Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Der Sinn des Krieges zwischen Indien und Pakistan

Inprekorr Nr. 10, 15. Dezember 1971 · S. 6-7 · 784 Wörter

Indien und Südasien

Unkorrigierter maschineller Text (OCR). Jede Seite verweist auf ihren Scan; vor dem Zitieren bitte dort prüfen.

DER SINN DES KRIEGES ZWISCHEN INDIENUNDPAKISTAN +**+++++++++++++*+++++++++++++++++++++++++++++***++**************+++ DER INDISCH-PAKISTANISCHE KRIEG IST EIN KONTERREVOLUTIONÄRER KRIEG Zwei vom Imperialismus beherrschte Regime, die auf schmutzigste urd schamloseste Weise die rechtlosesten Massen der Erde ausbeuten, führen auf dem indischen Subkontinent einen Krieg. Dieser Krieg wird geführt zur Verteidigung der widersprüchlichen Interessen einerseits des pakistanischen Regimes, andererseits der indischen Bourgeoisie. Keinesfalls haben die Massen des indischen Subkontinents irgendein Interesse an einem •solchen Krieg.

WAS IST DAS ZIEL DIESES KRIEGES ?

Die Diktatur in Pakistar und tie bürgerliche Regierung in Indien wollen, seine Art und Weise und im Hinblick auf seine eigenen Interessen, jeder auf die bengalische Frage lösen.

Ihr Weg ist verschieden, aber ihre Schlußfolgerung ist die gleiche: sie wollen das enorme revolutionäre Potential liquidieren, das die Entwicklung des nationalen Befreiungskampfes in Bangla-Desh (im ehemaligen Ost-Pakistan) hervorgebracht hat.

Auf pakistanischer Seite bedeutet der Verlust Ostbengalens für die herrschenden Klassen West-Pakistans (hauptsächlich Penjabis) den Verlust des größten Teils der ökonomischen Ressourcen des künstlichen Staates Gesamtpakistan. Pakistan als Einheit hat das Vierteljahrhundert seiner Existenz vom Aderlaß seiner Ostprovinz(Ostbengalen) gelebt. Es steht also die Existenz selbst des Staates Pakistan auf dem Spiel und damit die Existenz seiner herrschenden sozialen Klassen. Die Diktatorenclique in Pakistan hat die Bedingungen ihres Sturzes selbst geschaffen als sie im letzten März keine Zugeständnisse machte und die nationalen Forderungen des bengalischen Volkes mit brutaler Unterdrückung beantwortete. Von ihrem eigenen Standpunkt aus hat sie gegen ihre Interessen gehandelt. Denn damals bewegten sich die Forderungen der Awami-Liga nach relativer Autonomie noch in Rahmen des kapitalistischen pakistanischen Staates. Die Repression erreichte nicht ihr Ziel und heute ist die Militärdikta- Lauf der Ereignisse endgültig überholt. Die Wiedervereinigung der zwei Provinzen Pakistans ist unmöglich.

Auf indischer Seite ist die Gefahr der Ausweitung des nationalen Befreiungskampfes des ostbengalischen Volkes auf Indien und genauer auf den indischen Bundesstaat Ostbengalen seit Beginn der Kämpfe eine permanente. Denn es besteht in Ostbengalen (in Indien also) seit mehrerer Jahren eine vorrevolutionäre Situation. Kalkutta, die Hauptstadt dieses Staates, ist ein geschlossenes Schlachtfeld, auf dem sich die Ordnungskräfte und die Revolutionäre gegenüberstehen. Die zwei Bengalen, der indische und der pakistanische Teil, bilden eine nationale Einheit, die vom Imperialismus und den indischen und pakistanischen Bestandteilen der schwächlichen Bourgeoisie des indischen Subkontinentes zerbrochen wurde. Ihre Wiedervereinigung kann heute nur durch einen revolutionären Kampf erreicht werden, der die herrschenden Klassen des Subkontinents stürzt. Gegen diese konkret gewordene Perspektive setzt die Regierung heute ihre Armee ein. Der Flüchtlingsstrom von fast oder mehr als zehn Mil-

Seite 7

lionen Bengalis aus dem Ostteil Bengalere hat noch zur Verschärfung der sozioökonomirchen Bedingungen in Westbengalen beigetragen und seinen Charakter als re olu: onäres Pulverfass im Schoße der indischen Föderation noch deu liner hervortreten lassen.

Und die Krönung des Ganzen: das Auftreten von unabhängigen revolutionären Streitkräften. die offen nu: ien Sturz des kapitalistischen Regimes in Indier und Pakistan hinarbeiten, begirnt das Regime Indira Ghandis zu beunruhigen. Die Umwandlung des nationalen Befreiungskampfes von Bangla-Desh in einen Kampf aller benglaischen Massen für ihre nationale und soziale Emanzipation ist die Hauptgefahr für die indische Regierung. Gegen diesen neuen revolutionären Herd in Agien hat die indische Bourgsoisie ihren Repressionsapparat eingesetzt. UMWANDLONG DES KONTERREVOLUTIONÄREN KRIEGS IN EINEN REVOLUTIONÄREN BÜRGERKRIEG !

Die indische Regierung will in Ostbengalen eire bürgerliche Regierung einsetzen. Diese kann sich nur aus der Awami-Liga rekrutieren, die zu einem Anhängsel der indischen Regierung geworden ist. Die bengalischen Mukti Bahini sind teilweise -- jedenfalls die, die von det Awami- Liga abhängig sind •. in die indische Armee integriert. Der militärische Sieg der indischen Truppen in Bangla-Desh bedeutet keinesfalls die Befreiung des bengalischen Volkes. sondern die Ersetzung des sich gerade entwickelnden re clutionären Krieges des bengalischen Volkes durch den Einsatz einer revolutionären bürgerlichen Armee. Die indische bourgecisie will Bengalen geleilt halten und gleichzeitig als der Retter der bengal ischen Nation das'eheh. Diese Mystifikation wird für einige Zeit eine gerinse Rolle bei den bengalischen Massen spielen. Sie wird ihnen aber nicht die Unfähigkeit jeder kürgerlichen Regierung verbergen könner, wenn es darum geht die Probleme der Massen zu lösen. Nach diesem Krieg wird keine Bourgeoisie der Telt auch nur die geringster Investitionen in Ostbengalen vornehmen. Die soziale Unbeständigkeit ist zu groß. Der einzige Ausweg für die bengalischen Massen ist der Kampf für die soziale Befreiung. der revolutionäre Krieg gegen die Bourgeoisie und den Imperialismus. Der indische Subkontinent wird für die siebziger Jahre das werden, was die vietnamesische und indochinesische Revolution für die sechziger Jahre war. Die Revolution in Asien nimmt mit der revolutionären Krise in Bengalen einen neuen Aufschwung, der die Rolle Asiens als Epizentrum der Weltrevolution bestätigt. (Fouge 136, vom 11. 12 71)