Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Kuba

Zwanzig Jahre Revolution

· Inprekorr Nr. 105, 14. Juni 1979 · S. 15-23 · 7.215 Wörter

Kuba und Karibik Stalinismus und Bürokratie USA und Kanada Trotzki und Geschichte

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ZWANZIG JAHRE REVOLUTION von JACK BARNES

Die folgende Rede hielt Jack Barnes auf einer Kundgebung in Pittsburgh. Weit davon entfernt, gigantische Kon- Pennsylvania, am 31. Dezember 1978. Die versammelten mehr als 600 zentrationslager zu besitzen und Gulags Menschen feierten den zwanzigsten Jahrestag des Siegs der Rebellentruppen auszubreiten, ist Kuba der einzige Arbei- Fidel Castros über die Diktatur Fulgencio Batistas. Die Kundgebung war terstaat, der tiner Delegation von Amnesty ein Höhepunkt der achtzehnten nationalen Konferenz der Young Socialisr Alliance.

International erlaubt hat, das Land zu bereisen. Die Delegation besuchte die Gefängnisse und durfte mit den Gefangenen sprechen. Und sie erfreute sich der vollen Jack Barnes ist Nationaler Sekretär der Socialist Workers Party. Er Zusammenarbeit der kubanischen Regiebesuchte 1960 Kuba, als das revolutionäre Regime die umfassenden rung.

Nationalisierungen vornahm, die Kuba in einen Arbeiterstaat verwandelten. Die Delegation hatte manche Kritik- Wir haben den bearbeiteten Text der Rede der Februarausgabe der Interpunkte - wie etwa den, daß die Kubaner national Socialist Review" entnommen, der monatlichen Beilage des nicht so viele von Batistas Folterknechten hätten hinrichten sollen. Sie hatte auch manche Kritikpunkte, die berechtigt Dieses Feier des zwanzigsten Jahrestags der kubanischen Revolution ist scheinen - zum Beispiel den, daß es zur eine einmalige Gelegenheit. Im Verlauf der modernen Geschichte bot der Vermeidung von Willkür klare Regelungen zwanzigste Jahrestag von Revolutionen nicht oft Gelegenheit zum Feiern. Ganz im Gegenteil.

EINE LEBENDIGE REVOLUTION nach unserer Revoletion in Kaba fetahre len?

Weit davon entfernt, daß die Revolution ihre Führer und ihre Kinder gefressen hätte, ist die revolutionäre Führung, die die Revolution zum Sieg geleitet hat, intakt geblieben mit Ausnahme von Camilo Cienfuegos, der bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam, und Che Guevara, der auf dem bolivianischen Schlachtfeld fiel.

Weit davon entfernt, sich einer Politik der „friedlichen Koexistenz" und der Entspannung nach stalinistischem Muster zuzuwenden, erklärt die kubanische Führung öffentlich, daß sie ihre Unterstützung für den puertorikanischen Unabhängigkeitskampf niemals verkaufen wird; daß sie sich nicht auf Verhandlungen um die souveränen Rechte Kubas einlassen wird; und daß sie niemals ihr Recht verhökern wird, auf revolutionäre Möglichkeiten überall auf der Welt mit den geeigneten Mitteln zu reagieren - einschließlich der kubanischen Streitkräfte, wenn sie darum gebeten werden.

Weit davon entfernt. die ländlichen Regionen zu verwüsten und das Proletariat zu enthaupten, ruht das revolutionäre Bündnis zwischen Arbeitern und Bauern, das für die kubanische Revolution von entscheidender Bedeutung war, weiterhin auf festem Grund. Das Bündnis des Proletariats und der Bauernschaft ist nirgendwo auf der Welt so fest wie in Kuba. Weit davon entfernt. die Entwicklung einer privilegierten Kaste, einer isolierten. bewußt konterrevolutionären, der übrigen Gesellschaft aufgepfropften Gruppierung zu fördern, entwickelt die kubanische Revolution weiterhin ein egalitares Bewußtsein, wenn gleich bürokratische Deformationen und Privilegien der Revolution Schaden zufügen.

dafür geben sollte, wie eine Strafe wegen guten Betragens verkürzt werden kann. Das Team von Amnesty International gelangte aber zu einer außerordentlich wichtigen Schlußfolgerung: es stellte nicht in Frage, daß die kubanische Regierung politische Gefangene als Konterrevolutionäre bezeichnet, die wegen bestimmter Handlungen gegen die Revolution oder wegen ihrer Mitgliedschaft in bewaffneten konterrevolutionären Organisationen im Gefängnis sitzen. Amnesty International betrachtet diese Leute nicht als „Gefangene aus Gewissensgründen". Und jetzt hat Castro zu Carter klipp und klar gesagt: Diese Verbrecher sind eure Schüler. Wenn sie in den Vereinigten Staaten leben wollen, dann sollt ihr sie haben!

DIE REVOLUTION AUSWEITEN

Sie sidd n sind a, Kel sie in Ankar schwarzafrikanischen Revolution hingezogen fühlen - genau wie alle Revolutionäre und alle Menschen afrikanischen Ursprungs auf der ganzen Welt. Sie fühlen,

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daß die Entscheidung im schwarzen Afrika bevorsteht, und sie sind entschlossen, ihren Teil dazu beizutragen. Die Kubaner haben mit Begeisterung auf die äthiopische Revolution reagiert. Die Breite und die Bedeutung der Geschehnisse, die sich in Athiopien entfalten, werden von allen möglichen Sozialisten in diesem Land (in unserem Land) mißverstanden.

Aber die Kubaner begehen diesen Fehler nicht. Sie stehen mit Haut und Haar für die äthiopische Revolution ein. Sie wissen, daß die Landreform, die Vernichtung des Feudalismus und der Sklaverei in einem der letzten Reiche dieser Art, die Zerschlagung der Verbindung von Kirche und Staat, der Beginn der Ausrottung des Analphabetentums, die Nationalisierungen • daß all dies einen tiefgreifenden revolutionären Prozeß kennzeichnet, eine der grundlegendsten Erhebungen, die dieser Kontinent bisher gesehen hat. Die Kubaner haben auf diese revolutionäre Taten reagiert. Aber vor allem aus einem ganz einfachen Grund sind die Kubaner in Afrika: Sie sind dort, weil für sie ein Gesetz vor allen anderen gilt: die Revolution auszuweiten.

Was erklärt den einzigartigen Charakter dieser Revolution und dieser revolutio. nären Führung? Wir haben noch nie eine revolutionäre Führung so lange an der Macht gesehen. Wir haben nur eine grö- Bere revolutionäre Führung an der Macht gesehen - die zentralen Kader der Bolschewistischen Partei.

