(Der folgende Artikel erschien am 23. Regierung aus Kapitalistenund Großgrund- Im März 1970 wurde Sihanouk während Februar im "Militant', der Wochenzeitung besitzern ihre politische Unterstützung an. eines Auslandsaufenthaltes durch einen der SWP, die in New York herausgegeben Dennoch erhielt der Kampf der vietname- von den USA unterstützten Putsch gestürzt. wird.) sischen Massen um die Agrarreform und Die Hauptsektoren der herrschenden Kreium nationale Unabhängigkeit breite Un- se Kambodschas unterstützten die neue terstützung von den Bauern, Studenten Regierung des Generals Lon Nol, der Waund Arbeitern Kambodschas, gleichviel shington und das Regime Thieus um Un- Unter dem Einfuß der vietnamesischen ob sie Khmer oder vietnamesischer Na- terstützung bat, damit die FLN mit mili- Revolution und des US-Krieges in Indo- tionalität waren. tärischen Mitteln aus dem östlichen Kamchina verschärften sich während der 60er bodscha vertrieben werden konnte.
Jahre die Klassengegensätze in Kambod- Die herrschenden Klassen Kambodschas, scha. einschließlich Sihanouks, fürchteten, daß Die Regierung in Hanoi und die Natio. die Ausweitung der vietnamesischen Revo- Um die Arbeiter und Bauern Kambod- lution die Bevölkerung Kampucheas zur nale Befreiungsfront gaben damals ihre schas unter Kontrolle zu halten, nahm Nachahmung bewegen könnte. Diese Be- Politik der Unterstützung für das Regime Prinz Norodom Sihanouk 1962 mehrere fürchtungen wurden 1967 bestätigt, als Pnom Penhauf..,Die vietnamesischen Komim Distrikt Battambang, dem Hauptreis- munisten", schrieben Malcolm Caldwell prominente pro-stalinistische Intellektuel- und Lek Tan in "Cambodia in the Southle in sein Kabinett auf. Darunter befan- anbaugebiet, ein großer Bauernaufstand east Asian War' ('Kambodscha im Südostden sich Khieu Samphan und Hou Youn, ausbrach. Die Rebellion wurde brutal nie- asiatischen Krieg'), später Hauptfiguren im Pol Pot-Regime, dergeschlagen. Aber in der Folge began- Zeitpunkt auf ein einwandfrei korrektes das Anfang dieses Jahres gestürtzt worden nen die Guerilla-Gruppen, die von der jun- Verhalten bedacht, begannen Waffen an ist. kambodschanischen Kommunistischen Partei geführt wurden, zu wachsen. unzufriedene kambodschanische Gruppen 1970 zählten sie etwa 4000 Mann. zu liefern und ihnen bei der militärischen Andauernde politische Unruhen beson- Ausbildung zu helfen. Diese Gruppen be ders auf dem Lande und wachsender im- Im Unterschied zur vietnamesischen KP standen aus kambodschanischen Bauern, perialistischer Druck überzeugten Prinz entstand die KP Kambodschas erst in den Kambodschanern vietnamesischer Abstam- Sihanouk im Frühjahr 1967 davon, daß frühen 50er Jahren. Die herrschende Grup- mung und Arbeitern der Gummi-Plantadieses Manöver zwecklos war; deshalb jag- pe des Pol Pot-Regimes, mit leng Sary gen - die, schon lange Zeit politisch radite er die Stalinisten aus seinem Kabinett. und Khieu Samphan, ubernahm die Partei- kalisiert, nun über die Angriffe der USA Sie verschwanden schnell in den Unter- führung erst Ende der 60er Jahre. und der ARNV (der Armee Saigons) auf grund.
ihre Arbeitsplätze und Wohngebiete er- Die US-Imperialisten übten wachsenden zürnt waren..."
Die vietnamesische Nationale Befreiungs- Druck auf Sihanouk aus, damit er völlig front (FLN) hatte im östlichen Teil Kam- auf die Linie Washingtons einschwenkte Mit vietnamesischer Hilfe und mit Billibodschas Standquartiere, Hospitäler und und den Truppen der USA und Saigons gung Sihanouks wurden die kambodscha- Kommandozentralen aufgebaut. Als Ge- die Okkupation des östlichen Kambodscha nischen Stalinisten Führer einer Bauernargenleistung für die Tolerierung dieser Mi- gestattete. Sihanouk driftete immer mehr mee - der Nationalen Vereinigten Front litärbasen durch Sihanouk boten die viet- nach rechts, widersetzte sich aber den am von Kambodscha' (FUNK) -, die in der Folnamesischen stalinistischen Führer seiner weitest gehenden Forderungen der USA. gezeit auf mehr als 50.000 Kämpfer anwuchs.
Die Rebellion dehnte sich schnell zunächst im östlichen Kambodscha und dann im ganzen Lande aus. Sihanouk nannte die Guerillas die "Khmer Rouge", eine Bezeichnung, die die KP-Führer später selbst übernahmen.
Sihanouks Aufruf zum bewaffneten Widerstand gegen die US-Marionetten zerstörte aus dem Blickwinkel der Bauern den letzten Rest von Legitimität, den das Lon Nol-Regime noch besessen hatte; zudem bestärkte es sie, mit der Landreform zu beginnen und ihre Rechnungen mit den Großgrundbesitzern, Steuereintreibern, Wucherern, korrupten örtlichen Beamten und anderen Unterdrückern zu begleichen. Die US-Truppen, die in Kambodscha im Mai 1970 eingedrungen waren, wurden im folgenden Monat angesichts massiver Proteste in den Vereinigten Staaten selbst zum Rückzug gezwungen. Danach eroberten die Bauernrebellen den größten Teil des Landes und hielten es bis zum Sturz Lon Nols im April 1975.
Wie in Vietnam war die militärische Kommandostruktur, die die Bauernarmee führte, nicht revolutionär-sozialistisch, Sondern stalinistisch. Die kambodschanische KP und damit auch die FUNK vertraten die Strategie des "Volkskrieges", wo man sich auf Bauernkämpfe auf dem Lan. de beschränkt und auf die revolutionäre Mobilisierung der Arbeiterklasse und der städtischen Armut verzichtet. Aufgrund dieser Strategie unterstützten die Führer der Roten Khmer die Repräsentanten der alten herrschenden Klassen, vor allem Sihanouk selbst und seine Hintermänner - allesamt Todfeinde der Arbeiter und Bauern.
Gleich dem Programm der Nationalen Befreiungsfront in Vietnam versprach das Programm der FUNK die Erhaltung des Kapitalismus nach dem Sturz des alten Regimes.
Aufgrund dieser Perspektive besaßen die Streitkräfte der Rebellen kein Interesse daran, ein antikapitalistisches Bündnis mit der Arbeiterklasse, den Studenten und der städtischen Armut zu schaffen. Es gelang ihnen daher nicht, aus den großen Demonstrationen gegen Lon Nol, gegen den Krieg und gegen die USA einen Nutzen zu ziehen, die 1972 Pnompenh und andere Städte Kambodschas erschütterten. Im Gegenteil betrachteten die Führer der Roten Khmer die Städte als feindliche Bastionen, die es zu erobern galt. Der Bürgerkrieg nahm deshalb die Form einer lange andauernden Belagerung durch die Bauernarmee an, während der Dörfer, Reisfelder und Wälder "free-fire zones" (Zonen uneingeschränkter Bombardements) für die US-Bomber wurden. Dennoch erhoben sich die städtischen Massen in den ersten Monaten des Jahres 1975 erneut zum Kampf, als die Roten Khmer Pnompenh und die anderen gro- Ben Städte eingeschlossen hatten. Es fanden Demonstrationen für das sofortige Ende des Krieges und gegen Lon Nol und dessen amerikanische Hintermänner statt. Als die ersten Einheiten der Roten Khmer in Pnompenh einmarschierten, wurden sie begeistert von Arbeitern und Studenten, von den aus den Dörfern geflüchteten Menschen und von den einfachen Soldaten begrüßt; sie alle waren überzeugt, daß eine Periode des Krieges und imperialistischer Beherrschung zu Ende ging.
