Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Reaktionärer Streik der kroatischen Studenten

Inprekorr Nr. 10, 15. Dezember 1971 · S. 23 · 398 Wörter

Jugend und Studenten Jugoslawien und Balkan Gewerkschaften und Streiks

Unkorrigierter maschineller Text (OCR). Jede Seite verweist auf ihren Scan; vor dem Zitieren bitte dort prüfen.

REAKTIONÄRER STREIK DER KROATISCHEN STUDENTEN ++++++**+*+****+++++++++++++++++++++++++++++++ ++++ Jugoslarien nat die traurige Ehre, den ersten reaktionären Studentens treik seit dem Ausbruch der weltweiten Studentenrevolte 1968 zu erleben. Der Streik der Studenten von Zagreb vom 23. November bis zum 2. Dezember ging nach außen um die Interessen der "kolonisierten Arbeiter Kroatiens" • Tatsächlich handelte es sich um die Unterstützung, die reaktionäre Studenten den gegenwärtigen Forderungen den Technokratenschichten Kroatiens (Fabrikdirektoren, hohe Angestellte usw.) gewährten, die in der Logik der "Liberalisierung" und der Wirtschaftsdezentralisierung bis zum Äußersten gehen wollen. Die Auseinandersetzung ging insbesondere um die wirtschaftlichen Interventionsrechte, die der Zentralbürokratie des Bundesstaates noch bleiben: auf dem Gebiet des Außenhandels (trotz der Aufhebung des Außenhandelsmonopols 1952) die Aufrechterhaltung einer gewissen Kontrolle über die Preise, über kontigentierungen und über die Zölle in gewissen Sektoren, um - ziemlich schwach - die jugoslawische Wirtschaft zu schützen; aber vor allem ging es um die Kontrolle und Verteilung der Devisen durch den Bund. Als "kolonialistisch" wird die Verteilung eines Teils des wirtschaftlichen Überschusses zugunsten der weniger entwickelten Republiken bezeichnet. Die soziale Zusammensetzung der streikenden Studenten - die vor allem von der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät kamen, allen voran die Söhne von Fabrikdirektoren - bestätigt, um welche Art von Interessen die Bewegung kämpfte. Es scheint, daß die kroatische Arbeiterklasse sich nicht in ein heiliges Bündnis mit den Nationalisten, der Kleinbourgeoisie und den Betriebbürokraten hat hineinziehen lassen, trotz des Aufrufs des Vizerektors der Zagreber Universität, Yvan Cicak.

Das darf aber nicht zu Illusionen über das politische Bewußtsein der Arbeiterklasse gegenüber der Gefahr einer kapitalistischen Restauration, die von der nationalistischen Bewegung ausgeht, verleiten. Wenn das gesellschaftliche Bewußtsein der Arbeiter nicht durch die Teilnahme an der zentralen Machtausübung geschärt wurde, wenn die Arbeiterklasse vö lig zerstückelt ist, wenn das System durch die Logik der Konkurrenz angetrieben wird, dann wird schwer verständlich, wieso die Arbeiter einer bestimmten Republik mit den Opfern, die man von ihr verlangt, dern Verwendug sie aber nicht kontrolliert, inverstanden sein soll. Ein tscheidender Faktor stellt sich allerdings den nationalistischen Bewegungen entgegen: diese greifen die letzten Errungenschaften der Arbeiterklasse an - und darauf wird diese raagieren! Das wird bestätigt durch die städnige Zunahme von Streiks seit 1965, seit der Durchführung der Reformen - umso mehr, als die Zentralbürokratie zur Erhaltung ihrer eigenen Interessen in gewissem Masse der Kombativität der Arbeiter gegen die Technokraten freien Lauf läßt. (Aus ROUGE Nr. 137 vom 18.12.71)