Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Frauen

Internationale Mobilisierungen für das Recht der Abtreibungen

· Inprekorr Nr. 113, 22. November 1979 · S. 21-26 · 3.480 Wörter

Frauen Großbritannien Gewerkschaften und Streiks Frankreich

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Internationale Mobilisierungen für das Recht auf Abtreibung

Alles menschliche Leben, vom Zeitpunkt der Empfängnis an bis in jedes spätere Stadium, ist geheiligt." Papst Johannes-Paul II. hörte nicht auf, dies in jeder seiner Ansprachen während seiner kürzlichen Reise durch Irland und die USA zu wiederholen. Der Kreuzzug für die „Achtung von Leben und Familie". den er unternimmt, seit er an der Spitze der katholischen Kirche steht, bewirkte nichts anderes als eine Unterstützung der herrschenden Klasse in ihren Angriffen auf die unterdrückten Schichten und besonders die Frauen.

Für den Flügel der Bourgeoisie, der sich stets gegen das Recht auf Empfängnisverhütung und Abtreibung ausgesprochen hat, erweist er sich als eine wertvolle Verstärkung. In ihren parlamentarischen Ausfällen gegen jegliches Vorhaben einer auch nur geringfügige Liberalisierung der Abtreibungsgesetze, ließ es sich die Rechte nicht nehmen, ausführlichst aus den Erklärungen des Papstes zu zitieren. Auch in den zahlreichen Artikeln, die diese Monate in der internationalen Presse erschienen und dort einen reaktionären Standpunkt vertraten, fehlte nirgends die Rückbeziehung auf die päpstvon JACQUELINE HEINEN liche Autorität". Was nun den Flügel der das elementare Recht der Frauen au: Bourgeoisie angeht, der sich selbst ,libe- Abtreibung zu wenden, si sgelt sich in ral" nennt, so hat er hierin einen guten einer allgemeineren Offensive der herr- Vorwand gefunden, an seiner abwartenden schenden Klasse gegen die demokratischen Position festzuhalten und darüberhinaus Rechte der Arbeiterbewegung. auch die rückwärtsorientierte Politik zu rechtfertigen, die er zu wirtschaftlichen .Nein zur Abtreibung; nein zur Empund sozialen Fragen vertritt. fängnisverhütung: nein zu sexuellen Beziehungen vor der Ehe; nein zur Homo- Auf internationaler Ebene wird immer sexualität". Das ist die Essenz der Ausdeutlicher, daß die Bourgeoisie überall sagen des Papstes. Und diejenigen Orgadort, wo sie durch die Mobilisierungen nisationen, die aktiv gegen die Rechte der Frauenbewegung vie der Arbeiter- der Frauen, über sich selbst zu bestimbewegung gezwungen war, einige Zuge- men, kämpfen, greifen sämtlich diese ständnisse in Fragen der Abtreibung und Forderungen auf, erfreut, ein solches Empfängnisverhütung zu machen, heute „Programm" vorangestellt zu bekommen. darauf abzielt, den ursprünglichen Zustand Aber sind sie berechtigt, sich über den wiederherzustellen. Eine der Ursachen Tod einer jungen Frau in England lustig hierfür liegt in der wirtschafltichen zu machen, die trotz aller Anträge und Krisensituation und der Sparpolitik, die Eingaben nicht abtreiben durfte und die gegenwärtigen Regierungen der Arbei- dann bei einer Frühgeburt ums Leben terklasse aufzuzwingen versuchen - Be- kam? Schon einmal hatte sie ein Kind vergrenzung von Sozialausgaben und Kür- loren, das wenige Tage nach der Geburt zung der Haushalte für „unrentable" starb; sie hatte Schwierigkeiten mit Herz Sektoren wie z.B. das Krankenhauswesen, und Lunge und nur noch eine Niere, aber was dann nahezu immer zur Streichung der Druck des Arztes, zu dem sie ging, solcher Gelder führt, die für die Einrich- um einen Abbruch ihrer Schwangerschaft tung von Zentren für Schwangerschafts. zu erreichen genügte, sie dahin zu bringen, unterbrechung und Empfängnisverhütung daß sie sich endlich in die Fortsetzung vorgesehen waren. Die Absicht, sich gegen ihrer Schwangerschaft fügte.