, Drei Stunden nach der Kapitulation", berichtete Associated Press in einer Meldung vom 18. April, "zogen tausende von Studenten durch die Hauptstraßen und schwenkten zur Begrüßung der kommunistischen Streitkräfte Fahnen." "Kommunistische Guerillas verbrüderten sich mit Regierungssoldaten und nahmen sie zu einer Siegesparade im Hafengebiet auf Mannschaftswagen mit." "Die Begeisterung des Volkes ist unübersehbar, " berichtete Patrice de Beer ineinem Kabel aus Phnompenh an die Pariser Tageszeitung 'Le Monde'."Menschengruppen Esso umringen die Aufständischen, die oft amerikanische Waffen tragen. Sie sind jung, glücklich und überrascht von ihrem leichten Sieg. Die republikanischen Soldaten hissen eilig weiße Fahnen. Umzüge finden auf den Straßen statt; die Flüchtlinge beginnen, in ihre Heimat zurückzukehren. DIE ZERSTÖRUNGEN
DURCH DIE USA
Die Befehlshaber der Roten Khmer kamen in einem Land an die Macht, dessen soziale und ökonomische Struktur durch fünfjähriges barbarisches US-Bombardement, durch eine Marionettenregierung und durch den Bürgerkireg zerstört worden war.
Über 400 000 t Bomben zerstampften die kambodschanische Landschaft zwischen 1970 und 1973. Während des fünfjährigen Bürgerkriegs wurden ungefähr 600.000 Menschen getötet und eine gleiche Anzahl verwundet - bei einer Bevölkerung von 7 Millionen. Hunderte von Dörfern wurden vernichtet.
Die systematische Bombardierung des Kommunikations- und Transportnetzes und der Bewässerungsanlagen sowie die Tötung hunderttausender Zugtiere ruinierte die Landwirtschaft.
Millionen von Flüchtlingen wurden in die Städte getrieben. Phnompenhs Einwohnerzahl schwoll von 600.000 auf nahezu 3 Millionen an. Die Industrieproduktion sank auf weniger als die Hälfte.
Mehrere Tausend Personen waren während der letzten Kriegsmonate verhungert, da die Nahrungsmittelvorräte in den Städten zu Ende gegangen waren. Washington unterbrach die Reiszufuhr mit typisch imperialistischer Grausamkeit, als Lon Nols Sturz sicher wurde.
Die Mobilisierung der städtischen Massen, welche die FUNK begrüßten, öffnete die Tür für die Errichtung einer Arbeiterund Bauernregierung in Kambodscha. Solch eine Regierung hätte das Gewicht der Arbeiter, der Verarmten in den Städten und der Bauern gegenüber den in- und ausländischen Ausbeutern zum Tragen gebracht, um mit der Lösung der schwierigen Probleme zu beginnen, mit denen das Land konfrontiert ist.
Die Beseitigung der Kriegsschäden und die Weiterentwicklung erforderten eine weitergehende Mobilisierung der Arbeiterund Bauernmassen, um die Kapitalisten und Landbarone zu enteignen und den alten kapitalistischen Staat und die wirt. schaftlichen Verhältnisse mit Stumpf und Stil auszumerzen.
Dies hätte den Grundstein gelegt für einen qualitativen Schritt vorwärts bei der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Organisation einer geplanten Wirtschaft. Die unersetzbare Rolle der Moblisierung der Arbeiterklasse war in der russischen und in der kubanischen Revolution offensichtlich. Und die antikapitalistischen Kämpfe der Arbeiterklasse waren genauso entscheidend, als die stalinistischen Regie. rungen gezwungen waren, den Kapitalismus in Vietnam, China, Jugoslawien und im von der Sowjetunion besetzten Osteuropa zu beseitigen, obwohl sie der bürokratischen Führung und Kontrolle unterworfen waren.
Die Befehlshaber der Roten Khmer de. demonstrierten jedoch rasch, daß sie nicht die Absicht hatten, die Massen zu organısieren, in deren Interesse zu handeln und auf sie zu vertrauen, um Kambodschas gesellschaftliche Krise zu überwinden. Nachdem sie auf der Woge eines revolutionären Aufstandes auf dem Land an die Macht gekommen waren, ruinierten und zerstreuten sie nicht nur die städtische Bevölkerung, sondern drangten auch die von den Bauern begonnene Landnahme und verteilung zurück.
Dieser konterrevolutionare Angriff auf die ausgebeuteten Massen zeigte an, daß die neue Regierung das überlebte kapita. listische System eher bewahrte, als es ab. zuschaffen. Die schweren Schläge, die sie den Arbeitern und Bauern erteilte, ebneten den Weg dafür, daß neue kapitalistische Ableger innerhalb des Kleinbürgertums im Staatsapparat und in den Winkeln und Ecken der Wirtschaft Gestalt annehmen.
Diese Betrachtungsweise des Pol Pot- Regimes steht in schroffem Gegensatz zu den Bemühungen der kapitalistischen Presse, das Regime als "kommunistisch" zu beschreiben. Die bürgerlichen Medien stürzen sich auf jede Gelegenheit, den Sozialis zu verleumden, indem sie ihn fälschlicherweise mit brutalen, totalitären Regimen identifizieren.
Die Mehrheit der radikalen Presse betrachtete das Pol Pot-Regime aus anderen Gründen ebenfalls als "sozialistisch" Tatsächlich war der Militant' im vergangenen Januar allein, als er den vietnamesisch - kambodschanischen Krieg nicht als Konflikt zwischen "zweikommunistischen Nationen" analysierte. Warum wich der •Militant' ab? Um dies zu verstehen, wollen wir näher betrachten, wie die Volksbegeisterung, mit der der Sieg der Roten Khmer über Lon Nol begrüßt wurde, in schweres Leid und den Beginn einer reaktionären Offensive gegen die Arbeiter und Bauern umgewandelt wurde.
ZWANGSEVAKUIERUNG
DER STÄDTE "Sie benutzten Lautsprecher oder riefen einfach und schwangen die Waffen". schrieb Sidney Schanberg in der New York Times' am 9. Mai 1975, "sie fegten durch die Straßen und befahlen den Leuten, die Häuser zu verlassen. Zunächst dachten wir, der Befehl gelte nur den Reichen in den Villen, aber wir sahen bald, daß es allen galt, da die Straßen von einem düsteren Exodus verstopft wurden. In Phnompenh verließen plötzlich zwei Millionen Menschen in benommenen Schweigen massenhaft die Stadt. Krankenhäuser, voll mit Verletzten, wurden bis zum letzten Patienten entleert. Sie gingen - hinkend, kriechend, auf Krükken, getragen auf dem Rücken Verwandtor, gefahren in ihren Krankenhausbetton...