ÜBER DEN STALINISMUS HINWEG

Als erstes müssen wir festhalten, daß die Führung um Castro ihre Revolution gegen den Widerstand der kubanischen Kommunistischen Partei führte. Sie setzten sich über die Stalinisten und über den Stalinismus hinweg. Sie handelten als Revolutionäre und bewiesen dabei der ganzen Welt, daß die Stalinisten nicht zwangsläufig an der Spitze revolutionärer Erhebungen stehen müssen. Sie haben bewiesen, daß die Stalinisten ein Hindernis darstellen auf dem Weg einer revolutionären Führung und an den Haaren weggezerrt werden müssen.

Das war der kubanischen Führung völlig bewußt. Sie haben die Bewegung des 26. Juli gegen alle anderen in Kuba bestehenden Organisationen aufgebaut. Die bürgerlichen Liberalen hatten ihre eigenen Formationen, mit denen die Fidelisten entscheidend gebrochen hatten. Die Stalinisten und die korrupten Gewerkschaftsbürokraten nach amerikanischer Machart hielten die kubanische Arbeiterbewegung im Würgegriff. Um eine Revolution zu führen, mußte das Team Castros einen Weg finden, der an diesen Hindernissen vorbeiführte. Und sie fanden ihn.

Das zweite, was wir feststellen müssen, ist der politische Charakter der kubanischen Führung. Es gibt einen großen Mythos, daß die kubanische revolutionäre Führung schlicht die „barbudos" in Waffen waren, die Guerillaarmee. Das war das Bild, das von Leuten wie dem französischen Journalisten Regis Debray geprägt wurde.

Aber das war nicht der wichtigste Gesichtspunkt. Die Führung um Castro bestand aus politischen Menschen, genau wie wir politische Menschen sind. Sie denken politisch bis in die letzten Konsequenzen. Die militärische Taktik wurde stets der politischen Strategie und den politischen Zielen untergeordnet. Von Anbeginn gab es eine gegenseitige Beeinflussung bei jedem Schritt der Revolution zwischen politischen Initiativen der Castro-Führung und Initiativen auf den Straßen, in den Fabriken und auf dem Land durch die kubanischen Massen - hin und zurück, wobei der revolutionäre Prozeß vorangetrieben wurde.

Die Castro-Führung begann ihren Kampf nicht damit, daß sie zu den Waffen griff. sondern indem sie etwas machte,, was wir zwanzig Jahre später nachmachten . sie führte einen Prozeß gegen die Regierung. Als Batista 1952 putschte, ging Fidel vor Gericht. Er erklärte, Batista habe die Verfassung verletzt.

WIE BATISTA GESCHLAGEN WURDE

Wir fordern Erleichterungen, sagte Fidel. Insbesondere soll Batista aus dem Amt und ins Gefängnis geworfen werden. Und wenn dieses Gericht diesen elementaren Schritt nicht unternimmt, dann bedeutet das, daß dieses Gericht völlig korrupt ist und keinen Anspruch hat, als Hüter des Rechts respektiert zu werden. Es bedeutet, daß die Massen die Dinge selbst in die Hand nehmen müssen, und diesem Gericht wird nicht das Recht zukommen, über die Taten zu urteilen, zu denen wir greifen müssen. Auf diese Weise begründeten sie vor den Massen die rechtliche und politische Legitimation des Kampfes, den sie vorbereiteten.

Und sie schritten vorwärts auf ihrem Weg. Sie waren immer bereit zu handeln - vor allem mit den Gewehren. Das unterschied sie von all denen, die nur reden von der Revolution.

Sie haben aber immer politisch gedacht. Sie haben der kubanischen Bevölkerung immer erklärt, was sie taten und warum sie es taten. 1956 hat Fidel von Mexiko aus angekündigt, daß sie vor Ende des Jahres nach Kuba zurückkehren würden, um den Kampf wieder aufzunehmen. Man hielt sie dafür für verrückt. Es wurde als dumme militärische Taktik eingeschätzt. Aber sie haben kaum etwas aus militär-taktischen Gründen getan. Sie haben aus Gründen der politischen Strategie gehandelt.

In den Bergen haben sie nicht in erster Linie eine brilliante militärische Taktik verfolgt. Tatsächlich hat es niemals eine offene Feldschlacht zwischen der Rebellenarmee und Batistas Armee gegeben. Der Sturz Batistas war nicht in erster Linie das Ergebnis militärischer Aktion.

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Die Rebellenarmee betrieb auf alle mögliche Arten Propaganda. Sie sprachen mit Bauern und errichteten Radio Rebelde in den Bergen, um ihr Programm über die ganze Insel zu verbreiten. Sie gaben Zeitungen heraus. Sie kämpften darum, Interviews in der „New York Times" zu bekommen. Sie kämpften darum, die städtische Arbeiterklasse zu organisieren. Sie haben sogar ernsthaft in Erwägung gezogen, Che nach Santiago zu schicken, um dort den Widerstand in den Städten zu leiten. Die Bewegung des 26. Juli unternahm Untergrundoperationen Städten in ganz Kuba.

Sie haben Batista nicht militärisch besiegt. Sie eroberten die Herzen und die Köpfe der kubanischen Massen, und dies hat die Armee Batistas vollständig demoralisiert. Zum Schluß war sie keine wirksame Kampftruppe mehr.

Vor zwanzig Jahren ist die Rebellenarmee, ohne auf Widerstand zu treffen, in Havanna einmarschiert, nachdem sie einen Generalstreik ausgerufen hatte, der die letzten Reste des Batista-Regimes davongeblasen hatte. Sie kamen in Havanna nach einem fast eine Woche langen gemütlichen Bummel durch Kuba an. Sie haben Tausende mobilisiert, als sie auf ihrem Weg nach Havanna von Stadt zu Stadt marschiert sind. Das alles gelang ihnen, indem sie als Revolutionäre handelten, indem sie den Arbeitern und Bauern Kubas die Wahrheit erzählten. Sie wußten, daß es entscheidend für den Sieg der Revolution sein würde, die Menschen mit der Wahrheit zu bewaffnen.

Und auf dieser Grundlage schritten sie fort zur Gründung der ersten Arbeiterund Bauernregierung, des ersten Arbeiterstaates, der ersten erfolgreichen sozialistischen Revolution in der westlichen Hemisphäre.

Als drittes mussen wir die Fanigkeit der kubanischen revolutionären Führung herausstreichen, der Macht des amerikanischen Imperialismus standzuhalten. Kuba ist ein kleines Land mit einer Bevölkerung von 6 Millionen zur Zeit der Revolution, ohne große strategische Ressourcen, ohne große militärische Machtmittel - und doch hat es zwei Jahrzehnte lang dem amerikanischen Imperialismus getrotzt. Sie haben Kennedys Invasion in der Schweinebucht vom April 1961 zurückgeschlagen. Ein Jahr später machten sie einen der kühnsten politischen Schachzüge dieses Jahrhunderts.

Sie überredeten die Russen, ihnen Atomwaffen zu geben, weil sie wußten, daß eine weitere massive, von Amerikanern organisierte Invasion vorbereitet wurde. Sie mußten eine wichtige Entscheidung treffen.