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Diese Geschichte erregte großen Wirbel in der englischen Presse: Was aber liest man über jene Frauen, die, besonders in den unterentwickelten Ländern, täglich zu Tausenden an den Folgen illegaler Abtreibungen zugrundegehen. Seit seiner Mexiko-Reise im vergangenen Frühjahr wendet sich der Papst mit aller Macht •gegen Kampagnen zugunsten des Scheidungsrechtes, gegen die Verwendung von Verhütungsmitteln und gegen die Abtreibung, die die Welt zerstören". Aber über die 14% Frauen, die nach Angaben der WHO an den Folgen von Schwangerschaftsunterbrechungen in jenen Ländern sterben, wo diese illegal vorgenommen werden müssen - und diese Zahl liegt in einigen Länder Lateinamerikas noch erheblich höher - dazu ließ der Papst keinen Mucks verlauten. Das genau ist unter der „Achtung vor dem Leben" zu verstehen, die die Kirche und die Rechte der ganzen Welt predigen...

Die Predigten des Papstes scheinen der amerikanischen Bewegung für das Recht auf Leben" wieder auf die Beine geholfen zu haben. Kürzlich fand der Senator Javits, bekannt für seine Unterstützung des Rechtes auf Schwangerschaftsunterbrechung, sein New Yorker Büro voll roter Rosen. Wissend, daß es sich dabei nicht um die Huldigung eines Bewunderers oder irgendeiner Verehrerin handelte sondern um die Visitenkarte der Anti- Abtreibungsbewegung, die in den USA diese Blume als Symbol verwendet, ließ er die Rosen für die Kinder in ein Krankenhaus schaffen. Als eine Stunde später die Anhänger des „Rechtes auf Leben" erschienen, um ihn zu beschimpfen, schrie eine der Frauen aus der Gruppe, voll Wut über Javits Verwendung der Blumen, die so sinistre wie bemerkenswerte Parole: „Diese Rosen waren für die toten Kinder bestimmt, Herr Senator, nicht etwa für die lebenden!" Kein Zweifel auch davon, daß die Massenauftritte Johannes-Paul II. in Irland nur diejenigen in ihren Ansichten bestärken konnten, die in diesem Lande für ein rückschrittliches Gesetz zur Empfängnisverhütung eintreten, das zur Verabschiedung ansteht. (Die Abtreibung ist in Irland vollständig illegal und steht auch nicht zur Diskussion...) Nach diesem neuen irischen Gesetz haben ausschließlich Ehepaare Zugang zur Empfängnisverhütung; man benötigt künftig selbst zum Kauf von Präservativen ein ärztliches Rezept; dazu erhält der Arzt das Recht, Unverheirateten jegliches Mittel zu verweigern. Das alles stimmt haargenau mit den päpstlichen Vorstellungen überein. Allerdings scheinen der Papst und seine getreuen Anhänger eines unterschätzt zu haben: den explosiven Charakter der Abtreibungsfrage. Dieselben Erklärungen, die ein Wiederaufflammen der Aktivität der Anti-Abtreibungsbewegungen entfachte, riefen eine beispiellose Woge des Protestes seitens der Frauenbewegungen der ganzen Welt hervor, die vielerorts die Unterstützung von Teilen der Arbeiterbewegung erhielt.

Mobilisierungen, die Massencharakter annehmen Seit dem Ende der sechziger Jahre, als die Frauenbewegungen den Kampf um die Fragen der Empfängnisverhütung und Abtreibung in Europa und Nord-Amerika begannen, verbreiterten sich die Mobilisierungen nicht nur ständig, sondern gewannen auch innerhalb der Organisationen der Arbeiterbewegung an Bedeutung. Am Anfang waren es Frauengruppen, die, häufig isoliert und erklärter Feindseligkeit seitens der Führungen der Arbeiterbewegung ausgesetzt, Mobilisierungen auslösten gegen die Repression gegen Frauen, die abgetrieben hatten und die den Kampf um das Recht auf Empfängnisverhütung und Schwangerschaftsabbruch aufnahmen.