Ähnlich erzwungene Evakuierungen wurden in anderen Städten durchgeführt, einschließlich Battambang und dem Hafen von Kompong Som.
Mindestens 3 Mio. Personen waren in den Exodus einbezogen. Wie viele umkamen, ist unbekannt. Aber es war fast unmöglich, angemessene medizinische Hilfe zu orhalten, welche ohnehin schon durch die Einstellung der Hilfe von Seiten der USA sehr eingeschränkt war.
Die städtische Bevölkerung wurde gegen ihren Willen über das Land verstreut und für den Reisanbau, die Reparatur von Dämmen und Kanälen, die Aushebung von Bewässerungsgräben sowie für die Erarbeitung anderer Projekte eingesetzt, die bezweckten, die Agrarproduktion wieder auf den alten Stand zu bringen und auszuweiten.
Nur wenige wurden von der Zwangsevakuierung ausgenommen. Die oberste Führung der Khmer jedoch richtete alsbald ihre Verwaltungszentren in den vornehmsten Regierungsgebäuden Phnompenhs ein und blieb dort, bis die kambodschani. schen Rebellen und die vietnamesischen Truppen zu Beginn dieses Jahres die Stadt abriegelten.
Die Verteidiger des Regimes der Roten Khmer in seiner Anfangsphase wie beispielsweise George Hildebrand und Gareth Porter in ihrem Buch "Kambodscha: Hunger und Revolution" versuchten an. fangs, die brutale Evakuierung zu entschuldigen, indem sie auf die drohende Hungernot verwiesen. Allerdings teilen Porter und Hildebrand auch die aktuelle politische Einschätzung des Regimes, daß die städtische Bevölkerung ökonomisch "unproduktiv" sei.
Höchste Führer des Regimes verteidigen den erzwungenen Exodus, indem sie "Sicherheits" gefahren benennen. So ver. kündete Pol Pot am 4. Oktober 1977 in Peking:
" Über diese (Evakuierung) wurde vor der Erringung des Sieges entschieden, genauer gesagt, im Februar 1975, weil wir wußten, daß unsere Kraft vor der Zer. schlagung aller möglichen feindlichen Spionageorganistationen nicht ausreichen werde, um das revolutionäre Regime zu verteidigen... Aber nachdem wir sie zerschmettert hatten, war es schwierig für sie. sich wieder zu erholen. Ihre Kräfte sind auf verschiedene Genossenschaften versprengt, die wir im Griff haben." Die kambodschanischen Führer erwogen keinen Augenblick lang, sich auf die arbeitende Bevölkerung und die Armen in den Städten zu verlassen, um konterrevolutionäre Drohungen zu vernichten Sie dachten nie daran, einen Generalstreik auszurufen, um die Reste des alten Regimes zu zermalmen, wie es Fidel Castro tat, als Batista am 31. Dezember 1958 stürzte. Sie gingen nicht einmal so weit wie die vietnamesischen Stalinisten, die der kapitalistischen Wirtschaftssabotage damit begegneten, daß sie die Arbeiterkomitees
unter ihrer Kontrolle ermutigte, in den letzten Stunden des Saigoner Marionettenregimes die Fabriken zu besetzen. Die Roten Khmer sahen in den Ausge. beuteten und Unterdrückten der Städte nicht die Grundlage für ein neues revolu. tionäres Regime, sondern nur unversöhnliche Klassenfeinde. Als das Regime die Notwendigkeit verkündete, "feindliche Agenten" zu zerschmettern, zerschmetterte es in Wirklichkeit die kambodschanische Arbeiterklasse und deren städtische Verbündete.
EINE VARIANTE, DIE SCHON
TROTZKI VORHERSAH
Trotz des extremen Charakters der vom Pol Pot-Regime ergriffenen Maßnahmen stellt eine solche Politik keine Rätsel, wenn man versteht, daß stalinistische und andere kleinbürgerliche nationalistische Strö. mungen der Arbeiterklasse hinsichtlich des Programms und - in China und Indochina • auch der sozialen Zusammenset. zung fremd sind.
Viele Radikalen vermuten jedoch das Gegenteil: daß eine stalinistische Führung, die im Verlauf einer revolutionären Erhebung an die Macht kommt, unausweichlich den Kapitalismus beseitigen und einen Arbeiterstaat errichten muß. Dieser Irrtum verführte einige Radikale dazu, die konterrevolutionären Handlungen der Roten-Khmer-Kommandeure zu verniedlichen und sie als "einzigartige" oder bizarre" Form der sozialistischen Revolution zu bezeichnen.
In der Tat wurden Entwicklungen wie diejenigen unter Pol Pot von dem bolsche. wistischen Führer Leo Trotzki im Exil 1932 in einem Artikel mit dem Titel " Bauernkrieg in China und das Proletariat " (Vgl. Trotzki on China, Pathfinder Press ) als eine mögliche Variante vorhergesehen.
Nachdem die stalinistische Politik der Unterstützung Tschiang Kai Tscheks zur Niederlage der chinesischen Revolution von 1925 - 27 geführt hatte, in deren Verlauf die Arbeiterklasse die treibende Kraft gewesen war, zogen sich die überlebenden chinesischen Kommunisten aufs Land zurück und begannen einen Guerillakrieg. Nachdem sie ihre früheren Stützpunkte in den Städten verloren hatten, veränderte sich die soziale Struktur innerhalb weniger Jahre von einer überwiegenden Arbeiterpartei hin zu einer fast reinen Bauernpartei.
Trotzki forderte die Arbeiter auf, die bäuerlichen Guerillas als Teil des antiimperialistischen Lagers gegenüber Tschiang Kai Tschek zu unterstützen. Aber er sprach die Warnung aus, daß deren Sieg die chinesischen Arbeiter nicht notwendigerweise an die Macht bringen werde. * Die führende Schicht der chinesischen Roten Armee hat es zweifelsfrei geschafft, sich die Gestik des Befehle-Erteilens anzueignen, " schrieb Trotzki. " Das Fehlen einer starken revolutionären Partei und von Massenorganisationen des Proletariats machen eine Kontrolle über die Führungsschicht tatsächlich unmöglich. Die Kommandeure erscheinen dem Äußeren nach als absolute Meister in jeder Situation, und wenn sie einst die Städte erobert haben werden, werden sie eher dazu neigen, auf die Arbeiter von oben herab zu schauen.. CHINA
LAOS
VIETNAM
THAILAND
Bangkok •Semresp
CAMBODIA
Ho CN Mish Ca -(Sa-gon)
Kompon
GulT 0' Siam
So sind in China die Gründe und Ursachen für einen Konflikt zwischen der Ar mee, die in der Zusammensetzung bäuerlich und in der Führung kleinbürgerlich ist, und den Arbeitern ni cht nur nicht beseitigt, sondern im Gegenteil, alle Umstände sind geeignet, die Wahrscheinlichkeit. ja die Unausweichlichkeit derartiger Konflikte zu vergrößern. Und zusätzlich sind die Ausgangsbedingungen für das Proletariat weit ungünstiger, als es in Rußland der Fall war. "
Als die Bauernarmeen 1949 in die chinesischen Städte einmarschierten, führten die maoistischen Führer eine arbeiterfeindliche Politik durch, obwohl sie keine Massenevakuierungen betrieben wie in Kambodscha Sie verboten Streiks und Demonstrationen. Sie versuchten kapitalistische Kräfte in die Regierung einzubeziehen. G
Aber als die chinesische Regierung im Koreakrieg gezwungen war, es mit dem US - Imperialismus aufzunehmen, mußte sie ihren Kurs ändern. Die Landreform wurde auf ganz Südchina ausgedehnt. (Die vorhergehenden Wellen der Reform hatten lediglich den Norden erfals:.) Die folgenden Bauernmobilisierungen spornten die antikapitalistıschen Mobili sierungen in den Städten an, welche 1951 begannen. So entstand eine Arbeiter- und Bauernregierung, die - unter der Obhut der maoistischen Bürokratie - damit begann, städtische Mobilisierungen und wirt. schaftliche Maßnahmen durchzuführen, welche 1952 China in einen Arbeiterstaat umwandelten.
