie spüren, was schon vorher unter der Oberfläche zu sehen war. Aber ihre Annäherung ist nur impressionistisch. Das erinnert mich - wenn man den Vergleich wagen kannan James Joyce, den irischen Romacier, der 1904 Irland als den Kern der Lähmung bezeichnete. 10 Jahre später hat Lenin Irland als das Zentrum der Revolution beschrieben. Beide sagten die Wahrheit, nur hatte jeder der beiden eine andere Optik für das Geschehen in Irland. Joyce war ein pessimistischer Kleinbürger, er hatte keine Vorstellung vom Potential der Volkskräfte, er begriff nicht, wer die bewegenden Kräfte der Geschichte, die Agenten des historischen Wandels waren. Joyce hatte nicht verstanden, Lenin sehr wohl. Lenin hat eine Analyse gemacht, Joyce eine andere; die von Lenin war korrekt.
Wir haben immer gesagt, daß dieser Kampf ununterbrochen sein wird, permanent, daß er von einer Phase zur anderen geht und immer so fortschreitet; das ist klar. Die Massaker im Norden führten zum Generalstreik, zu Massendemonstrationen usw.... Dies hat dem irischen Volk die fundamentale Schwäche der revolutionären irischen Bewegung in diesem Augenblick gezeigt. Diese Schwäche muß man beim Namen nennen, um ihr zu begegnen. Wir sagen in unserer Zeitung 'Irish Worker' und in der ISC, daß die Linke und insbesondere die britische sich wieder an Lenin erinnern muß, vor allem an seine Eröffnungsrede zum 2. Kominternkongreß: in ihr erklärt er, an die britischen Delegierten gewandt, nachdem ein britischer Delegierter ein paar dumme, sektiererische Bemerkungen zu einem nationalistischen Streik in Indien gemacht hatte, daß sich die Genossen der englischen Sektion abgewöhnen sollten, eine besondere Form des Sozialismus von denen zu fordern, die gerade den britischen Imperialismus bekämpfen. Das war auch unsere Aufgabe gegenüber den englischen Genossen, und sie ist etwas schwierig gewesen, denn das Problem liegt darin, daß es Leute von der IRA sind, die an der Spitze des Kampfes stehen. Deshalb muß die Parole der Solidaritätsbewegung heißen: "Sieg für die IRA!"
bei keinen Unterschied zwischen den beiden Fraktionen der IRA. Wir wollen die Irrtümer gewisser schwedischer Maoisten vermeiden, bei denen 'Sieg für die IRA' nur Sieg für die ' zielle' IRA, oder die gewisser französischer Maoisten, bei denen das nur Sieg für die "Provi- Wir sind der Auffassung, daß die Aufgabe der Bewegung außerhalb Irlands darin besteht, Solidaritätm mit den jetzt gegen den britischen Imperialismus kämpfenden Kräften auszudrücken. Das umfaßt beide Flügel der IRA, daher heißt die Parole: Sieg für die IRA. Damit haben wir aber nicht alles gesagt, denn ich meine, daß die größte Schwäche der republikanischen Bewegung darin besteht, daß keine der beiden Führungen fähig ist, sich an die Spitze der nächsten S. 21
Kampfesphase zu stellen. Es gab eine Leitung, die in der Lage war, die Phase des Kampfes um die Bürgerrechte zu führen. Als sie sich dann im weiteren Verlauf als unfähig erwies, hat die katholische Bevölkerung des Nordens sie einfach beiseite geschoben und durch eine nove Führun ersetzt, die in vieler Hinsicht eine spontane Führung ist. Das Problem liegt bei der nächsten Kampfphase, denn es ist keineswegs sicher, daß man ebenso bei dem Aufbau einer Stadtguerille Organisation verfahren kann. Man kann den Endkampf, die sozialistische Phase, nicht im Stile eines Zauberkünstlers führen, der das Kaninchen aus dem Hut hervorzaubert. Es ist notwendig, eine Organisation, eine revolutionäre wissenschaftliche sozialistische Partei aufzubauen, und die Tatsache, daß diese Organisation noch nicht besteht, ist zweifellos die größte Schwäche der irischen revolutionären Bewegung, die vor allen Dingen in Dublin im Verlaufe der letzten Wochen zutage trat.
Wer stellt die gegenwärtige Führung des Kampfes?