Die Frauenbewegung ist und bleibt dabei das Rückgrat jeglicher Mobilisierung, denn gerade die Notwendigkeit, den eigenen Körper zu kontrollieren, bildet einen wesentlichen Punkt, an dem Frauen Bewußtheit über ihre Unterdrückung erlangen und den Willen entwickeln, sich eigenständig zu organisieren. In einer Reihe von Ländern mußten die Führungen der organisierten Arbeiterschaft unter dem Druck der Frauenbewegung sowie ihrer eigenen Basis ihre Politik der vornehmen Zurückhaltung aufgeben. Sie übemahmen die Kernforderung der Kampagnen für das Recht auf Abtreibung, ohne sich jedoch aktiv in die Kämpfe um dieses Recht einzuschalten. Das gilt insbesondere dann, wenn diese Fragen zum Gegenstand parlamentarischer Auseinandersetzungen werden und

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andernfalls ihr Image darunter zu leiden droht.

In Frankreich weiß man, daß ,das Gesetz Veil" („loi Veil"), vor fünf Jahren als vorläufig verabschiedet, im Januar 1980 erneut im Parlament zur Abstimmung steht. Nach einer kurzen Phase der Illusionen über die Veränderungen, die das Gesetz schuf, mußten die französischen Frauen erkennen: Das „loi Veil" gibt ihnen keineswegs das Recht auf Empfängnisverhütung und Schwangerschaftsabbruch.

Nach einem momentanen Rückgang der Mobilisierung, die 1975 die Regierung gezwungen hatte, Ballast abzuwerfen, bildeten sich Kollektive in den meisten Städten des Landes. Dabei handelt es sich um Einheitsstrukturen, die häufig auf die Initiative von Frauengruppen oder Gruppen für Familienplanung zurückgehen und politische sowie feministische Organisationen sowie Unorganisierte umfassen. Den Kampf aufgreifen, den die MLAC (Mouvement pour la Liberte de l'Avortement et de la Contraception = Bewegung für das Recht auf Abtreibung und Empfängnisverhütung) auf die Tagesordnung gesetzt hatte, fordem sie vollkommene Straffreiheit für den Schwangerschaftsabbruch, die Freiheit der kostenlosen Abtreibung für alle Frauen, einschließlich der Minderjährigen und Immigrantinnen, sowie die Einrichtung von Zentren für Empfängnisverhütung-Abtreibung- Sexualität unter Kontrolle der Frauen und Organisationen, die sich für Empfängnisverhütung und Abtreibung einsetzen. Angesichts dieser radikaler Forderungen spricht sich die PC für eine Verbesserung des „loi Veil" aus - namentlich für die Übernahme der Kosten der Abtreibung durch die Sozialversicherung. Die PS trägt dazu ein Projekt vor, das unverkennbar fortschriftlicher ist als das der PC und bezeichnet das „loi Veil" als „scheinheilig und unzureichend"; indes behauptet sie gleichzeitig, daß das Gesetz die „Eroberung neuer Rechte" repräsentiere. Jedenfalls werden sie beide selbst dann, wenn ihre Änderungsvorschläge nicht angenommen werden sollten, sicher für die Beibehaltung der gegenwärtigen Fassung stimmen, so wie die Regierung es im Namen des sozialen Konsenses" empfiehlt. Das hindert jedoch zahlreiche Militante aus beiden Parteien nicht daran, in den lokalen Einheitsstrukturen mitzuarbeiten und dort eine weit kämpferischere Orientierung zu vertreten. Desgleichen nehmen viele örtliche Gewerkschaftssektionen oder Frauenkommissionen der CFDT - gelegentlich selbst der CGT - an diesen Kollektiven und ihren Aktionen teil, während die nationalen Führungen von CFDT und CGT - die sich mit der FEN (der nationalen Lehrergewerkschaft) auf eine gemeinsame Plattform, betreffend den willentlichen Abbruch von Schwangerschaften, einigten - feststellen, sie beabsichtigten nicht, an nichtgewerkschaftlichen Aktionen teilzunehmen. Eine erste Demonstration, zu der mehrere Frauengruppen und feministische Persönlichkeiten aufriefen - eine Demonstration übrigens, die unvermischt geplant war, an der sich jedoch zahlreiche Männer beteiligten - brachte am 6. Oktober nahezu 50.000 Menschen auf die Straßen von Paris. Dabei handelte es sich um einen extrem wichtigen ersten Schritt in der nationalen Mobilisierung. Auf Initiative der nationalen Koordination der Kollektive ist für den 24. November, den Vorabend der Verhandlungen der Nationalversammlung, eine weitere nationale Demonstration geplant.

