ARGENTINIEN: DER MUTIGSTE SCHLAG DER GUERILLAS ++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++ +++ In der Nacht von Samstag, den 29. auf Sonntag, den 30. Januar haben zwei Kommandos der "Ejercito Revolucionario del Pueblo" (ERP = Revolutionäre Volksarmee) das mutigs te, wichtigste und aufsehenerregendste Unternehmen des argentinischen Guerillakampfes durchgeführt. Sie besetzten das Gebäude der "Banque Nationale de D'éveloppement" und erbeuteten dabei 402 Mio argentinische Peseten, was etwa 418 000 US-Dollars ent spricht.
Die Tatsache, dass den Guerillas der ERP dieses Unternehmen gelungen ist, macht deut lich, dass d'ese marxistisch - len nistische Organisation, die von der "'Partido Revolucio nario de los Trabajdores" (Revolutionäre Arbeiterpartei) im Juli 1970 gegründet wurde, die mächtigste und erfolgreichste unter allen Organisationen ist, die den bewaffneten Kampf in Argentinien führen.
s. 20 INPREKORR 15.2.72
Wie vorauszusehen war, hat die aufsehenerregende Tat der ERP die Öffentlichkeit zutiefst beeindruckt. Nicht nur, weil sie alle Rekorde vergangener Raubüberfälle schlug, weil sie mit meisterhafter Präzision ausgeführt wurde und jede unnötige Gewaltanwendung ver mieden hat, sondern weil im Verlauf dieser Aktion eine politische und ideologische Linie deutlich wurde, die die ERP klar von den anderen Organisationen abhebt, die den bewaffneten Kampf führen.
Der Überfall auf die "Nationale Bank für Entwicklung" (NBE) erforderte auf Seiten der ERP die Entfaltung einer zweifellos eindrucksvollen militärischen Stärke: mindestens 15 Mann nahmen das Gebäude ein und führten die Aktion durch und es ist anzunehmen, dass eine gleiche Anzahl von Revolutionären draussen die wichtigsten Posten bezogen hatten, um ihren Genossen drinnen Deckung zu geben.
Die Bank liegt mitten im Geschäftsviertel von Buenos Aires, in einer Gegend, wo sich die meisten Kreditanstalten, Wechselstuben und die Niederlassungen der grossen ausländischen Gesellschaften befinden, 125 vom Regierungspalast und keine 80 m vom Hauptquartier des Staatlichen Nachrichtendienstes (SIDE) entfernt, des gewaltigen Spionageapparats und Instruments zur politischen Unterdrückung.
Die "Nationale Bank für Entwicklung" wurde vor nicht allzu langer Zeit als Nachfolgerin der "Industriebank" gegründet. Ihre Aufgabe bestand darin, der nationalen Industrie mit Krediten unter die Arme zu greifen. Diese war durch den Monopolisierungsprozess und die immer stärker werdende Abhängigkeit der argentinischen Wirtschaft vom Ausland in Schwie rigkeiten geraten.
Als die ERP ihre gelungene Aktion bekanntgab, betonte sie, dass auch wichtige geheime Dokumente mitgenommen worden seien, die die Spitzenfunktionäre der Bank und die oberste Wirtschaftsführung des Regimes von General Alejandro Lanusse aufs äusserste kom promittieren würden. In der ersten Veröffentlichung der Guerillas nach der Aktion heisst es: "Die Kommandos Luis Pujals und Segundo Gomez haben in der Nacht zum 30. Januar die "Nationale Bank für Entwicklung "(ehemalige Industriebank) besetzt und dabei eine grosse Summe Geld für die Sache des Volkes erbeutet sowie Dokumente, die die skandalösen Betrügereien von Teilen der Grossbourgeoisie beweisen, die diese auf Kosten des Landes begangen haben. In den nächsten Stunden werden wir die Höhe der geraubten Summe be kanntgeben und die Praktiken enthüllen, mit denen man sich auf dem Rücken des Volkes bereichert hat. Wir werden uns sofort dafür einsetzen, dass die Beute unserem geliebten Volk zugutekommt. Wir werden sie zur Ausweitung des revolutionären Krieges benutzen. Wir werden dem Beispiel von CHE nacheifern und für Argeninien siegen oder sterben. Revolutionäre Volksarmee (ERP)."