Folgende Überlegung haben sie angestellt: Eine Invasion, die die Kubanische Revolution zerschmettert, wird den weltweiten Kampf für den Sozialismus zurückwerfen. Sie wird das gesamte Kräfteverhältnis der Klassen auf Weltebene verändem. Sie wird das grüne Licht für die Reaktion sein, sich in Nord. und Sudamerika, in Asien, in Afrika, überall auf den Vormarsch zu begeben. Die yanki- Imperialisten sind völlig skrupellos, sie werden nicht zögern, ihre Macht zu benutzen, um unser kleines Land in Schutt und Asche zu legen. Der einzige Weg. dies diesmal möglicherweise aufzuhalten, besteht darin, Atomwaffen zu bekommen. Genau das haben sie getan. Und das war der Hintergrund der Kuba-Krise. Aber Kennedy machte einen Rückzieher. Kennedy und Chruschtschow gingen ohne Absprache mit den Kubanern einen Handel ein: die Vereinigten Staaten würden nicht in Kuba einmarschieren, und die Russen würden die Raketen abziehen. Das war das Ende der unmittelbaren Bedrohung durch einen Atomkrieg und das Ende der unmittelbaren Bedrohung. die kubanische Revolution durch eine US-Invasion zu zerschlagen. Die Kubaner haben diese Lektion nie verlernt.

Ihre größten Klagen gegen die Stalinisten in Moskau und Peking bezogen sich auf deren Weigerung, fruher und mit mehr Waffen die Verteidigung der vietnamesischen Revolution gegen den imperialistischen Ansturm zu Hilfe zu kommen. Die Kubaner veröffentlichten und verbreiteten in vielen Sprachen die Reden Fidel Castros und Che Guevaras, worin diese leidenschaftlich argumentierten, daß der vietnamesischen Revolution Unterstützung zuteil werden müsse.

Che erklärte, daß wenn Vietnam zum „unverletzlichen Teil des sozialistischen Territoriums" erklärt würde, wo jeder Angriff als Angriff auf die Sowjetunion behandelt würde, daß es dann keinen Vietnamkrieg geben würde und daß die brutale Mißhandlung des vietnamesichen Volkes ein Ende haben würde. Wegen ihrer Antwort auf geschichtliche Prüfungen wie dieses, wußte Uncle Sam, daß die Kubaner keine konterrevolutionären Stalinisten sind - auch wenn Land sich das ni So vorstellen dienen. DIE ROLLE DER SOWJETISCHEN

HILFE

Als viertes müssen wir die Rolle herausstreichen, die die Russische Revolution dabei gespielt hat, das Überleben der kubanischen Revolution zu ermöglichen.

Wirtschaftshilfe, Öl, ein Absatzmarkt fur den Zucker und schließlich Watten • dieser Beistand war wesentlich für die kubanische Revolution. Ohne das alles wäre sie nicht in der Lage gewesen, dem Aggressionskrieg, der Blockade, der von Washington organisierten Invasion zu widerstehen.

Nun habt ihr bemerkt, daß ich von der Rolle der R'ssischen Revolution - nicht von den stalinistischen Bürokraten gesprochen habe. Die Unterstützung war möglich wegen des Siegs der russischen Massen im Jahr 1917, einem Sieg, der lebendig bleibt trotz der stalinistischen Bürokratie, die heute im Kreml herrscht. surokrane dese - Hille, und die Mill edoch kontrolliert die stalinisc = wird Kuba nicht umsonst gewährt. Die Moskauer Verräter verlangen einen politischen Preis für jeden Liter Öl, für jedes Maschinengewehr, für jeden gewährten Kredit.

Das übt einen fortwährenden Druck auf Kuba aus. Es hat die Kubaner dazu geführt. viele falsche Positionen einzunehmen, zu denen wir große Differenzen haben. Es hat zu einem Schweigen über alle möglichen Verbrechen der Stalinisten auf der ganzen Welt geführt. Es hat dazu beigetragen, daß Fidel die sowjetische Invasion in die Tschechoslowakei verteidigt hat.

Es war in Anbetracht der Kräfteverhältnisse unvermeidlich, daß die Kubaner gezwungen sein würden, einen politischen Preis zu zahlen. Ein gewisser Preis hätte auch von der besten und bewußtesten revolutionären Führung bezahlt werden müssen.

Unvermeidlich war der Preis und der daraus sich ergebende Schaden. Nicht unvermeidlich war die Stalinisierung der revolutionären Führung. Und das ist auch nicht eingetreten.

Als letztes sollten wir festhalten, daß sich die politische Haltung der kubanischen Führung seit Beginn nicht verändert hat.

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All das, was ich gelernt habe, als ich mich vor zwanzig Jahren unten in Kuba aufgehalten habe, bleibt grundlegende politische Linie. Sie haben weder die Stärken noch die Schwächen ihrer Linie verändert.

Sie glauben, daß die einzig wahren Revolutionäre die sind, die für die Ausbreitung der Revolution handeln. Sie kümmern sich nicht viel darum, was man sagt. Sie kümmern sich darum, was man Nun ist das alles in allem keine schlechte Methode. Sie ist besser als die genau entgegengesetzte Haltung. Es steckt aber eine politische Schwäche darin, denn sie neigt dazu, die Theorie zu ignorieren, die Bedeutung der teuer bezahlten gesammelten politischen Lehren und Erfahrungen der Arbeiterbewegung herunterzuspielen.

Ein anderer Gesichtspunkt ihrer Abschauung ist der Glaube, daß die Revolution in den entwickelten imperialistischen Ländern in sehr, sehr ferner Zukunft liegt. Sie glauben einfach nicht, es sei möglich, ernsthaft über siegreiche Revolutionen in Frankreich, Britannien, Westdeutschland, Japan oder den Vereinigten Staaten nachzudenken. Sie glauben nicht, daß es zu ihren Lebzeiten oder zu Lebzeiten ihrer Kinder möglich sein wird. Sie glauben nicht daran, sie denken nicht daran und folgerichtig tun sie auch nicht viel, um dies voranzutreiben.

Eine andere Schwäche, die wir feststellen müssen, ist die, daß die Kubanische Führung nie eine Organisation nach leninistischem Vorbild entwickelt hat mit dem Recht von Minderheiten, ihre Vorstellungen vor der gesamten Mitgliedschaft darzulegen. Das hat sich mit der Institutionalisierung der Partei nicht geändert.

Die kubanische Revolution war nicht von der Schaffung breiter demokratischer Kommitees der Werktätigen begleitet was die Russen „Sowjets" genannt haben, die in der Lage gewesen wären, die Gesellschaft wirksam zu organisieren, Differenzen auf wirksamste Weise beizulegen und die Massen dafür zu mobilisieren, alles in ihren Kräften stehende zu tun, um die Revolution auf andere Länder auszuweiten.

Partei und Regierung sind in der Folge miteinander vermengt worden. Fidel handelt in einem Augenblick als Staatsoberhaupt, dann als Außenminister, dann als Parteichef und dann als Guerillaausbilder.

