SÜDAFRIKA nach Soweto von Ernest Harsch
Veranstaltungen, Kundgebungen oder Die Azapo spiegelt zu einem gewissen Gedenkfeiern durchführte, an denen sich Grad die Strömung innerhalb der Black Tausende beteiligten. Consciousness-Bewegung wider, die sich stärker auf eine Mobilisierung der Arbei.
Und obwohl die Führung des SAC in terklasse ausrichtet. So kündigte ihren öffentlichen Verlautbarungen eine Azapo an, sie werde ihre Arbeit auf die verständliche Vorsicht walten ließ, trat schwarzen Arbeiter ausrichten. die Organisation doch offen für einen vollständigen internationalen wirtschaft- Die Herausbildung einer neuen Grup lichen, politischen und kulturellen Boy. pierung, die sich offen in die Black kott Südafrikas ein, was nach dem Ter- Consciousness-Bewegung einordnete, war rorismusgesetz ein Verbrechen darstellt. so kurz nach dem Verbot eine besonders herausfordernde Tat und überraschte die Eine andere Gruppierung, die sich kurz Behörden vollständig. Die Regierung nach den Terrormaßnahmen der Weißen handelte indes schnell und ließ binnen herausbildete, war die Soweto Students eines Monats sieben führende Mitglieder League (SSL • Bund der Schüler und der Azapo verhaften. Studenten von Soweto) unter Vorsitz von Colin Kotu. Zu einem gewissen Grad hat Viele Aktivisten des verbotenen BPC, sie versucht, das durch das Verbot des mit denen ich gesprochen habe, erklärten, Soweto Students Representative Council auch sie hätten nicht erwartet, daß eine geschaffene Vakuum auszufüllen, die Gruppierung wie die Azapo so schnell Organisierung des Widerstandes gegen das entstehen würde. Sie sahen in dieser Entrassistische System der „Bantu Education" wicklung eine Bestätigung für die anhalfortzuführen und Aktionen zum Geden- tende Stimmung militanten Widerstands ken an die Opfer des Terrors der Weißen in den schwarzen Townships. ins Leben zu rufen. Die meisten ihrer führenden Mitglieder einschließlich Kotus Der Zehnerausschuß war eine der wurden im Januar und Februar 1979 wenigen einflußreichen Organisationen, verhaftet, doch die Gruppierung begann die den Verbotsmaßnahmen vom Oktober sich bald neu zu organisieren. 1977 entgangen waren, obwohl der Großteil seiner Mitglieder festgenommen wor- Ende April 1978 wurde eine weitere den war. In der Folge mußte er seine neue Gruppierung, die Azania People's Arbeit für eine Weile einstellen. Organisation (Azapo - Organisation des Volkes von Azania) gegründet, nachdem Gleichwohl genoß der Zehnerausschuß sechzig schwarze Delegierte in Roode- weiterhin beträchtliche Autorität in poort bei Johannisburg eine Konferenz Soweto und spielte eine wichtige Rolle abgehalten hatten. dabei, den Widerstand gegen den vom Regime aufgezwungenen „Gemeinderat"
Die Azapo bekannte offen ihre Zuge. zu stärken. Nachdem die meisten seiner hörigkeit zu den Ideen der Black Con- Mitglieder Ende 1978 freigelassen worden sciousness-Bewegung und nahm den Wahl- waren, nahm der Ausschuß seine Arbeit spruch „ein Volk, ein Azania " an. Sie rief wieder auf. auf zur Bildung eines einheitlichen Parlaments für alle innerhalb eines Einheits- Am 1. April 1979 führte er seine erste staates. Sie forderte ein gemeinsames öffentliche Versammlung seit vielen Bildungssystem an Stelle des gegenwär- Monaten durch, zu der 2.000 Anhänger tigen Systems der Rassentrennung. aus Soweto erschienen. Sie begrüßten
begeistert die Wiedergeburt des Ausschusses, drängten ihn, ihre Interessen zu vertreten und ştimmten dafür, der Ausschuß möge sich nicht auf Diskussionen mit der Regierung einlassen ,bis die „Gemeinderäte' und die... Paßgesetze gänzlich vom Tisch sind. "
Ein unter Bann gestellter Führer des BPC hatte mir zuvor berichtet, es finde eine Diskussion statt über die Möglichkeiten, das SAC, den Zehnerausschuß, die Azapo und andere Gruppen näher zusammenzuführen, sei es durch eine bessere Koordination ihrer Arbeit oder sei es durch die Bildung einer gemeinsamen Organisation oder Front. Kurz vor der öffentlichen Veranstaltung des Zehnerausschusses kündigte das SAC an, sich als getrennte Organisation auflösen zu wollen, um den Zehnerausschuß voll zu unterstützen.