Was die bestehenden Gruppierungen sowohl des Nordens als auch des Südens angeht, so muß man mit der IRA beginnen, die seit 50 Jahren existiert. Sie kannte linke und rechte Phasen; sie hatte 'linke' und "rechte' Flügel; sie hat zeitweise den bewaffneten Kampf geführt und andererseits in Verzweiflung darüber a | le heute in Irland bestehenden bürgerlichen Parteien hor vorgebracht. Aus der IRA ist im Süden der Fine Gael entstanden, d. h. die konservativste tei, Vorreiter von "law and order" , die deshalb 1921 die IRA verlassen hat. Zwei Jahre späfor ist aus der IRA die Finna fail, die Regierungs- und Massenpartei Südirlands, hervorgeganger Aus der IRA sind seither andere Parteien entstanden, die alle mit Ausnahme der Arbeiterpartei des Südens sich aus der IRA rekrutierten, die Kommunistische Partei und auch die trotzkistische Bewegung mit eingeschlossen.
Im Lichte dieser brüsken Wendungen und Wandlungen muß man die IRA von heute aus den Ereignissen von 1956 erläutern. 1956 hat die IRA einen bewaffneten Kampf gegen Nordirland ge startet, der breite Unterstützung bei der katholischen Bevölkerung Nordirlands genoß. Aber diese Unterstützung war nicht organisiert. Die Kampagne nahm folgende Form an: die IRA stellte Kandidaten auf, die gewählt wurden oder zumindest in den katholischen Bezirken die Mehrheit der Stimmen bekamen. l Dann, nachdem die Ira ein Mandat in den katholischen Gegenden er halten hatte, schickte sie die Leute nach Hause und setzte sich an deren Stelle, um den Kampf fortzusetzen. Dieser Kampf ging von 1956 bis 1962, was ganz schön lang ist, aber er war auf die Grenzbezirke beschränkt. Im großen und ganzen hatte er die Form von Guerillaaktionen über die Grenze hinweg, und er endete 1962. Bei Kampfesende haben viele Mitglieder, die während des Kampfes nicht ausgeschert waren, obwohl sie mancherlei Pressionen ausgesetzt od auch entmutigt waren, nun die Organisation verlassen, wie das bei der IRA nach einer Kampagn so üblich war. Der harte verbliebene Kern begann, die Lage zu analysieren. Ich muß sagen, daß diese Analyse schon 1957 begonnen wurde, aber daran waren nur wenige Mitglieder betei• ligt. Aber nach 1962, nach dem Mißerfolg der Kampagne, wurde diese Analyse und diese Selbst Kritik von der Führung selbst angeschnitten. Und beim Durchdenken der Situation sind Führung ond Basis immer weiter nach links gegangen.
Woher kommen die Ungenauigkeiten in den Programmen der IRA ?
1969 hat die IRA den bewaffneten Kampf als zweitrangig angesehen und unterschätzt, während damals die Unionisten geradezu einen Bürgerkrieg vom Zaume brachen. Die IRA war schlecht vorbereitet, unfähig, den Tagesfragen zu begegnen. Das fiel zusammen mit dem Wiedereintritt • unter dem Druck des Bürgerkrieges - von alten Mitgliedern, die die IRA 1962 verlassen hatten Sie hatten die IRA 1962 verlassen, weil sie sich als reguläre Soldaten betrachteten. Sie hatten sich damals gesagt: "'Das Vaterland bedarf im Moment meiner Dienste nicht mehr, und ich kehre heim, um eine Familie zu gründen.
Jo Khal, einer der Führer der "provisorischen"' IRA, ist ein gutes Beispiel dafür. Er verließ die IRA, um verspätet einen Hausstand zu gründen, und er kehrte zur IRA zurück, sobald sich die Bedrohung 1969 von neuem zeigte. Den von Belfast kommenden Leuten wie Khal fielen bei ihrom Wiedereintritt sofort zwei Sachen auf. Erstens, daß die IRA linker war als jemals zuvor.