Bisher konnte der rechte Flügel der Regierung seine Position nicht durchsetzen. Chirac, Bewegungen für eine Erhöhung der Geburtenziffern und andere erklärte Feinde der Abtreibung schweigen. Eine am 6. Oktober durch „Ja zum Leben" organisierte Gegendemonstration blieb kläglich. Dennoch dürfen die Kämpfe, die noch geführt werden müssen, bis die Frauen ihre geforderten Rechte erhalten, nicht unterschätzt werden - der Erfolg hängt ab von der Haltung, die die Arbeiterbewegung dazu einnimmt.

In diesem Sinne gibt die Mobilisierung, die sich heute in Großbritannien auf Initiative der NAC (Nationale Kampagne für die Abtreibung) und der LARC (Gruppierung für die Abtreibung innerhalb der Labour-Party) entwickelt, ein Beispiel für den Weg, den weltweit alle Bewegungen einzusch agen haben. Die NAC wurde vor fünf Jahren gegründet, um die Anwendung des geltenden Gesetzes durchzusetzen (zu jener Zeit konnten schon die Hälfte der Schwangerschaftsabbrüche nicht mehr in öffentlichen Krankenhäusern vorgenommen werden, weil Betten fehlten - entsprechend wurden die Kosten nicht getragen) und um schon den ersten Versuch zurückzuschlagen, der 1967 (übrigens vorgebracht von einem Abgeordneten der Labour- Party) das Gesetz im restriktiven Sinne korrigieren sollte. Die Mobilisierung machte sich bezahlt, denn das Projekt konnte nicht verwirklicht werden. Aber auch danach hatte die NAC beträchtlich zu tun, weitere Versuche der Rechten abzuwehren, hinter das geltende Gesetz zurückzutallen und den Erfahrungsstand in Frage zu stellen, auf dem das englische Abtreibungsrecht aufbaut, eines der liberalsten Gesetze Europas - dies bei allem Ärger über seine einschränkenden Bestimmungen.

Innerhalb der LabourParty sind diejenigen, die das Recht auf Abtreibung verteidigen, nicht allein in der LARC organisiert. Sie haben erreicht, daß der Parteitag 1977 eine Resolution für die Aufrechterhaltung des Gesetzes von 1977 beschloß. Die Arbeiter der Mitglieder von NAC und LARC in den Gewerkschaften führte im November 1978 zur ersten Konferenz über den Schwangerschaftsabbruch in der Geschichte der englischen Arbeiterbewegung. 400 anwesende Delegierte - Vertreter der bedeutendsten Gewerkschaften Englands - setzten sich, und das auch trotz einer Mehrheit von „Stehkragenproletariern", dafür ein, die Mobilisierungen voranzutreiben und den Fall, daß die Regierung auch nur die geringsten Anstalten zeigt, das geltende Gesetz in seinem Gehalt anzutasten, eine zentrale Demonstration für das Recht auf Abtreibung zu organisieren.