Neben diesen offen arbeitenden Organisationen sind andere im Untergrund tätig. Der Soweto Students Representative Council, der mit anderen Gruppen im Oktober 1977 verboten worden war, hat immer noch Anhänger in der Township. Tsietsi Mashinini, der erste Präsident des SSRC und jetzt im Exil, berichtete mir in Lusaka (Sambia), daß es den Anhängern des SSRC innerhalb Südafrikas im Jahre 1978 gelungen sei, mindestens drei Ausgaben einer Untergrundzeitschrift herauszugeben.
Der African National Congress (ANC - Afrikanischer Nationalkongreß) und der Pan Africanist Congress (PAC - Panafrikanischer Kongreß), die beide 1960 verboten wurden, verfügen in Südafrika ebenfalls über im Untergrund arbeitende Zellen, obwohl ihre Hauptbasis außerhalb des Landes liegt. Sie sind auf die Vorbereitung eines Guerillakrieges und die Durchführung gelegentlicher Sabotageaktionen ausgerichtet, deren Zahl seit Mitte 1977 zugenommen hat.
Nach Meinung aller am Massenaufstand von 1976 Beteiligten, mit denen ich gesprochen habe, hat weder der ANC noch der PAC eine nennenswerte Rolle darin gespielt. Seit der Rebellion haben beide Gruppierungen jedoch junge Schwarze aus der Masse der vielen Hundert rekrutiert, die durch die massive Repression ins Exil gezwungen wurden. Oft erhielten diese Jugendlichen ein paar Monate lang militärische Grundausbildung und wurden dann nach Südafrika zurückgeschickt. Weitgehend isoliert von den Massenkämpfen in den Townships sind viele von ihnen vom Regime getötet oder gefangengenommen worden.
Unter den Anhängern der Black Consciousness-Bewegung, die ich in Südafrika getroffen habe, war der Eindruck vorherrschend, die gegenwärtigen Kampagnen des ANC und des PAC seien außerordentlich ineffektiv und vergeudeten das Leben vieler aufopferungsbereiter junger Aktivisten. Ähnlich kritisch wurde die fraktionalistische Haltung des ANC gegenüber der Black Consciousness-Bewegung LAST LONGI
CAM TOWN
RAT GRANIT und sein Anspruch bewertet, die einzig „wahre" Befreiungsbewegung darzustellen.
Nichtsdestoweniger empfanden die meisten Aktivisten, daß die Einheit aller gegen das Regime kämpfenden Strömungen sehr notwendig sei, wobei der ANC und der PAC eine nützliche Rolle spielen könnten, wenn sie an den Kämpfen der Massen der schwarzen Bevölkerung selbst teilnehmen.
Brodelnde Kessel
Die schwelende Wut und die andauernde Hoffnungslosigkeit des Lebens in den Townships bricht von Zeit zu Zeit durch. Manchmal können sich verhältnismäßig geringfügige Vorfälle schnell zu spontanen Angriffen gegen Symbole des weißen Regimes oder gegen Kollaborateure ausweiten.
In den schwarzen Townships von New Brighton, Kwazekhele, Zwide und Uitenhage, sämtlich in der Umgebung von Port Elizabeth, flackerte im Verlauf des vergangenen Jahres zeitweilig Unruhe auf, oft zusammen mit Aktionen von Highschool-Schülern und anderen Jugendlichen der Townships. Unzählige wurden verhaftet, und einige sind erschossen worden. In der President Steyn-Mine in Welkom, 150 Meilen südlich von Johannisburg, rebellierten am 22. Mai 1978 schwarze Bergarbeiter sieben Studen lang, wobei einige Verwaltungsgebäude niedergebrannt wurden. Die Anglo American Corporation, der die Mine gehört, rief die Polizei zur Unterdrückung des Protestes, was mit mehr als einem Dutzend Verletzter und sechzehn Verhaftungen endete.
Die niedrigen Löhne und elenden Arbeitsbedingungen der schwarzen Arbeiter haben zu anhaltenden Streikaktionen geführt.