Aufgrund dieser Faktoren konnten die Gefahren, die Trotzki schon vorhergesehen hatte und die nach der Revolution von 1949 auch präsent waren, nichts daran ändern, daß der Kapitalismus zerstört und die imperialistische Herrschaft beendet wurde.
In Kambodscha dagegen nahm der Konflikt, vor dem Trotzki gewarnt hatte, äu- Berst scharfe Formen an und führte zu einer Niederlage für die arbeitenden Massen Die konterrevolutionäre Entwicklung einer stalinistisch geführten Bauernarmee, die Trotzki vorausgesehen hatte, fand tatsächlich unter der kambodschanischen KP mit der Konsolidierung des Pol Pot-Regimes statt.
Die von der Pol Pot-Clique erzwungene totale Evakuierung der Städte zerstreute die Arbeiterklasse und schaltete die Mög. lichkeit aus, daß in Kambodscha eine Ar. beiter- und Bauernregierung entsteht wie die, welche in China den Kapitalismus stürzte. Zu diesem ersten Schritt kamen bald maßlose totalitäre Maßnahmen hinzu, die den Massen auferlegt wurden. Da die Führung der Khmer Rouge völlig undemokratisch und geheim war, entstand ein Klima der Angst und der Einschüchterung. Nicht nur, daß die Bevölkerung keine Gelegenheit hatte, ihre Führer zu wählen und deren Fehler zu diskutieren, sondern es wurden auch eine zeitlang systematische Anstrengungen unternommen, sogar die Identität der Führer zu verheimlichen.
Stattdessen wurde der Apparat der Khmer Rouge einfach "Angkar" (die Or. ganisation) genannt. Erst im September 1977 wurde das Volk von Kambodscha darüber informiert, was ausländisch Beobachter schon längst als gesichert annah. men: an der Spitze des "Angkar" stand die Kambodschanische KP.
DIE POLITIK DER KHMER ROUGE
In der westlichen Presse wurde die Pol Pot-Tyrannei im allgemeinen als ein Regime dargestellt, das zu einer undefinierten, aber vorkapitalistischen landwirt. schaftlichen Vergangenheit zurückkehren wollte, indem es die gesamte Bevölkerung in Bauern zurückverwandelte.
Aberdie vorkapitalistischenProduktionsweisen (ob sie nun asiatisch oder feudal waren) brauchten Jahrhunderte, um sich im Schutze komplexer sozialer und wirtschaftlicher Kräfte zu entwicklen; sie können nicht innerhalb weniger Jahre reproduziert werden, auch wenn eine Anzahl von Maßnahmen ergriffen wird, die gegen den Strom der historischen Entwicklung zu gehen scheinen.
Die Führer der Roten Khmer entstammen nicht der armen Landbevölkerung mit dörflich begrenztem Horizont. Sie haben in Paris studiert, einige von ihnen spezialisiert auf die wirtschaftlichen Probleme der 'Dritten Welt'. Überdies waren sie Anhänger der stalinistischen Politik. Einer solchen Gruppierung muß die Rückkehr zu vorkapitalistischen Produktionsverhältnissen so irreal erscheinen, wie sie es in der Tat war.
Vize-Premier leng Sary faßte auf der Sitzung der UNO-Generalversammlung vom 5. September 1975 die wirtschaftlichen Ziele des Regimes so zusammen: " (Unsere) Wirtschaftspolitik sieht, ausgehend von der Landwirtschaft als Grundlage, die Industrie als den gewichtigsten •Faktor an. Die Landwirtschaft erzeugt Rohstoffe für die Industrie, die selbst wiederum dazu dient, die Entwicklung der Landwirtschaft voranzutreiben. Es ist unser Ziel, unser Land in einen modernen Agrar- und Industriestaat zu verwandeln." Und eine Rundfunkmeldung versprach: "Je größer die Menge Reis ist, die wir exportieren können, desto mehr wachsen auch unsere Möglichkeiten, maschinelle Werkzeuge, verschiedene Maschinen und andere Ausstattungen für Kambodschas wirtschaftliche Entwicklung zu importieren Diese Aussagen geben die wesentliche ökonomische Strategie des kambodschanischen Regimes unter Pol Pot wieder. Das neue Regime beabsichtigte, über maximal ausgedehnte Ausbeutung der Arbeit bei nur minimalem Konsum die Selbstversorgung mit Lebensmitteln zu erreichen sowie einen landwirtschaftlichen Uberschuß zu erzeugen, der auf dem Weltmarkt verkauft werden könnte. Aus diesen Expor- ,ten sollte die Industrialisierung finanziert werden.
KEIN ARBEITERSTAAT
Die Niederlage der von den Imperialisten unterstützten Truppen Lon Nols bedeutete einen verheerenden Schlag für die Bourgeoisie Kambodschas, die mit dem Fall Lon Nols 1975 nahezu vollständig die Flucht ergriff. Die Regierung ging in die Hände der "Angkar" (der Organisation) über, ebenso sämtliche städtischen Vermögen und ein wachsender Teil der landwirtschaftlichen Nutzfläche.
Einigen Kommentatoren genügte dies bereits, um nachzuweisen, der Kapitalimus sei in Kambodscha überwunden. Aber die Nationalisierung des Eigentums an sich reicht nicht hin, um einen Arbeiterstaat zu errichten. Dazu muß das Eingreifen der Arbeiter kommen - der einzigen Kraft der modernen Gesellschaft, die in der Lage ist eine fortschrittliche ökonomische Struktur aufzubbauen und zu erhalten.
Die Verstaatlichungen in Kambodscha waren nicht etwa Ergebnis von Mobilisierungen der Arbeiterklasse - und seien es selbst nur begrenzte und kontrollierte Moblilsierungen - sondern sie folgten der Zerschlagung der städtischen Arbeiterschaft durch die Roten Khmer.
Die Enteignung der Kapitalisten durch die Arbeiter und die Umwandlung der Industrie in Gemeineigentum schaffen die Möglichkeit zur Zusammenfassung und Koordination der Produktionsmittel in einem nationalen (und letztlich internatio. nalen) Wirtschaftsplan.
Wirtschaftliche Isolation, bürokratisches Mißmanagement und durch die imperialistische Einkreisung erzwungene militärische Aufwendungen halten den Lebensstandard in vielen Arbeiterstaaten vergleichsweise niedrig (dennoch steigt er in der Regel langsam an ). Trotzdem ermöglicht der Planwirtschaft sowohl gewaltige ' Fortschritte auf Gebieten der medizinischen Versorgung, der Erziehung, der Altenpflege, als auch die Ausdehnung von Größe und Gewicht der Arbeiterklasse. Hierin spiegelt sich die fortschreitende Ablösung der Produktion für den Profit durch die Produktion für den Gebrauch. Sie gehören in eine Familie mit ausgedehnten Nationalisierungen unter Regimen in Agypten, Burma, Mozambique und
Angola. die alle das Gegenteil sozialer Umsturze durch die Arbeiter bedeuten, selbst dort, wo sie sich unter der Leitung büro. kratischer Führungen vollzogen. Sie zeiaen auch keinerlei Ahnlichkeit mit den revolutionären Massenenteignungen, angeleitet durch die russischen Bolschewiki oder durch die Castro-Regierung auf Kuba.
