Die Linke ausserhalb von KP und PSOE im Auf wind (aus „Bresche" 137 vom 28. Mai 1979) 1977 waren die spanischen Revolutionäre mit weniger als 2.5% spricht, die mit ihrer prinzipiellen Ablehnung jeder Klassenzusammender Stimmen die grossen Geschlagenen. 1979 verzeichneten sie arbeit auch in nationalen Fragen nit 7% bei den Parlaments- und gut 9% bei den Gemeindewahkeine Abstriche zu machen braucht len den stärksten Zuwachs. Grund genug. sie einmal ausführlich In der Linken Spaniens scheint ein "Einheitsfieber" ausgebrochen zu sein. Die Maoisten der Partido de Trabajo (PT) und der Organización Revolucionaria de los Trabajadores (ORT) in einem Fusionsprozess, das Movimiento Communista (MC) und die Organización de Izquierda Comunista (OIC) haben sich kurz vor den Wahlen vereinigt, die kleine POUM, Acción Comunista (AC) und die Comités para la Unificación Marxista (CUM) wollen nächstens eine gemeinsame Partei bilden, unsere Genoss/inn/en der LCR schlossen sich vor ein em halben Jahr mit der Liga Comunista (LC) zusammen und erhielten kürzlich einen massiven Zuwachs aus der Sozialistischen Arbeiterpartei (PSOE). Etwas aus dem Rahmen fallen die Anarchisten, die heillos zersplittert sind und deren Gewerkschaft CNT vor einer Spaltung steht.
Die radikalen Nationalisten Ebenso wichtig wie die gesamtspanischen Organisationen links der KP und PSOE sind die radikalen Nationalisten, die in Euskadi mit Da sie über kein Uhergangsprogramm verfügen, mit dem sie den Kampf um Tagesforderungen mit jenem über Sozialismus und Unab. hängiękeit verbinden könnten, tendieren sie in der Praxis trotz ihrem Verbalradıkalismus zu.einem ""Pragmatismus" al la KP/PSOE. Das typischste Beispiel ist die 'Euskadiko Ezkerra ( Baskische Linke), die sich mit einem Verkehrsminister in der "Vorautonomie" beteiligt, obwohl diese das Selhsthestimmungsrecht und die Souveränität Fuskadis ausschliesst. Da die Unabhängigkeit zu utopisch ist, um sie in der alltäglichen politischen Praxis zu konkretisieren, bleibt Euskadiko Ezkerra nichts anderes übrig, als einen reformistischen Kampf um das "geringste Ühel" zu führen.
Fine andere Schwäche der Nationalisten ist ihre Bereitschaft zur Klassenzusammenarheit mit den bürgerlichen Nationalisten (und somit indirekt mit den bürgerlichen Zentralisten). Diese Haltung führt nicht nur zu unhaltbaren Kompromıssen in sozialen, sondern auch in nationalen Fragen, sind doch die nationalistischen Bourgeois aus identischen Klasseninteressen an die zentralistischen gebunden und hahen Angst vor jeglicher Dynamiund in jedem Kampf, in jeder Intervention auf die Arbeitereinheit zielt, vermag die Basken, Katalanen, Galizier, Kanarier in ihrem Freiheitskampf weiterzubringen. Dies ist die Strategie der spanischen Trotzkisten, die radikalste Strategie der nationalen Emanzipation der iberischen Minderheiten. Maoisten und Exmaoisten
MC. ORT und PT sind die allesten Organisationen der "radikalen" Linken Spaniens und alle maoistischen Ursprungs. Das MC, das 1969 aus einer ETA-Abspaltung entstanden war, huldigle bis vor vier Jahren einem dogmatischen Maoismus, distanzierte sich aber in der letzten Zeit immer mehr davon. Heute vertritt es ähnliche Positionen wie der Kommunistische Bund (BRD) oder die OCT (Frankreich). In der politischen Praxis kommt das MC (heute mit der OIC fusioniert) einer Haltung der Klassenunabhängigkeit und einheit sehr nahe, droht aber wegen der Weigerung. sie theoretisch und grundsätzlich zu fixieren. immer wieder emem Sekteiertum und Opportunsmus zu vertallen. So ist das MC. das nur in den Arbeiterkonimissionen arbeitet, sehr opportunistisch gegenüher der KP. was ansatzweise auf den Kanarischen Inseln mit 28% • die zweite und in Galizien mit 20% die dritte politische Kraft bilden. Schwach sind sie einzig in Katalonien, wo sie gemeinsam weniger ais 5% der Stimmen eroberten. Die radikalen Nationalisten, inner- und ausserhalb des Parlaments zusammenarheiten, betrachten ihre Nationalitäten als "autonome Gebicte des Klassenkampfes". Sie lehnen eine gesamtspanische Strategie und Organisierung ab, weil damt "der rerolutionäre Prozess unter unsern Völkern gebremst wird". Als einzigen Weg zur nationalen Befreiung sehen sie eine sozialistische Unabhängigkeit. sierung und Radikalisierung der nationalen Bewegung.