Forderung nach höherem Lohn (die Löhne betrugen ganze 6,50 Rand pro Woche). Am zweiten Streiktag gesellten sich auf den Straßen mehrere Tausend Unterstützer zu ihnen. Der Streik dauerte eine Woche und endete nur angesichts der Unnachgiebigkeit der Unternehmer und von Polizeiangriffen.
Im Verlauf des, vergangenen Jahres streikten ebenfalls 800 Arbeiter der Kohlebergwerke in Entumeni, Busfahrer in Alberton und Johannisburg, städtische Angestellte in Clermont und Amanzimtoti (beide in der Nähe von Durban), 850 Arbeiterinnen einer Konservenfabrik in East London und 200 Arbeiterinnen der Eveready-Batterienfabrik in Port Elizabeth.
Streiks afrikanischer Arbeiter gibt es noch immer. In diesem Jahr haben bis jetzt die Textilarbeiter und -arbeiterinnen in Umtata, der Hauptstadt der Transkei, gestreikt; afrikanische Fischer in Durban; mehrere hundert Busfahrer in Pietermaritzburg und den Reservaten Ciskei und BophuthaTswana: 1.000 Arbeiter des Hammarsdaler Verarbeitungswerks der Rainbow Chicken Company; sowie 4.400 schwarze Arbeiter in der der Anglo American gehörenden Goldmine von Elandsrand bei Carletonville. Wie im gesamten Zeitraum seit 1976 hat die Unruhe unter den Schülern und Studenten auch in den Bantustans weiterhin zu Ausbrüchen geführt. Im April und Mai 1978 haben Schüler von mindestens vier Schulen in KwaZulu den Unterricht boykottiert und Krawalle" veranstaltet, die mehrere Tote und zahllose Verhaftungen zur Folge hatten. Anfang Oktober sollen etwa 300 Schülerinnen der Colana High School im Lady Frere-Bezirk der Transkei „Krawalle" veranstaltet haben. In den meisten Fallen machten die Behörden der Bantustans „Agitatoren von außerhalb" für die Unruhen verantwortlich.
Die häufigen Trauerfeiern für schwarze Aktivisten, die in Polizeihaft umkamen, sind zu einer weiteren Methode politischer Manifestationen geworden. In Soweto, New Brighton und anderen Townships
haben sich in der letzten Zeit Tausende an solchen Trauerfeiern beteiligt, die geprägt waren von geballten Fäusten, dem Ruf „amandla" und Freiheitsliedern. Oft kam es zu Polizeiangriffen.
Eine wütende Menge mehrerer tausend Trauernder versammelte sich am 6. April in Mamelodi für Solomon Mahlangu, der für seine Tätigkeit gegen die Apartheid gehängt worden war. Drei Tage später marschierten viele weitere Tausend durch Atteridgeville, um gegen die Hinrichtung zu protestieren.
Die Verweigerung der Lusammenarbeit nimmt zu •Mungen ostemeindert die. und da System der Bantustans ist weitverbreitet. Bei den Wahlen zum Gemeinderat von Soweto im Februar und April 1978 blieben 94 Prozent der Wahlberechtigten den Wahlumen fern, entweder aus mangelndem Interesse oder in offener Zurückweisung des ganzen Projekts. Zwar lag die Wahlbeteiligung in einigen der 130 anderen Townships, in denen ,,Gemeinderäte" eingerichtet wurden, höher, doch sind auch dort hunderttausende Schwarze den Wahlen ferngeblieben.
Das Innenministerium der Transkei enthüllte am 15. November 1978, daß sich von den schätzungsweise 1,25 Millionen Afrikanern außerhalb der Transkei, die von Pretoria als „Bürger" der Transkei betrachtet werden, tatsächlich nur sechsundfünfzig für die „Staatsbürgerschaft" der Transkei beworben hatten. Und die meisten davon waren Unternehmer mit Eigentum in der Transkei.
Das South African Indian Council (Südafrikanisch-Indischer Rat), die von der Regierung eingerichtete Organisation indischer Kollaborateure, mußte im Dezember 1978 einen schweren Schlag hinnehmen. Der Islamic Council of South Africa (Islamischer Rat von Südafrika), der angibt, 400.000 Moslems zu vertreten, rief alle seine Anhänger dazu auf, eine Beteiligung im SAIC und allen anderen „Apartheid-Institutionen" einzustellen. Townships vico Sowete Bat 6s in lin Schwarzen möglich gemacht, die neuesten Manöver der Regierung schnell zu durchschauen. Dies zeigte sich an den Reaktionen auf die Ernennung des „liberalen" Piet Koomhof zum neuen Minister für mehrrassige Beziehungen und Entwicklung.