Zweitens, daß sie über weniger Waffen als früher verfügte. Sie identifizierten zwei Phänomene und stellten eine Verbindung her: Wurde die IRA durch den Linksruck nicht verweichlicht? Die IRA war nicht mehr fähig, in den katholischen Wohnbezirken die Rolle der "Homeguard' zu spielen. Man muß berücksichtigen, daß in den Konzentrationslagern im Süden die politische Schulung möglich war und dort begonnen hatte. Dagegen waren die im Norden internierten Ge nossen früher und für eine längere Zeit inhaftiert worden. Jo Khal hatte den größten Teil der Kampagne von 1956 bis 1962 hinter Gittern verbracht. Er hat sofort danach die IRA verlassen. Das heißt, er war von der Schulung, die zu dieser Zeit begann, abgeschnitten, und in diesem Sinne ist Jo Khal für eine ganze Reihe von Mitgliedern repräsentativ. Dann gab es einfach eine neue politisierte Jugend, die sich für die Verteidigung ihrer Wohnviertel einsetzte. Sie ging scharenweise zur IRA. Die Tatsache, daß die IRA weder Waffen noch Strategie für den bewaffneten Kampf hatte, führte zur Spaltung 1969 im militärischen Arm und 1970 im politischen Zweig. Damals war es klar, daß die 'Offiziellen' den linken und die 'Provisorischen' den rechten Flügel repräsentierten. Hier muß man jedoch hinzufügen, daß es um die Analyse einer revolutionären Organisation geht. Zum Beispiel wurde das Programm der OF fiziellen von einem Stalinisten geschrieben, der bis vor kurzem der führende Theoretiker der Offiziellen gewesen war. Aber tatsächlich hat er auch das Programm der Provisorischen geschrieben. Diese wollten eine sozialistische Arbeiterrepublik; das ist die zentrale Forderung ihre Programms. Im August letzten Jahres lag folgende Situation vor: die zwei Flügel der IRA veröffentlichten Erklärungen in den Dubliner Zeitungen mit gleicher Überschrift. Und bezeichnenderweise beendeten die Provisorischen ihre Erklärung mit einem Aufruf für eine sozialistische Arbeiterrepublik, die Offiziellen, d. h. der linke Flügel, mit dem Aufruf zu einer demokratischen Republik. Ich will damit sagen, daß man zwar Klassifizieren wie links und rechts vornehmen kann, daß man aber dabei sehr aufpassen muß, da das keine unveränderbare Größen sind und noch keine feste Polarisierung eingetreten ist. Wenn viele Genossen zu den Provisorischen gegangen sind, vor allem in Dublin und in den Grenzbezirken, so nicht deswegen, weil dieser Flügel rechter ist oder der Linken feindlich, sondern weil diese Genossen links von der IRA standen, hartnäckig waren und von der Notwendigkeit des bewaffneten Kampfes überzeugt waren. Heute betrachtet der offizielle Flügel den provisorischen als einen Bündnispartner. Obwohl sie das nicht zugeben, bilden sie ein Bündnis von unterschiedlichen Kräften mit einer unnachgiebigen Linken in der Führung. Andererseits gibt es einen kleinbürgerlichen sozialistischen Flügel, der die Mehrheit des Zentrums stellt, und schließlich die, die offen militaristisch sind. Ich gehe nicht so weit, faschistisch zu sagen - das wäre falsch - aber es sind unpolitische Militaristen, und diese sind immer eine Gefahr. Diese Gefahr wird in der Presse von gewissen Genossen übertrieben, die vom grünen Faschismus zu sprechen wagen. Das ist Unsinn. Auf was gründen Sie nun Ihr Vertrauen in die IRA ?
Es gibt eine andere Tatsache, die die Rechts-Links-Polarisierung in der IRA beeinflußt: das ist der massive Linksruck unter den jungen Katholiken des Nordens. Und da die Provisorischen eine Massenbewegung sind, spiegelt sich bei ihnen dieser massive Linksruck wider. Ebenso sollten die Genossen wegen der Kombination von alter Garde der Linken in der Führung mit dem massiven Linksruck an der Basis vorsichtig sein bei der Charakterisierung der Provisorischen als rechter Flügel. Ich will außerdem noch einmal hinzufügen, daß man beim anderen Flügel, den Offiziellen, obwohl er als stalinistisch bezeichnet wird, außerordentlich vorsichtig sein muß, weil die Führung der Offiziellen nicht einheitlich ist. In der 'offiziellen' Leitung der Nordregion gibt es Genossen, die bereits das Stadium der KP hinter sich haben, die keinerlei Illusionen bezüglich des Maoismus hegen, die die Notwendigkeit des bewaffneten Kampfes und dessen Ver knüpfung mit den sozialen Kämpfen erkannt haben und wissen, daß allein die Arbeiterklasse der Hauptfaktor gesel Ischaftlicher Veränderungen ist. Sie sind sich der Notwendigkeit bewußt, eine Partei aufzubauen, die der Arbeiterklasse die von ihr geforderte Führung gibt. Unglücklicherweise gibt es in dieser Situation, wo die individuellen Eigenheiten bei den handelnden sozialen Kräften eine entscheidende Rolle spielen, in der Leitung des Nordens Kräfte, die einen paranoiden Haß gegen die Provisorischen empfinden, was sie unfähig macht, die Massenbewegung zu begreifen.
( Leicht gekürzt aus LA GAUCHE vom 11. und 18.2.72)