Segundo Telesforo Gomez war ein Mitglied der ERP. Er wurde von der Polizei am 12. Januar vergangenen Jahres anlässlich eines Zusammenstosses, der sich in Rosario, 300 km nördlich von Buenos Aires abgespielt hatte, ermordert. Wenige Stunden vor seinem Tod wurde Gomez von der Polizei gefangengenommen, die ihn mit Gewlt zum Reden bringen wollte. Die Polizei erschoss ihn aus nächster Nähe im Innern eines Polizeiautos. Luis Pujals wurde am 17. September 1971 von der Polizei entführt, die gerade einen Stützpunkt der ERP entdeckt hatte. Sie ging richtig in ihrer Vermutung: Pujals war der militäri sche Führer der ERP in Buenos Aires und Mitglied des Zentralkomitees der PRT, einer der beöiebtesten und angesehendsten Männer der revolutionären Organisation. Man hat nie mehr etwas von ihm gehört. Er wurde grausam gefoltert und anschliessend von der Polizei des General Lanusse umgebracht. Die ERP ehrte ilre Genossen, indem sie diesen beiden Kommandos den Namen derjenigen gab, die im Kampf gefallen sind.
Der Angriff auf die ""Nationale Bank für Entwicklung"" hatte ausser den erbeuteten 400 Mio Peseten noch eine besondere Bedeutung: es handelte sich nicht um eine typisch "militäri sché Aktion, d. h. es war keine reine Gewaltaktion, sondern ihr Ziel war ein durch und durch politisches.
Der Angriff wurde in der Tat dadurch ermöglicht, dass zwei Arbeiter der Bank, die zur ERP gehören, vom Innern des Gebäudes her die Verwirklichung der Aktion erleichterten. Sie sind anschliessend in'den Untergrund gegangen. Man muss betonen, dass es sich bei diesen Guerillas nicht um Angestellte handelte. sondern dass sie eine wenig qualifizierte Arbeit ausübten. Die Tatsache, dass ihre politische Überzeugung sie dazu geführt hat, den Überfall zu ermöglichen und damit ihre Zugehörigkeit zur ERP bekanntzugeben, muss als politischer Erfolg dieser Organisation gewertet werden, die eher eine politisch -- militärische als eine reine Guerillaorganisation ist.
Die ERP ist die einzige Guerillaorganisation, die ihre Aktivitäten eng mit denen der Partei verbindet, von der sie gegründet wurde, der PRT. Ihre Strategie basiert auf der Konzeption eines lange dauernden Volkskrieges, einer Konzeption, die jeden militaristischen "Focis mus " ablehnt und die das Ziel ihrer Aktionen darin sieht, den Massen die Perspektive des bewaffneten Kampfes gegen den Feind zu vermitteln.
In der Geschichte der ERP handelt es sich um den zweiten Raubüberfall grösseren Ausmasses: am 12. Februar 1971 griff sie einen gepanzerten Lastwagen der "Bank der Provinz von Cordoba" auf einer Strasse der Provinz desselben Namens, 800 km nördlich von Buenos Aires, an. Di e Guerillas erbeuteten bei dieser Gelegenheit 121 Mio Peseten, das waren damals 300 000 US -- Dollar.
Nichts deutet darauf hin, dass die Aktivitäten der ERP in nächster Zeit zurückgehen werden, Tag des Überfalls auf die obwohl d'e Polizei behauptet, die Organisation liege im Sterben. Am 30. Januar, dem "Nationale Bank für Entwicklung , fiel auch das Hospital der Luftwaffe in Cordoba in die Hände der Guerillas, die die Waffen der dort wachhabenden Soldaten mit sich nahmen. Und das alles geschah, obwohl der Generalsekretär der PRT, Mario Roberto Santu-ho, schon seit mehreren Monaten in Buenos Aires im Gefängnis sitzt. Jose Ricardo Eliaschev, Journalist in Buenos Aires
ERKLÄRUNG DES V. S. ÜBER BOLIVIEN ++++ +++++++*++++++++++++++++++++ +++ Das Vereinigte Sekretariat der IV. Internationale brachte am 6. Februar 1972 folgende