Die schwarzen Kollaborateure bejubelten die Ernennung. David Thebehali, der Vorsitzende des Sowetoer „Gemeinderats" , nannte Koornhof den neuen Führer" der schwarzen Bevölkerung. Häuptling Gatscha Buthelezi erklärte, Koomhof gebe ihm „Hoffnung". Indes stellte eine Meinungsumfrage von Reportern der Johannisburger „Post" (mit afrikanischer Redaktion) fest, daß die Mehrheit der befragten Schwarzen keinen Unterschied zwischen Koomhof und anderen Regierungsministern sah. Jerry Mokirisi aus Soweto tat Koorhof ab als denjenigen, die beteiligt waren an der Schaffung der Gesetze, mit denen die schwarze Bevölkerung unterdrückt wird". Selina Rathaba meinte: „Ich interessiere mich nicht dafür, wer (den Kabinettsposten) übernimmt, weil ich nichts davon habe."
Ishmael Kabe, ein Angestellter, erklärte: „Wir wissen, daß seine Ernennung aus einem einfachen Grund geschah: um die Wut der schwarzen Bevölkerung abzukühlen. Gleichfalls wissen wir, daß die Regierung bloße Verzögerungstaktik anwendet. Thebehali und seine Strohmänner sind über ein Nichts begeistert. Wir sind nicht überrascht über ihre Haltung, denn sie gehören mit Leib und Seele zum jetzigen Regime. " Trotz des ständigen Risikos von polizeilichen Repressalien wird ein Teil der Opposition gegen das Regime in organisierten und offen politischen Aktivitäten zum Ausdruck gebracht.
Z.B. haben sich am 16. und 17. Juni 1978 6.000 Schwarze in Soweto versammelt, um den zweiten Jahrestag der Rebellionen von 1976 zu begehen. Dazu aufgerufen hatten das SAC, die SSL, die Black Priests Solidarity Group (Solidaritätsgruppe schwarzer Priester) und andere Organisationen. Darüber hinaus blieben etwa 40 Prozent der schwarzen Bevölkerung von Soweto ihren Arbeitsplätzen fern. Ähnliche Gedenkfeiern wurden in Kapstadt und anderen Städten durchgeführt.
Etwa 4.000 „Squatter" und Unterstützer versammelten sich am 31. Juli in der Barackenstadt Crossroads bei Kapstadt, um ihren Widerstand gegen Regierungs. pläne zum Abbruch des Lagers zum Ausdruck zu bringen.
Zu isolierten Ausbrüchen von Unruhe unter den Schülern und Studenten kam es am 12. und 13. September in Kingwilliamstown und Ginsburg zur Zeit des 1KOS.
Black Consciousness-Bewegung. Wenig mehr als einen Monat darauf, am ersten Jahrestag der Terrormaßnahmen der Weißen vom Oktober 1977 nahmen Tausende an Protestkundgebungen in Johannisburg, Pretoria, Pieter: maritzburg, Kapstadt, East London, Port Elizabeth und Witbank teil.
Bei der Aktion in Soweto, zu der das SAC aufgerufen hatte, sprachen Vertreter des Soweto Teachers Action Committee (STAC - Aktionskomitee der Lehrer von Soweto), der Writers Association of South Africa (Schriftstellerorganisation von Südafrika) und der South African Black Social Workers Association (Vereinigung der südafrikanischen schwarzen Sozialarbeiter). Fanyana Mazibuko vom STAC erklärte, die Lehrer sollten ihren Boykott der „Bantu Education" solange fortsetzen, bis die gesamte Struktur des Bildungssystems verändert worden sei: Pretoria die Stirn bieten Hlaku Kenneth Rachidi, der letzte Präsident des BPC, erklärte kurz nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis (und vor seiner Verbannung) in herausfordernder Weise in einem Interview: „Jimmy Kruger, der Justizminister, spricht jetzt davon, es herrsche wegen der scharfen Vorgehensweise Sicherheit und Frieden. Es wird niemals Frieden und Sicherheit im wirklichem Sinne geben, solange die Sehnsüchte der Mehrheit der Bevölkerung unterdrückt werden." („Post", Joharinisburg, 30. Oktober 1978). Die Kundgebung vom 16. Dezember in Soweto als Gegendemonstration zu den Feiern der Weißen zum Jahrestag der Battle of Blood River wurde getragen vom SAC, dem STAC, der SSL, dem Zehnerausschuß und anderen Organisationen. Ähnliche Aktionen fanden in Tembisa und anderswo statt.