Neokoloniale Regime unterliegen häufig dem Zwang, die ursprüngliche Akkumulation des Kapitals durch den Staatsapparat zu begunstigen.
Solche Regime vermögen die ökonomi. schen Grundlagen nicht zu zerschlagen, die sie unter den Daumen des Imperialismus halten Und sie können auch weiterhin nicht auf imperialistische Hilfe verzichten, als ihre letzte Waffe gegen die Kämpfe der Arbeiter und Bauern. Am Ende erhalten diese Regime deshalb weder das nationalisierte Eigentum aufrecht noch erlangen sie die Unabhängigkeit vom Imperialismus. Sie sinci dazu gar nicht imstande. Sieht man von den Fällen ab, in denen der Staat unprofitable Unternehmen übernimmt, so erweisen sich Verstaatlichungen, die ohne Mobilisierungen der Arbeiterklasse gegen die Unternehmer und ihre Agenten vollzogen werden als vergänglich. Die imperialistische ökonomische Herr. schaft stellt sich durch die Kontrolle über Weltmarkt und Quellen des Anlagekapitals wieder her. Aus der mit dem Staatsapparat verflochtenen Kleinbourgeoisie sowie aus dem Handel in Stadt und Land sprießen neue kapitalistische Elemente hervor. Diese Elemente drängen zunächst auf eine Lockerung der Kontrollen und letztlich auf die Reprivatisierung profitablen Eigentums.
So geschehen in Ägypten und Burma. Derselbe Druck lastet heute auf Mozambique und Angola und läge in der Zukunft Kambodschas, hätte das Pol Pot-Regime sein Überleben sichern können. Da die Massen keinen grundlegenden Anteil am staatlichen Eigentum dieser ka. pitalistischen Neokolonien haben, ist die Reprivatisierung möglich, ohne damit zugleich den Bürgerkrieg auszulösen. Eine solche friedliche Rückkehr zum Privateigen. tum könnte in keinem Arbeiterstaat ablaufen Dort träfe sie auf breiten Widerstand des Volkes und würde sogar die bürokrati. schen Parasiten spalten, die sich von den Uberschüssen der sozialen Errungenschaf. ten nähren.
Außer in brutaler Zersplitterung der Arbeiterklasse zeigt sich der kapitalistische Charakter des Pol Pot-Regimes auch in der unverzüglichen Umkehrung der Agrarrevolution, die die Bauern in ihrem Kampf zunachst gegen Sihanouk, dann gegen Nol begonnen hatten.
"Das Land denen, die es bebauen", das war der weitestgehende Punkt im Gedankengut der Kommandeure der Roten Khmer. die Kambodscha zwischen 1975 und ihrer Niederwerfung im Januar kontrollierten.
Die Lösung des Regimes zur Uberwindung der Gefahr einer Hungersnot und Schaffung eines agrarischen Uberschusses bestand nicht etwa darin, den Druck auf auf die landwirtschaftlichen Arbeitskräfte zu lockern oder ihren Lebensstandard anzuheben. Im Gegenteil wurden drakonische Maßnahmen angewandt, um sicherzustellen, daß die Bauern die Erzeugnisse ihrer Arbeit der "Angkar' zu freier Verfügung ablieferten.
Zunachst wurde die Mehrheit der Bevölkerung in losen Kooperativen auf niedri. ger Ebene organisiert, schreibt Francois Ponchaud in seinem Buch "Kambodscha: Jahr null". . In diesen Genossenschaften "Bleiben zwar Land und Produktionsmittel Eigentum des Bauern, standen jedoch der ganzen Kooperative zur Benutzung often. "
WER VERTEIDIGT DIE ENTEIG- NUNG?
Selbst in Arbeiterstaaten unter der Herr. schaft bürokratischer Kasten wacht letzt. lich allein die Arbeiterklasse über die Ent. eignung des Kapitals und die koordinierte wirtschaftliche Planung.
Aufgrund ihres gierigen Triebes nach privatem Konsum und Privilegien betrachtete Trotzki die bürokratische Kaste der Sowjetunion als Bedrohung für die neuen Eigentumsformen, die die russische Revolution geschaffen hatte.
Die Bürokratie "erhält das Staatseigentum nur in dem Maße aufrecht, in dem sie das Proletariat furchtet. " schrieb Trotzki in der Verratenen Revolution'. Diese wohlbegrundete Furcht bewahrte in dem halben Jahrhundert, seit die stalinistische Bürokratie in der Sowjetunion die Macht an sich riss, trotz all ihrer Verzerrungen die Planwirtschaft
In einem Arbeiterstaat gehört das Eigen. tum nicht der Burokratie, auch wenn sie das Monopol auf die politische Machtaus. übung hat. Dies würden die chinesischen und sowjetischen Bürokraten sehr rasch feststellen, wenn sie auch nur irgendetwas in der Art durchzuführen versuchten wie die Beschneidungen der öffentlichen Dienstleistungen, die das Pol Pot-Regime vornahm - um gar nichterstvon einer Ruckverwandlung des nationalisierten Eigen- Preiserhöhungen durchzusetzen ohne da• mit massive Unruhen in der Arbeiterklas se auszulösen.
In seinem Bestreben, den Konsum zu beschränken, und Gewinne anzuhäufen als Grundlage für eine kapitalistische Industrialisierung beseitigte der Rote Khmer. Apparat das öffentliche ;Ausbildungswesen fast vollständig: schaffte professionelle Gesundheitsfürsorge und Krankenhauser nahezu ab; schloß Bibliotheken und andere kulturelle Einrichtungen; beendete Telefon- und Postdienste: stoppte die Veröffentlichung von Büchern oder Zeitungen; erdrückte Erholung und Unterhaltung.
Die Arbeit wurde bis zum Extrem intensiviert. der Zwölfstundentag eingeführt, die Zahl der Feiertage vermindert. Die 'unproduktive' - und politisch suspekte - Arbeiterklasse schickte man zur Arbeit in die Reisfelder. Die Kinderarbeit wurde verallgemeinert. "Gab es zu Beginn ihrer industriellen Revolution nicht auch Kinderarbeit?" fragte ein Beamter Pot Pols die Korrespondentin der Washington Post, Elisabeth Becker, während ihres Kambodscha-Besuches im vergangenen Dezember. Stolz verkündete ein Rundfunksender in Pnom Penh: 'Das demokratische Kambodscha ist ein einziger großer Arbeitsplatz.
Wäre das Kambodscha Pol Pots ein Arbeiterstaat, selbst mit tiefgreifenden bürokratischen Verzerrungen, dann allerdings müßten die revolutionären Sozialisten die Möglichkeit verteidigen, daß ein solcher, oben skizzierter Staat Wirklichkeit wird, und in keinerlei Hinsicht nur irgendeinen sozialen und politischen Fortschritt für die Arbeiterklasse markiert.