Schliesslich wirken die radikalen Nationalisten klassenspalterisch, inden sie die Arbeiterschaft in einen "nationalistischen" einen "espanolistischen" Flügel teilen und eigene Gewerkschaften aufbauen. Mit dieser Politik schwächen sie nicht nur den Kampf um die soziale, sondern auch den um die natio. nale Emanzipation, deren einziger Träger eine kämpferische und geeinte Arbeiterklasse sein kann. Nur eine Strategie, die sich auf Übergangsforderungen wie Selbstbestimmung und Souveränität abstützt und alles ablehnt, was diesen demokratischen Grundsätzen widerzur Theoretisierung eines "linken Eurokommunismus* führt. MC weigert sich zum eigenen Nachteil - in der sozialistisch geführten UGT mitzuarbeiten. Unsere Genossen der LCR machen keinen Unterschied zwischen dem Reformismus à. la PSOE und dem a la PCE, lehnen damit deren Politik der Klassenzusammenarbeit mit gleicher Schärfe ab und halten sich beiden gegenüher offen. Die Richnigkeit dieser prinzipiell auf der Klasseneinheit beharrenden Positionen zeigte sich im kürzlichen Übertritt von 300 PSOE-Genossen in die LCR.
Die ORT - 1969 aus der katholischen Arbeiteroewegung Navarras entstanden - folgte bis vor drei Jahren einem offenen, undogmati schen Maoismus. Seine heutige Ver-
ankerung in der Arbeiterschaft stammt aus jener Zeit. Aus dem Druck. sich nach dem Tode Francos genauer zu definieren, und offensichtlich geködert durch die chinesische Bürokratie, schwenkte die ORT-Führung zunehmend auf deren Linie ein. Heute unterstützt sie die Aussenpolitik Chinas und machte sich innenpolitisch einen Namen durch die Organisierung von Demonstrationen gegen den Terror der FTA. wodurch sie bis in die ex- Ireme Rechte Anerkennung fand Entsprechend ihrer antikommuntstischen "Drei-Welten-Theorie" huldigt sie einemı spanisch-patriotischen Chauvinismus, vor dem selbst die UCD (aus Rücksicht auf die natonalen Minderheiten) zurückschreckt. Ein extremes Stück von Klassenkollaboration wider Klasseneinheit lieferte die ORT in Aranjuc/ bei Madrid anlässlich der Bürgermeisterwahlen. Sie weigerte sich. den gemeinsamen Kandidaten von KP/PSOE Zu unterstützen und schloss stattdessen mit den Gemeinderäten der UCD und der faschistischen Fuerz Nueva ein Abkommen. um mit deren Unterstützung einen eigenen Bürgermeister stellen zu können!
Die rechte Politik der ORT verbindet sich mit einer sehr sektiererischen Haltung in der Betriebsarbeit, mit dem Aufbau einer eigenen "reinen" Gewerkschaft, mit der Weigerung. sich gemässigten Versammlungsbeschlüssen zu fügen. mit dem Brechen von Streiks auf maximalistischen Positionen. Diese Mischung von rechter Politik und ultra-"linker" Gewerkschaftsarbeit verbindet sich • wie das bei den Mao-Stalinısten üblich ist mit cinem extremen Parteipatriotismus. Die 1968 von der KP abgespaltene PT verfolgt dieselbe Linie auf etwas geschicktere. flexiblere Art und Weise. Dass die beiden bis vor kurzem einander heftigst bekämpften. gründet nicht auf politischen Differenzen, sondern auf der Unvereinbarkeit zweier Parteiegoismen. Ihre plötzliche Bereitschaft zur Vereinigung nach der Wahlschlappe vom 1.März. wo sie 6-% Parlamentssitze erhofften, aber keinen errangen. erklärt sich aus dem Üherlebensreflex zweier Apparate, die ihrer Basis irgendeinen Erfolg bieten mussten. Am gleichen Tag, als die heiden halb vergötterten "Parteivorsitzenden" die Fusion ihrer Parteien ankündigten - die Mitglieder erfuhren's durch die Tagespresse! -. erschien im linken Magazin "El Viejo Topo" eine zwei Wochen vorher gemachte Erklärung des ORT-Führers, wo es noch so tönte: "Die PT ist eme von einer opportunistischen Kamarilla geführte Partei, die weder mit der Revolution noch mit dem Marxismus-Leninismus etwas zu tun hat.