Im Januar 1979 führten Schüler in den zehn Primary Schools für Farbige und drei Senior Secondary Schools in Kimberley einen Massenboykott des Unterrichts durch, um gegen die Uberfüllung in den Klassenräumen zu protestieren. Zur gleichen Zeit nahmen in Soweto etwa 1000 Schwarze an einer Versammlung in der katholischen Kirche Regina Mundi teil, um weitere Maßnahmen im Kampf gegen die „Bantu Education" zu diskutieren. Ein Jugendlicher wurde am 6. März in der Kwa- Makhuta High School bei Durban während Protestaktionen von 600 afrikanischen Schülem erschossen.
Der Blick nach vorn Weniger sichtbar als die offenen Ausdrucksformen der Opposition sind die Diskussionen, Debatten und Organisierungsaktivitäten, die sich unter der Oberfläche abspielen, Entwicklungen, die die zukünftige Richtung des Freiheitskampfes herausbilden können.
Unter den Aktivisten der Black Consciousness-Bewegung, mit denen ich in Südafrika diskutiert habe, gab es keine Resignation oder die Ansicht, die Repression mache eine weitere Organisierung unmöglich. Gewisse abschätzbare Risiken mußten eigegangen werden, war die Meinung, doch die Sicherheitspolizei ist nicht allmächtig, und es gibt vieles, was leise getan werden kann.
Die Radikalisierung, die in den schwarzen Townships seit kurz vor den Rebellionen von Soweto blüht, hat besonders kräftige Wurzeln unter vielen jüngeren Führem von BPC, SASO, SASM, SSRC und anderen verbotenen Organisationen geschlagen. Obwohl ich nur einige •wenige flüchtige Eindrücke vor Ort über diesen Prozeß gewinnen konnte, scheinen viele reiche politische Diskussionen im Gange zu sein, in denen praktisch jede bedeutendere politische Frage aufgeworfen wird.
Die Aktivisten versuchen, die Lehren aus den Aufständen von Soweto zu ziehen. Warum konnten die Rebellionen das Regime nicht stürzen? Hätte mehr getan werden können, um die Arbeiter in den Kampf mit einzubeziehen? Hätte es eine stärkere Organisierung und politische Ausrichtung auf den Aufstand geben müssen?
Ein früherer Führer der Schüler- und Studentenbewegung, der gerade mitten dabei war, einige Reden von Fidel Castro und Che Guevarra zu lesen, sagte, er glaube, die Kubaner seien „wirkliche proletarische Internationalisten. Sie setzen in die Praxis um, was sie predigen. " Bei einigen der Black Consciousness- Bewegung wird auch anerkannt, daß in den von Schwarzen regierten Ländern des Nordens große soziale Differenzierungen bestehen, daß eine Befreiung von unmittelbarer Kolonialherrschaft nicht notwendigerweise ein Ende der Massenarmut oder die Freiheit von ausländischer wirtschaftlicher Beherrschung bedeutet. Dies hat zu ernsten Überlegungen über die Art von Gesellschaft geführt, die sie in Südafrika selbst aufbauen wollen. Einige Gründer der Black Consciousness-Bewegung hatten es vorgezogen, solche Diskussionen auf unabsehbare Zeit zu verschieben oder ihre letzten Ziele nur in äußerst vager Form zu bestimmen. Doch viele von denen, mit denen ich gesprochen habe, lehnen diese • Herangehensweise ab. Sie glauben, es sei unabdingbar, ihre Ziele konkreter zu fassen, zum Teil in der Absicht, sich eine klarere Vorstellung darüber zu verschaffen, wie eine Ausrichtung im Hinblick auf die stattfindenden Kämpfe am besten aussehen sollte.