Revolutionäre verteidigendie fortschritt. lichen ökonomische Errungenschaften der Arbeiter in so grotesk bürokratisierten Staaten wie der Sowjetunion oder China gegen Imperialismus oder innere kapitalistische Restauration.
Was aber fände die Arbeiterklasse der Welt zu verteidigen an der kriminellen Sozial- und Wirtschaftspolitik, die den kambodschanischen Massen durch Pol Pot aufgepresst wurde? Nichts!
Aus den Städten vertrieben und von jeder direkten Beteiligung an der Umwandtuna tier Gesellschaft ausgeschlossen, gab es fur die kambodschanische Arbeiterklasse werder Grund noch Möglichkeit, sich für die Verstaatlichungen durch das Regime einzusetzen. Diese Maßnahmenlösten noch nicht einmal im Ansatz irgendeines der spezialen und wirtschaftlichen Probleme, denen sich die kambodschanischen Massen gegenübersahen, von der Industrialisie. rung bis zur wirklichen Unabhängigkeit vom Imperialismus.
Indem sie die kambodschanische Gesellschaft zuruckversetzte, kehrte die Politik des Pol Pot-Regimes den revolutionaren Prozeß sogar um, der sich im Kampf gegen Lon Nol entfaltet hatte.
Abgesehen vom Ausmaß der Verstaatlichungen, dem Grad der Desintegration des Lon Nol-Regimes und der kriegsbedingten Zerstörung der kambodschanischen Wirtschaft finden sich in der Geschichte zahlreiche Parallelen zur Verstaatlichung unter Pol Pot.
Doch schon Ende 1975 ergriff das Regime Maßnahmen zur Enteignung der armen Bauern. Sogenannte Kooperativen auf hohem Niveau wurden verkündet. In ihnen "waren alle Produktionsmittel zusammengefaßt und ihre Ernte gehörte der Kooperative, die sie nach Leistung und Bedarf jedes Einzelnen aufteilte ... Aber die Familien behielten noch ein gewisses Maß an Freiheit, soweit es die Organisation ihrer Ernährung betraf. Im Januar 1976 wurde auch diese relative Selbstständigkeit abgeschafft, als die "Kommunen (Sahakum) errichtet wurden: Lebensmittel wurden nicht länger verteilt, Mahlzeiten fortan gemeinsam eingenommen - als unangetastetes Eigentum des Einzelnen bleib allein die Körperkraft, die er in die Kooperative einbrachte. "
Diese neue Einrichtunggestatte den Herrschenden noch schärfere Kontrolle, über die Ernte. Das fehlbezeichnete "gemeinsa me Essen" erzwang buchstäbliches Engerschnallen des Gürtels um sicherzustellen, daß die Bauern nicht das Recht haben, einen Reisvorrat anzulegen, weder zum eigenen Gebrauch geschweige denn zur Akkumulation.
Gleichzeitig wurde eine wachsende Zahl von Staatsgütern aufgebaut, Francois Pon. chaud zufolge gewöhnlich als 'Angkars Land bezeichnet, deren Produktion direkt an den Staat fiel Um oppositionellen Ausbrüchen gegen diesen reaktionären Angriffs auf die Bauern vorzubeugen, wurden Tausende von Bauern aus ihren Hausern vertrieben und in den fruchtbaren, aber unterbevölkerten Nordosten umgesiedelt.
Von diesem Punkt an zeigten das Losbrechen von Aufständen ( an denen sich haufig auch Teile des Rote Khmer-Apparats im Osten beteiligten ) sowie ein gewaltig angestiegener Flüchtlingsstrom in die benachbarten Länder, daß 'Angkar' die Unterstützung verlor, die sie anfangs unter den Bauern gefunden hatte.
Diese kamen, nicht minder als die früheren Stadtbewohner zu der Ansicht, das Pol Pot-Regime sei tyrannisch. Die militarisierten landwirtschaftlichen Kommunen" unterschieden sich qualitativ von der Agrarpolitik im Geleit jeglicher revolutionärer Umwälzungen in der Welt, selbst derer, die nur in verzerrter und bürokratisierter Form durchgeführt wurden. Die Hauptaufgabe besteht im Schmieden eines dauerhaften politischen Bündnisses zwischen den Arbeitern und den armen Bauern, um Kapitalisten und Grundbesitzer niederzuhalten und mit dem Wiederaufbau der Gesellschaft auf neuer Basis zu beginnen. Das erfordert sowohl volle Unterstützung der Forderungen der armen Bauern nach eigenem Land, als auch die Öffnung des leichten Zuganges zu Maschinen Futter- und Düngemitteln, um das Land bebauen zu können.
Indem sie darum kämpfen, dies zu verwirklichen , zogen die Bolschewiki die armen Bauern auf die Seite der proletarischen Revolution in Rußland - diesen Kurs verfolgt im heutigen Kuba die revolutionäre Regierung.
Dassozialistische Ziel die Landwirtschaft auf leistungsfähigerer kollektiver Grundlage zu reorganisieren, kann nur als bewußter Schluß der Bauern verwirklicht werden daß damit ihr eigener Lebenstandard wie auch der der gesamten Gesellschaft vorangetrieben wird. Gewaltsame Kollektivierungen - nicht zu reden von der extremen kapitalistischen Akkumulation, die das Pol Pot-Regime ausden Bauernquetschte - hindern sowohl die Verschmelzung zu einem Bündnis mit den Arbeitern als sie es auch erschweren, die Bauern von der größeren Produktivität umfassender kooperativer Arbeit zu überzeugen. Die Führer der Roten Khmer benutzten den größten Teil des auf diese Weise in der Landwirtschaft akkumulierten Mehrwertes, um einige Industriezweige zu erneuern und andere neu zu schaffen. Francois Ponchaud berichtete schon 1976, daß "der Wiederaufbau der Industrie entschieden in Angriff genommen worden ist. Er schrieb als Zusammenfassung offizieller Radiomeldungen: "Es ist von Textilfabriken in Pnom Penh die Reo ... Das Radio meldet eine Jute- und eine Textilfabrik in Battambang ... Esgibt Seidenwebereien, eine Fischkonservenfabrik in Kom Peng Ampel, eine Salzraffinerie in Kam Pot, einen anderen in Mont-Aurel und eine Ze. mentfabrik .."
Die Kautschukindustirie einer der Hauptindustriezweige Kambodschas, konnte bis Ende 1978 die Produktion wieder voll aufnehmen.
Natürlich konnte die Industrie nicht einmal in diesem begrenzten Maße wiederauf. gebaut werden, ohne das Leben in den Städten wieder zu erwecken. Orte von der Größe Pnom Penhs Ende 1975 wuchsen von einigen Tausend auf über 100.000 Einwohner an ( nach Angaben der Regierung). Ende 1978 erklärte die Regierung. daß 200.000 Menschen in der Stadt und ihrer Umgebung wohnten. Reporter, die die Stadt Ende 1978 besuchten, sagten, daß die Arbeiter in Fabriken in den Au- Benbezirken arbeiten und am Abend nach Hause zurückkehren.
Der Bedarf an qualifizierten Arbeitskräften zwang die Regierung damit anzufangen, in mehreren Gebieten Berufsschulen und Krankenhäuser zu eröffnen.