All dies ändert selbstverständlich nichts daran, daß viele Gewerkschaftsführer reaktionäre Positionen zur Abtreibungsfrage lediglich nicht offen unterstützen, genausowenig hindert es, daß viele Abgeordnete der Labour-Party sich hinter „Gewissensgründen" versteckten, als sie im vergangenen Frühjahr für eine reaktionäre Änderungsvorlage des konservativen Abgeordneten Corrie stimmten. Tatsache jedoch ist: • Angesichts einer erneuten schweren Bedrohung für das Gesetz von 1967 rief der TUC (britischer Gewerkschaftsdachverband) für den 28. Oktober zu einer nationalen Demonstration nach London auf. Was auch immer die generellen politischen Beweggründe gewesen sein mögen, die die mächtige Gewerkschaftszentrale veranlaßten, zu diesem Mittel zu greifen - in der Sache handelt es sich um einen Schritt vorin der Bewußtseinsbildung der Arbeitermassen. Sicher wiegen die Wahlniederlage der Labour-Party ebenso • wie der breite Angriff, den die Regierung der Mrs. Thatcher (die für die reaktionärste der letzten dreißig Jahre gehalten wird) gegen die Arbeiterklasse führt, schwerer in der Entscheidung der bürokratischen Führungen als ein klar bekundeter Wille, die Rechte der Frauen zu verteidigen. Sicher ist es vor allem der Hartnäckigkeit von LARC und NAC zu verdanken, daß es gelang, die gewerkschaftliche Basis zu mobilisieren, die ja oft genug die Positionen der Führung des TUC nicht kennt (das sind Ergebnisse bürokratischer Ver-

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fahrensführung!). : Und ebenso • sicher reicht dies alles nicht hin, denn die Angriffe gegen das Recht auf Abtreibung werden fortgesetzt und die Mobilisierung wird sich kaum noch breiter entfalten können; wenn die Arbeiterbewegung nicht zu einer frontalen Attacke gegen die Sparpolitik der Bourgeoisie antritt. Dennoch handelt es sich, verglichen mit der vorangegangenen starken Randständigkeit der Abtreibungskampagne, um einen einschneidenden Fortschritt. Um so mehr scheint wichtig, Lehren aus den Erfahrungen der letzten Jahre in Europa und Nordamerika zu ziehen, als in einigen Ländern der Kampf nicht vorankommt. In Spanien beispielsweise behalten die Organisationen der Arbeiterbewegung auch weiterhin ihre abwartende Haltung bei. Anläßlich der Kampagne, die ihren Ausgang im Baskenland nahm, mußte man feststellen, daß in den linken Kommunalvertretungen sich KP und SP in den Auseinandersetzungen um das Abtreibungsprogramm, das die ,, Versammlung der Frauen von Euzkadi" (eine regionale Koordination) vorgelegt hatte, enthielten. Dennoch sprachen sich 15 Vertretungen für das Programm, für eine Amnestie und die Legalisierung des Rechtes auf Schwangerschaftsabbruch aus. Die Haltung der PCE, die sich damit begnügt, Strafnachlaß für die aktuell angeklagten Frauen zu fordern, erscheint als höchst lächerlich in den Augen derer, die den gemeinsamen Kampf aufnahmen und dabei auf nationaler Ebene unverzüglich Widerhall fanden. Da allerdings zahlreiche Mitglieder der KP und SP dafür sind, Partei zu ergreifen für die Ziele der Frauenbewegung, bleibt es unmöglich, sich an die Basis dieser Parteien zu wenden, um sie zu gewinnen und die reformistischen Führungen zu zwingen, den Kampf um das Recht auf Schwangerschaftsabbruch zu unterstützen. Darüber hinaus verstehen auch die gewerkschaftlich organisierten Frauen sehr wohl die Bedeutung dieser Mobilisierungen und es ist möglich, in den Gewerkschaften dafür zu arbeiten, daß die Führungen ihre schönen Reden aufgeben und zur Aktion übergehen (auf Initiative der Frauenkommissionen wurde die Frage der Abtreibung schon häufig zum Diskussionspunkt innerhalb der Comisiones Obreras (CCOO)). Der Rückgriff auf die Erfahrungen der Frauen anderer Länder, erweist sich mithin als entscheidend für die Frauen dort, wo der Kampf erst beginnt, sich auf bereits gewonnene Erkenntnisse zu stützen.