Ein paar sind bereits zu der Schlußfolgerung gelangt, daß es notwendig ist, den Kapitalismus mit der weißen Vorherrschaft zu stürzen, um eine Befreiung von allen Formen der Unterdrückung und Ausbeutung zu erreichen. ,Wissenschaftlicher Sozialismus" lautete der Begriff, mit dem einige ihre Ziele zu beschreiben wenn diese Organisationen heute in der Lage wären, offene Konferenzen abzuhalten.
Die Popularität sozialistischer Ideen wächst auch unter der schwarzen Bevölkerung insgesamt. In einem Leitartikel der Ausgabe vom 4. Mai 1979 des Johannisburger „Star" wird ein Alarmgeschrei angestimmt über das „beständige Abtreiben zum Kommunismus/Marxismus/ Sozialismus • seitens • der städtischen schwarzen Bevölkerung Südafrikas... Dieser Trend wurde bestätigt durch drei wichtige Umfragen, die zeigen, daß sich die Mehrheit der städtischen Schwarzen lieber Kommunisten, Marxisten oder Sozialisten nennt als Kapitalisten. " Jedoch gibt es eine Anzahl zentraler Führer der Black Consciousness-Bewegung - wenn ich auch nur ein paar davon angetroffen habe, die für sozialistische Ideen weniger offen sind, zumindest bislang, sowie einige, die das Konzept des Klassenkampfes geradewegs ablehnen und behaupten, es gebe nicht die Interessen der schwarzen Bevölkerung wider.
Andere konnten keinen wie auch immer gearteten Widerspruch zwischen der nationalen Befreiungsbewegung und dem Kampf der werktätigen Klassen - der überwältigenden Mehrheit der schwarzen Bevölkerung - gegen die weiße Bourgeoisie erkennen.
Ein führender Aktivist • der BPC betonte in den Diskussionen, die er mit mir führte, daß die schwarze Arbeiterklasse in der Zukunft einen größeren Teil der tatsächlichen Führung des Freiheitskampfes werden stellen müssen. Er erklärte, „kleinbürgerliche Schwarze" könnten natürlich daran teilnehmen, aber ille verfolgen begierig die Entwick- - pflegten. Sie fügten schnell hinzu, daß si ungen Jenseits der Grenzen von Süc afrika und versuchen, den Stellenwert Südafrikas für die afrikanische Revolution im allgemeinen zu analysieren. „Die Befreiung Zimbabwes und Namibias wird ein schwerer Schlag für dieses rassistische Regime sein", , sagte mir ein früherer Führer des BPC. „Sie wird es noch mehr isolieren. Und wir werden mehr Verbündete haben."
Kein einziger der Schwarzen, mit denen ich in Südafrika gesprochen habe, war weniger als begeistert über die Unterstützung der Kubaner für den afrikanischen Befreiungskampf. Insbesondere spendeten sie der Rolle Beifall, die Kuba bei der Zurückschlagung der südafrikanischen Invasion von 1975/76 in Angola gespielt hat.
damit nicht den „sogenannten afrikanischen Sozialismus" kapitalistischer Länder wie Tansania und Guinea meinten. Einige von ihnen hatten Werke von Marx und Lenin gelesen, trotz der Schwierigkeiten, in Südafrika an marxistische Literatur heranzukommen.
Ich habe diejenigen, die sich als Sozialisten verstanden, gefragt, wie viele andere wie sie dächten. Einer, der erklärte, in engem Kontakt zu den „Gelehrten" - den Aktivisten der High School in Soweto - zu stehen, berichtete, daß sich viele der jüngeren Führer als „Kommunisten" verstanden. Ein anderer, der sich recht gut auskannte in bezug auf die jüngsten politischen Strömungen im Milieu der Black Consciousness-Bewegung sagte, die Resolutionen von BPC und SASO hätten einen „entschiedenen linkeren " Charakter, man dürfe nicht darauf vertrauen, daß sie die für den Sieg notwendige kühne und scharfsichtige Führung bereitstellen würden.
„Was für eine Führung?" fragte ich. „Eine revolutionäre Partei. Wir brauchen eine. Oder... es wird wieder wie in Soweto sein, blind zuschlagen, nicht dort, wo es den Gegner am schwersten trifft. Soweto war gut, wir haben viel dabei gelernt, es hätte aber besser; machtvoller sein können. Wir hatten damals nicht viel Erfalvung. Nun erkennen wir, daß wir uns in einer starken Kraft organisieren müssen, in einer disziplinierteren Kraft. Nächstes Mal müssen wir besser. vorbereitet sein."