Aber die Arbeiter, die vorher inden Städ. ten gewohnt hatten, gingen oft nicht da. hin zurück. Stattdessen wurde die Produktion in den Fabriken von chinesischen Technikern, Soldaten der Roten Khmer, Bauern die direkt von der Feldarbeit ka. men, und Kindern aufrecht erhalten. Der Wechsel in der Zusammensetzung der Arbeitskräfte diente den Zielen der Führer der Roten Khmer. Wie sie hofften, stellte er ihnen eine relativ unerfahrene Arbeiterklasse sicher die sich leichter militärischer Disziplin und intensiver Ausbeutung unterwerfen läßt.
IM ALLEINGANG?
Die kapitalistische Presse berichtete viel über das erklärte Ziel des Pol Pot-Regimes, eine völlig autonome Entwicklung zu erreicher, die wenig oder gar nichts mit dem Rest der Welt zu tun hat.
Die Regierung flüchtete sich in eine fremdenfeindliche Demagogie, um ihre Politik u rechtfertigen, bei einer Beibehaltung des Außenhandels die Importe auf ein Mi nimum zu beschränken. Sie versuchte auch zu verhindern, daß Ausländer nach Kambodscha reisen und dort Zeugen der brutalen Methoden werden, die sie anwende- Aber die Isolation der Regierung war nie so groß, wie man oft angenommen hatte. Von Anfang an hatte sie enge Verbindungen zu China und Nordkorea, und etwas später wurden Verbindungen zu Jugoslawien und Rumänien geknüpft.
Außerdem war es immer ein Ziel Ang. kars' gewesen, ein wichtiger Exporteur von Reis und landwirtschaftlichen Produkten zu seim und Maschinen und moderne Werk zeuge zu importieren.
Als es im August 1976 die Grenze zu Thailand offiziell öffnete, führte Kambodscha von dort industrielle und andere Gü. ter ein. Auch mit Singapur, Malaysia, In. donesien, den Philippinen, Japan, Madagaskar und anderen afrikanischen Staaten wurde n Handelsbeziehungen geknüpft. Gegen Ende des Jahres 1978 öffnete die Regierung die Tempel von Angkor Wat wieder Der Tourismus war in der Hand thailändischer Geschäftsleute.
Das japanische Kapital begann sich für Kam. bodscha zu interessieren: " Hinter dem Wunsch Japans, Kambodscha zu helfen, steckt auch der Wunsch zu sehen, oh es wirtschaftlich lebensfähig ist" , schrieb der Far Eastern Economic Review' vom 10 November 1978.
DIENER MIT WEISSER JACKE
Elizabeth Becker von der • Washington sche Reporter Richard Dudman beschriei: Post' hat in ihren Reportagen aus Pnom sein Zusammentreffen mit Pol Pot im Penh im letzten Dezember oft vom " Ver- Staatspalast des ehemaligen französischer:. such der völligen Gleichmacherei " durch Generalgouverneurs in Pnom Penh, ". Er die Angkar* - Führer gesprochen. Aber bemerkte die teilweise geöffneten Fen die Struktur der Militärbefehlshaber und ster mit Vorhängen im Empfangszimmer, der Staatsapparat waren auch von einer das mit tropischen Blumen geschmuck! Hierarchie von Privilegien begleitet. Pon- und mit Reihen von gepolsterten Stühlen chaud berichtet, daß die Truppen der re- und kleinen bunten Teppichen möbliert gulären Armee " besser ausgerüstet und war". Mit Erstaunen sah er Pol Pots "Die. besser gekleidet sind, und keine landwirt. nerin weißen Jacken " schaftliche Arbeit verrichten müssen." Sie und andere Beamte hätten, wie berich- Während sie für die Massen auf der kar tet wird, ebenfalls Zugang zu den letzten gen Existenz bestehen - fern von jedem noch vorhandenen Reserven an ausländi- Vergnügen, von Telefon, Büchern, Arzten, schen Medikamenten. Schulen und anderen westlichen' Kinkerlitzchen - haben die 'Angkar'-Führer doch An der Spitze nahmen die Privilegien nicht vergessen, für sich selbst besser zu noch größere Ausmaße an. Der amerikani- EINFACHER WARENTAUSCH ALS
GRUNDLAGE DER WIRTSCHAFT?
Die gesetzliche Abschaffung des Umlaufs Ein Beamter erklärte uns, daß in einem von Papiergeld und Münzen durch die staatlichen Register in Pnom Penh für je. Angkar' wurde auch als Beweis angeführt, de Kooperative Konten geführt werden. daß der Kapitalismus überwunden sein müsse Das ist nicht unüblich", sagte er, în ihrem Land bezahlen Sie auch nicht oft mit Aber diese formale Abschaffung beweist Bargeld. Sie benutzen Kreditkarten und gar nichts. Keine Regierung - ob kapitali- Schecks.'" stisch oder nicht - war bisher in der Lage, ohne Geld auszukommen. Kein Arbeiter- Die Ausweitung der kambodschanischen staat nicht einmal der ökonomisch am Wirtschaft und ihres Außenhandels hätte weitesten entwickelte, hat einen Stand der die Regierung unausweichlich gezwungen, Produktion erreicht, der es ihm erlaubte, den legalen Umlauf von Papiergeld und die menschlichen Bedürfnisse zu befriedi- Münzen wieder einzuführen. Aber für den gen ohne Geld als Zirkulationsmittel zu Moment stimmte seine Unterdrückung mit benutzen dem zentralen Ziel der 'Angkar'-Führung überein den Verbrauch von Konsumgü- Diese Maßnahme in Kambodscha konn. tern auf ein Minimum zu beschränken, die te nur vorübergehend und erzwungen sein. Ausbeutung der Arbeitskraft auf die Spit- Obwohl nur wenige Konsumgüter zu be- ze zu treiben - um die Akkumulation von kommen waren, wurden weiterhin alle Gü. Reichtum in ihren eigenen Händen auf ein ter - Reis eingeschlossen - in Riel, der al- Maximum zu erweitern. ten kambodschanischen Währung, gemessen. Auf dem Lande wurde zusätzlich in BINDUNGEN AN DEN großem Ausmaß Schwarzhandel betrieben, IMPERIALISMUS Reis als Zahlungsmittel benutzt, und zweitellos wurden noch andere Formen ent- Die Tendenz zur ursprünglichen Kapital. wickelt. akkumulation und die Befürchtungen der inneren Opposition, daß dies unvermeid- Elizabeth Becker, Korrespondentin der lich von der Regierung veranlaßt sein müs. Washington Post' berichtete von der Ko. se, trieben das Pol Pot-Regime im letzten operative Kampong Cham, daß " der Reis Jahr seines Bestehens in engere Bindunan die Zentralregierung in Pnom Penh ver- gen an den Imperialismus. Die Massenmokauft wird. Die Kooperative bekommt bilisierungen, die im Frühjahr 1978 in Südeinen Kredit für den Reis - vier Riel für die vietnam die kapitalistischen Eigentums- Tonne - und gebraucht diesen Kredit, um verhältnisse stürzten, alamierten die Im- Dinge zu kaufen, die sie nicht selbst pro- perialisten und erschreckten ihre neokolo. duzieren kann, z.B. Benzin für die Trakto- nialen Statthalter. Daraufhin verstärkte ren der Imperialismus seine Bemühungen, Viet -
nam zu isolieren, und wurde auf die Möglichkert aufmerksam, ein zwar schwaches und vom Krieg zerstörtes, aber immerhin kanıtalıstısches Kambodscha als Puffer gegen die vietnamesische Revolution zu benutzen Die extremen und scheinbar bizarren Erscheinungstormen der kambodschanischen Regierung waren nicht die Folge irgendeiner bestimmten Unvernunft des Pol Pot- Regimes. Sie waren Teil der grundsätzlichen Unvernunft und Unmenschlichkeit, die das kapitalistische Weltsystem im fortgeschrittenen Stadium des Verfalls kennzeichnen.
Die kambodschanische Gesellschaft konnte nur zwei Wege gehen. Für den Weg der Arbeiter- und Bauernregierung hätten die Massen mobilisiert werden können, um den Kapitalismus zu stürzen und die kambodschanische Gesellschaft voranzubringen. Da dieser Weg von den kambodschanischen Kapitalisten abgelehnt wurde folgte alles logisch aufeinander, von der erzwungenen Zersplitterung der Arbeiterklasse bis zur Konterrevolution auf dem Lande Diese Politik der Unterdrückung sollte zu einer schnellen kapitalistischen Akkumulation führen.
Der kapitalistische Charakter der Regierung erklart auch, warum die umliegenden imperialistischen Mächte wie Australien das Pol Pot-Regime als " Puffer zwischen dem kommunistischen Vietnam und dem nichtkommunistischen Thailand " be. zeichneten (Far Eastern Economic Review vom 10. November 1978).
Der Sturz des Pol Pot-Regime eröffnet für die Arbeiter und Bauern Kambodschas eine neue Phase Wie können sie den Kampf für die demokratischen Rechte vorantreiben? Den Kampf für die Landreform? Für die Freiheit von imperialistischer Herr. schaft? Für Sozialismus?
Das Pol Pot-Regime hat seine Bereitschaft gezeigt die Unabhängigkeit des Volkes zu verkaufen, als es die alte imperialistische Marionette Sihanouk als Vertreter zu den Vereinten Nationen schickte und zu einer militärischen Invasion der UNO und der USA gegen die kambodschanischen Rebellen und die vietnamesische Truppen aufrufen liel.
Weit entfern: Sihanouks Aufruf zurückzuweisen bestatigte Leng Sary, der Vertreter Pol Pots, die Rolle des Monarchen als Erstem Sprecher der Regierung im Ausland. Und Leng Sary sang Loblieder auf Carters Unterstützungserklärungen. Die Krafte Pol Pots haben auch ihr geheimes Einverstandnis mit der neokolonialistischen Militardiktatur Thailands verstürkt. Ein aufschlußreiches Ende für eine Regierung, die erklärte, sich allen auslän. dischen Einflüssen entgegenstellen zu wollen!
Pol Pots Vertreter zögerten auch nicht, an die rechten Kräfte, die Lon Nol unterstützten, zu appelieren, sie im Kampf gegen die neue kambodschanische Regierung zu unterstützen Diese Entwicklung ist logisch. Der Klassencharakter des Pol Pot-Regimes zwang es, sich in seinem Todeskampf an alle konterrevolutionaren Kräfte zu wenden, die sich in Kambodscha festsetzen konnten. Diese Bande von Kleinbürgern stalinistischer Prägung hatte mit der Selbstbestimmung Kambodschas und der Unabhängigkeit vom Imperialismus nichts zu tun. Sie war ein Todfeind der Arbeiterklasse und des Sozialismus.
WELCHER WEG FÜHRT VORAN?
nischen Massen versuchen, die Möglichkeiten zu nutzen, die sich durch den Sturz der kapitalistischen Tyrannei eröffnen, um ihre eigenen Klasseninteressen vorwärtszubringen. Sie werden von der neuen Regierung Waffen fordern, um sich gegen Überfälle von Seiten der Reste der Pol Pot-Anhanger zu verteidigen, und um alle Spuren der Tyrannei zú vernichten. Und sie werden eine Arbeiter- und Bauernre. gierung erzwingen, die eine Politik im Sinne ihrer Interessen verfolgt.
Eine Arbeiter- und Bauernregierung wird solche grundlegenden öffentlichen Einrichtungen wie Erziehung und gesundheitliche Versorgung für alle schaffen, die Arbeitspflicht für Kinder abschaffen und den Ar. beitstag und die Arbeitswoche verkürzen. Sie könnte die Arbeiter für die Verstaatlichung der Industrie mobilisieren und so verhindern, daß in der Ubergangsperiode eine neue Kapitalistenklasse entsteht. Die Arbeiter und Bauern werden versuchen in ihre eigenen Gebiete zurückzukehren Die Bauern werden eine wirkliche Landreform verlangen, die das Recht einschließt, nach den Wünschen der armen Bauern selbst eigene Parzellen zu besitzen und Vieh zu halten oder mit anderen auf Basis einer Kooperative zusammenzuarbeiten.
Die Arbeiter werden neue Möglichkeiten finden, Arbeiterkontrolle über die Produktion und demokratische Wirtschafts. planung zu erzwingen; das Recht zu fordern, Denken, Schreiben und Sprechen zu können was sie wollen, und das grundlegende Recht politische Parteien zu bilden und ihre eigene Regierung zu wählen. Um ein solches revolutionäresProgramm voranzutreiben, kann man sich nicht auf die vietnamesischen Führer verlassen, die im Moment das militärische Ubergewicht bei den Kräften haben, die gegen Pot Pol eingestellt sind.
Eine tiefgreifende sozialistische Umgestaltung in Kambodscha könnte ihre büro. kratische Kontrolle in Vietnam unterhöhlen, und ihre Bemühungen zu einer "friedlichen Koexistenz" mit den Imperialisten und ihren regionalen Stützpunkten becrohen Man kann außerdem sicher sein, daß die neue kambodschanische Regierung - die eine Reihe von Abspaltungen von der KP Pol Pots entstammt - versuchen wird, die Massen unter bürokratischer Yerrschaft zu halten.
Aber die Bauern und Arbeiter, die die Grundlage der vietnamesischen Streitkräfte und der rebellierenden kambodsch anischen Truppen bilden, können auch anders antworten. Solche Forderungen werden ihnen im Kampf gegen die burokratische Richtung nützlich sein.
Trotz der Vorliebe, die westliche Journalisten für rassistische Phrasen wie den "alten Haß" zwischen den Völkern Kambodschas und Vietnams hegen, haben die Ereignisse der letzten Jahrzehnte in Indochina oft die vereinigende Kraft der gemeinsamen Klasseninteressen der vietnamesischen und kambodschanischen Massen gezeigt.
Der kambodschanische Befreiungskampf war mit der falschen Führung einer stalinistischen Partei belastet. 1975 erwies sich diese Bande als einer der gräßlichsten Verräter der ganzen Geschichte indem sie den revolutionären Sieg in eine konterrevolutionäre Herrschaft von Terror und Ausbeutung verwandelte.
Um die Interessen der Arbeiter und Bauern durchzusetzen, kann man auf keinen Flügel der stalinistischen Bewegung vertrauen. Die kambodschanischen Massen brauchen wie die Unterdrückten in anderen Ländern, eine Massenpartei der Arbeiterklasse, die sich einem Programm des revolutionären Internationalismus verpflichtet.
Auf diesem Weg können die Arbeiter und Bauern Kambodschas - die im Befreiungs. krieg ein Jahrzehnt lang so viel gekämpft und gelitten haben - die nächsten Schritte vorwärts gehen im Kampf gegen den Imperialismus und für demokratische Rechte und Sozialismus.
( 23, Februar 1979)
Theoretische