rung, wie sie sich seit drei Jahren entwikkelt, derjenigen in mehreren europäischen Länder sehr ähnelt. Erstmals 1976 leitete eine Frauengruppe eine Kampagne für die Legalisierung der Abtreibung ein. Ein Jahr später zur selben Zeit beteiligten sich vier Gruppen an „Aktionstagen für die Abtreibung". 1978 waren es sechs, dazu die Unterstützung mehrerer Gewerkschaften, der KP und der PRT (der mexikanischen Sektion der IV. Internationale). In diesem Jahr hatten die „Aktionstage" einen bisher beispiellosen Umfang. Die feministische Koordination und die FNALDIM (Nationale Front für die Befreiung und die Rechte der Frauen), die verschiedene Frauengruppen, gewerkschaftliche und politische Organisationen umspannt, zwangen die kürzlich gewählten Abgeordneten der Linken, ihr gemeinsames Programm in den Parlamentsverhandlungen zu vertreten. Dies könnte in Kolumbien ein bedeutendes Echo finden, wo gelegentlich der Vorlage eines Gesetzentwurfes zum Schwangerschaftsabbruch durch einen liberalen Abgeordneten in diesem Herbst die Abtreibungsdiskussion in der gesamten Presse - geführt wird. Obwohl äußerst zurückhaltend formuliert, führte diese Vorlage zu einer Behandlung ihres Autors als Antichrist" durch Konservative und Moralisten aller Schattierungen. Die kolumbianischen Feministinnen, die sich für das Recht auf Abtreibung ohne Einschränkung einsetzen, werden also einen harten Kampf durchzustehen haben. Kein Zweifel, daß ihnen dabei ein Erfahrungsaustausch mit den mexikanischen Frauengruppen, die ebenfalls dem Zugriff einer sehr starken katholischen Kirche auf die Massen und den Winkelzügen der reformistischen Führungen gegenüberstehen, sehr zugute kommen wird.

Und dies nicht aus dem einzigen für die gleichen Forderungen kämpfen, von einem Land zum anderen, von einem Kontinent zum anderen zu erreichen die internationale Kampagne für Empfängnisverhütung, Abtreibung und Sterilisierung muß vorangetrieben werden. Die Solidarität verstärken!

Nach dem Aktionstag vom 31. März 1979, der einen realen Fortschritt brachte, diskutierte die im Juni 1978 gebildete internationale Koordination die Fortsetzung der Kampagne und die wichtigsten Ziele der kommenden Periode. Der Wille, die Kampagne auf internationaler Ebene zu vertiefen und die Notwendigkeit, die Koordination aufrechtzuerhalten, die sich auf europäischer Ebene regelmäßig versammelt, wurden im vergangenen Juni bekräftigt anläßlich der Solidaritätsbewegung, die sich entfaltete, um eine portugiesische Journalistin zu verteidigen, die zu mehreren Jahren Gefängnis verurteilt wurde, weil sie an einer Fernsehsendung über den Schwangerschaftsabbruch teilnahm. In diesem Falle haben Frauen aus der ganzen Welt ihre Entschlossenheit kundgetan, zu verhindern, daß die bürgerliche Justiz ein äußerst ungerechtes Urteil über eine ihrer Schwestern als Opfer der Repression verhängt. Und dies hat sich in den letzten Wochen erneut gezeigt gelegentlich des Prozesses von Bilbao wie auch eines neuen Prozesses am 29. Oktober in Portugal, der eine Frau, die 1974 abgetrieben hat, zu zwei bis acht Jahren Gefängnis verurteilen soll und gleichfalls ihren Ehemann sowie einen Freund bedroht, die ihr die notwendige Adresse verschafften und damit bis zu sechs Jahren Haft riskierten. (Bisher 17.000 portugiesische Frauen haben ein Gnadengesuch an den Premierminister unterzeichnet, in dem sie sich bezichtigen, abgetrieben zu haben.) Diese Solidaritätsbewegung muß fortgedaß in Mexiko die Dynamik der Mobilisie• Grunde, den Dialog zwischen Frauen, die setzt werden.