Von Anfang an haben sie geschwiegen über das reaktionäre Verhalten einiger Regierungen wie der Mexikos, die freundschaftliche diplomatische Beziehungen mit Kuba unterhalten haben. Sie haben oft eine unkritische Haltung gegenüber Regierungen eingenommen, die gewisse anti-imperialistische Positionen eingenommen oder Maßnahmen getroffen haben wie im Fall Chiles zur Zeit Allendes und Perus unter Velasco.

Es ist ihnen nicht gelungen, in Fragen wie dem eritreischen nationalen Befreiungskampf die richtige Linie zu verstehen und aufzugreifen. Glücklicherweise haben sich die Kubaner von der bedingungslosen Unterstützung, die der Kremi dem Krieg der Dergue gegen die Eritreer angeboten hatte, scharf distanziert. Sie haben sich indes nicht für das Recht Eritreas auf Unabhängigkeit ausgesprochen. Dies sind also einige der Schwächen des Castroismus. Sie waren von Anfang an in der kubanischen Revolution vorhanden. Und sie sind noch nicht überwunden worden.

Doch jenseits dieser Schwächen steht etwas weit mächtigeres - die gewaltige egalitäre Ausrichtung der Revolution; die kompromißlose •Uberzeugung auf Seiten der gesamten Führung, die die Revolution gemacht hat, daß man nach revolutionăren Überzeugungen handeln muß; ihre Entschlossenheit, der Welt die Wahrheit zu sagen, so wie sie sie sehen; und, am bedeutendsten, ihre Weigerung, jemals den Kampf für die Ausbreitung der Revolution als dem Schlüssel zu allem anderen aufzugeben.

Nicht eine Minute waren die Führer der kubanischen Revolution an der Linie der „friedlichen Koexistenz" interessiert, dh. an der völligen Unterordnung der Interessen der Weltrevolution unter die Bemühungen, diplomatische und wirtschaftliche Händel mit dem Imperialismus einzugehen. Niemand aus der Führung der kubanischen Revolution ist jemals dafür eingetreten.

Sie wußten von Anfang an, daß ihre einzige Hoffnung auf längere Frist in der erfolgreichen Ausbreitung der kubanischen Revolution besteht. Und das hilft uns, die Einmaligkeit dieser Jahrestagsfeier zu erklären.

Wir Trotzkisten haben eine ganze Menge von der kubanischen Revolution und ihren Führem gelernt.

Ich merke jetzt, daß ich die Sache zu einfach gesehen habe, als ich jünger war. Wenn bestimmte Leute positiv auf die kubanische Revolution reagiert haben, dann habe ich in ihnen potentielle Mitglieder der Young Socialist Alliance gesehen. Wenn sie negativ reagiert haben, dann war ich der Auffassung, daß sie nicht viel taugten und wollte sie • offen gesagt auch gar nicht in der Young Socialist Alliance.

Ich habe jetzt gelernt, daß man so nicht organisieren kann, weil einem dabei hin und wieder Leute entgehen, die vielleicht gute Revolutionäre geworden wären. Ich glaube aber immer noch, daß es im allgemeinen keine schlechte Methode ist. Auf die gleiche Weise sind wir herangegangen an den Aufstieg von Malcom X, an die neue Welle des Feminismus und an die beginnende Radikalisierung der amerikanischen Arbeiterklasse• und wir sind nicht allzu schlecht damit gefahren.

Wir haben gelernt, eine Revolution zu erkennen und eine revolutionäre Führung zu erkennen. Nun klingt das ganz einfach. Jeder Dummkopf sollte dazu in der Lage sein.

Aber viele Leute, die sich nicht nur für progressiv; sondern sogar für Sozialis-

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ten und Revolutionäre hielten, waren dazu unfähig. Konfrontiert mit der lebendigen Wirklichkeit einer Revolution mit all ihren Widersprüchen und Unzulänglichkeiten konnten einige Leute die Wirklichkeit nicht so erkennen, wie sie war. Sie paßte nicht ganz in die Schemata, die sie aus Büchern gelernt hatten. Jim Cannon, der Gründer der Socialist Workers Party, betrachtete es als wichtigsten Text für unsere Bewegung, die richtige Haltung gegenüber der kubanischen Revolution einzunehmen.

In Briefen an Farrell Dobbs und Joe Hansen drückte er die Einschätzung aus. die Führung der Partei habe bewiesen, daß sie• nicht nur eine Revolution zu erkennen wußte, die sich unter unseren Augen vollzog, sondern daß wir eine revolutionäre Führung erkannt hatten und gezeigt hatten, wie wir Seite an Seite mit ihr gegen unseren gemeinsamen Feind zu kämpfen verstanden.

Von Anfang an haben wir einen Block mit dem Castro-Team gegen die Stalinisten gemacht. Wir haben das getan, weil die Stalinisten der innere Feind Nummer Eins der kubanischen Revolution waren. Es gab und gibt bis heute zwei wesentliche Flügel innerhalb der kubanischen Kommunistischen Partei: den castroistischen Flügel und den stalinistischen Flügel.

Wir haben mit Castro einen Block gegen die kubanischen Stalinisten gebildet im Kampf gegen den bürokratischen Kurs Anibal Escalantes Anfang der 60er Jahre und später im Konflikt mit den Stalinisten auf internationaler Ebene über die Verteidigung der vietnamesischen Revolution und die Bemühungen der kubanischen Führung, die Revolution auf Lateinamerika auszuweiten.

Wir haben gelernt, wie ein Block mit Castro gegen die Stalinisten im Kampf für die Verteidigung und Ausweitung Revolution gebildet werden kann. Und dieser Konflikt zwischen den Castroisten und den Stalinisten ist noch immer im Gange.

Wir haben also eine ganze Menge gelernt. Und wir hatten Glück, denn Revolutionen unter revolutionärer Führung hat's nicht oft gegeben. Was die Socialist Workers Party und die YSA zur Verteidigung der kubanischen Revolution getan hat, geschah alles vom Blickwinkel des Aufbaus unserer Bewegung aus. Das ist kein Widerspruch. In keiner Weise. Wir waren immer davon überzeugt, daß alles, was dazu beitrug, die YSA und die SWP zu stärken, auch helfen würde, die kubanische Revolution zu stärken, und daß alles, was der kubanischen Revolution half, auch der Partei und der YSA helfen würde.

Wir haben auch gelernt zwischen Politik nach dem wirklichen Leben und Politik nach den Lehrbüchern zu unterscheiden. Wir haben gelernt, wirkliche Kräfte und wirkliche Prozesse und wirkliche revolutionäre Widersprüche anzuerkennen, auch wenn sie • nicht ganz sauber waren und nicht bis ins letzte unseren Normen entsprachen.

Wir haben eine Menge über Stalinismus und Trotzkismus gelernt, indem wir beobachtet haben, wie die Stalinisten versuchten, die kubanische Revolution zu sabotieren, und wie die Trotzkisten sie verteidigten und versuchten, sie auszuweiten.

Wir haben festgestellt, daß die wirkliche Grenzlinie zu ziehen ist zwischen den Revolutionären - d.h. Castro und die um ihn herum, wir eingeschlossen - und den Konterrevolutionären auf der anderen Seite, einschließlich der Stalinisten und der Sozialdemokraten des sogenannten „Dritten Wegs"

DIE FEHLER DER KLEINBÜRGERLI- CHEN SOZIALISTEN

Wir haben auch gelernt, daß wir allen möglichen Fatalismus loswerden müssen, der in der Politik nur ein anderes Wort für Feigheit darstellt. Ihr habt das alle schon mal gehört: „Gut, Kuba ist nur eine kleine Insel; es hat keine trotzkistiche Führung, somit ist es nur eine Frage der Zeit, bis sie überrollt, gestürzt werden oder entarten und Stalinisten werden. Warum also uns zu viel mit der Verteidigung der kubanischen Revolution herumärgern? Es ist sowieso eine Frage der Zeit." Für uns klingt das zum Kotzen, aber das ist die typische Argumentation aller Gruppierungen kleinbürgerlicher Sozialisten.

Ich hatte in Lenins Schriften über kleinbürgerliche Sozialisten gelesen. Ich dachte, das sei eine Art Schimpfwort. Ich habe aber zweifellos herausgefunden, was kleinbürgerliche Sozialisten sind, was kleinbürgerliche revolutionäre Phrasendrescherei ist. Wir alle haben das in den Kämpfen zur Verteidigung der kubanischen Revolution gelernt.

Es gab eine ganze Menge Leute, die sich für Sozialisten hielten, aber die kubanische Revolution nicht als sozialistische Revolution anerkannten. Ich nehme an, daß viele von euch hier heute abend niemals was von ihnen gehört habt. Sie waren bekannt als Young People's Socialist League (YPSL). Sie haben moderne Nachkömmlinge wie die Spartacist League, Teile der Maoisten, Leute, die euch über den Weg laufen.

In den ersten Tagen der kubanischen Revolution hatte die YPSL an vielen Universitäten eine ganze Menge Einfluß. In manchen Fällen mußten wir mit Argumenten und handgreiflich unser Recht verteidigen, bei Demonstrationen Transparente zu tragen mit der Aufschrift „Hände weg von Kuba!". Die YPSL'ler versuchten uns beizubringen, daß es ;Alle Hände weg von Kuba" heißen müsse: Sie setzten ein Gleichheitszeichen zwischen die sowjetische Hilfe für die kubanische Revolution und Kennedys Versuch, in Kuba einzumarschieren und die Revolution zu zerschlagen.

Für sie war die Russische Revolution tot, die Sowjetunion war kein Arbeiterstaat. Es gab keine sozialistische Revolution auf Kuba, genauso wenig eine revolutionäre Führung, und damit basta: MEANY'S NEUER STOSS

GEGEN KUBA

Vor ein paar Tagen hat George Meany groß angekündigt, die AFL-CIO werde chilenische Waren boykottieren. Das wurde als progressiver Schritt dargestellt. Er wurde dazu in Leitartikeln der „New York Times" und der „Washington Post" beglückwünscht, worin erklärt wurde, dies sei ein trauriger aber notwendiger Schritt, um die Menschenrechte in Chile zu sicher. Aber wenn man Meanys Erklärung sorgfältiger studiert, entdeckt man, daß er in Wirklichkeit vorhat, die imperialistische Blockade Kubas zu straf- Meany sendet Delegationen aus, die sich mit den Gegenstücken zur AFL-CIO- Bürokratie überall in dieser Hemisphäre und in Europa treffen sollen, um den umfassenden Boykott chilenischer und kubanischer Güter perfekt zu machen. Somit ist der Boykott gegen Chile nur ein betrügerischer Deckmantel für den Boykott gegen Kuba.

Ich erwähne das hier, weil einige von denen, die Meanys Reden schreiben, Ende der 50er und Anfang der 60er Jahre

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Führer der YPSL waren, mit denen wir in der YSA in der Auseinandersetzung über Kuba standen. Ihre Linie während der Invasion in der Schweinebucht war recht einfach: sie verteidigten sie öffentlich. Sie drängten Sozialisten dazu, sich mit dem „demokratischen Gewerkschaftsflügel" der Invasionsarmee zu verbünden! Verständnis der Wikilekt, wie wir da , wie wir das Normen zu verbinden haben. Die Wirklichkeit war auf Kuba sehr reich und kompliziert.

Da waren keine Pappfiguren wie man sie in allegorischen Romanen findet - Gestalten wie Gisela Gut, Balduin Böse, Willi Weise, Luzie Lüstern und ähnliche Leute. Das sind keine menschen Wesen sonder Pappfiguren, die eine Idee oder eine Leidenschaft oder eine Tendenz verkörper.

Und so schauen die meisten kleinbürgerlichen Sozialisten auf eine Revolution. Aber wir kennen die kubanische Revolution, wir kennen die kubanischen Revolutionäre, und wir kennen die kubanischen Arbeiter. Wir wissen, daß es Leute aus Fleisch und Blut sind und daß sie • weit komplizierter sind als Gisela Gut und Balduin Böse.:

Wir haben gelernt, daß die Wirklichkeit an erster Stelle steht. Unsere Aufgabe bestand nicht einfach darin, die Wirklichkeit zu verstehen, sondern an ihr teilzunehmen und zu versuchen, sie zu veränder, voranzutreiben, und dabei mit allen zusammenzuarbeiten, die sich in revolutionärer Richtung bewegten. REVOLUTIONARE DER TAT

Die kubanischen Führer waren Revolutionäre der Tat. In einer seiner Diskussionen mit Mitgliedern unserer Partei Ende der 30er Jahre sagte Trotzki voraus, daß die nächsten großen revolutionären Führer keine großen Theoretiker Wie Marx sein würden und Sachen wie das „Kapital" schreiben würden. Wir befinden uns nun in einer Epoche, in der wir große Revolutionäre der Tat hervortreten sehen werden, und wir müssen mit ihnen zusammenkommen.

Das haben wir auf Kuba gesehen: diese Vorausschau ist Wirklichkeit geworden. Auf dem Kongreß der SWP im Jahre 1961 hat Morris Stein, einer der erfahrenen altgedienten Parteiführer, einer Minderheitsgruppierung innerhalb der SWP, die die Realitäten Kubas nicht anerkennen wollte, erklärt, daß das Führungsteam Castros der Bolschewistischen Führung überlegen war, wenn man einmal Leute wie Lenin, Trotzki, Swerdlow beiseiteläßt. Damit hatten wir es geschichtlich zu tun, und dort lag und liegt unsere Verantwortung.

Auf der anderen Seite haben wir auch den großen Wert, die Unersetzbarkeit und die strategische Bedeutung unserer Normen gelemt. Nur dadurch, daß wir über die richtige Strategie und die richtigen Normen verfügen, daß wir die Theorie politisch aufnehmen, können wir die Revolution verteidigen und ausweiten. Im allerersten Bericht, den Joseph Hansen für das Politische Kommitee der SWP abgab, wiesen wir auf drei zentrale politische Fragen hin:

Erstens: Im Laufe der Zeit ist es unabdingbar, daß sich auf Kuba Formen proletarischer Demokratie entwickeln, wenn die Revolution weiter voranschreiten soll. Zweitens: Der Kampf um den Aufbau einer revolutionären Partei entlang leninistischer Linien aus nationaler und internationaler Ebene ist von entscheidender Bedeutung für diesen Prozeß. Und drittens besteht der Schlüssel zu allen Problemen im Kampf für die Ausweitung der Revolution und ihre Verteidigung gegen den amerikanischen Imperialismus.

Dieser dritte Punkt ist auch der Schlüssel dazu, den Kubanern dabei zu helfen, die ersten beiden Punkte zu verstehen. Vielleicht kann ich euch erläuter, was ich meine, wenn ich euch erzähle, wie ich Trotzkist geworden bin.

Als ich zum erstenmal mit unserer Bewegung in Kontakt kam, habe ich die Rolle der Sowjets, den genauen Charakter der Arbeiterdemokratie, das Wesen des Arbeiterstaates nicht ganz und gar verstanden. Das waren alles irgendwie abstrakte Fragen.

Ich habe die Rolle einer leninistischen Partei, einer trotzkistischen Partei nicht vollständig verstanden. Ich glaube, das geht den meisten von uns in der ersten Zeit so.

Aber eine Sache habe ich verstanden. Ich wußte, daß es niemanden in diesem Land gab, der wie die SWP und die YSA die kubanische Revolution - eine wirkliche sozialistische Revolution - verteidigte und darum kämpfte, sie geradewegs in die Vereinigten Staaten auszuweiten. Und ich sagte: das ist meine Partei, das ist meine Organisation. Danach habe ich die anderen Sachen im Laufe der Zeit gelernt. Und genau so • werden die Kubaner diese Fragen lernen. Nur so. Sie werden niemandem zuhören, der im abseits hockt und mit den Zähnen fletscht. Sie beobachten. Und eines Tages werden sie

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Revolutionären zuhören, die in Taten zeigen, daß sie der Beachtung würdig sind. Es würde schneller und besser gehen, wenn es einen anderen Weg geben würde, aber das ist nicht der Fall. Nur auf diesem Weg werden die Kubaner - nicht einfach die Führer, sondern die kubanischen Revolutionäre insgesamt - überzeugt werden. WIE DIE TROTZKISTEN KUBA

VERTEIDIGT HABEN

Hieraus ergab sich das Verständnis für die wichtigste Tatsache: die kubanische Revolution ist unsere Revolution. Unser Schicksal und ihr Schicksal sind vollkommen miteinander verbunden. • Die YSA hat einige wirklich heroische Kapitel bei der Verteidigung der kubanischen Revolution geschrieben. Die erste Etappe kennen die meisten von euch sicherlich. Das war der Aufbau des „Fair Play for Cuba"-Kommitees und die Verwandlung der YSA in Propagandisten und Tribunen der kubanischen Revolution.

Wir haben getan, was wir konnten. Wir haben Dias gezeigt. Wir haben Kundgebungen organisiert. Wir haben Broschüren verkauft. Ein paar von uns trugen die Mützen der kubanischen Miliz und haben sich ein oder zwei ultralinken Ausschweifungen hingegeben. Wir haben uns an die Arbeiter und Bauern der Vereinigten Staaten gewandt. Das war damals härter als heute. Das Land war noch nicht ganz raus aus der McCarthy-Zeit. Die Radikalisierung fing erst an mit den sit-ins gegen die Rassentrennung in den Restaurants des Südens.

Wir sind zu vielen Kirchen gegangen. Wir haben festgestellt, daß wenn man eine Kirche benutzte und Dias über diese Insel zeigte und darüber, wie sich die Bedingungen für die Menschen dort als Ergebnis der Revolution verbessert hatten, daß dann einige Arbeiter, einige Studenten und in Minnesota auch einige Farmer gekommen sind.

Wir stellten uns vor, daß jeder Student oder Arbeiter oder Farmer, der Interesse für Kuba zeigte, ein erstrangiger Kandidat für die Rekrutierung in die revolutionäre Bewegung sei.

Wir haben von den Kubanern auch über den schwarzen Nationalismus gelernt. Wir haben das nock vor Malcom X und den Veränderungen, die sich in den Black Muslims vollzogen, gelernt. Natürlich waren wir erst mit dem Aufstieg Malcom X' und der Spaltung in der Nation of Islam wirklich in der Lage vollständig zu erfassen, was Trotzki uns lange Zeit zuvor über den Schwarzen Nationalismus beizubringen versucht hatte.

Die kubanische Revolution hat aber eine große Rolle dabei gespielt, uns die Türen zu öffnen. Von Anfang an hatte die kubanische Revolution eine tiefgreifende afro-kubanische Seite, die einen großen Einfluß auf die schwarzen Amerikaner ausübte.

DER EINFLUSS AUF DIE

AFROAMERIKANER IN DEN USA

Natürlich fand die koloniale Revolution, die Erhebung der nichtweißen Massen gegen ihre Unterdrückung einen starken Widerhall unter den Afroamerikanern. Kuba hatte aber einen besonderen Einfluß, weil es eine siegreiche Revolution war, wegen der Rolle, die die Afrokubaner dabei spielten und wegen der Entschlossenheit, mit der die revolutionäre Regierung die Rassendiskriminierung abschaffte.

Als Castro 1960 nach New York kam, um an der Sitzung der Vollversammlung der Vereinigten Nationen teilzunehmen, und von einem Hotel in Manhattan ins Hotel Theresa in Harlem umzog, machte das einen großen Eindruck auf die gesamte schwarze Bevölkerung.

Zu den Gründungsmitgliedern des „Fair Play for Cuba"-Kommitees gehörten einige der prominentesten schwarz-nationalistischen Intellektuellen, Dichter und Musiker dieses Landes. Robert F. Williams, ein revolutionär gesinnter schwarzer Nationalist und Bürgerrechtsführer aus North Carolina und Ed Shaw aus der Führung der Socialist Workers Party bereisten gemeinsam das Land zur Verteidigung Kubas und des Kampfes der Afroamerikaner.

Das war also die erste Etappe unserer Verteidigung der kubanischen Revolution. Es war eine begeisternde Etappe. Wir druckten Castros Reden. Wir veröffentlichten „The Truth About Cuba" (..Die Wahrheit über Kuba") von Joe Hansen. Wir haben eine Wahlkampagne für Farrell Dobbs durchgeführt • dem einzigen Präsidentschaftskandidaten, der die Wahrheit über Kuba und den Sozialismus sagte.

Wir organisierten Kundgebungen und Demonstrationen. Wir führten eine Auseinandersetzung mit jenen rückgratlosen Leuten von der YPSL. Wir hielten Veranstaltungen in Kirchen ab. Wir organisierten Foren. Wir verkauften den „Militant" und den „Young Socialist" überall. Und wir rekrutierten und stärkten die SWP und die YSA.

Da ist noch eine zweite Etappe, mit der mehr von euch vertraut sind, obgleich ihr sie vielleicht noch nicht unter diesem Gesichtspunkt betrachtet habt. Das war die Zeit des Vietnamkrieges. Das ist ein Gesichtspunkt unserer Verteidigung der kubanischen Revolution, über den wir nicht genug sprechen. Alles, was wir gegen den Völkermord Krieg der USA in Vietnam gemacht haben, war ein konkreter Kampf zur Verteidigung und Ausweitung der kubanischen Revolution. Die kubanische Führung hat vollständig verstanden, worum es für sie in Vietnam ging. Ches Motto „Schafft ein, zwei, viele Vietnams™ war keine Phrase. Es war die bewußte Linie, die die Kubaner immer verfolgt haben. Sie hatten verstanden, daß sie nur durch die Ausweitung ihrer Revolution, nur durch die heroische Erhebung und den Kampf von Völkern wie den Vietnamesen, nur indem alles darauf verwandt wurde, verteidigen konnten, was sie errungen hatten, und es auszuweiten in der Lage waren. Davon waren sie überzeugt. Und davon sind auch wir überzeugt. Che Guevara gab sein Leben genauso für die vietnamesische Revolution wie für die bolivianische. Und was ihr erreicht habt zusammen mit Millionen wie euch, die gegen den Krieg demonstrierten. ist: Zeit zu gewinnen für die Kübaner, während wir - mit Erfolg - darum gekampft haben, die amerikanische Bevölkerung dafür zu gewinnen, sich diesem Krieg zu widersetzen.

Die vietnamesische Revołution schenkte der kubanischen Revolution kóstbare Zeit, Raum zum Atemschöpfen, wirtschaftliche Probleme zu überwinden, die Blockade zu bekämpfen und bereit zu sein, sich nach Afrika zu begeben in Solidarität mit dem Kampf gegen Apartheid und Imperialismus, als sich die Möglichkeiten dazu boten.

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Wir befinden uns jetzt in der dritten Etappe. Wir müssen die Führung übernehmen in der unmittelbaren Verteidigung der kubanischen Revolution und in der Verteidigung der heraufziehenden schwarzafrikanischen Revolution. Der Kampf ist der gleiche.

Darin besteht die Kontinuität bei unserer Verteidigung dieser Revolution seit zwanzig Jahren.

Kuba steht genau im Mittelpunkt der Weltpolitik. Es steht dort seit dem Tag, als die Revolution triumphierte, und es wird dort solange stehen bis sie zerschlagen wird oder wir die Oberhand gewinnen. Es steht im Mittelpunkt von allem, denn die Existenz eines Arbeiterstaates mit einer revolutionären Führung stellt eine ständige Bedrohung und Herausforderung dar für alles Reaktionäre, für alles, was aubeutet und unterdrückt, und für alle privilegierten Bürokraten auf der Welt.

KUBA UND DIE US-POLITIK

Die kubanische Revolution und die Haltung, die wir ihr gegenüber einnehmen, bleibt die Feuerprobe für Revolutionäre. Und weil das Schicksal der Revolution in diesem Land so sehr verbunden ist mit der kubanischen Revolution, müssen wir uns ganz und gar darüber im klaren sein, wie furchtbar eine Niederlage in Kuba für uns wäre. Eine Niederlage der kubanischen Revolution oder eine Stalinisierung Kubas würde einen schrecklichen Schlag für die Weltrevolution bedeuten.

Zwanzig Jahre lang haben wir die gegenseitige Durchdringung der kubanischen Revolution und der kommenden amerikanischen Revolution verstanden. Wir können feststellen, wie dies von Tag zu Tag konkreter wird.

Catro gegenubordon Amerikanem Kubanischen Ursprungs macht, und die Bedeutung dieser Öffnung.

Das ist ein mutiger, kühner, politischer Schachzug gegen die Heuchelei der Carter- Regierung über Menschenrechte. Aber mehr noch: es ist ein kleiner aber wichtiger Eingriff in die amerikanische Politik • zum erstenmal für die kubanische Revolution.

die Vorstel ni ag hatten di genaner in den Vereinigten Staaten rauf in die Appalchen steigen würde oder sonstwohin und dasselbe tun würde wie sie auf Kuba. Sie stellten Robert F. Williams - der, viele Jahre auf Kuba im Exil lebte, nachdem er in diesem Land unter die konstruierte Anklage einer Entführung gestellt worden war • eine Rundfunkstation zur Verfügung, um Nachrichten nach Mississippi und Alabama senden zu können. Sie waren bereit, Guerillakämpfer auszubilden, aber natürlich ist nie etwas dabei herausgekommen.

Krate und hr paiensches ersucht ze benutzen, um die amerikanische Arbeiterbewegung zu beeinflussen. Sie haben sie abgeschrieben. Aber die Zeiten haben sich geändert.

Der gegenwärtige Dialog mit den Kubanern in den Vereinigten Staaten betrifft Tausende Kubaner in diesem Land. Sie sind in Klassen gespalten. Viele arbeiten in Fabriken, gehen zur Schule und werden von den gleichen Problemen im Klassenkampf betroffen wie ihr und alle anderen Arbeiter. Sie stellen auch fest, daß „latinos" im Land von Carters Menschenrechts-Heuchelei nicht gleichbehandelt werden.

HOME* Das neue Verhältnis, das sich zwischen den Amerikanern kubanischen Ursprungs und der kubanischen Revolution entwickelt, wird eine veränderte Haltung eines Teils der amerikanischen Arbeiterklasse gegenüber der kubanischen Revolution bedeuten.

Und eine neue Etappe im Verhältnis zwischen der kubanischen Revolution und den Afroamerikanern tut sich auf. Die Afrokubaner kämpfen in Afrika, und sie werden beobachtet und bejubelt von den Afroamerikanern. Wenn ein Aufstand stattfindet und die kubanischen Truppen gerufen werden, im Kampf für 'die Freiheit Zimbabwes, Namibias und Südafrikas zu helfen, dann bin ich überzeugt, daß Afroamerikaner und andere amerikanische Arbeiter rübergehen und sich dem Kampf anschließen werden. Ihr werdet interationale Brigaden sehen, die für die Befreiung Afrikas kämpfen. werden - die Haltungen und Gefühle, die dies in Millionen Menschen entfachen wird.

Wir ändern also keine einzige unserer fundamentalen Positionen nach zwanzig Jahren. Wir feiern. Wir verteidigen diese

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campten darum,: Revolution mit ganauszuweien. Und wir Wir anerkennen den revolutionären Charakter ihrer Führer, und wir bilden einen Block mit ihnen gegen ihre Feinde im Ausland und gegen die Stalinisten im Inneren. Die Socialist Workers Party, die Young Socialist Alliance und die Vierte Internationale werden Einfluß ausüben auf die kubanischen Revolutionäre, indem sie in der Aktion zeigen, was revolutionärer Marxismus bedeutet. EINE VERSÄUMTE GELEGENHEIT

Die trotzkistische Weltbewegung muß die Verantwortung dafür annehmen, zwei große Möglichkeiten versäumt zu haben, die kubanische Führung zu beeinflussen. Die erste bot sich unmittelbar nach dem Sieg über Batista. Unglücklicherweise war der Trotzkismus auf Kuba schlecht vertreten durch eine Gruppierung, die dem Kult ihres Führers Juan Posadas huldigte. war ihre Spezialität. Flugblätter herauszugeben, die einen Marsch auf den Flottenstützpunkt Guantanamo forderten, als die Kubaner gerade dabei waren, zu versuchen, ihre Revolution zu festigen. kistisch nannte. Das war zum Teil das Ergebnis einer unnötig langen und brutalen Spaltung in der Vierten Internationale. Diese • Spaltung, die erst •1963 geheilt wurde, schwächte die Weltbewegung und hinderte die internationale Führung daran, ihre ganze Kraft einzusetzen, um die kubanischen Trotzkisten zu beeinflussen.

Eine zweite Gelegenheit wurde versäumt. Das war die Zeit etwa von 1967 bis vor etwas mehr als einem Jahr. Wahrend dieser Zeit wandte sich eine Mehrheit der Führung der Vierten Internationale selbst einer Guerillastrategie zu. Die kubanische Führung versuchte gerade, zu einer Vorstellung zu gelangen, wie es vorangehen könnte, nachdem die Guerillaorientierung in Lateinamerika kurz zuvor zusammengebrochen war, symbolisiert durch die Niederlage in Bolivien und den Tod Ches. Zur selben Zeit rasten einige Sektionen der Vierten Internationale genau in die entgegengesetzte Richtung.

Die trotzkistische Bewegung gab den Kubanem eine veraltete Antwort, die die Kubaner selbst gerade zu überwinden suchten.

Es brauchte einige Jahre und viel Des kussion, aber die Vierte Internationale hat diese İrrtümer jetzt zurückgewiesen und entwickelt eine revolutionäre Stratt gie für Lateinamerika, die korrekte Anlworten auf die Fragen bietet, die die Kü baner abwägen. Allerdings ist in diesem Prozeß kostbare Zeit verloren worder- Es bieten sich uns jetzt aber Gelegen heiten wie nie zuvor. Denn die wichtigste Sache ist, daß die Kubaner die Politik beobachten, sie • beobachten Revolutio näre und sie beobachten revolutionäre Aktivitäten.

Die Veränderungen. die in diese Land heraufziehen, stellen eine grok Öffnung dafür dar, die kubanische Rev lution tief zu beeinflussen. Der Aulschwung der Arbeiterkämpfe in diesem Land und die Rolle, die die Trotzkisten dabei spielen werden, wird die Kubaner dazu führen, neu über die revolutionären Perspektiven in den imperialistischen Ländern nachzudenken.

VON DEN KUBANERN LERNEN

Sie beschuldigten die Führer der Revolution, keine Sozialisten zu sein. Ich werde eine Nacht im Sommer 1960 in Havanna nie vergessen. Ein paar Nächte zuvor hatte Fidel zu einer gigantischen Versammlung in Havanna gesprochen. Er hatte angekündigt, daß sie alles amerikanische Eigentum auf Kuba nationalisieren würden.

An jenem besonderen Abend fand eine große Versammlung in Blanquita-Theater statt. Dort erklärte Che Guevara tausenden von Studenten aus ganz Lateinamerika, daß dies der Beginn der sozialistischen Revolution in unserer Hemisphäre sei: Zum erstenmal hatte ein zentraler Führer der kubanischen Regierung die Revolution mit diesen Worten beschrieben. Die Posadisten waren wieder da und klagten die kubanische Führung an, nicht revolutionär genug zu sein.

Glücklicherweise • waren Leute wie Peter Buch, Pedro Camejo, Eva Chertov und Suzanne Weiss zu dieser Zeit auf Kuba, so daß ich lernte, daß ein ziemlicher Unterschied bestand zwischen dem Trotzkismus und dem posadistischen Wahnsinn. Die Vierte Internationale verlor aber eine Möglichkeit, die kubanische Führung zu beeinflussen, wegen des Charakters der kubanischen Organisation, die sich trotz- Dies ist also eine einmalige. glückliche Jahrestagsfeier der kubanischen Revolution und der zwanzig Jahre, die wir Seite an Seite mit den Kubanern gekämpft haben.

Die Kubaner haben einiges für uns getan und tun noch einiges für uns. Sie haben uns mit Zuversicht in die Macht der proletarischen Revolution erfüllt. Denkt nur an die gewaltigen Kräfte, die aktiv daran arbeiten und zwanzig Jahre lang aktiv daran gearbeitet haben, diese Revolution zu zerschlagen. Denkt daran, gegen was sie alles widerstanden haben - und daß sie immer noch standhalten.

Eine kleine Insel; ein überausgebeutetes Land ein paar Meilen entfernt - hat die sozialistische Revolution in unserer Hemisphäre eröffnet!

Sie haben unserer Generation beigebracht, daß unsere Klasse • die Macht ergreifen und dieses Land regieren kann. Sie haben uns gelehrt, stolz zu sein auf afrikanische Herkunft, auf latino-Herkunft.

Sie haben uns gezeigt, daß die Mobilisierung der Arbeiterklasse- und ihrer Verbündeten unter einer bewußten Führune• die die Wahrheit sagt, mächtiger ist als die mächtigste Wirtschafts- und Militärmacht, die es jemals auf der Erde gegeben hat. Sie haben in der Praxis gezeigt, daß die Stalinisten nicht durch Fügung Schicksals zwangsläufig an der Spitze jeder Revolution stehen, sie ersticken. fehlleiten, verraten. Dies ist die Epoche der Revolution, nicht der Konterrevolution.

in Afrika - die Kubaner haben uns zu In der Schweinebucht, in Bolivien und kämpfen, zu leben und, wenn nötig, die Befreiung der Menschheit zu sterben gelehrt. Und sie • haben uns gezeigt, Che vollkommen recht hatte, als er sagte, der kompromißlose Revolutionär werde von großer Liebe bewegt.

Und sie - haben selbst denen von uns, die nicht Spanisch sprechen, die Bedeutung eines spanischen Wortes beigebracht, das wir wissen müssen - Venceremos, wir werden siegen.

wir Als Gegenleistung dafür schulden ihnen nur eine Kleinigkeit. Eine revolutio- näre Bewegung zu organisieren, die in der Lage ist, die amerikanischen Arbeiter dahin zu führen, das gleiche zu tun die Kubaner. Und das werden wir tun.