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Es ist wichtig, daß die luxemburgische Frauenbewegung am letzten 18. Oktober zu einer Demonstration zu dem Zeitpunkt aufgerufen hat, wo Frau Thatcher in diesem Land einen Vortrag hielt, und daß es ihr gelungen ist, daß die luxemburgische Presse ihre Sicht von der Situation veröffentlichte, die in Großbritannien hinsichtlich der Abtreibung und der Angriffe der Rechten auf die Rechte der Frauen herrscht. Genauso wichtig ist es, daß die Bewegung für Abtreibung in Großbritannien der Kampagne, die jetzt in Irland für freie Verhütung entfacht wird, direkte und konkrete Hilfe leistet.

Unser Wille, die Schlachten zu unterstützen, die in anderen Ländern geschlagen werden, wie auch unsere Fähigkeit, die Mobilisierungen, die Tausende von Kilometern von uns entfemt stattfinden, dank unserer intemationalen Solidarität zu beeinflussen, das sind wesentliche Merkmale der internationalen Kampagne. Aber die Intemationale Koordination (CICAS) hat noch mehr vor. Insbesondere plant sie mittelfristig eine internationale Konferenz über Verhütung, Abtreibung und Zwangssterilisierung. Eine Konferenz, die in der ersten Zeit wohl in Europa stattfinden wird - und die es uns ermöglichen wird, Fortschritte zu machen in der Debatte, wie der Kampf zu führen ist und mit welchen Forderungen, damit die eigentlichen Bedürfnisse der Frauen befriedigt werden. Zu diesem Zweck wurden drei Arbeits- regelmäßig berichtet werden. Nachdem kommissionen eingerichtet, um schriftli- die CICAS nun ein Jahr existiert, scheint ches Material zu den Themen auszuarbei- ein Bulletin, das etwa dreimal im Jahr ten, die uns beim derzeitigen Mobilisie• herauskommt, ein unverzichtbares Instrurungsstand entscheidend scheinen: ment, um unsere Solidaritätsarbeit zu - die Frage der Bewegungen gegen die festigen und die Information allen Bewe- Abtreibung, ihre Organisierung und ihre gungen, die auf der Welt aktiv sind, zuimmer festere Koordinierung auf interna- kommen zu lassen, um so die Beschräntionaler Ebene; kung des Austausches auf Europa, wie die - die Frage der Politik internationaler bisher vorgeherrscht hat, zu überwinden. pharmazeutischer Konzerne und über die Qualität der Verhütungsmethoden, die (Die nächste Koordinations-Sitzung wird man uns anbietet; am 19. und 20: Januar 1980 in Brüssel - die Frage, ob Arbeiterinnen überhaupt stattfinden.) noch die Freiheit haben, ein Kind bekommen zu wollen, wenn sie erschöpfenden Arbeitsbedingungen ausgesetzt sind (vgl. den Prozentsatz von Fehlgeburten in gewissen Bereichen aufgrund der schädlichen Bedingungen, die in gewisser Werkstätten herrschen) oder wenn sie bei der Einstellung diskriminatorischen Praktiken ausgesetzt werden (Schwangerschaftstests ohne Unterrichtung der Betroffenen, Forderung gewisser Unternehmen, daß die eingestellten Frauen sich sterilisieren lassen, weil die zu handhabenden Produkte so schädlich sind).

Die Arbeit dieser Kommission soll als Grundlage für einen Teil der Diskussionen auf der Konferenz dienen, und über den Stand soll in einem Bulletin, welches die Intemationale Kommission von nächsten Januar an herauszugeben beschlossen hat, siehe auch:

J. Heinen: Frauen - das Recht auf Selbstbestimmung M.-A. Marais: Abtreibung in Belgien Spanien - Gewerkschaftsbewegung und Frauenbewegung Nicaragua: Die Frauenbewegung AMPRONAC (2 Interviews) Pina Sardella: Italien - Arbeiterinnen kämpfen

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Italien: